NSU 2.0

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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jaeckel
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NSU 2.0

Beitrag von jaeckel » 26.12.18, 10:17

Wolf Wetzel hat auf den Nachdenkseiten einen aufrüttelnden Artikel mit dem Titel "NSU 2.0: Wenn der „Nationalsozialistische Untergrund“ als Polizeizelle wieder auftaucht" verfasst. Das Betiteln des unterschiedlichen Versagens löst m.E. leider kein einziges Problem und ist nur gegeeignet, die Schuld irgendwem in die Schuhe zu schieben. Gestern habe ich in weihnachtlicher Runde einen Polizeiausbilder in Hessen gefragt, ob denn dieser Skandal Thema bei energischen Debatten seiner "Schüler" wäre. Dabei musste ich leider feststellen, dass er zum Thema nicht gut informiert war und es lt. seiner Aussagen eher gleichgültige Gelassenheit gäbe: "Schwarze Schafe gäbe es halt überall...". Welche Weichen müssten eurer Meinung nach eigentlich zukünftig gestellt werden und was kann eine breite öffentliche Diskussion bewirken?
Herzlichen Gruss
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Nordland
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Nordland » 26.12.18, 13:11

jaeckel hat geschrieben:Wolf Wetzel hat auf den Nachdenkseiten einen aufrüttelnden Artikel mit dem Titel "NSU 2.0: Wenn der „Nationalsozialistische Untergrund“ als Polizeizelle wieder auftaucht"
Wenn dich das aufrüttelt... Diese sogenannten Nachdenkseiten sind doch bekannt als nichts anderes als ein pseudointellektueller Blog von Leuten, die mit der politischen Lage überfordert sind und daher die Welt zur Vereinfachung in ein Schwarz-Weiß-Bild pressen, in dem alles Böse von den großen Mächten (USA, Finanzkapital usw.) gesteuert ist.

Siehe auch den von dir verlinkten Artikel. Reine Verschwörung. Manche Leute kommen echt nicht damit zurecht, dass der NSU tatsächlich das war, was er war, nämlich ein Zusammenschluss einzelner Schwerkrimineller, die nur wegen eines längeren Ermittlungsversagens so viele Morde begehen konnten, ohne dass das Ganze von staatlichen Strukturen gefördert wurde oder "viel mehr" dahintersteckt.
jaeckel hat geschrieben:Dabei musste ich leider feststellen, dass er zum Thema nicht gut informiert war und es lt. seiner Aussagen eher gleichgültige Gelassenheit gäbe: "Schwarze Schafe gäbe es halt überall...". Welche Weichen müssten eurer Meinung nach eigentlich zukünftig gestellt werden und was kann eine breite öffentliche Diskussion bewirken?
Breite gesellschaftliche Debatte über was? Rechtsextremistische Straftaten gehen doch zurück. Und natürlich ist es abzulehnen, wenn Polizisten tatsächlich Datenschutzauflagen verletzt und Drohbriefe versendet haben sollten. Da muss man sich schon fragen, wer solche Personen ausgewählt hat. Ja, Rechtsextremismus ist ein Problem. Dennoch ist eine falsche Reaktion auf einen Missstand noch lange kein Beweis dafür, dass der Missstand nicht besteht. Seit 2015 sind mehr als eine Million Migranten zu uns gekommen und es gibt weiterhin so gut wie keine Abschiebungen - selbst die seit langem tätigen Clan-Kriminellen dürfen weiterhin bei uns bleiben -, stattdessen gibt es Durchhalteparolen, dass es doch zu einer Integration kommen werde. Warum gibt es keine breite gesellschaftliche Debatte darüber - muss man nicht sogar leicht provokant fragen, ob vielen Leuten solche Aktionen von Rechtsextremen gerade recht kommen, damit sie weiterhin nur das eine Problem sehen und sich nicht mit der gescheiterten Politik der offenen Grenzen auseinandersetzen müssen?
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Re: NSU 2.0

Beitrag von jaeckel » 26.12.18, 13:59

Hallo Nordland,

danke für Ihren Beitrag. Ich möchte Ihren Beitrag mal anhand des "Das kleine FDR-Messer-Set des verbesserungswürdigen oder sogar unfairen Argumentationsstils" zuordnen.
Nordland hat geschrieben:Diese sogenannten Nachdenkseiten sind doch bekannt als...
Nordland hat geschrieben:Reine Verschwörung.
:arrow: Messer 4: Verdächtige Zuordnung/Kategorisierung
Nordland hat geschrieben:... dass der NSU tatsächlich das war, was er war, nämlich ein
:arrow: Messer 6: Meinungen/Behauptungen als fundierte Tatsachen hinstellen
Nordland hat geschrieben:Manche Leute kommen echt nicht damit zurecht...
:arrow: Messer 1: "ad hominem" oder "ad personam"
Nordland hat geschrieben:Dennoch ist eine falsche Reaktion auf einen Missstand noch lange kein Beweis dafür, dass der Missstand nicht besteht... sich nicht mit der gescheiterten Politik der offenen Grenzen auseinandersetzen müssen?
:arrow: Messer 3: Gruben ausheben / die Erweiterung (der Postition)

Man kann die Politik der offenen Grenzen kritisieren oder gutheißen. Trotzdem ist NSU 2.0 keine Verschwörungstheorie oder ein aus dem Allerwertesten gezogenes Kaninchen von linken Gutmenschen.
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Nordland
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Nordland » 26.12.18, 21:00

Hallo Achim,

es tut mir Leid, dass meine Antwort nicht zu deiner Zufriedenheit ausfiel. Ich werde mich zu gegebener Zeit auch mal mit den interessanten Thesen des "Messer-Sets" auseinandersetzen.

Einstweilen versuche ich mich mal, in die Intention des Fragestellers hineinzuversetzen. Ausgangspunkt war ein Skandal in der hessischen Polizei, den - sollte sich alles bewahrheiten - niemand klein reden will. Wenn du aber schreibst, ein Polizeiausbilder habe das auf die leichte Schulter genommen und du überdies eine breite gesellschaftliche Diskussion über diesen Vorfall wünschst, dann vermute ich, es geht dir um die Frage, warum sich deine eigene Empörung nicht mit der tatsächlichen öffentlichen Empörung deckt.

Erinnert ein wenig an Wagenknechts Versuch, einen Aufruhr ganz spontan herbeizuführen, indem man ihn genau plant und eine Internetseite eröffnet. Dem liegt wohl der Trugschluss, dass die breite Öffentlichkeit die Sache im Wesentlichen genau so sehe wie man selbst, sie wisse es nur noch nicht und man brauche einen Impuls, um sie wachzuküssen. Doch der Aufruhr wegen sozialer Ungleichheit könnte sich in einem Land schwierig umsetzen lassen, in dem nahezu Vollbeschäftigung herrscht und in dem so viel gebaut, Auto gefahren und konsumiert wird wie nie.

Ähnlich könnte es beim Rechtsextremismus sein. Dieser muss natürlich bekämpft werden, er stellt ein Problem dar - aber wirklich in einem solchen Ausmaß, wie ihn speziell die Verfechter der ungesteuerten Massenmigration und die Relativierer der gescheiterten Integration herbeireden? Die Wahrheit ist: Von der Flut an Migranten, die zu uns kam und immer noch in sechsstelliger Anzahl pro Jahr (netto!) zu uns kommt, will eigentlich kaum jemand zurück. Da ist die gute Versorgung, die Aussicht auf einen nachgeschmissenen deutschen Pass und ein Auto wohl treibender als die abstrakte Gefahr, mit statistisch geringer Gefahr Opfer eine "NSU 2.0" (so dein Ausdruck) zu werden. Im Gegenteil, viele in der Herkunftsländern sitzen ja auf gepackten Koffern. Und der Rechtsterrorismus war - ohne die Gefahr vollkommen von der Hand zu weisen und auf Achtsamkeit verzichten zu wollen - seit den letzten NSU-Morden, die Jahre zurückliegen, nicht sehr ausgeprägt, wenn man mal von abstrusen F*******-Gruppen absieht, deren mediale Aufmerksamkeit aus meiner Sicht weit über ihre Professionalität hinausging.

Da fällt es schwer, in der Öffentlichkeit die "Weichen zu stellen" für eine breite Diskussion. Wenn etwa 40 Prozent der Kinder schon einen Migrationshintergrund haben und die Tendenz weiter deutlich nach oben zeigt, dann sollte man womöglich an anderer Stelle ansetzen. Eine Entsolidarisierung der Gesellschaft durch eine von oben herab als "gut" und "alternativlos" verordnete Multikulturalisierung könnte dafür sorgen, dass die Gleichgültigkeit gegenüber Rechtsextremismus sogar noch zunimmt. Vielleicht können wir uns als kleinsten gemeinsamen Nenner darauf einigen, dass es dies zu verhindern gilt und die Politik hier mehr tun sollte.
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Old Piper » 27.12.18, 14:43

Nordland hat geschrieben:... dass die Gleichgültigkeit gegenüber Rechtsextremismus sogar noch zunimmt.
Stimmt doch gar nicht - es werden immer mehr, die die AfD nicht mögen
MfG
Old Piper
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jaeckel
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Re: NSU 2.0

Beitrag von jaeckel » 27.12.18, 18:55

@Nordland:
Falls die Mail
„Miese Türkensau!“ … „du machst Deutschland nicht fertig“ … „Als Vergeltung (…) schlachten wir deine Tochter“.
an eine Anwältin des NSU-Prozesses wirklich, wie behauptet, aus einem Polizeirevier stammt, fällt es mir schwer die Verantwortung bei der
Nordland hat geschrieben:Flut an Migranten
mit
Nordland hat geschrieben:Aussicht auf einen nachgeschmissenen deutschen Pass und ein Auto
oder der
Nordland hat geschrieben:Multikulturalisierung
oder der
Nordland hat geschrieben:ungesteuerten Massenmigration
zu sehen. Die Verantwortung läge beim Absender. Und der Absender hätte den falschen Beruf. Je mehr man so etwas zerreden möchte, desto mehr entfernt man sich von den Werten des Rechtsstaates.
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Charon- » 28.12.18, 09:11

jaeckel hat geschrieben:Welche Weichen müssten eurer Meinung nach eigentlich zukünftig gestellt werden
M.E. nach haben wir in Deutschland das Problem, dass staatliche Institute zum Teil gezielt, zum Teil aus der "Gunst der Stunde" heraus bei auftretenden Fehlern in der öffentlichen Meinung demontiert werden. Dies führt naturgemäß zu einem massiven Autoritätsverlust der Behörden, ein deutliches Zeichen dafür ist z.B. die Zunahme der "Reichsbürger", aber auch die Rethorik von Politik und Presse, das führt dann aber wieder dazu, dass die Mitarbeiter dieser Behörden nicht mehr länger "Diener des Staates" sind, sondern Feindbilder, mit allen entsprechend Konsequenzen wie halt persönlicher Rache und Straftaten gegen die Mitarbeiter. Das führt aber auch zu einem Wandel der Fehlerkultur in den Behörden, denn Fehler, die öffentlich behandelt werden, führen regelmäßig zu weitgehenden Pauschalierungen und aggressiver Einstellung gegenüber der Gesamtbehörde und allen deren Mitarbeitern, und das ist flächendeckend so, egal in welchem Bereich. Das führt aber dazu, dass Behörden Fehler nicht mehr öffentlich diskutieren, sondern intern "abhandeln", was die Sache halt noch schlimmer macht, weil so ein konstruktiver Umgang mit Fehlern oder gar eine Verbesserung nicht mehr möglich ist, "Verdecken und Vertuschen" ist da das Problem.

Und das ist ein Riesenproblem, wie man gerade in jüngerer Vergangenheit immer wieder sehen konnte: Wenn z.B. Polizisten nicht mehr als Autoritätspersonen gesehen werden, dann bleibt für die Kontrolle einer Situation nur die Anwendung von Gewalt, oder die Herstellung zahlenmäßiger Überlegenheit, das eine ist nicht gewollt, weil Gewalt nicht das Mittel der Wahl sein soll, und das andere ist zumeist gar nicht machbar (und artet selbst wenn es machbar ist vielleicht auch wieder in Gewalt aus). Entsprechend stehen auch Mitarbeiter von Behörden regelmäßig vor der Wahl: Spreche ich ein Problem an, gestehe ein, dass hier etwas falsch läuft, und "schwäche" damit die Kollegen, oder halte ich mich zurück, äußere mich nicht, und hoffe, dass sich das Problem irgendwie intern lösen lässt, ohne dass es zuviel Aufruhr gibt.

Ich persönlich befürchte, dass wir in Zukunft eine öffentliche Verwaltung haben werden, in der persönlicher Kontakt soweit wie möglich eingeschränkt wird, inkl. Sicherheitspersonal, Kameraüberwachung und Metalldetektoren, und Mitarbeiter einer Behörde, die im direkten Kontakt stehen (müssen) darauf vorbereitet werden, sich zu verteidigen, ggf. auch ermächtigt werden, entsprechende Maßnahme zu ergreifen, bis die Verwaltung dann tatsächlich irgendwann das Feindbild ist, das viele Leute heute schon in ihr sehen wollen.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

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Re: NSU 2.0

Beitrag von Evariste » 28.12.18, 11:04

Charon- hat geschrieben: ... massiven Autoritätsverlust der Behörden ...
... Rhetorik von Politik und Presse ...
Das führt aber dazu, dass Behörden Fehler nicht mehr öffentlich diskutieren, sondern intern "abhandeln", was die Sache halt noch schlimmer macht, weil so ein konstruktiver Umgang mit Fehlern oder gar eine Verbesserung nicht mehr möglich ist, "Verdecken und Vertuschen" ist da das Problem.
Ich finde, hier werden Ursache und Wirkung verwechselt. Das "Verdecken und Vertuschen" ist eine natürliche Tendenz jeder Institution, Sie können es (und zwar sehr ausgeprägt) auch in Gesellschaften beobachten, in den keine Pressefreiheit herrscht. Genau dieses Verhalten führt aber in einer offenen, demokratischen Gesellschaft zur Rufschädigung und zum Autoritätsverlust der Behörden, und zwar zu Recht.

Sehen Sie sich zum Beispiel den Fall Mollath an, selbst als schon längst klar war, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war, hat die bayerische Justiz ihre Entscheidungen weiterhin mit Zähnen und Klauen verteidigt. Letzten Endes brauchte es eine Entscheidung des bayerischen Ministerpräsidenten, damit hier etwas vorwärts ging.

Charon-
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Charon- » 28.12.18, 12:40

Evariste hat geschrieben: hat die bayerische Justiz ihre Entscheidungen weiterhin mit Zähnen und Klauen verteidigt
Und da ist das Problem: Wer genau ist "die bayrische Justiz"? Der Amtsrichter aus Weißenburg, der Gerichtsdiener aus Amberg, der Gerichtsvollzieher aus München?

Natürlich haben die mit der Sache nichts zu tun, aber die Fehlerkultur ist eben nicht "der Staatsanwalt xy" oder "die Richter wz" sind so vorgegangen, nicht einmal "die 7. Kammer des Landgericht Regensburg" hat entschieden, sondern "die bayrische Justiz" hat. Und das darf sich dann der Gerichtsvollzieher aus München anhören, wenn er eine Wohnungsräumung durchführen will.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

Nordland
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Nordland » 28.12.18, 13:18

jaeckel hat geschrieben:@Nordland:
Falls die Mail
„Miese Türkensau!“ … „du machst Deutschland nicht fertig“ … „Als Vergeltung (…) schlachten wir deine Tochter“.
an eine Anwältin des NSU-Prozesses wirklich, wie behauptet, aus einem Polizeirevier stammt, fällt es mir schwer die Verantwortung bei der
Nordland hat geschrieben:Flut an Migranten
mit
Nordland hat geschrieben:Aussicht auf einen nachgeschmissenen deutschen Pass und ein Auto
oder der
Nordland hat geschrieben:Multikulturalisierung
oder der
Nordland hat geschrieben:ungesteuerten Massenmigration
zu sehen. Die Verantwortung läge beim Absender. Und der Absender hätte den falschen Beruf. Je mehr man so etwas zerreden möchte, desto mehr entfernt man sich von den Werten des Rechtsstaates.
Du müsstest mir die Stelle zeigen, wo ich geschrieben habe, die Verantwortung liege nicht bei den Tatverdächtigen, sofern sie diese Tat tatsächlich begangen haben. Dass man nicht zu solchen Reaktionen greifen darf, ist unbestritten, es ändert aber nichts an dem Umstand, dass gerade Polizisten die volle Breitseite der gescheiterten Integration und der von oben herab diktierten Masseneinwanderung tragen müssen.

Es ist doch das alte Spiel: Das Ehepaar mit der akademischen Ausbildung und dem EFH auf der grünen Wiese, dessen Kinder auf einer noch gut funktionierenden Schule geschickt werden, deren Job nicht von Migranten weggenommen werden kann, wählt die Grünen oder eine artverwandte Partei wie Union, SPD, FDP. Die halten sich dann für moralisch höherstehend, weil "bunt" und "weltoffen" und zeigen mit dem Finger auf die Leute in den Hochhaussiedlungen oder auf die Polizisten, die sich mit Familienclans usw. auseinandersetzen müssen: Guck mal, diese Rassisten!

In dem Sinne frage ich mich, was eigentlich dein Ansatz ist oder dein Vorschlag. Sollen alle nur noch von vornherein die "richtige" Meinung haben, wollen wir 1984-Verhältnisse haben, damit das nicht passieren kann?
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Evariste » 28.12.18, 13:27

Charon- hat geschrieben: Wer genau ist "die bayrische Justiz"?
Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Organisat ... h%C3%B6rde

Ganz konkret beteiligt waren im Fall Mollath u. a.
- das LG Nürnberg, das das ursprüngliches Urteil gefällt hat (wie später zugegeben, voller Falschangaben und Schreibfehler) und später diverse Unterbringungsbeschlüsse getroffen hat (die laut einem späteren Urteil des BVerfG nicht genügend begründet waren)
- das OLG Nürnberg, das die Unterbringungsbeschlüsse des LG Nürnberg genehmigte
- diverse Gutachter im Auftrag der Justiz
- der Vorsitzende des Bayerischen Richtervereins (zufällig Richter in Nürnberg), der die Entscheidungen der Justiz vehement verteidigte
- die bayerische Justizministerin, die es lange Zeit ebenso gemacht hat und erst nach einer Weisung des Ministerpräsidenten aktiv wurde
- die Strafvollstreckungskammer Bayreuth, die die vorläufige Freilassung Molllaths ablehnte
- das LG Regensburg, das die Wiederaufnahmeanträge ablehnte

Ich denke, man kann es niemandem verdenken, hier von "der bayerischen Justiz" zu sprechen. Ohne die massive Intervention durch Presse und Öffentlichkeit wäre Mollath sicher heute noch untergebracht.

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Re: NSU 2.0

Beitrag von Evariste » 28.12.18, 15:01

Nordland hat geschrieben: Du müsstest mir die Stelle zeigen, wo ich geschrieben habe, die Verantwortung liege nicht bei den Tatverdächtigen, sofern sie diese Tat tatsächlich begangen haben. Dass man nicht zu solchen Reaktionen greifen darf, ist unbestritten, es ändert aber nichts an dem Umstand, dass gerade Polizisten die volle Breitseite der gescheiterten Integration und der von oben herab diktierten Masseneinwanderung tragen müssen.
Naja, das ist die typische Argumentationslinie. Man bestreitet nicht, was sowieso nicht sinnvoll zu bestreiten ist, aber im gleichen Atemzug wird es dann doch wieder relativiert.

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Re: NSU 2.0

Beitrag von Nordland » 28.12.18, 15:19

@Evariste: Wie wäre es, wenn wir die Sache mal umgekehrt betrachteten? Stell dir vor, in Deutschland gäbe es endlich einen Politikwechsel, wir hätten sichere Grenzen, mit denen die massive grenzüberschreitende OK eingedämmt würde, die Flüchtlinge würden in den Irak, nach Afghanistan usw. zurückkehren, sodass wir eine negative Netto-Zuwanderung hätten und die kriminellen Mitglieder der Familienclans sowie Islamisten würden unser Land ebenfalls zu verlassen haben.

Wenn dann ein Polizeibeamter gegen eine gut integrierte Migrantin, die die deutsche Identität verinnerlicht hat, dermaßen vorginge, dann wäre das zwar genau so strafbar wie jetzt. Vielleicht würde es aber einen stärkeren öffentlichen Aufschrei geben und man könnte sich eine Spur gezielter mit dem Problem Rechtsextremismus auseinandersetzen.

Das ist - anders als du es beschreibst - keine Relativierung oder Rechtfertigung. Jeder ist für sein Handeln selbst verantwortlich, Überreaktionen sind kontraproduktiv und nutzen niemandem. Es ist ein Auftrag an die Politik.
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Re: NSU 2.0

Beitrag von Charon- » 28.12.18, 16:17

Evariste hat geschrieben:Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Organisat ... h%C3%B6rde
Eben genau, 1. wenn kein Verantwortlicher gefunden werden kann und 2. dann auch nur die Behörde, nicht jeder einzelne Mitarbeiter.
Evariste hat geschrieben:das LG Nürnberg, das das ursprüngliches Urteil gefällt hat
Nur was dieses Beispiel angeht: Es war nicht "das LG Nürnberg", es war die x. Kammer des Landgerichts Nürnberg, besetzt mit den Richtern B, R und M.
Evariste hat geschrieben:Ich denke, man kann es niemandem verdenken, hier von "der bayerischen Justiz" zu sprechen
Doch, genau das ist der Punkt, dass kann man jemanden verdenken, weil Leute "bestraft" werden, die überhaupt nichts mit dem Fehler zu tun haben. Diese Ausdrucksweise ist noch akzeptabel, wenn es um eine Information mit vllt. einer kritischen Tendenz geht, aber eben nicht wenn wir über Fehlerkultur sprechen, da hat ein solch unpräziser Ansatz nichts zu suchen. Aber genau das passiert, aus den Informationen wird direkt auch die Verantwortung gemacht, und das führt dann dazu, dass keiner mehr über Probleme reden will.

Genau dieselbe Problematik findet sich auch z.B. im Bereich der Flüchtlinge, auch da werden die Fehler verallgemeinert, bis man befürchten muss, dass der Bericht über einen solchen Fehler zu Übergriffen auf Unbeteiligte führt, und man daher aufhört, über die Fehler zu berichten.
Um der allgemeinen Sprachverwirrung des Siezens entgegenzuwirken, biete ich jedem Nutzer das dänische Umgangsduzen an.

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Re: NSU 2.0

Beitrag von Evariste » 28.12.18, 16:45

Charon- hat geschrieben: Doch, genau das ist der Punkt, dass kann man jemanden verdenken, weil Leute "bestraft" werden, die überhaupt nichts mit dem Fehler zu tun haben. Diese Ausdrucksweise ist noch akzeptabel, wenn es um eine Information mit vllt. einer kritischen Tendenz geht, aber eben nicht wenn wir über Fehlerkultur sprechen, da hat ein solch unpräziser Ansatz nichts zu suchen. Aber genau das passiert, aus den Informationen wird direkt auch die Verantwortung gemacht, und das führt dann dazu, dass keiner mehr über Probleme reden will.
Dem stimme ich nicht zu. Nicht die Angst vor Kritik von außen (oder gar vor Übergriffen - wo gab es denn wegen Mollath Übergriffe auf Richter oder Gutachter?) ist die treibende Kraft hinter der mangelnden Fehlerkultur, sondern die Identifikation mit der eigenen Gruppe bzw. Organisation (positiv formuliert, der Wunsch dazuzugehören, negativ formuliert, die Angst vor den eigenen Kollegen, mit denen man noch viele Jahre zusammenarbeiten muss). Das ist ein bekanntes Phänomen und z. B. genau der Grund, warum in vielen Ländern von der Polizei völlig unabhängige Behörden in Fällen von polizeilichem Fehlverhalten ermitteln.

Hier der Presse bzw. der Öffentlichkeit vorzuwerfen, sie wäre für die mangelnde Fehlerkultur bei Polizei und Justiz verantwortlich (wann war die denn jemals besser?), heißt für mich, die Tatsachen auf den Kopf zustellen.

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