Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/Name

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exzelsio
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Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/Name

Beitrag von exzelsio » 30.05.18, 13:33

Hallo,

folgender Fall:

Käufer überweist den Kaufpreis im Jahr 2013
und 2014 an zwei Verkäufer für zwei Produkte.

Die Ware kommt weder 2013 noch 2014
an. Verkäufer hatte verschiedene Namen
verwendet, beide waren falsch.

Der Käufer wusste dies nicht. Er hatte keinen
echten Namen und keine Anschrift.

Erst 2017 erstattet Käufer Anzeige und erhält
daraufhin Ende 2017/Anfang 2018 den echten
Namen des selben Verkäufers. Nun möchte
er seinen Kaufpreis per Klage zurückfordern.

Normalerweise wären die Ansprüche aus 2013
im Jahr 2016 und aus 2014 im Jahr 2017 verjährt.

Hat der Käufer hier auch noch 2018 Zeit, da ihm
die echten Daten des selben Verkäufers nicht
vorlagen?

vg
exzelsio

ktown
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von ktown » 30.05.18, 13:56

Naja, dem Käufer muss natürlich die von ihm vertrödelte Zeit auch zugerechnet werden.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

SusanneBerlin
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von SusanneBerlin » 31.05.18, 07:08

Hallo,

es ist kein Inkasso involviert, es gibt noch keine Mahnung und keine Vollstreckung, sondern um das erstmalige Geltendmachen von Kaufpreiserstattung des Käufers.
Nun möchte
er seinen Kaufpreis per Klage zurückfordern.
Dann wäre der thread doch im Zivilprozessrecht besser aufgehoben.
Grüße, Susanne

freemont
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von freemont » 31.05.18, 07:19

exzelsio hat geschrieben:...

Hat der Käufer hier auch noch 2018 Zeit, da ihm
die echten Daten des selben Verkäufers nicht
vorlagen?

vg
exzelsio
Hallo,

der Betrüger kann sich so nicht in die Verjährung retten, siehe § 199 BGB, erst mit Kenntnis der Realdaten hat die Verjährung begonnen:
Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist und Verjährungshöchstfristen

(1) Die regelmäßige Verjährungsfrist beginnt, soweit nicht ein anderer Verjährungsbeginn bestimmt ist, mit dem Schluss des Jahres, in dem
1. der Anspruch entstanden ist und
2. der Gläubiger von den den Anspruch begründenden Umständen und der Person des Schuldners Kenntnis erlangt oder ohne grobe Fahrlässigkeit erlangen müsste.
Die Verjährungshöchstfrist wird erst nach 10 Jahren erreicht.

webelch
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von webelch » 31.05.18, 07:23

Könnte man nicht schon von grober Fahrlässigkeit sprechen, wenn man sich 4 Jahre Zeit lässt mit einer Reaktion?

SusanneBerlin
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von SusanneBerlin » 31.05.18, 07:41

webelch hat geschrieben:Könnte man nicht schon von grober Fahrlässigkeit sprechen, wenn man sich 4 Jahre Zeit lässt mit einer Reaktion?
Man nimmt eine Einteilung in leichte, mittlere und grobe Fahrlässigkeit dann vor, um in bestimmten Konstellationen zu entscheiden ob der Schadensverursacher für den entstandenen Schaden haftet. Der Käufer hat aber keinen Schaden verursacht, sondern er wurde geschädigt.
Wie lange sich der Geschädigte Zeit lässt den Schaden zu ahnden ist seine Sache, er muss lediglich die Verjährung betrachten.
Grüße, Susanne

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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von freemont » 31.05.18, 07:43

webelch hat geschrieben:Könnte man nicht schon von grober Fahrlässigkeit sprechen, wenn man sich 4 Jahre Zeit lässt mit einer Reaktion?

Nein, es liegt ein Betrug vor.

Der arglistige Verkäufer hat hier vorsätzlich seine Identität verschleiert.

ktown
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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von ktown » 31.05.18, 09:47

Aha.
Ich kann also als Gläubiger mehr als 2 Jahre verstreichen lassen und mich dann darauf berufen, dass ich den realen Namen erst nach 3 Jahren in Erfahrung bringen konnte?
Woran kann man den Tatvorwurf des Betrugs festmachen?
Ich gehe davon aus, dass in beiden Fällen die Ware per Post versandt wurde und bei C2C Verträgen trägt wer das Versandrisiko? Die Ware kann in beiden Fällen auf dem Versandweg verloren gegangen sein.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von freemont » 31.05.18, 18:02

ktown hat geschrieben:Aha.
Ich kann also als Gläubiger mehr als 2 Jahre verstreichen lassen und mich dann darauf berufen, dass ich den realen Namen erst nach 3 Jahren in Erfahrung bringen konnte?
Woran kann man den Tatvorwurf des Betrugs festmachen?
Ich gehe davon aus, dass in beiden Fällen die Ware per Post versandt wurde und bei C2C Verträgen trägt wer das Versandrisiko? Die Ware kann in beiden Fällen auf dem Versandweg verloren gegangen sein.
Wenn Sie das als grob fahrlässiges Verhalten des Käufers ansehen, kann man das nicht ändern.
Verkäufer hatte verschiedene Namen
verwendet, beide waren falsch.
Alle Betrüger werden sich freuen. Wenn das sogar Moderatoren in einem Rechtsforum so sehen, dann muss das wohl so sein.

Die Blaupause für die Beutesicherung, die Sie hier skizzieren funktioniert aber nicht.

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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von ktown » 31.05.18, 18:12

freemont hat geschrieben:Wenn Sie das als grob fahrlässiges Verhalten des Käufers ansehen, kann man das nicht ändern
Die zivilrechtliche Verjährung hat mit der strafrechtlichen nichts zu tun.
Aber ich gebe ihnen Recht. Eine Hintertür gibt es: § 852 BGB und ich vermute mal, dass sie diesen Paragraphen mit ihren 10 Jahren meinten.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Rückzahlung Kaufpreis: Verjährung & Ermittlung Adresse/N

Beitrag von freemont » 02.06.18, 11:10

ktown hat geschrieben:
freemont hat geschrieben:Wenn Sie das als grob fahrlässiges Verhalten des Käufers ansehen, kann man das nicht ändern
Die zivilrechtliche Verjährung hat mit der strafrechtlichen nichts zu tun.
Aber ich gebe ihnen Recht. Eine Hintertür gibt es: § 852 BGB und ich vermute mal, dass sie diesen Paragraphen mit ihren 10 Jahren meinten.

§ 199 III BGB:

(3) 1Sonstige Schadensersatzansprüche verjähren
1. ohne Rücksicht auf die Kenntnis oder grob fahrlässige Unkenntnis in zehn Jahren von ihrer Entstehung an ...

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