Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versicherung

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Grundbüchle
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Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versicherung

Beitrag von Grundbüchle »

Mal folgenden Fall angenommen:

Aus einem Urteil eines Zivilgerichts kommt der Gerichtsvollzieher.

Der kann nichts pfänden, weil schon viele andere Schulden bestehen in 5 stelliger Summe, und die Beklagte hat bereits mehrfach die eidesstattliche Versicherung abgelegt.

Jetzt läßt sich aber der Kläger in das Grundbuch eintragen mit einer Summe von € 13000,--

Kann er Zwangsvollstrecken, und die Versteigerung eines Hauses verlangen (Haushälfte).

Auf dem Haus liegen ebenso noch Schulden von ca. € 125000,--, die monatlichen Raten werden aber pünktlich bezahlt.

Das Haus hat einen Verkehrswert von ca. geschätzten € 80000,--

dazu kommen noch die weiteren Schulden.

Die Beklagte aus Urteil erhält monatliche Hartz 4 Leistungen und ist über 50 Jahre alt.

Kann der Kläger die Versteigerung des Hauses verlangen?
und wenn Ja, wie würde das von statten gehen, und wer bezahlt das, und wie würde das ablaufen?

Ronny1958
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Re: Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versiche

Beitrag von Ronny1958 »

Was erhofft sich denn der Gläubiger aus der Zwangsvollstreckung zu erreichen?

Realistisch betrachtet ist da nichts zu holen.
Das Bonner Grundgesetz ist unverändert in Kraft. Eine deutsche Reichsverfassung, eine kommissarische Reichs-Regierung oder ein kommissarisches Reichsgericht existieren ebenso wenig, wie die Erde eine Scheibe ist. (AG Duisburg 26.01.2006)

PurpleRain
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Re: Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versiche

Beitrag von PurpleRain »

Grundbüchle hat geschrieben:Auf dem Haus liegen ebenso noch Schulden von ca. € 125000,--, die monatlichen Raten werden aber pünktlich bezahlt.
Ist das ein Hypothek-Darlehen?
Haftet der Schuldner dafür auch persönlich, also mit seinem gesamten Vermögen?
In welcher Höhe ist die Schuld im Grundbuch eingetragen und wie hoch ist die Restforderung des Gläubigers?
Grundbüchle hat geschrieben:Das Haus hat einen Verkehrswert von ca. geschätzten € 80000,--
Ist dabei die Grundschuld oder Restschuld der ersten Hypothek bereits abgezogen oder ist das Haus überbelastet worden?
Grundbüchle hat geschrieben:Kann der Kläger die Versteigerung des Hauses verlangen?
Vom Grundsatz her, ja. Genauere Einschätzung aber nur mit den Antworten auf oben gestellte Fragen.
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

Baden1957
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Re: Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versiche

Beitrag von Baden1957 »

Grundbüchle hat geschrieben:Mal folgenden Fall angenommen:

Aus einem Urteil eines Zivilgerichts kommt der Gerichtsvollzieher.

Der kann nichts pfänden, weil schon viele andere Schulden bestehen in 5 stelliger Summe, und die Beklagte hat bereits mehrfach die eidesstattliche Versicherung abgelegt.

Jetzt läßt sich aber der Kläger in das Grundbuch eintragen mit einer Summe von € 13000,--

Kann er Zwangsvollstrecken, und die Versteigerung eines Hauses verlangen (Haushälfte).

Auf dem Haus liegen ebenso noch Schulden von ca. € 125000,--, die monatlichen Raten werden aber pünktlich bezahlt.

Das Haus hat einen Verkehrswert von ca. geschätzten € 80000,--

dazu kommen noch die weiteren Schulden.

Die Beklagte aus Urteil erhält monatliche Hartz 4 Leistungen und ist über 50 Jahre alt.

Kann der Kläger die Versteigerung des Hauses verlangen?
und wenn Ja, wie würde das von statten gehen, und wer bezahlt das, und wie würde das ablaufen?


Hallo,

grundsätzlich kann jeder Gläubiger, der eine Sicherungs/Zwangshypothek) auf die Immobilie sich hat eintragen lassen, die Versteigerung des Objektes verlangen.
Die Vorgehensweise wäre wie folgt:

Gläubiger beantragt bei Gericht die Zwangsvollstreckung.
Es wird für den Gläubiger ein Kostenvorschuß fällig, welcher natürlich auf Forderungen gegen den Schuldner angerechnet werden.

Gericht lässt den Wert der Immobilie durch einen öffentlich vereidigten Sachverständigen ermitteln.
Diese Kosten, teilweise durch den Kostenvorschuß abgedeckt, sind vom Gläubiger durch Vorkasse zu übernehmen, werden aber ebenfalls dem Schuldner auferlegt.

Sollten die vorrangig eingetragenen 125.000 € durch eine Bank/Bausparkasse/Hypothekenbank etc. bestehen, kann und muss davon ausgegangen werden, dass dieser Gläuber nunmehr das 125.000€-Darlehen kündigen wird, da üblicherweise in den Finanzierungsbedingungen der Bank/Bausparkasse/Hypothekenbank vereinbart ist, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Darlehensnehmers die Bank berechtigt (und verpflichtet) ist, das Darlehen zur sofortigen Rückzahlung fällig zu stellen.

Da offensichtlich die Belastungen der Immobilie den Wert der Immobilie wesentlich übersteigt, hat der "jetzige" Gläubiger die Sicherungs/Zwangs-)Hypothek vermutlich nur eintragen lassen, dass für den Fall des Verkaufes der Immobilie ggf. nach Abzug vorrangiger Forderungen für ihn noch etwas übrig bleiben könnte.

lG
Hinweise erfolgen ausschließlich aufgrund eines vorgetragenen Sachverhaltes und nicht aufgrund von Vermutungen; je detaillierter der Sachverhalt ist, desto zutreffender können die Hinweise sein.

PurpleRain
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Re: Grundbucheintrag aus Urteil ./. Eidesstattliche Versiche

Beitrag von PurpleRain »

Baden1957 hat geschrieben:Gericht lässt den Wert der Immobilie durch einen öffentlich vereidigten Sachverständigen ermitteln.
Ab hier gibt es zwei Varianten:
:arrow: Der ermittelte Wert ist 80.000 € - 120.000 € also negativ. Wegen § 44 Abs. 1 ZVG ist das absolute Mindestgebot 13.000 € + Verfahrenskosten. Das Gericht wird die Versteigerung nicht zulassen, da dabei nur atypische Vermögensverlagerungen passieren können.
:arrow: Der ermittelte Wert ist 200.000 € - 120.000 € also 80.000 €. Insoweit dürfte sich möglicherweise ein Käufer finden. Dabei ist der Schuldner zwar sein Haus, aber auch seine gesamten Schulden los: Der Erwerber tritt in Hypothekenvertrag anstelle des Schuldners ein (§ 53 Abs. 1 ZVG, § 416 BGB). Das Mindesgebot nach § 44 ZVG schützt den Schuldner vor den Verfahrenskosten.
Baden1957 hat geschrieben:Sollten die vorrangig eingetragenen 125.000 € durch eine Bank/Bausparkasse/Hypothekenbank etc. bestehen, kann und muss davon ausgegangen werden, dass dieser Gläuber nunmehr das 125.000€-Darlehen kündigen wird, da üblicherweise in den Finanzierungsbedingungen der Bank/Bausparkasse/Hypothekenbank vereinbart ist, dass bei Zahlungsunfähigkeit des Darlehensnehmers die Bank berechtigt (und verpflichtet) ist, das Darlehen zur sofortigen Rückzahlung fällig zu stellen.
Von Zahlungsunfähigkeit kann bei
Grundbüchle hat geschrieben: die monatlichen Raten werden aber pünktlich bezahlt
nicht ausgegangen werden. Aus diesem Grund ist eine Kündigung wohl nicht möglich.
Baden1957 hat geschrieben:Da offensichtlich die Belastungen der Immobilie den Wert der Immobilie wesentlich übersteigt, hat der "jetzige" Gläubiger die Sicherungs/Zwangs-)Hypothek vermutlich nur eintragen lassen, dass für den Fall des Verkaufes der Immobilie ggf. nach Abzug vorrangiger Forderungen für ihn noch etwas übrig bleiben könnte.
Wieso "nach Abzug vorrangiger Forderungen"? Soweit der vorrangige Gläubiger dem Verfahren nicht beitritt, bleibt dessen Eintrag ja unberührt. Ob er dem Verfahern überhaupt beitreten darf, ergibt sich aus dem Hypotekenvertrag.
Der zweite Gläubiger kann jetzt einfach warten bis die Hypothek abbezahlt ist, ohne zu fürchten, dass seine Forderung verjährt.
"Das ganze Problem mit der Welt ist, dass Dummköpfe und Fanatiker der Richtigkeit ihrer Sicht immer so sicher, weise Menschen aber so voller Zweifel sind." Bertrand Russel

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