Palandt ein Nazi-Kommentator??

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Haderlump
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Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Haderlump » 13.08.13, 18:06

Wie kann es sein, dass sich die Richter bei der
Urteilsfindung an den Kommentar eines Nazi-Unterstützers orientieren?
Der Palandt soll seine Kommentare zu Gunsten des Hitlers geschrieben haben.

Meiner Meinung nach dürfte der Name "Palandt" nicht mehr verwendet werden.
"Wenn die Rechte auch nur eines einzigen Bürgers beschnitten werden, dann ist das ein Fehler, unter dem wir alle leiden." J. R.

elwoody
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von elwoody » 13.08.13, 18:34

Wieviel des aktuellen Inhalts stammt denn tatsächlich noch aus den entsprechenden Jahren und ist nationalsozialistisch geprägt? Abgesehen davon stammte auch damals bis auf das Vorwort nichts von Palandt selber. Den Namen Palandt verbindet heute eh keiner mehr mit der Person, sondern nur noch mit dem Kommentar. Am Inhalt ändert sich auch bei einer Umbenennung nichts.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 13.08.13, 18:46

Haderlump hat geschrieben:...
Der Palandt soll seine Kommentare zu Gunsten des Hitlers geschrieben haben.

Meiner Meinung nach dürfte der Name "Palandt" nicht mehr verwendet werden.
und
Wikipedia hat geschrieben:Otto Palandt (* 1. Mai 1877 in Stade; † 3. Dezember 1951 in Hamburg) ist der Namensgeber des BGB-Kommentars Palandt. Bis zur 10. Auflage war er Mitautor des Kommentars, ohne auch nur einen Paragraphen kommentiert zu haben.

Haderlump
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Haderlump » 13.08.13, 18:58

1933 wurde Palandt zum neuen Präsidenten zunächst des preußischen, dann des Reichsjustizprüfungsamtes. Als solcher kommentierte er die Justizausbildungsverordnung ganz im Sinne der NS-Diktatur und empfahl vor der Meldung zur ersten juristischen Prüfung den Dienst in der SA und in der SS. Das Vorwort zu seinem ersten Kommentar schrieb der Staatssekretär Dr. Roland Freisler 1934, später Präsident des Volksgerichtshofes, dessen Gesinnung für demokratische und unabhängige Juristen heute kein Beispiel mehr wäre: “Der Volksgerichtshof wird sich stets bemühen, so zu urteilen, wie er glaubt, dass Sie mein Führer, den Fall selbst beurteilen würden.”
Quelle: http://www.lhr-law.de/magazin/nazi-komm ... -jahre-tot
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Ronny1958
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Ronny1958 » 13.08.13, 19:02

@Haderlump:

Na und?

Man denke nur an den Grundgesetzkommentar (bei welchem u.a. unser ExBuPräs mitgewirkt hat) und dessen mittlerweile verstorbener erster Kommentator wegen seiner NS Vergangeheit vom Amt des bayr. Kultusministers zurücktreten mußte.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 13.08.13, 19:11

Haderlump hat geschrieben:Wie kann es sein, dass sich die Richter bei der Urteilsfindung an den Kommentar eines Nazi-Unterstützers orientieren?
...
Wie schon an hand von Wiki belegt, war Palandt "der Namensgeber". Vertiefend siehe: Martin Rath (03.12.2011): "Schwarz-brauner Namenspatron des grauen Kommentar-Ziegels".

Die heutigen Kommentatoren dürften sich wohl nicht mehr dem NS-Regime verpflichtet fühlen. Im Unterforum "Recht und Politik" haben wir schon häufiger über die NS-Justiz diskutiert. Wer an der Justizgeschichte interessiert ist, dem empfehle ich die Web-Seite: http://www.forumjustizgeschichte.de/ .

Redfox

Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Redfox » 14.08.13, 09:35

Haderlump hat geschrieben:Meiner Meinung nach dürfte der Name "Palandt" nicht mehr verwendet werden.
Kann man vertreten, ist allerdings keine neue Forderung.

Die Nazi-Vergangenheit in rechtlicher Hinsicht ist nie richtig aufgearbeitet worden.

Und durch das Internet ist natürlich die Vergangenheit schneller nachzulesen.

Der "Schönfelder" beginnt mit dem GG als Nr.1; dann folgt mit Nr. 20 das BGB.

Haderlump
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Haderlump » 14.08.13, 09:42

Redfox hat geschrieben:
Haderlump hat geschrieben:Meiner Meinung nach dürfte der Name "Palandt" nicht mehr verwendet werden.
Kann man vertreten, ist allerdings keine neue Forderung.
Gibt es da irgendwelche Quellen?

VG
"Wenn die Rechte auch nur eines einzigen Bürgers beschnitten werden, dann ist das ein Fehler, unter dem wir alle leiden." J. R.

Redfox

Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Redfox » 14.08.13, 09:49

Haderlump hat geschrieben:Gibt es da irgendwelche Quellen?
Einfach mal bei der Suchmaschine seines Vertrauens "Palandt umbenennen" eingeben.

Haderlump
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Haderlump » 14.08.13, 10:04

Da bin ich ja nicht der einzigste, der den Palandt umbenennen möchte. :wink:
"Wenn die Rechte auch nur eines einzigen Bürgers beschnitten werden, dann ist das ein Fehler, unter dem wir alle leiden." J. R.

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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 14.08.13, 10:20

Redfox hat geschrieben:...
Die Nazi-Vergangenheit in rechtlicher Hinsicht ist nie richtig aufgearbeitet worden.
...
Die Entnazifizierung konnte in Deutschland (West) nicht bis zur letzten Konsequenz durchgeführt werden. Man/frau denke nur beispielhaft an diesen Mann.

@Haderlump,

Palandt selbst ist "nur" der Namensgeber des BGB-Kommentares. Wäre Gustav Wilke nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen (vgl. Wikipedia), würde der Palandt "Wilke" heißen.

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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Ronny1958 » 14.08.13, 10:27

Was hat die Namensgebung im Übrigen mit der Qualität der Kommentierung zu tun?

Unser ehemaliger Bundespräsident wurde bis zu seiner Wahl (oder war es später?) in einem Atemzug mit den anderen Kommentatoren zum Grundgesetz genannt.
Hat das seine Arbeit beeinflußt? Ich glaube nicht.

Deswegen verstehe ich den Sinn dieser Diskussion gar nicht. Ebensowenig wie die Aufwertung des Themas btw.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

Redfox

Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Redfox » 14.08.13, 10:33

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Palandt selbst ist "nur" der Namensgeber des BGB-Kommentares.
Und was soll uns das nun sagen.

Straßen (oder sonstwas) sind auch nur nach irgendwelchen Personen benannt. Carl-Diem ist wohl nie in die "Carl-Diem-Sporthalle" in Hamm gegangen, aber eine Umbenennung wird geprüft --> http://www.wa.de/lokales/hamm/stadt-ham ... 75050.html

Karl Wagenfeld habe ich in mehreren Diskussionen zur Umbenennung von Straßen (in Hamm, Emsdetten, Burgsteinfurt) oder Umbenennungen (Ostbevern, Metelen) gefunden. Telgte hat die Wagenfeldstraße umbenannt und offenbar einen entsprechenden Zusatz angebracht --> http://www.buergerinfo.telgte.de/vo0050.asp?__kvonr=938

Da kann er unmöglich überall gewohnt haben.

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 14.08.13, 10:47

Redfox hat geschrieben:
Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Palandt selbst ist "nur" der Namensgeber des BGB-Kommentares.
Und was soll uns das nun sagen.
...
Nun, der jetzige Palandt (72. Auflage) dürfte kein BGB-Nazikommentar (mehr) sein. Ob der Verlag den Kommentar jetzt umbenennt oder nicht, würde an Form, Inhalt usw. des Kommentares wohl nichts ändern. Vielleicht würde einem neuen Namen folgendes angehängt: "vorm. Palandt".

Interessanter wäre m.E. folgendes: "Kommentare im Staatsexamen - Platzhirsch Palandt vor dem Kadi".

Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 14.08.13, 10:55

OT-Anfang
Redfox hat geschrieben:... Straßen (oder sonstwas) sind auch nur nach irgendwelchen Personen benannt. Carl-Diem ist wohl nie in die "Carl-Diem-Sporthalle" in Hamm gegangen, aber eine Umbenennung wird geprüft --> http://www.wa.de/lokales/hamm/stadt-ham ... 75050.html
...
Dieser "Ehrenbürger von 150 deutschen Städten" hat wohl auch nicht in allen 150 Städte gewohnt. Es wird Zeit, dass alle Städte ihm die Ehrenbürgerschaft aberkennen.

OT-Ende

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