Jurastudium noch mit Mitte bis Ende 30 anfangen ?

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Beamtenschnecke
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Jurastudium noch mit Mitte bis Ende 30 anfangen ?

Beitrag von Beamtenschnecke » 02.07.09, 20:15

Liebe Forumsgemeinde,

ich bin Verwaltungsbeamter des gehobenen Dienstes und habe mich von je her für ein Jurastudium interessiert, es aber aus ganz verschiedenen Gründen leider nicht realisieren können.

Nun überlege ich, diesen Schritt doch noch zu wagen, wobei ich dann wohl allerdings im "Rechtsanwaltsdasein" enden würde, für eine Verbeamtung im höheren Dienst wäre ich nach Abschluss des Studiums wohl zu alt. Hinzu kommt, dass ich das Beamtenverhältnis wohl komplett aufgeben müsste, da Beurlaubung schwierig würde.

Mir kommt es nicht aufs Geld an, d.h. ich lege keinen Wert darauf, als Anwalt Spitzenverdienste zu erzielen. Bei der momentanen Anwaltsschwemme frage ich mich allerdings, wie die Situation in knapp 10 Jahren aussieht und ich wäre dann Anfang bis Mitte 40.

Falls es hier fertige Anwälte oder andere kundige Juristen gibt, die hierzu etwas sagen können, würde ich mich über Meinungen freuen, ob man diesen Schritt wagen sollte.

Ach ja, ich komme übrigens aus NRW, wo es wohl schon ohnehin eine hohe Anwaltsdichte gibt.

Herzlichen Dank für jegliches Feedback !

Dipl.-Sozialarbeiter
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Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 02.07.09, 20:30

Schon mal über ein Fernstudium nachgedacht?

Siehe:

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 03.07.09, 05:43

Hallo Klaus,

davon kann man ernsthafterweise nur abraten, wenn grds. eine Tätigkeit als RA, StA oder Richter oder Verwaltungsbeamter angestrebt wird.

@Frage:

Die Studienzahlen gehen langsam zurück oder besser gesagt sie steigen kaum noch an :wink: , das allerdings auf hohem Niveau.

Die Kenntnisse aus dem damaligen Studium sind sicherlich sehr hilfreich, soweit noch präsent, gerade im ö.R..

Je nach Uni kann man sich ggf. etwas als Schein anerkennen lassen, sowie Praktikum und Referendariat verkürzen, wovon ich aber abraten würde.

Die Altersgrenzen dürften für einen ehemaligen Beamten auf Lebenszeit nicht einschlägig sein, bzw. nur die allgemeine Grenze (~45 Jahre?) gelten.

Das Studium ist schwer (zumindest hier im Süden :wink: ) und wirklich zeitintensiv.
Man sollte aber tatsächlich eine Note im Staatsbereich anstreben, denn sonst wird sich kaum eine Verbesserung im Vergleich zur Tätigkeit als Beamter des g.D. einstellen.

Da ich gerade den gleichen Weg gehe (und "nebenbei" als Teilzeitbeamter weiter arbeite), versuche ich bei Rückfragen gerne weiterzuhelfen.

Beamtenschnecke
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Beitrag von Beamtenschnecke » 04.07.09, 21:42

Hallo Spraadhans,

recht herzlichen Dank für Deine Antwort und Bereitschaft, über Erfahrungen aus dem Jurastudium zu berichten.

Meinst Du, es wäre möglich, zumindest im 1. Studienjahr nebenher mehr als 20 Stunden pro Woche zu arbeiten ? Ist es möglich, die Klausuren und Scheine der ersten beiden Semester zu "schieben" ? Muss man regelmäßig bei den Vorlesungen präsent sein ?
Nach den ersten beiden "Job-Semestern" würde ich dann voll einsteigen, wobei dann wohl der Freischuss zeitlich kaum noch erreichbar ist.

Das eine Jahr Jobben ist bei mir nämlich vermutlich notwendig, um zeitweilig in die GKV zurückzukommen. Wie schon berichtet, spielt mein Dienstherr bei einer Beurlaubung nicht mit und bei dem Klima, welches in unserer Behörde herrscht, möchte ich mich eigentlich voll und ganz dem Studium widmen und nicht Teilzeit als Beamter weiterarbeiten.

Also, wäre sehr nett, wenn Du mal kurz schildern würdest, wie das mit den Scheinen/Klausuren in denn ersten Semestern abläuft. An der Verwaltungs-FH war es ja quasi wie auf der Schule und ich kann mich noch nicht so recht reinversetzen, wie es an der Uni läuft.

Besten Dank und Grüße aus NRW !!!

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 05.07.09, 08:14

Wie schon gesagt, ich hab im ersten Jahr 27 Wochenstunden "nebenbei " gearbeitet. Vermutlich ist der Studienaufbau überall ein wenig anders aber ich habe dabei trotzdem 3 Scheine gemacht (Grundlagen, BGB, Ö.R.). Wenn die Kenntnisse aus dem FH Studium noch präsent sind und ein gewisses Interesse mit Begabung vorhanden ist, dann schafft man das auch ohne Einschränkungen (natürlich ist jeder Tag dann nahezu verplant, Freizeit gibts also nicht mehr so viel, ein flexibler Arbeitgeber wäre wünschenswert).

Natürlich konnte ich auch nicht alle Vorlesungen besuchen, dafür waren die Skripten ausführlich genug zum Nachlernen.

Ich habe das alles so komprimiert, weil ich schnell durchkommen will, sicherlich kann man die ersten Semester auch entspannter gestalten und pro Halbjahr nur einen Schein anstreben, haben bei uns auch viele gemacht...

derrick
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Re: Jurastudium noch mit Mitte bis Ende 30 anfangen ?

Beitrag von derrick » 08.07.09, 16:54

Beamtenschnecke hat geschrieben: Nun überlege ich, diesen Schritt doch noch zu wagen, wobei ich dann wohl allerdings im "Rechtsanwaltsdasein" enden würde, für eine Verbeamtung im höheren Dienst wäre ich nach Abschluss des Studiums wohl zu alt. Hinzu kommt, dass ich das Beamtenverhältnis wohl komplett aufgeben müsste, da Beurlaubung schwierig würde. !
Hallo,

meine Meinung hierzu:

Eines vorweg: Alter schützt nicht vor Leistung!

Selbst wenn Du erst mit 45 fertig wärst, hättest Du - gemessen an dem normalen Renteneintritt - noch über 20 Jahre Berufsleben vor Dir. (selbständige Anwälte sind bekanntlich oftmals noch länger unterwegs).

Probier es doch einfach mal - natürlich ohne Deinen Job aufzugeben.

Und solltest Du das Studium wirklich erfolgreich abschließen, dann würde ich auch nicht das Beamtenverhältnis aufgeben..

Im Hauptberuf Beamter - im Nebenberuf Anwalt (doch möglich, oder?). Da Du finanziell - wie Du sagst - auf kein Advokatenhonorar angewiesen bist, brauchst Du ja nicht viel Fälle.

Und nach Deiner Pensionierung startest Du dann nochmal durch.

mfg

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 08.07.09, 18:42

Im Hauptberuf Beamter - im Nebenberuf Anwalt (doch möglich, oder?).
Grds. nicht, Stichwort Gewaltenteilung, steht auch irgendwo in der BRAO...

Aber nach dem 2. Examen steht ja auch der Weg in den h.D. offen.

derrick
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Beitrag von derrick » 09.07.09, 10:20

spraadhans hat geschrieben:
Im Hauptberuf Beamter - im Nebenberuf Anwalt (doch möglich, oder?).
Grds. nicht, Stichwort Gewaltenteilung, steht auch irgendwo in der BRAO...
Echt?

Ich dachte, das hängt von der Genehmigung des Dienstherrn ab, die sich der Nebenberufs-Anwalt dann einholen müsste.

Wenn keine dienstliche Gründen entgegenstehen oder die Anwaltstätigkeit mit dem Hauptberuf irgendwie kollidiert (Befangenheit etc.), sollte dies doch kein Versagungsgrund sein.

Und: Sitzen nicht unzählige Anwälte im Bundes- bzw. Landtag,, die weiterhin (in geringerem Umfang) als Anwälte tätig sind?

mfg

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 09.07.09, 10:24

Es gibt Ausnahmeregelungen aber Rechtanwälte gehören grds. zur Rechtspflege und bei einem als Beamten tätigen Rechtanwalt stellt sich die Frage, welche Interessen er im Zweifel vertritt.

Ich erinnere mich an eine Entscheidung, die das Gericht von der Stellung des Beamten innerhalb seiner Behörde abhängig gemacht hat. Im entschiedenen Fall handelte es sich m.W. sogar nur um einen Arbeitnehmer einer Gemeindeverwaltung.

0Klaus
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Beitrag von 0Klaus » 15.07.09, 19:54

Hallo,

ich möchte noch ergänzen, dass es im Beamtenverhältnis die Möglichkeit des Aufstiegs gibt. Wenn man sowieso vorhatte als Beamter weiterzuarbeiten, kann man in einem Vorbereitungslehrgang zum höheren Dienst aufsteigen. Die BundeslaufbahnVO sieht sogar die Möglichkeit eines Hochschulstudiums vor (allerdings leider nur mit Master-Abschluss).

Das ist allerdings auch nur so eine Halb-Lösung. Inwieweit man dies auf ein Jura-Studium anrechnen kann (dürften ja viele Parallelen sein) und wie sich das in NRW gestaltet müsste man gesondert prüfen.
mfg
Klaus

ThoT
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Beitrag von ThoT » 16.07.09, 17:27

spraadhans hat geschrieben:
Im Hauptberuf Beamter - im Nebenberuf Anwalt (doch möglich, oder?).
Grds. nicht, Stichwort Gewaltenteilung, steht auch irgendwo in der BRAO...

Aber nach dem 2. Examen steht ja auch der Weg in den h.D. offen.
Zu welcher der drei Gewalten gehören denn Anwälte?

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 16.07.09, 17:49

Gewaltenteilung trifft es nicht ganz, deshalb habe ich weiter unten geschrieben:
aber Rechtanwälte gehören grds. zur Rechtspflege

Agathachristie
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Studium mit mitte 30

Beitrag von Agathachristie » 18.11.09, 15:46

Bin jetzt 33 Jahre alt, Med./techn. Assistent in einer Klinik in Brighton. Hab mich dieses Semester in Hagen eingeschrieben und mal sehen wie es geht. Ich denke auch, dass das Alter keine Rolle spielt. Mein Freund hat ein Masterstudiengang angefangen, ich hab mich wohl von ihm anstecken lassen. Allerdings verstehe ich den BA nicht. Wenn man bedenkt, dass die Universitaeten in Deutschland auf BA und MA umsteigen und man selbst mit dem MA kein Rechtsanwalt sein kann, wie funktioniert das dann? Zumindest mach ich erstmal ein "Probesemester" als Gast und werde dann naechstes Jahr sehen wie und ob es weitergeht.

spraadhans
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Beitrag von spraadhans » 18.11.09, 18:59

Deswegen sind die wenigen MA/Ba. Studiengänge nur für diejenigen empfehlenswert, die ihre Zukunft nicht im Bereich Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt, höherer Dienst sehen. Das dürfte tatsächlich nur auf ganz wenige zutreffen, die sich m.E. zudem im Gehaltsgefüge auf ein niedrigeres Niveau einstellen müssen als ein durchschnittliche Absolvent mit der Befähigung zum Richteramt.

Und sicherlich wird man von Volljuristen auch ein klein wenig belächelt... :wink:

derrick
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Re: Studium mit mitte 30

Beitrag von derrick » 02.12.09, 16:41

Agathachristie hat geschrieben: Wenn man bedenkt, dass die Universitaeten in Deutschland auf BA und MA umsteigen und man selbst mit dem MA kein Rechtsanwalt sein kann, wie funktioniert das dann? Zumindest mach ich erstmal ein "Probesemester" als Gast und werde dann naechstes Jahr sehen wie und ob es weitergeht.
Hallo,

ich würde nicht ausschließen, dass der Master - früher oder später (eher früher) - als Zulassung zum Rechtsanwalt qualifiziert. Dass die sogenannten Staatsexamen Zukunft haben, erscheint doch fraglich,oder?

Viel Glück bei Deinem juristischen Studiengang.

mfg

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