Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

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StadlerTony
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Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von StadlerTony » 03.10.18, 13:07

Hallo,

ein Freund von mir hat einen Kredit von über 25.000 Euro, da er Student ist und mittellos (monatliches Nettogehalt weit unter 1.000 Euro) und auch keine Vermögenswerte besitzt, wird er die Rückzahlungsraten, die bald anstehen nicht zahlen können. Eventuell wird das auch dazu führen, dass der Kreditvertrag von Seiten der Bank gekündigt wird und er auf einen Schlag die 25.000 Euro zurückzahlen muss.
Das heißt er wird vermutlich einen Offenbarungseid ablegen müssen. Aber wird das auch dazu führen, dass ein Gerichtsvollzieher bei ihm etwas pfänden wird bzw. versuchen wird zu pfänden?

Soweit ich weiß, darf nur etwas gepfändet werden, wenn damit die Schulden getilgt werden können. Allerdings besitzt er nichts von Wert (kein Schmuck, kein Auto etc.). Macht es dabei einen Unterschied, ob die 25.000 Euro gänzlich zurückzuzahlen sind oder ob es nur monatliche Raten von z.B. ca. 150 Euro sind, die nicht bedient werden können?

Könnte in beiden Fällen oder nur in letzterem ein Gerät der Unterhaltungselektronik, welches zwar über 10 Jahre alt ist, aber einen Wiederverkaufswert von 300-400 Euro haben "könnte" durch eine Pfändung betroffen sein?

Stefanie145
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von Stefanie145 » 03.10.18, 14:14

Hallo,

es kann gut sein, dass die Bank eine Pfändung beantragen wird, wenn ein Titel vorliegt.

Wenn der Gerichtsvollzieher einen Pfändungsauftrag von der Bank bekommt, kann dieser grundsätzlich alle Gegenstände (ggf. im Rahmen einer Austauschpfändung) pfänden, bei denen sich die Schuld, nach Abzug aller durch die Pfändung entstandenen Kosten, verringert.

Viel wahrscheinlicher ist in meinen Augen, dass der Schuldner die Vermögensauskunft abgeben muss. Zudem wird die Bank vermutlich den Schuldner bei der Schufa melden, so dass es in der Zukunft nur schwer Kredite, Handyverträge etc. für den Schuldner zu bekommen sind.

StadlerTony
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von StadlerTony » 03.10.18, 16:06

Stefanie145 hat geschrieben:Viel wahrscheinlicher ist in meinen Augen, dass der Schuldner die Vermögensauskunft abgeben muss. Zudem wird die Bank vermutlich den Schuldner bei der Schufa melden, so dass es in der Zukunft nur schwer Kredite, Handyverträge etc. für den Schuldner zu bekommen sind.
Hallo Stefanie,

ist eine Vermögensauskunft nicht das gleiche wie ein Offenbarungseid? Und erfolgt bei diesem nicht ohnehin ein negativer Schufaeintrag? Im geschilderten Fall geht es ja nur darum, ob eine Pfändung des einzig verwertbaren Gegenstandes im Haushalt zu erwarten ist, obwohl damit die eventuelle Gesamtschuld von 25.000 Euro nicht zu decken wäre, sondern nur eine einzige oder höchstens zwei Monatsraten zu decken wäre.

Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass eine Pfändung rechtswidrig sei, wenn der Erlös geringer ist, als die Schuldhöhe und die Kosten des Gerichtsvollziehers. Demnach wäre doch die Pfändung z.B. eines DVD-Recorders auch wenn dieser noch 400 Euro erbringen würde, nicht möglich - oder?

webelch
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von webelch » 03.10.18, 17:20

Es gibt keinen Offenbarungseid. Seit 1.1.2013 gibt es die Vermögensauskunft. Zur Pfändung hat Stefanie schon ausgeführt. Der Gläubiger wird zunächst ein Mahnverfahren betreiben, an dessen Ende ein vollstreckbarer Titel steht. Aus diesem wird gepfändet bzw eine Vermögensauskunft verlangt.

FM
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von FM » 03.10.18, 18:04

StadlerTony hat geschrieben: Bei meinen Recherchen habe ich gelesen, dass eine Pfändung rechtswidrig sei, wenn der Erlös geringer ist, als die Schuldhöhe und die Kosten des Gerichtsvollziehers. Demnach wäre doch die Pfändung z.B. eines DVD-Recorders auch wenn dieser noch 400 Euro erbringen würde, nicht möglich - oder?
Falsch verstanden. Unzulässig wäre eine Pfändung, wenn die Kosten der Verwertung (z.B. Versteigerung) vermutlich höher wären. Aber man darf schon auch 20.000 Euro Bargeld pfänden (keine Verwertungskosten), obwohl die Schuld von 25.000 Euro damit noch nicht ganz getilgt ist und der GV auch eine Gebühr berechnet.

Außerdem will der GV schon selbst nachsehen, ob in der Wohnung etwas Pfändbares vorhanden ist, die bloße formlose Mitteilung "ich hab nix" reicht nicht. Und die Vermögensauskunft (Offenbarungseid) erfolgt erst danach, ggf. sofort danach.

Aber andere Frage: ein mittelloser Student bekommt von einer Bank 25.000 Euro? Von einer richtigen Bank? Ohne Sicherheiten? Waren alle Angaben bei der Bonitätsprüfung wahrheitsgemäß?

ExDevil67
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von ExDevil67 » 03.10.18, 19:49

FM hat geschrieben: Aber andere Frage: ein mittelloser Student bekommt von einer Bank 25.000 Euro? Von einer richtigen Bank? Ohne Sicherheiten? Waren alle Angaben bei der Bonitätsprüfung wahrheitsgemäß?
Das sind berechtigte Fragen. So ganz ohne Sicherheiten kann mich das aber bei einer Bank nicht vorstellen. Und wenn wird die Bank beim Zahlungsausfall im ersten Schritt auf die Sicherheit zugreifen.

StadlerTony
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von StadlerTony » 03.10.18, 20:13

Es handelt sich in besagtem Fall um einen Studienkredit bei der (halb?-)stattlichen Bank Kreditanstalt für Wiederaufbau. Daher waren Sicherheiten wohl nicht nötig.

Weiß jemand, ob diese Bank bei Zahlungsunfähigkeit vielleicht anders verfährt als eine rein private Bank?

Jdepp
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von Jdepp » 03.10.18, 21:59

StadlerTony hat geschrieben:
Stefanie145 hat geschrieben:Viel wahrscheinlicher ist in meinen Augen, dass der Schuldner die Vermögensauskunft abgeben muss. Zudem wird die Bank vermutlich den Schuldner bei der Schufa melden, so dass es in der Zukunft nur schwer Kredite, Handyverträge etc. für den Schuldner zu bekommen sind.
Hallo Stefanie,

ist eine Vermögensauskunft nicht das gleiche wie ein Offenbarungseid?
Den Offenbarungseid gibt es unter der Bezeichnung seit fast 50 Jahren schon nicht mehr.

SusanneBerlin
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von SusanneBerlin » 03.10.18, 22:58

StadlerTony hat geschrieben: Weiß jemand, ob diese Bank bei Zahlungsunfähigkeit vielleicht anders verfährt als eine rein private Bank?
Wissen tue ich es nicht, aber ich gehe davon aus, dass keine Bank (egal welche), "einfach so" auf 25.000€ verzichtet. Die Bank wird sich höchstwahrscheinlich einen Titel sichern damit die nächsten 30 Jahre nichts verjährt und alle paar Jahre die Vermögensauskunft fordern und/oder einen Vollstreckungsversuch machen.
Grüße, Susanne

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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von RGSilberer » 04.10.18, 16:09

Die Studienkredite der KfW sind doch erst ab einem gewissen Einkommen zur Rückzahlung fällig. Der Student sollte am besten einmal mit seiner Bank sprechen.

StadlerTony
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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von StadlerTony » 04.10.18, 16:58

RGSilberer hat geschrieben:Die Studienkredite der KfW sind doch erst ab einem gewissen Einkommen zur Rückzahlung fällig. Der Student sollte am besten einmal mit seiner Bank sprechen.
In diesem Fall geht es darum, dass die Auszahlungsphase beendet wurde, und dann nach einer gewissen Zeit die Rückzahlungsphase beginnt, die Rückzahlungsraten jedoch nicht bedient werden können. Das wiederum kann dazu führen, dass das Vertragsverhältnis beendet wird und die erhaltene Summe in Gänze fällig wird - unabhängig davon, ob schon ein Einkommen erwirtschaftet wird.

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Re: Wie wahrscheinlich ist eine Pfändung in diesem Fall?

Beitrag von RGSilberer » 05.10.18, 09:07

StadlerTony hat geschrieben:
RGSilberer hat geschrieben:Die Studienkredite der KfW sind doch erst ab einem gewissen Einkommen zur Rückzahlung fällig. Der Student sollte am besten einmal mit seiner Bank sprechen.
In diesem Fall geht es darum, dass die Auszahlungsphase beendet wurde, und dann nach einer gewissen Zeit die Rückzahlungsphase beginnt, die Rückzahlungsraten jedoch nicht bedient werden können. Das wiederum kann dazu führen, dass das Vertragsverhältnis beendet wird und die erhaltene Summe in Gänze fällig wird - unabhängig davon, ob schon ein Einkommen erwirtschaftet wird.
Und in solchen Fällen ist immer ein Gespräch mit der Bank sinnvoll.

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