Zwielichtige Mahnung

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GioMate
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Zwielichtige Mahnung

Beitrag von GioMate » 19.03.19, 14:38

Hallo Zusammen,

nehmen wir an, Betroffener B am vergangenem Freitag einen beunruhigenden/suspekten Brief bekommen:

B und seine Schwester hätten vor ca. 7 Jahren über ihren Vater (die zu diesem Zeitpunkt noch nicht volljährig waren) einen Fitnessvertrag abgeschlossen. Nach 2 Jahren wurde fristgerecht gekündigt, die Kündigungen liegen jedoch gerade nicht mehr vor (es kann sein dass sich irgendwo noch die Bitte auf Kündigung befinden und/oder eine Kündigungsbestätigung, das weiß B jedoch noch nicht und kann das auch erst nächste Woche klären). Jedenfalls kam vor einigen Tagen dann ein Brief an beide mit einer „Letzte(n) außergerichtliche(n) Mahnung“ (das ist übrigens der erste Brief der bis jetzt ankam) mit der Aufforderung den offenen Betrag in den nächsten 10 Tagen nach Ausstellung des Briefes (der übrigens nicht per Einschreiben kam) an ein Konto zu überweisen. Aufgelistet sind dann auf 3 Zetteln offene Beiträge der letzten 5 Jahre, für jeden Monat einzeln plus schlussendlich Mahngebühren vom 22.02.2019 (?) sowie vom 13.03.2019, den fälligen Gesamtbetrag darf B sich anscheinend selbst zusammenrechnen. In dieser Zeit besuchten keiner der beiden Betroffenen das Fitnessstudio. Unabhängig davon gibt es einige weitere Ungereimtheiten:

- Am Tag der Ausstellung der Mahnung wurde das Fitnessstudio besucht um das es nur gehen kann (es lief bis vor einigen Monaten noch unter einem anderen Namen und hat jetzt den neuen Namen auf dem Briefkopf). Es handele sich dabei um eine mittelgroße Kette die in mehreren norddeutschen Städten Studios betreibt. Auf Nachfrage konnte man keinen Vertrag oder sonstige Unterlagen vorlegen, der alte Betreiber hat wohl einige bürokratische Fehler gemacht und es seien viele ehemalige „Mitglieder“ (die teilweise wohl keinen Vertrag dort hatten) abgemahnt worden. Es wurde Verständnis entgegengebracht und es scheint einen „Sammeltermin“ in den darauf folgenden Tagen zu geben zu geben (wobei am darauf folgendem Tag die 10-Tage Frist abläuft).

- Der Briefkopf weist auf die Zentrale der Stadt X hin (unter Angabe einer falschen Nummer) die absolut keine Ahnung hat worum es geht, es scheint als ob sich dort viele Personen schon gemeldet haben.
Auf einer Seite ist das Studio der Stadt Y angegeben, jedoch unter Angabe einer Adresse der Stadt Z.

- Der Brief ist nicht unterschrieben oder sonstiges, es ist auch kein Ansprechpartner oder Sonstiges angegeben.

- Laut Onlinerezensionen scheint es auch hin der Vergangenheit viele Situationen gegeben zu haben in denen es um nicht eingehaltene Rücksprachen etc. geht, immer mit der Verweis auf den Betreiber.

Der Brief wirkt zunehmend skurriler, jedoch sind der neue Name des Fitnessstudios angegeben sowie eine deutsche Kontonummer und die Angabe des zugehörigen Amtsgerichtes. Grundsätzlich schwache Gründe, die betroffene Person möchte sich jedoch unter allen Umständen einen Schufa-Eintrag sparen.

Wie wäre jetzt ein erstes Vorgehen? Wie sollte man reagieren? Da es sich um Personen handelt die gerade ihre jeweiligen Ausbildungswege gehen bzw. gerade abgeschlossen haben zögern Sie noch etwas direkt zu einem Anwalt zu gehen da Erstberatungsgespräche scheinbar schnell große Kosten hervorrufen können.

Ich hoffe ich habe diesen etwas verwirrenden Sachverhalt so gut es geht klar machen können und dass ihr Vorschläge habt wie die aktuelle Rechtslage in diesem Fall ist?

Lieben Dank!

ktown
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von ktown » 19.03.19, 17:11

GioMate hat geschrieben:Wie wäre jetzt ein erstes Vorgehen? Wie sollte man reagieren?
:liegestuhl: ist die wichtigste Option.
Ansonsten sei gesagt, dass die regelmäßige Verjährung von Ansprüchen 3 Jahre beträgt und das man, sollte man wirklich einen Vertrag gehabt haben, die rechtskräftige Kündigung suchen sollte, damit dies spätestens beim gerichtlichen Mahnverfahren vorgelegt werden kann.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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SusanneBerlin
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von SusanneBerlin » 19.03.19, 17:27

Beim.gerichtlichen Mahnverfahren braucht man nichts vorlegen (selbst wenn man irgendwelche Kontoauszüge beilegen würde, für die interessiert sich niemand).
Rechtzeitiger Widerspruch ohne Begründung genügt.
Grüße, Susanne

FM
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von FM » 19.03.19, 18:13

ktown hat geschrieben: Ansonsten sei gesagt, dass die regelmäßige Verjährung von Ansprüchen 3 Jahre beträgt und das man, sollte man wirklich einen Vertrag gehabt haben, die rechtskräftige Kündigung suchen sollte, damit dies spätestens beim gerichtlichen Mahnverfahren vorgelegt werden kann.
Ansprüche ab 2016 wären allerdings nicht verjährt, hier also der übewiegende Teil des strittigen Zeitraumes.

Es nützt übrigens nicht viel, nur die (Kopie der) Kündigung zu finden, man benötigt vor allem den Nachweis dass sie dort eingetroffen ist.

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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von GioMate » 19.03.19, 18:24

Erstmal lieben Dank! Würde ein formloser Widerstand reichen? Und was sollte passieren wenn die Kündigung nicht gefunden wird? Bis jetzt konnte kein laufender Vertrag nachgewiesen werden. Und selbst wenn man wöllte könnte man mit dem alten Vertrag am abgeschlossenem Ort nicht mehr die Leistungen in Anspruch nehmen.

FM
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von FM » 19.03.19, 18:31

Formloser Widerstand?

Falls der Einspruch gegen einen gerichtlichen Mahnbescheid gemeint ist: nein das geht nicht formlos. Das Gericht fügt aber genaue Hinweise dazu bei, was man tun kann.

Spielt aber eben erst dann eine Rolle, wenn ein Schreiben vom Gericht kommt. Vorher ist keine Reaktion vorgeschrieben (außer eben Zahlen, wenn die Forderung berechtigt ist).

Ein Umzug kann (nicht muss) hier zwar zu einer Kündigung berechtigen, aber die muss man schon auch wirklich aussprechen und eben ggf. nachweisen können. Das Vertragsverhältnis endet nicht stillschweigend und automatisch wegen Umzug.

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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von GioMate » 19.03.19, 18:38

D.h. man wird nicht nächste Woche einen Schufa-Eintrag erwarten können nur weil bisher nicht gezahlt wurde bzw. muss der Drohung auch noch nicht widersprechen werden sondern erst sobald etwas von einem Gericht kommt, oder ist es dann schon zu spät?

Und besteht bei einem Ortswechsel um +70km nicht die Pflicht Vertragnehmer darauf hinzuweisen?

ktown
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von ktown » 19.03.19, 20:18

FM hat geschrieben:
ktown hat geschrieben: Ansonsten sei gesagt, dass die regelmäßige Verjährung von Ansprüchen 3 Jahre beträgt und das man, sollte man wirklich einen Vertrag gehabt haben, die rechtskräftige Kündigung suchen sollte, damit dies spätestens beim gerichtlichen Mahnverfahren vorgelegt werden kann.
Ansprüche ab 2016 wären allerdings nicht verjährt, hier also der übewiegende Teil des strittigen Zeitraumes.

Es nützt übrigens nicht viel, nur die (Kopie der) Kündigung zu finden, man benötigt vor allem den Nachweis dass sie dort eingetroffen ist.
1. Hab ich was anderes behauptet?
2. Ich hab behauptet er bräuchte nur die Kopie seiner Kündigjng?
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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FM
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von FM » 20.03.19, 09:05

Wenn er das Original der Kündigung vorlegt, wäre das ja fast schon ein Beweis dass nicht gekündigt wurde.

ktown
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Re: Zwielichtige Mahnung

Beitrag von ktown » 20.03.19, 09:41

FM hat geschrieben:Wenn er das Original der Kündigung vorlegt, wäre das ja fast schon ein Beweis dass nicht gekündigt wurde.
habe ich auch nicht behauptet. :wink: Aber vielleicht liegt ja Korrespondenz vor, die den Eingang bestätigt oder sonstige Fakten die den Eingang belegen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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