Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Moderator: FDR-Team

Zafilutsche
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von Zafilutsche »

Eigentlich kenne ich das so, das Gläubiger sich die Arbeit minimieren wollen. Daher kommt nicht selten ein Inkasso Unternehmen ins Spiel. Die Hauen bekanntlich weitere Kosten drauf.
Schuldnerberater können Schuldner beim finden eines Ausweges behilflich sein.

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin »

cherokee hat geschrieben:@Susanne, es geht hier weniger um den Schuldner als um Studiobetreiber. Ich kann nachvollziehen, dass die sich da auf nichts einlassen und es bis zum Ende durchziehen, auch wenn es dann auf 0€ hinauslaufen könnte. Obwohl auch noch entsprechnde Kosten aufgelaufen sind, die vom Anbieter getragen werden mussten.

Klar liegt die Entscheidung bei denen! Es geht mir dabei eher um die wirtschaftliche Betrachtung.
Schlagen Sie dem Studiobetreiber doch vor, zukünftig ein Rabattsystem einzuführen statt eine Jahesmitgliedschaft: anfangs ist der Monatsbeitrag höher, sinkt aber mit jedem Jahr der Mitgliedschaft um 10%. Das Mitglied kann jederzeit kündigen bzw. wird automatisch gekündigt wenn der Beitrag nicht pünktlich eingeht und der Betreiber spart es sich die fehlenden Beiträge einzutreiben.Warum ist noch kein Studiobetreiber darauf gekommen, dass dies viel wirschaftlicher wäre?
Grüße, Susanne

Celestro
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von Celestro »

lottchen hat geschrieben:Wirtschaftlich betrachtet geht es für das Studio um 600€, die es vielleicht irgendwann mal in Zukunft bekommen wird (oder anteilig oder eben auch nicht) oder um 0€, die es bei sofortiger Vertragsbeendigung auf alle Fälle "bekommt". Welche Variante würden Sie als Studiobetreiber wählen?
Nein, darum geht es eigentlich nicht:
cherokee hat geschrieben:Angenommen er könnte bei sofortiger Beendigung des Vertrages ca. 20% der aktuellen Forderung bekommen. Wie würden denn die Chancen auf mehr Euros aussehen, wenn der Vertrag noch 12 Monate läuft? Also die Forderung von 300€ auf 600€ angestiegen sind zzgl. den Mahn-Inkasso-Gerichts-Rechtsanwaltskosten? Das Geld für einen jetzigen Vergleich würde von Extern kommen und ist endlich!
wäre also eher ein "definitiv 60 Euro", oder sehr wahrscheinlich "0 Euro" und "sehr sehr unwahrscheinlich 600 Euro". :wink:

Wenn man sich das anschaut, merkt man aber vielleicht, wieso das Studio vielleicht lieber das Risiko eines Totalausfalls eingeht.

winterspaziergang
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von winterspaziergang »

cherokee hat geschrieben: Klar liegt die Entscheidung bei denen! Es geht mir dabei eher um die wirtschaftliche Betrachtung.
Die wirtschaftliche Betrachtung dürfte sein, wenn man auf berechtigte Forderungen gleich verzichtet, sobald der Vertragspartner dies aus rein persönlichen Gründen fordert, kann man den Laden gleich zumachen.

Und dem Schuldner, der gern aus dem Vertrag mit dem Studio raus möchte und fragt
SMöchte der Anbieter nur seine Mitgliederzahlen künstlich in der Höhe halten?
dürfte es weniger um die wirtschaftliche Situation des Fitness-Studios gehen.

ktown
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von ktown »

cherokee hat geschrieben:Obwohl auch noch entsprechnde Kosten aufgelaufen sind, die vom Anbieter getragen werden mussten.
Was glauben sie, auf welchem Deckel diese Kosten wohl landen werden. :wink:
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FM
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von FM »

cherokee hat geschrieben:Nehme man an, die finanzielle Situation würde sich auch in absehbarer Zeit nicht wirklich ändern.
Naja, das behauptet der Schuldner, der möglichst billig aus der Sache herauskommen will. Das wird man ihm nicht unbedingt glauben (z.B. bei Arbeitslosigkeit weiß er ja selbst nicht, ob die noch 1 Monat oder 10 Jahre dauert), aber man wird bei dem geringen Betrag auch keine Zeit Mühe darauf verwenden, es nachzuprüfen.

Am einfachsten ist abwarten: wenn ein Insolvenzverfahren kommt, meldet man die Forderung an. Wenn nicht, schaut man sich die Sache kurz vor der Verjährung noch einmal an und entscheidet dann, ob man sich einen Vollstreckungsbescheid besorgt.

Alleine durch die Verzugszinsen steigt eine Forderung von 600 Euro jedes Jahr um ca. 25 Euro, soviel bekommt man von der Bank nicht. Es wird also nicht weniger durchs Abwarten. Dazu kommen die weiteren Monatsraten bis zur Vertragsbeendigung. Und eine Leistung muss das Unternehmen ja nicht erbringen, das wird wohl im Vertrag so geregelt sein. Schlimmstenfalls verliert man die 60 Euro Vergleichsangebot, bestenfalls bekommt man vielleicht so um die 1.300.

cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee »

Jetzt wird mir auch klar, warum so ein Anbieter sich nicht vor Vertragsschluss noch eben eine Schufaauskunft zieht, es scheint nicht wichtig zu sein, ob der Kunde Zahlungsfähig ist, das Risiko wird bewusst eingegangen, weil die Chance darauf besteht wesentlich mehr zu bekommen, als das geringe Risiko eines Totalverlustes. Das scheint nicht nur bei Fitnessstudiobetreibern so zu funktionieren, sondern zieht sich durch alle gleichgearteten Verträge.

Also ist die Schufa ein Zahnloser Papiertieger, der eh nicht mehr genutzt wird!

Und Inkassokosten werden regelmässig viel zu hoch angesetzt, genau aus den gleichen Gründen. Denn die Chance, dass das nicht bemerkt wird scheint groß und dann hat man selbst bei einem geringen Vergleich noch ordentlich Gewinn eingefahren.

ktown
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von ktown »

Seit wann ist es die Aufgabe eines Vertragspartners die Finanzen seines Gegenübers im Auge zu behalten?
Sie gehen wohl einfach nach dem Motto: Heida was kostet die Welt. Gebt mir alles, ich kann es mir eh nicht leisten.
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cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee »

Nochmals der Hinweis, es geht hier nicht um mich ;-)

Aber wie sie schreiben, kann man wohl so vorgehen. Da es sogar Vertragspartner gibt, die aus der Vergangenheit wissen, dass jemand nicht Kreditwürdig ist aber trotzdem noch uneingeschränkt Geschäfte mit einem machen.

Ich dachte die Schufa sei dazu da, um sich genau davor zu schützen, Verträge mit nicht kreditwürdigen Partnern zu machen. Es scheint aber ein lukrativeres Geschäft zu sein, Verträge auf Gedeih und Verderb abzuschließen. Auch die völlig vertrocknete Zitrone wird noch ausgequetscht.

Wie sieht es denn eigentlich mit dem https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__254.html aus? Es scheint so als sei der Geschädigt in so einem Fall auch ein wenig selbst dafür verantwortlich, dass er nun einen Schaden erlitten hat, obwohl er es hätte besser wissen können!

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin »

Jetzt ist die Schufa daran schuld, dass "jemand" sich überschuldet hat?

Aus der Schufa-Auskunft sieht man doch gar nicht, ob jemand mehr Verbindlichkeiten hat als er sich leisten kann und ob dieser eine zusätzliche 50€-pro-Monat-Vertrag dem den "jemand" finanziell überfordert.

Deswegen lassen sich Vermieter die Schufa-Auskunft und die Verdienstbescheinigungen zeigen.

§ 254BGB vergessen Sie auch mal ganz schnell in diesem Zusamnenhang, dieser § ist nicht dazu geeignet die Verantwortung über jemands Überschuldung auf seine Gläubiger abzuschieben.
Grüße, Susanne

ktown
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von ktown »

cherokee hat geschrieben:Wie sieht es denn eigentlich mit dem https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__254.html aus? Es scheint so als sei der Geschädigt in so einem Fall auch ein wenig selbst dafür verantwortlich, dass er nun einen Schaden erlitten hat, obwohl er es hätte besser wissen können!
:lachen: Meinen sie nicht auch, dass dieser Weg nicht schon gegangen wäre, wenn es soooo einfach wäre. :lachen: :lachen:
Noch ist man hier in Deutschland ganz allein für sein handeln verantwortlich.
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ExDevil67
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von ExDevil67 »

cherokee hat geschrieben: Ich dachte die Schufa sei dazu da, um sich genau davor zu schützen, Verträge mit nicht kreditwürdigen Partnern zu machen.
Ist sie auch. Nur hat die Schufa kein Monopol auf die Einschätzung der Kreditwürdigkeit einer Person/Firma und afaik gibt die Schufa auch nur ihren eigenen zahlenden Kunden / Mitgliedern genaue Daten über eine Person raus. Oder halt dem Betroffenen im Rahmen der Selbstauskunft.
Da stellt sich halt schnell für einen Unternehmer die Kosten/Nutzenfrage, wenn er überhaupt Vertragspartner der entsprechenden Auskunfteien werden darf.
Zumal wie SusanneBerlin schon schrieb, die Daten der Schufa sind nur ein Teil der Wahrheit.

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin »

Ich dachte die Schufa sei dazu da, um sich genau davor zu schützen, Verträge mit nicht kreditwürdigen Partnern zu machen. Es scheint aber ein lukrativeres Geschäft zu sein, Verträge auf Gedeih und Verderb abzuschließen. Auch die völlig vertrocknete Zitrone wird noch ausgequetscht.
Die Schufa-Auskunft ist eine Entscheidungshilfe, mehr nicht. Der Anbieter einer Leistung hat immer das Risiko, dass der Kunde nicht zahlt.

Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen:
Gäbe es einen Möglichkeit den Vertragspartner zur Auflösung des Vertrages zu bewegen?
Ich würde eher meinen eine Beendigung des Vertrages in Hoffnung auf X Euro mit einem Vergleich wäre sinnvoller als keine Euros durch Verbraucherinsolvenz
Angenommen er könnte bei sofortiger Beendigung des Vertrages ca. 20% der aktuellen Forderung bekommen.
Am schnellsten und einfachsten bringt der jemand heraus, ob der Studiobetreiber an einem Vergleich interessiert ist, indem er eine derartige Vereinbarung des Inhalts über "Beendigung der Mitgliedschaft und Erlass der offenen Forderungen gegen eine Zahlung von X Euro" vorbereitet und mit dieser Vereinbarung und dem Betrag X in bar in der Tasche beim Studiobetreiber vorspricht, ihm diesen Vorschlag unterbreitet und das Geld auf den Tisch legt.

Das wird wahrscheinlich eher dann funktionieren, wenn das Studio noch keinen Inkassodienst eingeschaltet hat.
Grüße, Susanne

cherokee
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von cherokee »

Problem daran dürfte doch aber sein, dass man alle Gläubiger gleich behandeln muss, also muss man eine Quote berechnen, die sich aus den gesamten Schulden und den möglichen externen Kapital ergibt. Mit dieser Quote müssen sich dann aber auch alle Gläubiger einverstanden erklären, damit alles seine Richtigkeit hat, oder etwa nicht? Sollte einer der Gläubiger damit nicht einverstanden sein, sondern einen höhere Quote oder sich gar überhaupt nicht darauf einlassen, dann platzt doch auch der Vergleich mit dem dem Gläubiger der sich eventuell darauf einlassen würde, oder?

Und nochmals zu der Überprüfung seines Vertragspartner, natürlich wird keiner davon ausgehen, wenn Kunde X in einen Laden kommt, dass dieser Überschuldet ist und man diesen erst komplett durchleuchtet, bevor man einen Vertrag mit ihm eingeht. Obwohl Banken das sehr wohl machen! Aber wenn ein Anbieter, obwohl er schon ein Mahnverfahren bis zum Vollstrecken betreibt, weiterhin Geschäfte mit dem Schuldner betreibt, dann muss man sich doch auch Fragen, warum macht der das und lehnt den Kunden nicht einfach ab und blockiert diesen?

SusanneBerlin
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Re: Kündigung Fitnessvertrag wegen Überschuldung

Beitrag von SusanneBerlin »

Aber wenn ein Anbieter, obwohl er schon ein Mahnverfahren bis zum Vollstrecken betreibt, weiterhin Geschäfte mit dem Schuldner betreibt, dann muss man sich doch auch Fragen, warum macht der das und lehnt den Kunden nicht einfach ab und blockiert diesen?
Das Bestehen darauf, dass ein abgeschlossener Vertrag erfüllt wird, ist kein neues Geschäft. Oder meinen Sie mit "weiterhin Geschäfte betreiben", dass das Fitnessstudio dem Kunden einen Müsli-Riegel verkauft obwohl noch Mitgliedsbeiträge offen sind?
Problem daran dürfte doch aber sein, dass man alle Gläubiger gleich behandeln muss,
Nein man muss nicht alle Gläubiger gleich behandeln, wie komnen Sie da drauf? Außerdem war es doch Ihre eigene Idee, die Schulden vom Fitnessstudio-Vertrag durch eine Vergleichzahlung von 20% abzufinden. Ich habe lediglich geschrieben, dass der Schuldner seinen Zahlungswillen auf die 20% am besten demonstiert indem er das Geld gleich mitbringt. Und jetzt wenden Sie ein, der Schuldner dürfte das aber gar nicht. Sie wissen auch nicht was Sie wollen.

Solange jemand keinen Insolvenzantrag stellt, kann er völlig frei entscheiden, welche Schulden er vorrangig abzahlt und welche Schulden er nicht abzahlt.

Oder ist doch eine Verbraucherinsolvenz geplant? Denn wenn es sowieso auf eine Verbraucherinsolvenz hinausläuft, ich schrieb es bereits, ist es hinausgeschmissenes Geld, vorher noch einzelne Gläubiger mit Vergleichen abzufinden.

Einer Verbraucherinsolvenz vorgeschaltet ist der Versuch einer außergerichtlichen Schuldenbereinigung. Für diesen außergerichtlichen Schuldenbereinigungversuch muss der Schuldner aber einen Profi hinzuziehen, damit es vom Gericht anerkannt wird, entweder einen (selbst zu bezahlenden) Anwalt oder eine gerichtlich anerkannte Schuldnerberatungsstelle, ansonsten "gilt" es nicht. (§§ 305 und 306 InsO).
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 29.04.19, 11:02, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

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