Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht...

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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Sylliska
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Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht...

Beitrag von Sylliska » 29.05.15, 14:53

Finde es zunehmend erschreckend, wie viele Anfragen hier im Forum gestellt werden, die eindeutig darauf schließen lassen, sich vor einer einmal übernommenen Verantwortung zu drücken. Z. B. Ware bestellt, nicht bezahlt, wie kann man den GV, etc. umgehen o. ä.

Im heutigen Bürokratendschungel mag es sicherlich oftmals schwer für uns Menschlein (Verbraucher... hach ja...) sein, den Durchblick in rechtlicher Hinsicht zu behalten. Und somit steht es jedem zu, sich eingehend zu informieren. Wenn das Ziel jedoch ist, sich der Verantwortung entledigen zu wollen, ist es nicht mehr spaßig.

Nicht nur hier fällt das auf. Z. B. regelmäßige Begebenheit auf meinem Nach-Hause-Weg: ich muß eine Straße entlangfahren, auf deren einer Seite immer viele Autos parken. Auf meiner Seite ist die Straße jedoch frei. Gem. StVO hab ich also Vorfahrt. Gerade vorgestern passiert: fährt mir eine Kombifahrerin sehenden Auges munter entgegen - und verlangt dann auch noch, daß ich doch wohl gefälligst rückwärts zu fahren habe, um ihr Platz zu machen. Als ich zunächst einfach mal stehengeblieben bin, wurde wild gestikuliert und schließlich - wie ein kleines Kind -> es war ein Bild für Götter! - ein Fluntsch gezogen. Ich mußte letztlich wirklich lachen. Was sie noch mehr auf die Palme brachte.

Ach ja, und zum Thema Verbaucher: manchmal denke ich, man darf die Leute nicht mal mehr alleine über die Straße laufen lassen - es könnte ja ein Bus kommen...

Das Thema hat sicherlich potential für philosophische Überlegungen. :lol:

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 29.05.15, 15:07

Sylliska hat geschrieben:....
Das Thema hat sicherlich potential für philosophische Überlegungen. :lol:
... und sollte m.E. nicht in der Speakers-Corner diskutiert werden, - daher Thread verschoben. ;-)

PurpleRain
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von PurpleRain » 29.05.15, 15:53

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:daher Thread verschoben. ;-)
Wenn ich mir den ersten Beitrag so durchlese, dürfte der Thread spätestens in 24 Stunden wieder SC-reif sein :lachen:
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

Newbie2007
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Newbie2007 » 29.05.15, 16:44

Sylliska hat geschrieben: Ach ja, und zum Thema Verbaucher: manchmal denke ich, man darf die Leute nicht mal mehr alleine über die Straße laufen lassen - es könnte ja ein Bus kommen...
Da zitiere ich einfach mal Wikipedia:
Verbraucherschutz ... bezeichnet die Gesamtheit der Bestrebungen und Maßnahmen, die Menschen in ihrer Rolle als Verbraucher/Konsument von Gütern oder Dienstleistungen schützen sollen. Dieser Schutzbedarf beruht auf der Grundlage, dass Verbraucher gegenüber den Herstellern und Vertreibern von Waren und gegenüber Dienstleistungsanbietern strukturell unterlegen sind, das heißt infolge geringerer Fachkenntnis, Information, Ressourcen und/oder Erfahrung benachteiligt werden können. Anliegen und Aufgabe des Verbraucherschutzes ist es, dieses Ungleichgewicht sinnvoll auszugleichen und dem Verbraucherinteresse gegenüber der Anbieterseite zu einer angemessenen Durchsetzung zu verhelfen.
Es geht demnach also nicht darum, den Verbraucher vor seiner eigenen Dummheit zu schützen, sondern darum, ein strukturelles Ungleichgewicht auszugleichen.

Ronny1958
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Ronny1958 » 29.05.15, 17:44

Mittlerweile sind auch Gewerbetreibende nicht in der Lage ohne Verbraucherschutz auszukommen.

Gerade wieder so eine Abzockemasche auf dem Markt. Zielgruppe die sog. Kleingewerbetreibenden ....

Stichwort: Gewerberegistrat
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Zafilutsche » 02.06.15, 10:31

Sylliska hat geschrieben: ich muß eine Straße entlangfahren, auf deren einer Seite immer viele Autos parken. Auf meiner Seite ist die Straße jedoch frei. Gem. StVO hab ich also Vorfahrt. Gerade vorgestern passiert: fährt mir eine Kombifahrerin sehenden Auges munter entgegen - und verlangt dann auch noch, daß ich doch wohl gefälligst rückwärts zu fahren habe, um ihr Platz zu machen. Als ich zunächst einfach mal stehengeblieben bin, wurde wild gestikuliert und schließlich - wie ein kleines Kind -> es war ein Bild für Götter! - ein Fluntsch gezogen. Ich mußte letztlich wirklich lachen. Was sie noch mehr auf die Palme brachte.
Könnte vor meiner Haustür gewesen sein :oops: Das spiel passiert nämlich von Zeit zu Zeit, nämlich immer dann wenn zwei Sturköppe aufeinander prallen. Die Kommunikation besitzt schon unterhaltungswert. Demnächst biete ich den Verkehrsteilnehmern und Zuschauern Popcorn und Limo an :devil:
Naja hier war die Vorfahrt eingebaut.

Mount'N'Update

Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Mount'N'Update » 05.06.15, 20:46

Sylliska hat geschrieben:Finde es zunehmend erschreckend, wie viele Anfragen hier im Forum gestellt werden, die eindeutig darauf schließen lassen, sich vor einer einmal übernommenen Verantwortung zu drücken. Z. B. Ware bestellt, nicht bezahlt, wie kann man den GV, etc. umgehen o. ä.
Ich glaube, in einem Rechtsstaat muss man das aushalten können. Die Fülle der Regulierungen hat dazu geführt, dass viele meinen, was nicht explicit im Gesetz stehe, könne auch so nicht gelten. Wieder andere interpretieren Gesetze, trotz aller Formulierungssorgfalt, immer noch falsch. Ein Phänomen, das nicht nur Verbraucher nutzen, sondern auch die "Gegenseite". Daher sind solche Fragen richtig und wichtig, in den konkreten Fällen allerdings in der Tat fast immer überflüssig.

Allein an den vielen Beiträgen in diesem wunderbaren (!) Forum (bin seit 2007 dabei) erkennt man, dass eben nicht alles durchformuliert sein kann. Man muss verstehen, was da steht und wie das gemeint ist. Kein Wunder, dass man dafür studieren muss. :mrgreen:

Name4711
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Name4711 » 05.06.15, 23:36

Mount'N'Update hat geschrieben: Die Fülle der Regulierungen hat dazu geführt, dass viele meinen, was nicht explicit im Gesetz stehe, könne auch so nicht gelten. Wieder andere interpretieren Gesetze, trotz aller Formulierungssorgfalt, immer noch falsch. Ein Phänomen, das nicht nur Verbraucher nutzen, sondern auch die "Gegenseite". Daher sind solche Fragen richtig und wichtig, in den konkreten Fällen allerdings in der Tat fast immer überflüssig.

Allein an den vielen Beiträgen in diesem wunderbaren (!) Forum (bin seit 2007 dabei) erkennt man, dass eben nicht alles durchformuliert sein kann. Man muss verstehen, was da steht und wie das gemeint ist. Kein Wunder, dass man dafür studieren muss. :mrgreen:
Ganz so ist es glaube ich nicht. Das Problem kommt vielmehr von zwei Seiten:

Zunächst ist der Sinn und oder Anwendungsbereich der meisten Gesetze aus dem nackten Gesetzestext kaum oder nur unsicher ersichtlich. Aus drei Zeilen §-Text im BGB werden dann schnell mal zahlreiche Seiten im Staudinger und ein Bündel von Entscheidungen höherer Gerichte und Verweise auf Veröffentlichungen dazu (z,B NJW.....)
Ich denke mal wenn man nicht auf den Kopf gefallen ist, könnte jeder sich da ggf. einlesen, dass er sodann auch als Laie bei der "interpretation" der Gesetze nicht so weit daneben liegen muss....
Die eine Seite - oder das erste Problem ist, dass die Juristerei hier nicht unbedigt für ihre Transparenz berühmt ist - das fängt schon damit an, dass man so einen Großkommentar erstmal in die Finger bekommen muss, was nicht ganz so leicht aber gerade für Laien verständlicher ist, als der aküfi i Palandt... Zeitschriften und Urteile nächstes Problem....
Insgesamt ist die Informationsbeschaffung diesbezüglich für den interessierten Laien aufwendig und /oder kostenintensiv -sowas wie ein "Linus Torvalds" der Juristen oder sowas wie eine "open source" Kuötur für Rechtsgelehrte ist nicht in Sicht. Populärwissenschaftlich wird auch kaum was sinnvolles publiziert was schon das materielle Recht als etwas für den Mann auf der Starße sehr nebulöses und aus präkonzepten bestehendes erscheinen lässt.

Das war aber erst die Dornenhecke des Rechts - unüberwindlich ist dann der Graben dessen, was in den Büchern mit PO auf dem Einband steht und was die Institutionen daraus machen. Das ist dann wirklich nur noch etwas für die Eingeweihten und man mag sich da auch nicht wirklich mit auseinandersetzen.

Als Konstante kann man letztlich nur feststellen, das "recht" auf allen Ebenen erstmal etwas mit Geld zu tun hat - und ja - man manchmal auch den Eindruck hat der eigentliche Zweck - (wie in jedem anderen Geschäftszweig auch) . ist das generieren eines Umsatzes....
Dieser Umstand ist aber nichteinmal entscheidend - das Problem das daraus entsteht, ist , dass man "Recht" heute - mir geht es jedenfalls so - mit zunehmender Beschäftigung damit nicht mehr als gerecht oder moralsich (was immer das heißen mag) empfindet.

Und da wo das Rechtsystem als undurchsichtig und ungerecht erscheint, möchte man nicht der einzige Trottel sein, der sich moralisch verhält oder sich dem "Recht" unterwirft - irgendwie mogelt man sich in diesem undurchsichten Dickicht da schon raus.

Verträge werden nur erfüllt, wenn die Beweiskette lückenlos ist - und wer bei Rot an der Fßgängerampel stehen bleibt, ist ein "Opfer"

Der TE schrieb:
Finde es zunehmend erschreckend, wie viele Anfragen hier im Forum gestellt werden, die eindeutig darauf schließen lassen, sich vor einer einmal übernommenen Verantwortung zu drücken. Z. B. Ware bestellt, nicht bezahlt, wie kann man den GV, etc. umgehen o. ä.
Das passiert wahrscheinlich weil es so gut funktioniert...

Nadruo
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Re: Und die Moral von der - gesellschaftlichen - Geschicht..

Beitrag von Nadruo » 08.06.15, 14:01

Um den philosophischen Ansatz nochmals aufzugreifen:

Die Welt gewinnt immer an Inhalt dazu, der widerum auch neue Gesetze und Regelungen fordert,
die auch erst einmal festgelegt werden müssen. Viele Reformen kommen da gar nicht schnell
genug hinterher. Mit der Welt werden auch die Gesetze immer komplexer.

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