Gläubiger wollen Erbschein

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MarcoW75
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Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von MarcoW75 »

Hallo,
vor 6 Wochen ist unsere Mutter plötzlich verstorben. Sie hat kein Testament hinterlassen. Ein Erbschein wurde bislang nicht beantragt, da sich die wichtigsten Sachen (Konto, Mietvertrag usw) auch mit der Vorlage des Totenscheins allein umschreiben ließen. Wir wussten zwar, dass unsere Eltern noch ein paar Schuldenprobleme hatten, aber sowas hat immer unsere Mutter zu ihren Lebzeiten gemanaged. Wobei "gemanaged" wohl das falsche Wort ist: auch sie hatte irgendwann den berühmten großen Karton, wo alle "Bettelbriefe" drin landeten und aus dem sie was bezahlte, wenn es die finanzielle Lage gerade zuließ. Die meisten dieser Forderungen liefen auf ihren Namen. Wir haben fast 3 Wochen gebraucht, um das überhaupt erstmal ordnen zu können, was davon abbezahlt war, was noch offen und was bereits verjährt ist. Zum Teil ging das nur über bis zu 10 Jahre alte Kontoauszüge, die man mit den "Bettelbriefen" abglich. Ergebnis: es ist nicht ganz so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussah. Der Großteil der Forderungen war bereits beglichen, nur einige waren noch offen.

Meine Frage betrifft nun Forderungen, die nicht tituliert wurden und schon seit Jahren nicht mehr bedient wurden. Rechtlich gesehen wären diese nach §§ 194 ff. BGB ja verjährt. Für diese Forderungen wollen wir nun die "Einrede der Verjährung" nach § 214 BGB stellen. Nur spielen 3 Gläubiger da nicht mit...sie bestehen auf einem Erbschein als Nachweis, dass unsere Mutter als Schuldnerin verstorben und wir als Personen in der gesetzlichen Erbfolge quasi "vertretungsberechtigt" sind. Den Totenschein allein wollen diese Gläubiger nicht akzeptieren. Nach meinem Rechtsempfinden macht es aber letztendlich keinen Unterschied, ob der Todesfall nun durch Vorlage des Totenscheins oder des Erbscheins nachgewiesen wird. Haben Gläubiger (keine Banken!) einen Anspruch darauf, einen Erbschein zu sehen ? Letztendlich kanns denen ja egal sein, ob nun der Schuldner selbst oder seine Erben die Einrede der Verjährung stellen.
Altbauer
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Re: Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von Altbauer »

MarcoW75 hat geschrieben: 07.06.21, 16:05 Für diese Forderungen wollen wir nun die "Einrede der Verjährung" nach § 214 BGB stellen.
Haben denn die Gläubiger schon Forderungen an die Erben gestellt?
Die Einrede der Verjährung macht m.E. erst Sinn, wenn die Begleichung einer Rechnung
gefordert wird.
FM
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Re: Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von FM »

Der Gläubiger will vielleicht erst mal prüfen, ob er mit den Kindern überhaupt reden darf - denn falls doch jemand anders Erbe wäre, würde er gegen den Datenschutz verstoßen und sich verfahrensmäßig an die falschen wenden.

Allerdings ist es erst mal sein eigenes Problem herauszufinden, an wen er sich dann wenden muss.
MarcoW75
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Re: Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von MarcoW75 »

Altbauer hat geschrieben: 07.06.21, 17:23 Haben denn die Gläubiger schon Forderungen an die Erben gestellt?
Die Einrede der Verjährung macht m.E. erst Sinn, wenn die Begleichung einer Rechnung
gefordert wird.
Danke für Eure Antworten. Nein, an die Erben wurden bislang keine Forderungen gestellt. Das ist wohl auch der Grund, wieso diese Gläubiger einen Erbschein fordern...sie wollen sehen, an wen sie ihre Forderungen künftig stellen können. Macht halt nur bei verjährten Forderungen nicht sonderlich viel Sinn, da wir uns wohl a) kaum mit dem Papierkram rumschlagen würden,wenn wir nicht selbst die Erben wären und b) wir wohl mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit einem Erben raten würden, genau das Gleiche zu tun, was wir selbst auch gerade versuchen: Einrede der Verjährung stellen. Für den Gläubiger kann es also ziemlich egal sein, ob nun unser Vater, wir als Kinder oder ein möglicher anderer Erbe (z.B. eins unsere eigenen Kinder) die Einrede der Verjährung stellt.

Wir Kinder haben im Grunde nur eins im Sinn: wir wollen den ganzen Papierkrieg aus der Welt schaffen, denn unser Vater hat mit sowas überhaupt nichts am Hut...für den ist ein Mahnschreiben von irgendwem schon ein halber Weltuntergang. Ergo versuchen wir quasi, den ganzen Schuldenkram soweit wie möglich zu bereinigen, so dass er damit künftig möglichst wenig behelligt wird. Und dazu gehört auch, möglichen zukünftigen Bettelbriefen wegen längst verjährter Forderungen durch die Einrede der Verjährung den Wind aus den Segeln zu nehmen.
idem
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Re: Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von idem »

Da war doch was mit Forenregeln, hm. :?

Abgesehen davon - ab zum Anwalt. Und vorab mal den Sachverhalt (vollständig) ermitteln/klären.

Und wieso ist man sich sicher, dass Verjährung eingetreten ist, "nur" weil es soundsoalt ist? Womöglich gab es verjährungshemmende oder -unterbrechende Maßnahmen/Vorgänge? :shock: Die "Karton-Buchhaltung" spricht m. E. insoweit Bände.
hambre
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Re: Gläubiger wollen Erbschein

Beitrag von hambre »

idem hat geschrieben:ab zum Anwalt.
Wenn man gerade zuviel Geld hat, kann man das machen.
MarcoW75 hat geschrieben:Nein, an die Erben wurden bislang keine Forderungen gestellt.
Dann sollte man warten, bis Forderungen gestellt werden.
Das ist wohl auch der Grund, wieso diese Gläubiger einen Erbschein fordern...sie wollen sehen, an wen sie ihre Forderungen künftig stellen können.
Aber das ist doch das Problem des Gläubigers und nicht das des Schuldners. Wenn der Gläubiger das unbedingt rechtssicher wissen will, dann kann er ja einen Erbschein beantragen.
Ergo versuchen wir quasi, den ganzen Schuldenkram soweit wie möglich zu bereinigen, so dass er damit künftig möglichst wenig behelligt wird.
Das kann man nur durch Zahlung der Schulden erreichen.
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