Palandt ein Nazi-Kommentator??

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Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 14.08.13, 14:33

Redfox hat geschrieben:
Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Die Antwort darauf müßte m.E. heißen: "Nazi ja - Kommentator nein".
Ich habe darauf hingewiesen, dass er einen Kommentar zur Juristenausbildung mitkommentiert hat. Das war eine seiner Hauptaufgaben nach 1933 und bevor er in die "Palandt-Sache" involviert war.

In dem von mir verlinkten Beitrag aus der kj geht eindeutig hervor, dass die Juristensausbildung ganz im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie von Otto Palandt beeinflusst und kommentiert wurde.
...
Losgelöst von Palandt, haben sich gerade Juristen mit der Aufarbeitung des NS-Justizsystem schwer getan oder die Vergangenheit verdrängt. Das Rechtsberatungsgesetz (von 1935) ist zudem ein Beleg, wie jüdische Juristen systematisch aus der Rechtspflege entfernt wurden. Auf das grundsätzliche Problem hat das Forum Justizgeschichte hingewiesen.

Das der Verlag Palandt mit dem BGB-Kommentar ein "Denkmal" gesetzt hat, ist unbestritten. Es ist m.E. aber vorrangig ein Problem des Verlages, ob er weiterhin einflußreiche Nazis huldigen will.

Palandt steht heute für den BGB-Kommentar.


Zur Juristenausbildung:
  • Gibt es denn heute noch einen "Kommentar zur Juristenausbildung"?
    Art. 5 GG hat geschrieben:(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.
    Dieser Artikel dürfte doch nunmehr auch für die heutige Juristenausbildung gelten, oder?

Redfox

Re: Palandt ein Nazi-Kommentator??

Beitrag von Redfox » 14.08.13, 14:42

Dipl.-Sozialarbeiter hat geschrieben:Gibt es denn heute noch einen "Kommentar zur Juristenausbildung"?
Die Juristenausbildung ist Ländersache. Ob es Kommentare zu einzelnen Ausbildungsordnungen der Länder gibt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich lohnt es sich nicht.

M.W. gibt es heutzutage gar keine Kommentare mehr, die direkt staatlich beeinflusst oder womöglich im staatlichen Auftrag verfasst werden. Indirekt gibt es einen Staatsbezug, wenn Richter, Professoren oder Verwaltungsbeamte zu Gesetzen oder Urteilen in ihrer freien Zeit Kommentare verfassen.

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