Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

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Soldberg
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Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von Soldberg » 25.01.14, 11:20

Ein Auto-Leasingratenvertrag (mit einer Bank) wird ordnungsgemäß November 2013 aufgelöst und die Restforderung beglichen. Es wird durch den Autohändler, der die gesamte Abwicklung betreute - wenn auch nur mündlich - klar geäußert, dass der Leasingvertrag abgelöst wurde und keine weiteren Raten abgebucht werden. Mitte Dezember kommt es (am 11.12.) dennoch zu einer Abbuchung von etwa 360€. Da das abgebuchte Geld aber dringenst und umgehend an anderer Stelle gebraucht wird, wurde der Lastschrift per OnlineBanking (am 13.12) mit dem Resultat der Rückbuchung widersprochen. Genau eine Woche später (17.12.) erfolgte eine Gutschrift in gleicher Höhe der Bank/Gläubiger...

Ohne mit dem Schuldner in irgendeiner Form Kontakt aufzunehmen, was dem Gläubiger durchaus möglich gewesen wäre und wovon er in der Vergangenheit auch erfolgreich Gebrauch gemacht hat, erhielt der Schuldner ohne Vorwarnung Post von einem Inkassobüro, dass neben den vom Schuldner anerkannten 360€ auch Rechtsverfolgungskosten von knapp 100€ (auf Grundlage der §§ 280 und 286 (2) BGB) geltend macht. Eine "Ermächtigung und Vollmacht" in Kopie, lag dem Schreiben des Inkassobüros bei, dass am 21.01. geschrieben, am 22.01. durch die Post gestempelt und am 24.01. vom Schuldner empfangen wurde...

FRAGEN:
1. Ist die Zahlfrist bis spätestens 31.01. vertretbar, wenn zum einen das Schreiben des Inkassobüros erst drei Tage später beim Schuldner an einem Freitag ankommt und sich ein Wochenende anschließt und somit effektiv nur noch fünf Tage zur Verfügung stehen, um zu reagieren?
2. Gibt es bei Inkasso-Briefen bestimmte Formen, die zwingend eingehalten werden müssen? Zum Beispiel: Reicht es tatsächlich, lediglich den Betrag der Gesamtforderung und in der Fußzeile die Rechtsverfolgungskosten separat auszuweisen oder hätte hier eine eine genaue und detailierte Forderungsaufschlüsselung erfolgen müssen? Oder reicht die "Serienkopie" aus, um den Vollmachtsstatus genüge zu leisten?
3. Sind die Rechtsverfolgungskosten durch den Schuldner einwandfrei zu tragen oder sind diese anfechtbar (Stichwort: Kostenminderungspflicht)?
4. Zu welchem Zeitpunkt steht der Schuldner im Verzug?
5. Darf das Inkassobüro überhaupt die oben angegebenen BGB-Paragraphen in diesem Fall anwenden?

Ich hoffe, dass dieses Szenario und die dazugehörigen Fragen ausreichend allgemein gehalten wurden und nicht gegen die hiesigen Forenregeln verstoßen... Sollte es dennoch dazu gekommen sein, bitte ich um entsprechende Hinweise, um es zukünftig besser zu machen...

SusanneBerlin
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.14, 11:33

Soldberg hat geschrieben: 1. Ist die Zahlfrist bis spätestens 31.01. vertretbar, wenn zum einen das Schreiben des Inkassobüros erst drei Tage später beim Schuldner an einem Freitag ankommt und sich ein Wochenende anschließt und somit effektiv nur noch fünf Tage zur Verfügung stehen, um zu reagieren?
Sie nutzen onlinebanking und finden 5 Arbeitstage + ein WE zu kurz, um eine Überweisung zu tätigen?
Bei der Lastschriftrückbuchung haben Sie es doch auch geschafft, innerhalb von 24h zu reagieren.

3.: Ich halte die Inkassokosten für ungerechtfertigt, allerdings hätte man sich den ganzen Ärger auch sparen können, indem man selber die Gutschrift zurücküberweist, evtl. unter vorheriger telefonischer Abklärung mit dem Gläubiger. Die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme besteht schließlich auch in umgekehrter Richtung.


Grüße, Susanne
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Soldberg
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von Soldberg » 25.01.14, 12:41

Ich wusste, dass jemand mich das fragen wird... Für die simple Überweisung halte ich ganze fünf Tage für vollkommen ausreichend... Aber wenn man jetzt bemüht wäre, ganz allgemein - garnicht so sehr auf obiges Szenario gemünzt - nicht gleich klein nachgeben und widerstandlos überweisen zu wollen und stattdessen irgendwelche Schritte dazwischen setzen möchte... zum Beispiel ein Brief an das Inkassobüro mit welchem Inhalt auch immer... Nur weil ich ein Brief an irgendjemand schicke, wird dadurch ja die Zahlfrist kaum bis garnicht beeinflusst... oder etwa doch?

Ansonsten schon mal DANKE für die schnelle Antwort...

khmlev
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von khmlev » 25.01.14, 12:58

Wenn die Hauptforderung berechtigt ist, dann erreicht man mit "Ich-schinde-Zeit-Schreiben" gar nichts, ausser dass (weiter) Verzugszinsen auflaufen. Hinsichtlich der Inkassogebühren ist der Sachverhalt anders, da diese, insbesondere in der Höhe, nicht immer berechtigt sind. Das hängt vom Einzelfall ab. Hier könnte sich anwaltlicher Rat lohnen.
Gruß
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von Rolf22 » 25.01.14, 14:13

Sorry, aber ich sehe den Fall ganz anders: Es wurde ein Vertrag aufgelöst und die Restforderung beglichen. Damit erlosch auch die Einzugsermächtigung. Durch einen Buchhaltungsfehler wurde nochmals abgebucht, worauf der Betroffene die Lastschrift zurückgegeben hat. Das war sein gutes Recht. Inzwischen bemerkt die Buchhaltung das Versehen und macht eine Rückerstattung. Die beiden Vorgänge überschneiden sich.

Natürlich hätte der Betroffene den Betrag gleich zurücküberweisen können. Verpflichtet war er dazu aber nicht. Das ist das gleiche als wenn jemand irrtümlich Geld auf mein Konto überweist und ich geduldig abwarte, ob sich der "Spender" meldet und die Herausgabe einfordert. Dazu bin ich verpflichtet wegen ungerechtfertigter Bereicherung.

Fazit: Ich würde mit dem Autohändler telefonieren, ihn auf den Fehler in seinem Büro hinweisen und den Betrag in Höhe von 360,- Euro umgehend überweisen. Die Sache mit den Rechtsverfolgungskosten ist Nonsense. Das Schreiben vom Inkassobüro kann man vergessen.

khmlev
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von khmlev » 25.01.14, 18:35

Ob der Vertrag wirksam aufgelöst wurde, weiß der Kunde doch gar nicht. Er hat nur die Aussage vom Händler, aber keinerlei Bestätigung vom Leasing-Geber.
Gruß
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von Rolf22 » 25.01.14, 20:18

Es wird durch den Autohändler, der die gesamte Abwicklung betreute - wenn auch nur mündlich - klar geäußert, dass der Leasingvertrag abgelöst wurde und keine weiteren Raten abgebucht werden.
Das sollte genügen.

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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von khmlev » 25.01.14, 21:48

Nein, das genügt wohl eher nicht. Der Autohändler ist der Vermittler, aber nicht der Leasing-Geber und dies war dem Schuldner durchaus bekannt. Nach der Sachverhaltsschilderung hatte er in der Leasingsache früher schon unmittelbaren Kontakt mit dem Leasing-Geber.

Es mag sein, dass er gegen den Autohändler, im Falle eines Schadens, Schadensersatzansprüche geltend machen kann, weil dieser ihm anscheinend eine falsche Mitteilung über die Abbuchung der letzten Rate gemacht hat, aber er wird sich wohl kaum auf die Angaben des Vermittlers berufen können.
Gruß
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danyb
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von danyb » 25.01.14, 23:29

Ich würde die unstrittige Hauptforderung plus 6 € für den Lastschriftstorno plus 10 pauschal für Mahnung und Verzugszinsen unangekündigt und zweckgebunden direkt auf das Konto des Gläubigers überweisen und mich mental darauf einstellen das das Inkassobüro noch einige böse briefe schreiben wird
Eine Klage expl wg den vorgerichtlichen Inkassogebühren halte ich mangels Erfolgsaussichten für extrem wenig wahrscheinlich
EX Inkasso MA - keine juristischen Fachkenntnisse
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Re: Gläubiger-Gutschrift wird zum Inkassofall

Beitrag von Rolf22 » 26.01.14, 08:25

@danyb: Guter Vorschlag!

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