Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

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Mike R.
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Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von Mike R. » 02.10.16, 20:21

Hallo liebe Forengemeinde:

was meint ihr zu folgendem:
Aufgrund fehlender Kontodeckung in Abwesenheit eines Schuldners kann eine Rechnung Ende 2015 nicht abgebucht werden. Es treffen Mahnungen ein. Nach Rückkehr des Schuldners (Jan. 2016) beginnt dieser umgehend mit einem Gespräch mit dem Gläubiger, zahlt die Forderung.
Etwa zeitgleich mit den Gesprächen, der Überweisung, trifft ein Schreiben eines angeblich mit Inkasso beauftragten RA ein. Dieser fordert (gesamt) etwa das Doppelte der ursprünglichen Summe. Nachdem er keine Vollmacht vorlegt, wird seine Forderung zurück gewiesen. Bei späteren Schreiben darauf hingewiesen, dass laut Auskunft des Gläubigers keine Forderung besteht.
Etwa 10 Monate nach diesem Vorgang legt der Inkassoanwalt eine 'allgemeine' Vollmacht vor (Kopie, datiert auf Mitte 2015) und fordert mit Klageandrohung 'seine' Kosten ein. (Ende 09.2016)

Die Meinung des Schuldners ist einfach: Wenn er seine Arbeit nicht sauber macht haftet er oder sein Arbeitgeber dafür. Ist es bei Rechtsanwälten ähnlich?

Was meint ihr?
Dankeschön
Mike R.

Baden-57
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Re: Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von Baden-57 » 03.10.16, 10:15

Der Zahlungsverzug bestand bereits; somit war der Gläubiger berechtigt, den Forderungseinzug einem Inkasso zu übergeben; damit sind vom Schuldner auch die Inkassokosten zu übernehmen.

Es ist ein Mythos, dass ein Inkasso oder ein RA eine Vollmacht vorlegen muß und ohne Vollmacht der Schuldner die Zahlung verweigern kann; Tatsache ist, dass spätestens bei Einreichung der Klage vor Gericht die Vollmacht vorgelegt werden muß.
Die ständige Rechtssprechung führt dazu aus, dass der Schuldner von einer ordentlichen Bevoll-mächtigung ausgehen kann, wenn im Schreiben des Bevollmächtigten Forderungen geltend gemacht werden, welche Inhalt eines Rechtsgeschäftes zwischen Schuldner und Gläubger sind.

Bei größeren Unternehmen ist es usus, dass die Beauftragung des Inkasso und die für den Forderungseinzug erforderlichen Daten online übermittelt werden; zwischen dem Unternehmen und dem Inkasso besteht ein Generalvertrag.
Erst wenn das Inkasso an das Unternehmen meldet, dass ein gerichtliches Verfahren erforderlich ist, wird jetzt dem Inkasso die Vollmacht übermittelt. Diese Vorgehensweise ist rechtlich nicht zu beanstanden.

Es kommt nicht darauf an, ob die Verbindlichkeit zwischenzeitlich ausgeglichen wurde sondern nur darauf an, ob zum Zeitpunkt der Beauftragung des Inkasso die Forderung bereits ausgeglichen war, also am Tag x das Geld auf dem Konto des Unternehmens war, als das Unternehmen das Inkasso beauftragte.
Des scheint nicht so zu sein, denn es wird ja vorgetragen, daß:
Etwa zeitgleich mit den Gesprächen, der Überweisung, das Inkassoschreiben angekommen ist. Das bedeutet, dass das Inkassounternehmen Tage vorher schon beauftragt war und eine Überweisung kein Zahlungseingang beim Gläubigerkonto bedeutet.

Da nicht bekannt ist, welche Höhe im Zahlungsrückstand war, kann zu den Inkassokosten keine Angaben gemacht werden. Das Inkasso darf keine höheren Gebühren als ein RA verlangen, aber auch einem RA stehen pauschlierte Auslagen zu, somit auch dem Inkasso.

Mike R.
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Re: Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von Mike R. » 03.10.16, 12:42

Hallo Baden-57
danke für deine rasche Antwort.
Erlaube mir bitte noch ein paar Nachfragen, nachdem meine 'Rechtskenntnisse' mehr aus Resten meiner Ausbildung (lang ist's her) und aus Bauchempfinden herrühren. Vielleicht gibt es da noch etwas gerade zu rücken:
Wenn ich mich recht erinnere, hat ein Bevollmächtiger (Auch wenn Du Mythos meinst; so m. M. n. auch ein RA) seine Bevollmächtigung zusammen mit der Willenserklärung vor zu legen.(Eine solche Vollmacht muss noch gewisse Voraussetzungen erfüllen; welche, weiß ich nicht mehr) Tut er dies nicht, und weist der Empfänger die Willenserklärung mit Verweis auf fehlende Vollmacht umgehend zurück, wird die Willenserklärung hinfällig. Sie müsste also ggfls neu unter gleichzeitiger Vorlage der Vollmacht vorgelegt werden.

Meinem Empfinden nach ist die fehlende Vollmacht bei einem Rechtsanwalt aber nichts anderes; als würde ein Handwerker bekannt benötigtes Werkzeug zu Hause lassen. Deswegen seine Beauftragung nicht ausführen können. Und die Abrechnung der Kosten ähnlich, als würde derselbe Handwerker mir seine Kosten in Rechnung stellen obwohl ich weder der Auftraggeber bin noch er seinen Auftrag erfüllte. Sehe ich das zu schräg?
Dankeschön
Mike R.

rabenthaus
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Re: Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von rabenthaus » 03.10.16, 12:58

Hallo

ja das sehen Sie zu schräg. Da ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Grundsätzlich ist das mit der Willenserklärung richtig, aber die Mahnung ist keine Willenserklärung in diesem Sinne.

Normalerweise reicht es aus, wenn der Anwalt seine Bevollmächtigung anwaltlich versichert.
Wir sind dafür, dass wir dagegen sind.

Mike R.
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Re: Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von Mike R. » 03.10.16, 15:33

rabenthaus hat geschrieben: Grundsätzlich ist das mit der Willenserklärung richtig, aber die Mahnung ist keine Willenserklärung in diesem Sinne.
Tut mir leid, das verstehe ich gerade nicht. Wenn ich mich an meine Ausbildung richtig erinnere, gehören Mahnungen ebenso wie z. B. Kündigungen, Vollmachten, oder Widerrufe zu den einseitigen wie auch empfangsbedürftigen Rechtsgeschäften. Habe ich da etwas falsch in Erinnerung oder verstehe ich Sie gerade falsch?
rabenthaus hat geschrieben: Normalerweise reicht es aus, wenn der Anwalt seine Bevollmächtigung anwaltlich versichert.
Dem widerspreche ich auch nicht.
(Auch wieder Ausbildungswissen, sorry) Grundsätzlich ist nach § 180 BGB bei Geschäften für Dritte eine Bevollmächtigung notwendig, diese unverlangt und unverzüglich vorzuweisen. (Wenn mein Auftraggeber nicht bereits dem Empfänger meine Bevollmächtigung mitteilte) Gilt meinem Gefühl nach auch für Anwälte. Geschieht dies nicht, kann die entsprechende Willenserklärung (174 BGB müsste das sein) zurückgewiesen werden. Damit wird aber auch die Willenserklärung unwirksam. Was für mich in der Praxis bedeutet, ich habe mir ne Vollmacht zu holen und die Willenserklärung neu vorzulegen oder zu formulieren. Die Kosten von meinen Arbeiten zuvor darf ich selber berappen.
Baden-57 hat geschrieben: Das Inkasso darf keine höheren Gebühren als ein RA verlangen, aber auch einem RA stehen pauschlierte Auslagen zu, somit auch dem Inkasso.
Selbst wenn er die Arbeit, für die die Gebühren berechnet, nicht oder hier nicht 'rechtmäßig' ausführte? Mir kommt das so vor, als würde der Handwerker vergessen haben notwendiges Werkzeug einzupacken und mir nachher die zusätzliche Fahrt in Rechnung stellen.
Dankeschön
Mike R.

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Re: Inkasso/RA Forderung nach 10 Monaten

Beitrag von danyb » 03.10.16, 21:40

Baden-57 hat geschrieben:
Das bedeutet, dass das Inkassounternehmen Tage vorher schon beauftragt war und eine Überweisung kein Zahlungseingang beim Gläubigerkonto bedeutet.

Da nicht bekannt ist, welche Höhe im Zahlungsrückstand war, kann zu den Inkassokosten keine Angaben gemacht werden. Das Inkasso darf keine höheren Gebühren als ein RA verlangen, aber auch einem RA stehen pauschlierte Auslagen zu, somit auch dem Inkasso.
Inkassobüro ?
Lt Eingangspost hat leider kein schnödes Inkassobüro sondern eine Anwaltskanzlei geschrieben
EX Inkasso MA - keine juristischen Fachkenntnisse
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