Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Moderator: FDR-Team

Mieter_NRW
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von Mieter_NRW »

Der Titel ist echt.

Ich habe die "Schulden" aber nicht gemacht und hatte bis vor 3 Wochen nicht einmal eine Ahnung, dass es diese Schulden überhaupt gibt. Wie gesagt war ich unter 18, als die Schulden wohl entstanden sind und meine Mutter hat wahrscheinlich alle Briefe in den Müll geworfen, weil ich ja dort nicht mehr gewohnt habe. Ich kann nicht verstehen wie man einen Warenwert um die 1500,00 Euro an einen 16-17 Jährigen "aushändigen" kann und wie es NIEMANDEN (Richter) auffällt.

Heute konnte ich niemanden in Hamburg erreichen. Mal sehen wie es weitergeht.

webelch
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von webelch »

Mieter_NRW hat geschrieben:Heute konnte ich niemanden in Hamburg erreichen. Mal sehen wie es weitergeht.
Wer sollte da "in Hamburg" erreicht werden? War auch kein Anwalt telefonisch erreichbar, denn der Rat
freemont hat geschrieben:Eine zügige anwaltliche Beratung ist sicher das sinnvollste, was man da jetzt tun kann.
erscheint auch mir durchaus sinnvoll.

Mieter_NRW
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von Mieter_NRW »

Das Amtsgericht. Anwalt wollte ich mir am Montag/Dienstag suchen.

SusanneBerlin
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von SusanneBerlin »

Hallo,

Vielleicht liegt auch eine Namensverwechlung vor, d.h. der richtige Schuldner hat denselben Namen und das Inkassobüro hat Sie auf gut Glück angeschrieben.

Lautet denn der Titel auf die damalige Adresse?
Ich kann nicht verstehen wie man einen Warenwert um die 1500,00 Euro an einen 16-17 Jährigen "aushändigen" kann und wie es NIEMANDEN (Richter) auffällt.
Wenn weder dem gerichtlichen Mahn- noch dem Vollstreckungsbescheid widersprochen wird, dann gibt es für das Gericht keinen Anlass einzuschreiten.
Grüße, Susanne

questionable content
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von questionable content »

SusanneBerlin hat geschrieben:Hallo,

Vielleicht liegt auch eine Namensverwechlung vor, d.h. der richtige Schuldner hat denselben Namen und das Inkassobüro hat Sie auf gut Glück angeschrieben.

Lautet denn der Titel auf die damalige Adresse?
Ich kann nicht verstehen wie man einen Warenwert um die 1500,00 Euro an einen 16-17 Jährigen "aushändigen" kann und wie es NIEMANDEN (Richter) auffällt.
Wenn weder dem gerichtlichen Mahn- noch dem Vollstreckungsbescheid widersprochen wird, dann gibt es für das Gericht keinen Anlass einzuschreiten.
Es könnte auch noch eine ganze Anzahl weiterer Verquickungen geben. Es gibt in Deutschland z.B. auch durchaus organisierte Kriminalität, die sich auf die Generierung von nicht real existierenden Forderungen und dem Erzeugen von Vollstreckungsbescheiden für diese spezialisiert haben.

Das alles spielt beim aktuellen Stand der Dinge aber nur eine untergeordnete Rolle für die Frage nach dem besten Vorgehen. Es besteht unstreitig ein wirksamer Vollstreckungstitel, der von den Vollstreckungsorganen und dem Inkasse soweit ersichtlich - trotz der Adresswechsel im Lauf der Zeit - einer bestimmten Person zugeordnet wurde.

Damit bleibt tatsächlich nur die Ansage "Auf zum Anwalt", denn in dem Fall ist das zeitnahe Einlegen von förmlichen Rechtsbehelfen praktisch unverzichtbar.
Few people are capable of expressing with equanimity opinions which differ from the prejudices of their social environment. Most people are even incapable of forming such opinions.

Evariste
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von Evariste »

questionable content hat geschrieben: Es besteht unstreitig ein wirksamer Vollstreckungstitel
Ich lese hier im Sachverhalt, beachten Sie die Datumsangaben:
Mieter_NRW hat geschrieben: Ich bin Q1 1985 geboren. ... Vollstreckungsbescheid vom 17.02.2004 aufgrund des am 30.12.2003 erlassenen und am 06.01.2004 zugestellten Mahnbescheids.

2003/2004 war ich nicht einmal "zuhause", weil meine Mutter mich nicht reingelassen hat.
D. h. zum Zeitpunkt der Zustellung des Mahnbescheids war der Schuldner bereits volljährig, somit konnte nur persönlich an ihn und nicht mehr an die Mutter als gesetzlicher Vertreter zugestellt werden. Wenn also an die Adresse bei der Mutter zugestellt wurde, war die Zustellung fehlerhaft und dem Mahnbescheid könnte auch jetzt noch widersprochen werden.

Ich sehe das aber auch so, dass man hier besser einen Anwalt einschaltet. Für eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand muss gegenüber dem Gericht glaubhaft gemacht werden, dass man damals nicht unter dieser Adresse gewohnt hat, wahrscheinlich war man aber noch dort gemeldet, das ist also vermutlich nicht so einfach.

freemont
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von freemont »

Evariste hat geschrieben:... Für eine Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand ...
Falls tatsächlich keine wirksame Zustellung erfolgt ist, hat die Zweiwochenfrist für den Einspruch noch gar nicht zu laufen begonnen.

Sicherheitshalber sollte man selbstverständlich auch die Wiedereinsetzung beantragen, als Netz und doppelten Boden sozusagen. Wenn es aber an der Zustellung fehlt, ist es eigentlich gar nicht nötig. Allein der Einspruch wäre dann ausreichend.

Dem Mahnbescheid kann i.Ü. nicht widersprochen, wohl aber muss gegen den VB Einspruch eingelegt werden. Der VB ist nicht nichtig, weil die Zustellung des Mahnbescheids fehlt.

Baden-57
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Re: Plötzlich Schuldner nach 15 Jahren

Beitrag von Baden-57 »

Wenn ein Inkasso einen Titel behauptet, liegt auch ein Titel vor, denn sonst würde sich das Inkasso des versuchten Betruges schuldig machen und verliert somit die Inkassozulassung.

Aus einem der Beiträge ergibt sich, dass die Freundin schwanger war; evtl. hat die Freundin Waren gekauft; dies ist bei Schwangeren in jungen Jahren nicht "unüblich".

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