Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

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AlicBa
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Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von AlicBa » 27.04.12, 07:07

Hallo.

Folgendes ist Fakt: Es gibt Universtäten, die verleihen den Leuten, die das 1. Staatsexamen bestanden haben den Titel "Dipl. iur.". Nach erfolgreicher Ableistung des Rechtsreferendariats ist man berechtigt den Titel "Ass. iur." zu führen.

Frage: Wie kann eine Person deutlich machen, dass sie Ass. iur. und Dipl. iur. ist?

Es ist zwar klar, dass Ass. iur. mehr als Dipl. iur. ist, aber für viele Leute (Mandanten eines Rechtsanwaltes), ohne dieses Wissen, ist ein Dipl. iur. viel interessanter. Ich denke da eben an den Rechtsanwalt, der auch Dipl. iur. ist. Es wäre für einige Mandaten sicherlich ein gutes Argument zu dem Anwalt zu gehen, wenn dort Dipl. iur. auf dem Schild steht, weil sie ja meist nur einen Diplom-Titel kennen. Schreibt der Anwalt aber "Dipl. iur." hin, könnte der "Wissende" denken: "Warum schreibt der nur Dipl. iur. hin? Er ist doch Ass. iur.".

Falls es weitere Fragen zum fiktiven Fall gibt, antworte ich gerne.

Wie könnte eine Bezeichnung aussehen, die beide Titel miteinander clever verbindet?

Danke

moro
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von moro » 27.04.12, 08:07

AlicBa hat geschrieben:Wie könnte eine Bezeichnung aussehen, die beide Titel miteinander clever verbindet?
Ich halte das gar nicht für besonders clever. Jeder Rechtsanwalt in Deutschland, der den herkömmlichen Ausbildungsweg gegangen ist, hat sein erstes Staatsexamen abgelegt (und nichts andereres sagt ja die in den westlichen Bundesländern neue Bezeichnung 'Dipl. Jur.') und seinen Assessor gemacht. Haben Sie auf irgendeinem Briefkopf einer seriösen Anwaltskanzlei schon mal gesehen, dass einer der zugelassenen Anwälte die Selbstverständlichkeit des Assessorats extra ausweist? Auf jeden potentiellen Mandanten, der sich von so etwas blenden ließe, kommen wahrscheinlich zwei, die sich sagen, zu diesem Schaumschläger gehe ich lieber nicht.

Gruß,
moro

AlicBa
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von AlicBa » 27.04.12, 08:10

Ok. Danke. Ich mag es, wenn eine konkrete Meinung geäußert wird.

Ich habe mal bei einem Mediziner gesehen:

Dr. med. Müller
Dipl. med.

Ist der jetzt auch ein Schaumschläger (wegen der Selbstverständlichkeit des Diplom-Titels)?


Es geht mir eher um Dipl., nicht um Ass.!

moro
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von moro » 27.04.12, 08:26

AlicBa hat geschrieben:Ist der jetzt auch ein Schaumschläger?
Das weiß ich nicht. Vielleicht ist es ein Arzt aus den östlichen Bundesländern, dessen (damals dort üblicher) Abschluss der 'Dipl. Med.' war und der später noch die Promotion zugelegt hat. Das würde dann einen gewissen Sinn haben, da das eine nicht automatisch im anderen enthalten ist. Ähnlich vielleicht, wenn ein in der DDR erworbener 'Dipl. Jur.' jetzt von einem Rechtsanwalt geführt wird. Aber das sind alles Sonderfälle, die sich ja dann leicht erklären lassen. Aber wie erklärt der 'normale' Rechtsanwalt den 'Dipl. Jur.' und 'Ass. Jur.' am Türschild, ohne sich ein bisschen lächerlich zu machen?

Gruß,
moro

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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von AlicBa » 27.04.12, 08:31

Ich stimme ja grundsätzlich zu. Und wollte eigentlich "nur" die Meinung von anderen hören. Ich finde so einen Hinweis auf dem Schild oder auf dem Briefkopf ja auch ... naja.

Der Ursprungsgedanke war ja, dass sich wegen der (teilweisen) Unkenntnis der Mandantschaft, was ein Dipl. iur. und was ein Ass. iur. ist, ein Hinweis auf Dipl. iur. anbieten könnte.

Dipl. med. müsste in Dr. med. enthalten sein.

JuraPunk
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von JuraPunk » 27.04.12, 17:13

Ich habe meinen Dipl.-Jur. (gab's auf Antrag gratis zum Examen dazu) bisher genau zwei mal auch tatsächlich geführt:

1. Auf meinem Namensschild im Baumarkt, in dem ich als Aushilfe gearbeitet habe. Das hat zu dem einen oder anderen interessanten Gespräch geführt.

2. Bei einem Anschreiben an meinen Vermieter, um ihm zu verdeutlichen, dass ich mich durchaus auskenne und nicht jeden Scheiß mit mir lassen mache.

Nach dem 2. Staatsexamen reicht es mE doch durchaus aus, bei Bedarf RA vor den Namen zu schreiben.

JuraPunk

spraadhans
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von spraadhans » 29.04.12, 12:02

Richtig, das ist auch meine Erfahrung.

Den Titel Diplom Jurist (Univ.) führen meist Personen, denen das zweite Staatsexamen irgendwie "abhanden gekommen" ist.

Dipl.-iur. ist m.W. kein akademischer Grad.

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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von JuraPunk » 29.04.12, 12:26

Zumindest in Leipzig ist es ein akademischer Grad. Der Text meiner Diplomurkunde hierzu lautet:

"Herrn JuraPunk

geboren am ... in ...

wird aufgrund der

Ordnung zur Verleihung des akademischen Grades
"Diplom- Jurist" bzw. "Diplom- Juristen"
an der Juristenfakultät Leipzig

der Titel

Diplom-Jurist

verliehen."

spraadhans
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von spraadhans » 29.04.12, 15:01

Schon klar, nur die Abkürzung Dipl.-iur. ist m.W. ungebräuchlich, auch wenn mir die Bedeutung der unterschiedlichen Schreibweise geläufig ist.

Beim Assessor schaut es da wieder anders aus, da Assessor frei verwendbar ist.

jurico

Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von jurico » 07.06.12, 20:50

spraadhans hat geschrieben:Beim Assessor schaut es da wieder anders aus, da Assessor frei verwendbar ist.
Wobei Assessor insb. nur von Volljuristen verwendet wird, die in einer Versicherung oder Behörde angestellt sind. Ein Anwalt würde die Bezeichnung nicht verwenden. Das wäre möglicherweise auch Werbung mit einer Selbstverständlichkeit und wettbewerbsrechtlich bedenklich.

juggernaut
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von juggernaut » 08.06.12, 09:08

JuraPunk hat geschrieben:Nach dem 2. Staatsexamen reicht es mE doch durchaus aus, bei Bedarf RA vor den Namen zu schreiben.
ähem ... <räusper> ... das 2. examen berechtigt bekanntlich nicht dazu, die bezeichnung "RA" zu führen, sondern ist nur eine der notwendigen voraussetzungen dazu.

um meine meinung zur ursprungsfrage kundzutun: wer RA ist, wird die bezeichnung RA führen, denn jeder weiss, dass man dazu das 2. examen (und ein bisschen mehr) haben muss. wer den Dr. hat, wird eben RA Dr. führen. mit Ass.jur. und Dipl.-jur. rummachen brauchen doch nur diejenigen, die den RA nicht führen können - sei es, weil sie den erforderlichen persilschein ihres arbeitgebers nicht bekommen, sei es, weil sie keine lust auf kammerbeitrag haben. von diesen beiden bezeichnungen wird man i.d.r. doch die führen, die die "bessere" (= wissenschaftlich höhere) ist - oder als zusatz, wenn es nicht selbstverständlich ist, das auch zu haben.

hier in thüringen bewerben sich zB alle bewerber unter beifügung eines zeugnisses über den sekundarstufe-I-abschluss. ich als niedersachse habe immer gedacht: "Hähh?". aber in thüringen erwirbt man nicht automatisch mit dem bestehen der 10. klasse auch den sek-I-abschluss, sondern nur mit einer extra-prüfung, BLF genannt. völlig zu recht fügen daher bewerber, die das haben, ihr zeugnis bei, weil sie extra-beschwernisse dafür auf sich genommen haben.

ungefähr so dürfte das auch bei den "titeln" sein.

(wobei ich persönlich bisher nicht wusste, dass es neuerdings einen "Dipl.-jur." gibt und mir deshalb weiter die freiheit nehmen werde, alle, die diesen zusatz führen, für anwälte aus DDR-zeiten zu halten, die mit einer ausnahmegenehmigung die RA-zulassung erwerben konnten, obghleich sie nur Dipl.-Iur. waren)
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Holzschuher
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von Holzschuher » 20.06.12, 16:44

Hallo,

ist denn Ass. iur. ein Titel?

Ich habe mir nach Hinweis meiner Uni (Würzburg) den Titel Dipl. iur. Univ. geholt, da ich bislang trotz absolvierten Hochschulstudiums offiziell doch keinen Titel erworben habe und daher auch nicht fürhren durfte.

Rechtsanwalt/Richter, etc. das sind auch keine Titel.
(wobei ich persönlich bisher nicht wusste, dass es neuerdings einen "Dipl.-jur." gibt und mir deshalb weiter die freiheit nehmen werde, alle, die diesen zusatz führen, für anwälte aus DDR-zeiten zu halten, die mit einer ausnahmegenehmigung die RA-zulassung erwerben konnten, obghleich sie nur Dipl.-Iur. waren)
Das verbinde ich auch damit, weswegen ich mit der Führung des Titels auch eher skeptisch bin. Allerdings zeigt das auch wieder mal unsere Angst vorm "Zusammenwachsen", wo das doch "zusammen gehört"!? :roll: :cry:
Gruß
Peter H.

juggernaut
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Re: Ass. iur. und Dipl. iur. - was tun?

Beitrag von juggernaut » 20.06.12, 16:59

Holzschuher hat geschrieben:ist denn Ass. iur. ein Titel?
das weiss ich nicht. als echten titel kenne ich sowieso nur den "Dr.".
Holzschuher hat geschrieben:
(wobei ich persönlich bisher nicht wusste, dass es neuerdings einen "Dipl.-jur." gibt und mir deshalb weiter die freiheit nehmen werde, alle, die diesen zusatz führen, für anwälte aus DDR-zeiten zu halten, die mit einer ausnahmegenehmigung die RA-zulassung erwerben konnten, obghleich sie nur Dipl.-Iur. waren)
Das verbinde ich auch damit, weswegen ich mit der Führung des Titels auch eher skeptisch bin. Allerdings zeigt das auch wieder mal unsere Angst vorm "Zusammenwachsen", wo das doch "zusammen gehört"!? :roll: :cry:
nö, damit hat das nix zu tun. ich habe grossen respekt, immerhin mussten diese im alter zwischen 30-60 schnell mal ein bisschen rechtssystem umlernen, was speziell beim verwaltungsrecht, aber auch bei den prozessordnungen sicher nicht ganz einfach gewesen ist. ich meinte und meine das also keinesfalls abwertend.

aber ähnlich, wie ich bei west-kollegen ab und an einfach mal anrufe und sage, bevor sie mir irgendeine sch**sse schrieben, sollten sie sich erstmal in die rechtslage einarbeiten (SchuldRAnpG, SachenRBerG, VermG) und es dann noch einmal versuchen, weiss ich halt bei einigen umgelernten dipl.-juristen eben auch, dass da und dort unverhoffte lücken sein könnten. zur ehrenrettung sei aber gesagt, dass die in der regel nicht so auf die kacke hauen wie frankfurter anwälte, die noch nie was von der schuldrechtsanpassung gehört haben :)
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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