Grundrente

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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windalf
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Grundrente

Beitrag von windalf » 03.02.19, 09:35

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 51329.html
"Jemand, der Jahrzehnte lang hart gearbeitet hat, hat das Recht, deutlich mehr zu bekommen als jemand, der nicht gearbeitet hat. Das ist eine Frage des Respekts vor Lebensleistung."
Was ich ja nicht verstanden habe ist, wie wird denn nun geprüft ob jemand Jahrzehnte hart gearbeitet hat? Ich persönlich arbeite gerade nicht hart, zahle aber trotzdem in die Rentenkasse ein...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

SusanneBerlin
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Re: Grundrente

Beitrag von SusanneBerlin » 03.02.19, 10:05

Das dem Verb "arbeiten" vorangestellte Adjektiv "hart" ist lediglich ein rhetorisches Element, es soll die öffentliche Meinung und den Entscheidungsfindungsvorgang der Angesprochenen auf einer emotionalen/moralischen Ebene beeinflussen. Im Gesetz selbst (wenn es denn jemals verabschiedet wird) werden nur die Beitragsjahre eine Rolle spielen und nicht, wie "hart" die Arbeit war.
Grüße, Susanne

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 03.02.19, 10:36

Im Gesetz selbst (wenn es denn jemals verabschiedet wird) werden nur die Beitragsjahre eine Rolle spielen und nicht, wie "hart" die Arbeit war.
Aber die Beitragsjahre sagen doch überhaupt nichts darüber aus, ob man den ganzen Tag nur Kaffee getrunken hat und wenig produktiv war oder ob man richtig gearbeitet hat. Hat die SPD das nicht verstanden? :engel:
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

hambre
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Re: Grundrente

Beitrag von hambre » 03.02.19, 13:01

Die SPD geht davon aus, dass jeder, der arbeitet auch hart arbeitet. Tatsächlich soll sich die angestrebte Rente nur an der Zahl der Beitragsjahre bemessen und möglicherweise wird dabei nicht einmal zwischen Teilzeit und Vollzeit unterschieden.

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 03.02.19, 13:05

Tatsächlich soll sich die angestrebte Rente nur an der Zahl der Beitragsjahre bemessen und möglicherweise wird dabei nicht einmal zwischen Teilzeit und Vollzeit unterschieden.
Das hätte ich gleich mal als nächstes Argument gebracht. Wieviel jemand arbeitet (also ob es 60 Stunden die Woche sind oder nur 15) macht doch hinsichtlich "wie hart es nun war" doch einen riesen Unterschied. Diese Entscheidung fällt aber jeder selbst. Am Ende zu jammern man hat nicht genug Rentenpunkte weil man ja in Teilzeit gearbeitet hat, da sollte man doch kein Mitleid haben... (Und ja ich arbeite auch nur in Teilzeit, weil ich kein Bock auf Vollzeit habe, wenn das Geld auch so mehr als locker reicht)
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

FM
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Re: Grundrente

Beitrag von FM » 03.02.19, 19:29

Jemand der hart arbeitet verdient ja auch mehr Geld als jemand der nur so da ist, also zahlt er auch mehr Rentenbeiträge.

Oder nicht?

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 03.02.19, 20:31

Jemand der hart arbeitet verdient ja auch mehr Geld als jemand der nur so da ist
Ist das (immer) so?

Aber mal angenommen das wäre so. Dann braucht es das Gesetz ja nicht weil alle hart arbeitenden ja eh genug haben. Wer weniger bekommt hat dann nicht hart gearbeitet...
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Zitat Karsten: Das beweist vor Allem, dass es windalf auch nicht gibt.

ExDevil67
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Re: Grundrente

Beitrag von ExDevil67 » 03.02.19, 21:24

Ich bin da ganz bei SusanneBerlin das "hart arbeiten" soll nur die öffentliche Diskussion in eine bestimmte Richtung lenken.
Wenn sich "hart arbeiten" juristisch einwandfrei definieren ließe, wären wir schnell bei der Diskussion ob man nicht auch dem Gerüstbauer der eine Rente wegen Erwerbsminderung erhält einen Zuschlag zahlen müsste.

hambre
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Re: Grundrente

Beitrag von hambre » 03.02.19, 22:29

Jemand der hart arbeitet verdient ja auch mehr Geld als jemand der nur so da ist, also zahlt er auch mehr Rentenbeiträge.
Im Auge hat die SPD dabei wohl diejenigen, die Vollzeit für den Mindestlohn arbeiten. Gerne muss in entsprechende Kampagnen die Frisöse herhalten. In solchen Fällen kann ich es sogar nachvollziehen, wenn es eine Mindestrente gibt damit derjenige nach einem langen Arbeitsleben im Alter plötzlich auf Sozialleistungen angewiesen ist.

Wer 35 Jahre Vollzeit auf Mindestlohn arbeitet (aktuell ca. 1.600€ brutto), der hat etwa 17,5 Rentenpunkte gesammelt und erhält somit eine Rente in Höhe von 578€. Damit liegt man unterhalb des Existenzminimums. So eine Rente soll dann auf 900€ angehoben werden.

Da aber offensichtlich die Mindestrente nur auf Beitragsjahre abgestellt werden soll, werden auch Teilzeitjobs u.ä. gefördert. Im Extremfall macht jemand über 35 Jahre einen Minijob auf 450€ Basis mit voller Beitragszahlung und bekommt dann ca. 900€ Rente. Steigern lässt sich das noch, wenn man Minimalist ist und z.B. nur einige Stunden im Monat für z.B. 200€ arbeitet und ansonsten ALG II kassiert.

ExDevil67
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Re: Grundrente

Beitrag von ExDevil67 » 04.02.19, 07:01

hambre hat geschrieben: Wer 35 Jahre Vollzeit auf Mindestlohn arbeitet (aktuell ca. 1.600€ brutto), der hat etwa 17,5 Rentenpunkte gesammelt und erhält somit eine Rente in Höhe von 578€. Damit liegt man unterhalb des Existenzminimums.
Wobei das aktuell angedachte Konstrukt, so wie ich die ersten Berichte dazu lese, wohl noch einen größeren Konstruktionsfehler enthält. Offenbar soll bei Rentenbeginn ein Abgleich der gesammelten Rentenpunkte mit einem definierten Grenzwert erfolgen und wer drunter liegt bekommt entsprechende Rentenpunkte gutgeschrieben um auf eine Rente oberhalb der Grundsicherung zu kommen.
Klingt ja schön und gut. Nur was will man dann machen wenn langfristig das Niveau der Grundsicherung bedingt durch unterschiedliche Anpassungsmechanismen wieder das der Mindestrente übersteigt?

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 04.02.19, 11:33

Und die Finanzierung wird immer schöner...

Wenn die Steuereinnahmen gerade nicht am explodieren sind, dann reicht das Geld schon nicht mehr. Nur normal hohe Steuereinnahmen führen schon fast in den Bankrott

https://www.n-tv.de/politik/Scholz-meld ... 41007.html

Aber macht ja nichts warum auch eigentlich das was über Steuern finanziert gehört über Steuern finanzieren. Kann man doch einfach wieder die Rentenkasse direkt für plündern...
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FM
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Re: Grundrente

Beitrag von FM » 04.02.19, 18:12

Jemand der 30 Jahre Vollzeit arbeitete hat deutlich mehr gearbeitet als jemand der 35 Jahre halbtags arbeitete. Die Grundrente soll aber nur der zweite bekommen.

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 04.02.19, 23:27

FM hat geschrieben:Jemand der 30 Jahre Vollzeit arbeitete hat deutlich mehr gearbeitet als jemand der 35 Jahre halbtags arbeitete. Die Grundrente soll aber nur der zweite bekommen.
Genau. Also schlecht
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Zafilutsche
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Re: Grundrente

Beitrag von Zafilutsche » 05.02.19, 09:22

windalf hat geschrieben:
FM hat geschrieben:Jemand der 30 Jahre Vollzeit arbeitete hat deutlich mehr gearbeitet als jemand der 35 Jahre halbtags arbeitete. Die Grundrente soll aber nur der zweite bekommen.
Genau. Also schlecht
Ist doch alles nur wieder einer dieser "Gerechtigkeitsdebatten". Die Person die in Teilzeit unterwegs war, könnte vielleicht Eltern gepflegt haben oder mehrere Kinder (vielleicht noch mit Behinderungen) großgezogen haben. Das wird nicht als "Arbeit" klassifiziert, aber letztlich ist es eine wichtige und wertvolle Arbeit.
Der andere war 35 Jahre anwesend (Heute sogar) mit einem "Mindestlohn" bestückt und das war es. Es gibt einfach keine Gerechtigkeit, nur jeder versucht für sich einer "Gerechtigkeit" nachzujagen.

windalf
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Re: Grundrente

Beitrag von windalf » 05.02.19, 10:20

Die Person die in Teilzeit unterwegs war, könnte vielleicht Eltern gepflegt haben oder mehrere Kinder
Oder aber die ist einfach ihren Hobbys nachgegangen...
Es gibt einfach keine Gerechtigkeit, nur jeder versucht für sich einer "Gerechtigkeit" nachzujagen.
Und die oben diskutierte Änderung macht es auch nicht gerechter sondern einfach nur für den Beitrags-/Steuerzahler der nächsten Generation teurer...
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