Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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windalf
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 15.03.18, 15:11

Und dann koppelt man den Mindestlohn an die Entwicklung der SGB II Leistungen.
Wenn das nicht im Ergebnis dazu führen würde, dass noch mehr Leute am Arbeitsmarkt für nix mehr zu gebrauchen sind (weil die eben ihre Kosten nicht einspielen) wäre das vermutlich eine gute Idee...
Deswegen frage ich ja, ob du eine Neiddebatte führen willst, das kommt nicht klar rüber. Auf der einen Seite sagst du, man dürfe Armut nich anhand dessen definieren, was andere sich erarbeitet haben und sich nicht mit anderen Vergleichen, um Armut zu definieren, auf der anderen Seite argumentierst du, diejenigen, die sich als arm definieren, sollten mal schauen, wie wenig andere haben.
Das eine schließt das andere nicht aus. Der Vergleich mit "gucken was andere haben" zielt nur darauf ab, dass es tatsächlich Leute gibt, die arm sind. Nämlich die Leute die ihre Grundbedürfnisse nicht gedeckt bekommen... Wer bei uns lebt bekommt seine Grundbedürfnisse aber mit dem Hartz IV-Satz mehr als gedeckt und ist von arm weit entfernt. Meine Gesamtaussage war nur, es ist keine Begründung jemanden mehr zu geben (und jemand anderen mehr zu nehmen) alleine aus dem Grund weil der andere ja soviel hat. Ein Grund für mehr Wegnehmen sollte nur sein, dass er andere sonst nicht überleben kann und nicht, dass der sich auch noch das tollste neuste Handy kaufen können muss...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Charon-
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Charon- » 15.03.18, 15:57

windalf hat geschrieben:dass noch mehr Leute am Arbeitsmarkt für nix mehr zu gebrauchen sind (weil die eben ihre Kosten nicht einspielen) wäre das vermutlich eine gute Idee
Ich glaube, dieses Argument ist in Boomzeiten, in denen allenthalben händeringend Personal gesucht wird, ziemlich obsolet.
windalf hat geschrieben:Nämlich die Leute die ihre Grundbedürfnisse nicht gedeckt bekommen
Was ist denn mit den Leuten, die z.B. auf Grund langer Antragsbearbeitungszeiten kein Geld bekommen haben und nun eine Strom- oder Heizmittelsperre erhalten haben? Deren Grundbedürfnis ist nicht gedeckt. Sind die dann arm nach deiner Ansicht?
windalf hat geschrieben:dass der sich auch noch das tollste neuste Handy kaufen können muss
Und du meinst, das geht mit 13 Euro am Tag?
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Evariste
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Evariste » 15.03.18, 16:00

windalf hat geschrieben: Schon mal in ein Hartz IV Haushalt geguckt? Für Fernseher und PS4 ist da immer Platz.
Das ist das typische Stammtischgerede über Hartz-IV-Empfänger. (Bis vor kurzem ging es um noch um den "Flachbildfernseher", der angeblich bei jedem Hartz-IV-Empfänger steht, aber mittlerweile ist selbst an den Stammtischen aufgefallen, dass es schon seit vielen Jahren gar keine Röhrenfernseher mehr zu kaufen gibt).

Und diese Leute klatschen dem Herrn Spahn Beifall. Ist doch kein Wunder, dass das dann viele ärgert. Wie es genau gemeint war, ist dann eigentlich egal.

windalf
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 15.03.18, 16:17

Ich glaube, dieses Argument ist in Boomzeiten, in denen allenthalben händeringend Personal gesucht wird, ziemlich obsolet.
Auch dieses Personal will bezahlt sein. Bestimmte Leistungen kauft niemand (bzw. wird weniger nachgefragt), wenn die zu teuer sind...
Und du meinst, das geht mit 13 Euro am Tag?
Ne deswegen kauft man sich irgendwas für nen Appel und nen Ei. Man bekommt Elektronik wenn die nicht das allerneuste sein muss nahezu geschenkt. Das bezog sich darauf, dass diese Haushalte vermeintlich materielle Probleme haben. Wer sich nicht blöd anstellt hat keine materiallen Probleme, weil es das fast alles zum Nulltarif gibt, wenn man nicht das Neuste haben muss. Ein Problem sind dann eher die Stromkosten.
Was ist denn mit den Leuten, die z.B. auf Grund langer Antragsbearbeitungszeiten kein Geld bekommen haben und nun eine Strom- oder Heizmittelsperre erhalten haben? Deren Grundbedürfnis ist nicht gedeckt. Sind die dann arm nach deiner Ansicht?
Die sind dann meist selbst schuld, weil die sich nicht rechtzeitig gekümmert haben... Kein Geld um irgendwas zu bezahlen hat man nicht von heute auf morgen. Gerade in dem Bereich ist es doch auch so, dass die Leute gar nicht wissen (obwohl die den ganzen Tag dafür Zeit hätten es zu wissen) wieviel Strom die wann und wofür überhaupt verbraucht haben und dass da ggf. in einem Jahr eine große Rückzahlung kommt. Wer regelmäßig seine Zählerstände abliest und hochrechnet, sein Vebrauchsverhalten anpasst bekommt dieses Problem gar nicht erst.
Das ist das typische Stammtischgerede über Hartz-IV-Empfänger.
Ne ist klar. In den HartzIV-Haushalten stehen also keine Fernseher? Hier sind doch auch wieder nur die Betriebskosten ein Problem. Alte Flachbildschirme werden teilweise verschenkt. Man braucht nur Zeit um die Dinger abzuholen...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Charon-
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Charon- » 15.03.18, 17:09

windalf hat geschrieben: Bestimmte Leistungen kauft niemand (bzw. wird weniger nachgefragt), wenn die zu teuer sind
Und an was hattest du da so gedacht?
windalf hat geschrieben:Ne deswegen kauft man sich irgendwas für nen Appel und nen Ei.
Na was denn nun, das teuerste Handy, oder doch nur der verschenkte Fernseher?
windalf hat geschrieben: Ein Problem sind dann eher die Stromkosten [..]Wer regelmäßig seine Zählerstände abliest und hochrechnet, sein Vebrauchsverhalten anpasst bekommt dieses Problem gar nicht erst.
Ja, was denn nun?
windalf hat geschrieben:Kein Geld um irgendwas zu bezahlen hat man nicht von heute auf morgen
Hmm, ich sehe schon, noch nie für einen Arbeitgeber gearbeitet, der das Gehalt nicht bezahlt.. Es gab doch gerade erst eine Erhebung, dass ca. 40% der Haushalte nicht genug Barvermögen haben, um einen Monat Gehaltsausfall kompensieren zu können...

Aber um auf meine Frage zurückzukommen: Sind diese Leute nun arm oder nicht? Und wenn nein, warum nicht?
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windalf
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 15.03.18, 17:35

Und an was hattest du da so gedacht?
Was konkret meinst du?
Na was denn nun, das teuerste Handy, oder doch nur der verschenkte Fernseher?
Das teurste Handy dann, wenn der Regelsatz noch nach oben geschraubt wird, wie es der eine oder andere scheinbar fordert, weil man mit dem Hartz IV Regelsatz ja ach so arm dran ist.
Ja, was denn nun?
Es empfiehlt sich halt als Hartz IV Empfänger (eigentlich empfiehlt es sich immer) seinen Stromverbrauch im Blick zu behalten und entsprechend zu wirtschaften. Nur weil man nicht direkt sieht wie das Bargeld im Portenmonaie wenig wird heißt das trotzdem nicht, dass man da mit rumasen sollte...
Hmm, ich sehe schon, noch nie für einen Arbeitgeber gearbeitet, der das Gehalt nicht bezahlt..
Und selbst wenn. Ich habe mir schon immer Reserven angelegt bevor ich anfange mir irgendwas zu kaufen, auf was ich eigentlich verzichten kann.
Es gab doch gerade erst eine Erhebung, dass ca. 40% der Haushalte nicht genug Barvermögen haben, um einen Monat Gehaltsausfall kompensieren zu können...
Vielelicht halt doch lieber erstmal Geld zurücklegen bevor man irgendwelches Zeug kauft, was man eigentlich nicht wirklich benötigt. Wenn man das nicht berherzigt, dann hat man halt am Ende ein Problem.
Aber um auf meine Frage zurückzukommen: Sind diese Leute nun arm oder nicht?
Nein Sie sind es nicht
Und wenn nein, warum nicht?
Weil Ihnen mehr als genug zum Leben bleibt und Grundbedürfnisse problemlos befriedigt werden können (unter der Annahme man stellt sich nicht dämlich an)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

Cordelia
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Cordelia » 15.03.18, 20:08

windalf hat geschrieben:Solidarität sollte nur der bekommen, der die verdient hat.
Wie "verdient" man sich denn Solidarität?
windalf hat geschrieben:Von Armut selbst ist man als Hartz IV Empfänger weit entfernt
Nur mal so als Vergleich: Jedes 7. Kind lebt von Hartz IV, jedes 5. Kind ist armutsgefährdet.
windalf hat geschrieben:Erhebliche materielle Entbehrung? Das ich nicht lache. Schon mal in ein Hartz IV Haushalt geguckt? Für Fernseher und PS4 ist da immer Platz. Die Zeit materialler Entbehrung gibt es nicht mehr.
Materielle Entbehrung (Deprivation) wird anhand von definierten Entbehrungen gemessen (Probleme Miete zu bezahlen oder angemessen heizen zu können, Fehlen eines Farbfernsehgeräts, eines Telefons oder einer Waschmaschine im Haushalt etc.). „Materiell depriviert“ (3 von 9 Entbehrungen) sind immerhin 11 % der Bevölkerung, bei „erheblich materiell depriviert“ (4 von 9 Entbehrungen) sinkt die Quote auf 4,7 %.
windalf hat geschrieben:Ich diskutiere gern über Zahlen Daten Fakten. Dann mal her damit
Aber gerne doch:

Gem. dem 5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (Daten aus 2015) sind 15,5 % der Bevölkerung armutsgefährdet (Parität. Wohlfahrtsverband 15,7 %) und verdienten weniger als 60 % des Medianäquivalenzeinkommens der Bevölkerung. (Die Armutsgefährdungsschwelle für Alleinstehende lag bei 942 Euro, bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 6 Jahren bei 1.192 Euro, für ein Paar mit 2 Kindern unter 14 Jahren bei 1.978 Euro.)

Die Höhe der Armutsgefährdungsschwelle und – quoten hängt von einer Reihe methodischer Entscheidungen ab. Welche Datenquelle genutzt wird (Mikrozensus , SOEP oder EU-SILC ), welche Skala zur Berechnung des Äquivalenzeinkommens (alte oder neue OECD-Skala), welcher Mittelwert (Median) gewählt wird usw. Das eröffnet einen gewissen politischen Spielraum. Der Erste Armutsbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2001 wies noch Armutsgefährdungsquoten aus, die sich einmal aus dem arithmetischen Mittel und einmal aus dem Median ergaben. Die erstere lag mit 10,5 % deutlich höher als die mit dem Median berechnete in Höhe von 6,2 %, seitdem wird nur noch der Median ausgewiesen.

Besonders von Armut betroffen sind Erwerbslose, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund und Familien mit 3 oder mehr Kindern. Die Gründung einer Familie gehört laut Sozialforschern zu den größten Armutsrisiken. Obwohl die Erwerbstätigenquote bei Alleinerziehenden zunimmt steigt das Armutsrisiko. Dazu trägt nicht nur Teilzeitarbeit bei sondern auch der Niedriglohnsektor und frauentypische Berufe, die seit jeher schlecht bezahlt werden. Frauen zahlen den Preis für ein funktionierendes Familienleben.

Auch die Armut unter Rentnern steigt, der Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hält die Armutsentwicklung der Rentner/innen gar für „alarmierend“. Die Armutsquote stieg innerhalb von 10 Jahren von 10,7 % auf 15,9 %, das ist ein Zuwachs von 49%. Die Zahl der Rentner/innen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Die Rentenerhöhungen sind seit 2003 4,4 % hinter der Lohnentwicklung zurückgeblieben, bis 2029 werden es weitere 8 Prozentpunkte sein. Für einen Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren entspräche das einem Wertverlust von 2.939 Euro/Jahr. Auf Grundlage aktueller Schätzungen der Bundesregierung zur Beitragsentwicklung bedeutet das, dass im Jahr 2045 selbst für jemanden,der immer Beiträge in Höhe des Durchschnittseinkommens gezahlt hat, 32,8 Jahre Beitragszahlungen vorliegen müssen um wenigstens eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu bekommen. Wer nur die Hälfte davon einzahlen konnte, müsste dafür 65,6 Jahre gearbeitet haben.

Das Volkseinkommen (alle Erwerbs- und Vermögenseinkommen zusammen) ist deutlich gestiegen. 2015 lag es 10,2 % über dem Niveau von 2012, noch deutlicher war der Anstieg im Zeitraum 2000-2005. Dabei entfiel der größte Teil des Anstiegs auf Unternehmens- und Vermögenseinkommen (Anstieg um 30,9 %), während die Löhne zurückblieben (2,4 %). 2007 war die bereinigte Lohnquote sogar auf historischen Tiefstand. Im Zeitraum 2004-2008 gingen die Netto-Reallöhne zurück, Folge des Lohndumpings mit Ausbreitung des Niedriglohnsektors. Während die Reallöhne zurückblieben stiegen die Einkommen von Geschäftsführern im Zeitraum 1997 – 2014 um 42%, die Einkommen der Vorstände um 59 % und die der DAX-Vorstände um 186 %. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum stiegen die Einkommen der Durchschnittsverdiener um 15 %.

Für das Entstehen von Reichtum bzw. hohem Vermögen sind vor allem 2 Gründe ausschlaggebend: Erbschaft und Unternehmertum. Während man jedoch bei Hartz IV-Empfängern über jeden Cent Bescheid weiß, werden die Einkommen der vermögensten Haushalte (obere 10 %) nur geschätzt. Je höher das Vermögen umso höher der Unsicherheitsfaktor. Geschätzt wird auch die Anzahl der Obdachlosen mit steigender Tendenz, die Zahl stieg von 2012 bis 2014 um rund 50 %. Besonders betroffen sind Jugendliche, etwa ein Fünftel der Obdachlosen ist noch minderjährig.

Zum Thema Neiddebatte: Möglicherweise hältst Du es für eine herausragende Errungenschaft, dass hier niemand verhungert. Für den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft ist es jedoch elementar wichtig, dass die Lebensbedingungen der Menschen nicht zu weit auseinanderklaffen. Das Versprechen der Leistungsgesellschaft ist längst kalter Kaffee, die Verlierer sind wir alle. Während Reallöhne stagnieren und sich Manager und Großaktionäre jedes Jahr steigende Millionenbeträge genehmigen, werden immer mehr Menschen abgehängt und verlieren den Glauben an die Demokratie. Genau das bereitet doch den Boden für Rechtspopulisten.

Celestro
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Celestro » 15.03.18, 21:09

windalf hat geschrieben:Ich diskutieren gern über Zahlen Daten Fakten. Dann mal her damit.
Du willst also den Hartz 4 Regelsatz senken, um den Anreiz der Arbeitsaufnahme erhöhen, damit die Menschen nicht mehr in Armut leben.

Dann kommen wir mal zu den Fakten:

Offene Stellen in Deutschland 2018 ca. 750.000.

Arbeitslose in Deutschland 2018 rund 2,56 Millionen.

Also mal ganz abgesehen von der Tatsache, daß die Zahl der Arbeitslosen geschönt ist und es in Deutschland weitaus mehr Menschen gibt, die dort eigentlich dazu gerechnet werden müßten. Die Fakten sagen, daß für gerade einmal 30% der Arbeitslosen überhaupt ein Arbeitsplatz da ist. Und was passiert, wenn diese Arbeitslosen jetzt auf den Arbeitsmarkt strömen ? Genau ... die Löhne sinken. Da es jetzt schon Menschen gibt, die trotz Arbeit in Armut leben, wirst Du mit dieser "Idee" noch mehr Probleme verursachen.

Gut gemacht Windalf ! :roll:

Charon-
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Charon- » 16.03.18, 06:16

windalf hat geschrieben:Was konkret meinst du?
Naja, du schreibst, dass bestimmte Stellen wegfallen, weil die sich nicht mehr rechnen. Nun ist meine Frage, an welche Bereiche du gedacht hast, wenn du von "bestimmten" Stellen schreibst.
windalf hat geschrieben:Das teurste Handy dann, wenn der Regelsatz noch nach oben geschraubt wird
Du meinst also, bei einer Erhöhung um 50 oder 100 Euro im Monat wird es dann möglich sein, sich davon das teuerste Handy zu kaufen?
windalf hat geschrieben:seinen Stromverbrauch im Blick zu behalten und entsprechend zu wirtschaften.
Also sind Stromkosten kein Problem?
windalf hat geschrieben:bevor ich anfange mir irgendwas zu kaufen, auf was ich eigentlich verzichten kann.
Das ist nicht das Thema, die Frage ist, wie es um deine Finanzen bestellt wäre, wenn dein Arbeitgeber kein Gehalt mehr zahlt. Wie lange könntest du dann von dem, was du an verfügbarem Geldvermögen hast, deine monatlichen Ausgaben weiter bestreiten?
windalf hat geschrieben:Weil Ihnen mehr als genug zum Leben bleibt und Grundbedürfnisse problemlos befriedigt werden können
Das Grundbedürfnis "Wohnen" kann aber in einer Wohnung ohne Strom (und damit wahrscheinlich auch ohne Heizung) schwer gedeckt werden. Also reicht es zum arm sein nicht aus, dass die Grundbedürfnisse nicht gedeckt sind, es braucht auch noch ein subjektives Element, dass der Arme nicht schuld sein darf an seiner Situation?
Celestro hat geschrieben:Offene Stellen in Deutschland 2018 ca. 750.000.
Wobei man in aller Fairness sagen muss, dass dies nur die Stellen sind, die bei der Agentur für Arbeit registriert sind, und selbst die Agentur davon ausgeht, dass nur ca. 30% aller Stellenangbote bei ihr gemeldet werden. Da aber auch bei weitem nicht alle Arbeitslosen bei der Agentur gemeldet sind, kann man davon ausgehen, dass die Anzahl der Arbeitsuchenden immer noch deutlich über der Zahl der Arbeitsstellen liegt.
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windalf
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 16.03.18, 08:45

Und an was hattest du da so gedacht?
Nimm halt verschiedene Dienstleistungen wie "Putzen", "Haare schneiden", usw... Wenn du die Kosten da hochschraubst, dann wird das halt weniger nachgefragt.
Nur mal so als Vergleich: Jedes 7. Kind lebt von Hartz IV, jedes 5. Kind ist armutsgefährdet.
Jaja nach der vermeintlichen Armut bezogen auf ein Hartz IV Regelsatz. Ich wiederhole es gern noch einmal. Wer in der Lage ist gut zu wirtschaften, der kommt auch mit einem Hartz IV Regelsatz gut aus. Wer sich dämlich anstellt, kommt damit nicht gut aus.
Materielle Entbehrung (Deprivation) wird anhand von definierten Entbehrungen gemessen (Probleme Miete zu bezahlen oder angemessen heizen zu können, Fehlen eines Farbfernsehgeräts, eines Telefons oder einer Waschmaschine im Haushalt etc.). „Materiell depriviert“ (3 von 9 Entbehrungen) sind immerhin 11 % der Bevölkerung, bei „erheblich materiell depriviert“ (4 von 9 Entbehrungen) sinkt die Quote auf 4,7 %.
Nochmal zum dämlich anstellen. Meine Waschmaschine zum Beispiel habe ich mir für 10 EUR besorgt. Über Kleinanzeigen zwei defekte gekauft und daraus dann eine funktionierende gemacht. Noch ein paar Kleinteile über die Bucht und schon hatte ich eine Waschmaschine. Und nein ich bin nicht "gelernter Waschmaschinenreparatuer". Aber auch so. Hardware gibt es fast zum Nulltarif. Reparaturanleitungen gibt es im Netz ohne Ende. Man muss sich nur selbst kümmern statt im Blödelmarkt Geld ohne Ende auszugeben. Wenn ich das schon (der viel Geld hat) schaffe zu sparen ohne Ende, dann kann das jemand mit wenig Geld und viel Zeit problemlos auch. Man muss das nur tun (Arsch hochbekommen) und seinen Kopf benutzen. Das die Kinder drunter leiden, wenn die Eltern sich dämlich anstellen. Das ist wohl leider so. Am besten wäre es wohl diesen Eltern die Kinder wegzunehmen... Unter materiellen Entbehrungen muss in Deutschland mit Hartz IV-Regelsatz nur derjenige, der nichts anderes kann als im Blödlmarkt einzukaufen...

Das sich viele dämlich anstellen stelle ich nicht in Abrede. Warum aber alle anderen dafür bezahlen sollen will mir nicht einleuchten...
Also sind Stromkosten kein Problem?
Nicht für die, die sich nicht dämlich anstellen. Ich kann zum Beispiel taggenau sagen, wieviel Strom ich wann wofür verbraucht habe obwohl das für mich finanziell kein großer Posten mehr ist. Frage doch mal in deiner Bekannschaft rum, wer das exakt kann. Einer von 100. Warum das nicht jeder Hartz IV-Empfänger macht obwohl er knappe Ressourcen hat will mir bis heute nicht einleuchten. Das ist kein rocket science. Das ist pure Faulheit das nicht zu tun. Wenn man sich das leisten kann ist das ok. Wenn man sich das nicht leisten kann ist es das aber nicht.

Dann kommen wir mal zu den Fakten:

Offene Stellen in Deutschland 2018 ca. 750.000.

Arbeitslose in Deutschland 2018 rund 2,56 Millionen.
Ja das es einen am Arbeitsmarkt überhaupt nicht zu gebrauchenden Bodensatz gibt, will ich nicht in Abrede stellen. Wenn diese Leute tatsächlich arbeiten wollen, dann müssten die halt etwas dafür tun und sich entsprechend im Eigenstudium dafür qualifzieren. Ich komme aus einer Sozialhilfefamilie. Mir hat keiner geholfen. Alles was ich habe, habe ich mir selbst erarbeitet. Daher weiß ich, dass diese vermeintlich Mär von Aufstieg ist nicht möglich und aus eigener Kraft kann heute niemand mehr etwas erreichen Blödsinn ist. Es geht man muss es nur wollen
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Charon- » 16.03.18, 09:27

windalf hat geschrieben:Wenn du die Kosten da hochschraubst, dann wird das halt weniger nachgefragt.
Das ist aber nicht das gleiche wie "dann spielen die Mitarbeiter die Kosten nicht mehr rein".
windalf hat geschrieben: Ich kann zum Beispiel taggenau sagen, wieviel Strom ich wann wofür verbraucht habe
Und warum kannst du das sagen?
windalf hat geschrieben:Ich komme aus einer Sozialhilfefamilie
Und, wie kamt ihr finanziell klar?
windalf hat geschrieben:Mir hat keiner geholfen.
Du hast x Jahre Sozialhilfe bekommen (BaföG o.ä. lassen wir mal aus), aber dir hat keiner geholfen?
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 16.03.18, 09:49

Das ist aber nicht das gleiche wie "dann spielen die Mitarbeiter die Kosten nicht mehr rein".
Nein das ist das Ergebnis von die Mitarbeiter spielen die Kosten nicht mehr rein...
Und warum kannst du das sagen?
Weil ich meinen Stromverbrauch schon immer gemonitort habe...

Gegenüber früher kann man sich für unter 100 EUR auch etwas zusammenbasteln, dass das ganz genau trackt (wenn man keine Lust hat das ständig von hand in eine Exceltabelle zu tippern)...

http://www.meintechblog.de/2013/10/smar ... erbrauchs/
Und, wie kamt ihr finanziell klar?
Naja man musste sich halt kümmern und wirtschaften. Im Gegensatz zu früher war die Materialarmut da deutlich ausgeprägter, weil es gegenüber heute nicht so einfach war sich für lau zu beschaffen, was man haben möchte/benötigt. Heute in Zeiten des Internets ist das ja ein Traum...
Du hast x Jahre Sozialhilfe bekommen (BaföG o.ä. lassen wir mal aus), aber dir hat keiner geholfen?
Ja bis ich 16 war. Dann bin ich ausgezogen und habe mein Geld alleine verdient und mich um alles selbst gekümmert. Bafög habe ich nie bekommen. Dafür habe ich dann (neben der Schule/Uni) zu viel verdient...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Celestro » 16.03.18, 10:33

windalf hat geschrieben: Ja das es einen am Arbeitsmarkt überhaupt nicht zu gebrauchenden Bodensatz gibt, will ich nicht in Abrede stellen. Wenn diese Leute tatsächlich arbeiten wollen, dann müssten die halt etwas dafür tun und sich entsprechend im Eigenstudium dafür qualifzieren. Ich komme aus einer Sozialhilfefamilie. Mir hat keiner geholfen. Alles was ich habe, habe ich mir selbst erarbeitet. Daher weiß ich, dass diese vermeintlich Mär von Aufstieg ist nicht möglich und aus eigener Kraft kann heute niemand mehr etwas erreichen Blödsinn ist. Es geht man muss es nur wollen
Was genau hat die Tatsache, daß es für all die Arbeitslosen gar nicht genug Arbeitsplätze gibt, jetzt mit einem nicht brauchbaren Bodensatz zu tun ?

Selbst wenn sich all diese Menschen qualifizieren würden ... es ist NICHT genug Arbeit da. Verstehst Du das ?

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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von windalf » 16.03.18, 11:05

Was genau hat die Tatsache, daß es für all die Arbeitslosen gar nicht genug Arbeitsplätze gibt
Im Moment gibt es genug Arbeitsplätze. Den Arbeitslosen fehlt nur die Qualifikation diese zu besetzten...
Selbst wenn sich all diese Menschen qualifizieren würden ... es ist NICHT genug Arbeit da. Verstehst Du das ?
Und das weißt du woher? Man könnte Arbeit auch anders verteilen. Nur fehlen ja jetzt schon die Leute um höher qualifizierte Arbeiten auszuführen.

Selbst wenn man die Arbeit anders verteilen wollte hilft es nicht, wenn nur Pfosten übrig sind, denen man diese Arbeit nicht geben kann...
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Re: Politik und der Mut das auszusprechen was man denkt

Beitrag von Celestro » 16.03.18, 11:54

windalf hat geschrieben:Im Moment gibt es genug Arbeitsplätze. Den Arbeitslosen fehlt nur die Qualifikation diese zu besetzten...

Du wolltest doch mit Daten und Fakten diskutieren. Zahl der offenen Stellen ist geringer als die Zahl der Arbeitslosen. Welchen Fakt willst Du hier ins Feld führen, daß es genug Arbeitsplätze gäbe ?
Und das weißt du woher? Man könnte Arbeit auch anders verteilen. Nur fehlen ja jetzt schon die Leute um höher qualifizierte Arbeiten auszuführen.

Selbst wenn man die Arbeit anders verteilen wollte hilft es nicht, wenn nur Pfosten übrig sind, denen man diese Arbeit nicht geben kann...
Umverteilen ... in Ordnung. Man läßt also diverse Leute weniger arbeiten, damit noch mehr Leute in Arbeit kommen. Diejenigen, die weniger arbeiten verdienen dann natürlich weniger. Also bringt man viele Menschen, die derzeit nicht in Armut leben, näher an diese heran. Ist ja eine super Idee ... NICHT ! :roll:

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