Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

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Sabina8
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Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von Sabina8 »

Folgender Fall:

Die Schuldnerin S. wohnt in Berlin Kreuzberg, dort ist sie auch ordnungsgemäß angemeldet.

Allerdings hat auch ihr in Berlin-Schöneberg wohnender Freund T. ihren Namen auf seinem Klingelschild und auf seinem Briefkasten angebracht (zusätzlich zu seinem eigenen). Das hat T. mit S. abgesprochen.

S. teilt ihren diversen Gläubigern die Anschrift in Schöneberg als ihre Adresse mit. An diese Adresse werden nun Vollstreckungsbescheide gegen S. zugestellt.

Frage: Muss T. damit rechnen, dass ein Gerichtsvollzieher in seine Wohnung eindringt und Gegenstände beschlagnahmt? Die Schuldnerin S. wohnt dort ja nicht und ist dort auch nicht gemeldet, nur ihre Post landet dort.

Baden-57
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Re: Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von Baden-57 »

Es erhebt sich die Frage, ob die Schuldnerin mit einer Fake-Adresse die Absicht hat, sich der Zwangsvollstreckung zu widersetzen, zumal beide Adressen in der gleichen Stadt sind.

Der Freund T. wird dem GV erklären müssen, dass die Schuldnerin dort nicht wohnhaft ist; um eine Problematik mit dem GV zu vermeiden, sollte dieser den GV in die Wohnung lassen, damit sich dieser überzeugen kann, dass die Schuldnerin keine Vermögensgegenstände in seiner Wohnung hat.

Sollte einer der Gläubiger aufgrund der fruchtlosen Zwangsvollstreckung sich über die 2 Wohnanschriften "ärgen", kann dieser wg. Verdacht des versuchten Betruges ( § 263 StGB) Strafanzeige erstatten und die Ermittlugnsbehörden haben festzustellen, ob die "Fake-Adresse" zu betrügerischem Zwecke eingerichtet wurde. :shock:

Sabina8
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Re: Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von Sabina8 »

Danke!

Der Gerichtsvollzieher würde also die Wohnung des T. aufsuchen und nicht zuvor schauen, ob die S. dort auch wirklich gemeldet ist?

Ist es denkbar, dass der GV in der Wohnung des T. mehr oder weniger mit Gewalt Computer oder andere Wertgegenstände des T. einpackt, weil er einfach davon ausgeht, diese Sachen gehörten der Schuldnerin?

Wäre es ratsam, dass T., wenn der GV vor ihm steht, diesem sogleich die wahre Wohnanschrift der Schuldnerin mitteilt?

Wäre der Verdacht des Betruges ausgeräumt, wenn die Schuldnerin in ihrer Wohnung in Kreuzberg ebenfalls Klingel- und Briefkastenschild angebracht hat?

winterspaziergang
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Re: Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von winterspaziergang »

falls das hier gilt
Sollte einer der Gläubiger aufgrund der fruchtlosen Zwangsvollstreckung sich über die 2 Wohnanschriften "ärgern", kann dieser wg. Verdacht des versuchten Betruges ( § 263 StGB) Strafanzeige erstatten und die Ermittlungsbehörden haben festzustellen, ob die "Fake-Adresse" zu betrügerischem Zwecke eingerichtet wurde.
würde das hier
Sabina8 hat geschrieben:
Wäre der Verdacht des Betruges ausgeräumt, wenn die Schuldnerin in ihrer Wohnung in Kreuzberg ebenfalls Klingel- und Briefkastenschild angebracht hat?
nicht ausreichen, um den Verdacht des Betruges auszuräumen. Vielmehr deutet sich an, dass man den Gläubiger bewusst in die Irre führen möchte, indem man erst eine andere Adresse nennt, unter der man nicht gemeldet ist, bei etwaigem Auftreten des Gerichtsvollziehers aber gleich die "richtige" Adresse nennt und sich herauszureden versucht, man habe an der gegenüber den Gläubigern nicht genannten Adresse, unter der man gemeldet aber nie anzutreffen ist, ebenfalls ein Namensschild angebracht.

Man könnte auch davon ausgehen, dass der Schuldner an beiden Adressen wohnt und mithin auch alle Gegenstände, die nicht nachweislich dem Freund/Mitbewohner gehören, Eigentum des Schuldners sind.
Zumindest reicht in dem Fall der Verweis, dass der Schuldner nicht in der von ihm selbst als Adresse angegeben Wohnung lebt, nicht aus, um den Verdacht auszuräumen, hier versuche sich der Schuldner weiter seinen Verpflichtungen zu entziehen.

Was an diesem selbst und in erkennbarer Absicht produzierten Wirrwarr eine "Problematik" ist, wie im Titel vermerkt, bleibt offen.

Sabina8
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Re: Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von Sabina8 »

Nun ja, wenn die Schuldnerin in diesem Fall aber gar kein betrügerisches Interesse hat, sondern die Sache nur gemacht wurde, weil sie oft im Ausland ist und der T. ihre Post versorgt?

winterspaziergang
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Re: Schuldner Problematik Briefkasten-/Wohnadresse

Beitrag von winterspaziergang »

Sabina8 hat geschrieben:Nun ja, wenn die Schuldnerin in diesem Fall aber gar kein betrügerisches Interesse hat, sondern die Sache nur gemacht wurde, weil sie oft im Ausland ist und der T. ihre Post versorgt?
Vielleicht glaubt man ihr, vielleicht nicht. Klingt eher nach einer Schutzbehauptung, da die Schuldnerin damit rechnen muss, dass die offenen Forderungen eingetrieben werden und die zwei Adressen Verwirrung schaffen- zumal wenn man sich Entfernung der beiden Stadtteile anschaut.

Zumindest nimmt sie billigend in Kauf, da sie laut Eingangsbeitrag ihren Gläubigern eine Adresse nennt, von der sie selbst weiß, dass sie nur für Post ist (da sie zwar ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen "kann", aber offenbar Geld für häufige und längere Auslandsreisen übrig hat).

Lösung: Die Schuldnerin zahlt ihre Schulden. Dann ist die Frage, ob sie im Ausland ist und wer ihre Post und die Blumen versorgt oder wem die teuren Sachen in Wohnung 1 oder 2 gehören keine, die das Gericht beschäftigen muss.

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