Welche Kosten Verjähren ?

Moderator: FDR-Team

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berkay26
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Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von berkay26 »

Hallo Leute
Habe das Internet und das Forum durchsucht doch leider keine befriedigende Antwort gefunden.

Ich möchte gerne wissen welche Kosten den genau verjähren wenn ein Inkasso oder RA eine Forderung geltend macht.
Habe auch meine Schwierigkeiten mit dem Juristendeutsch. :lol:
Beispiel.

Sagen wir Inkasso XYZ fordert vom Gläubiger Herr S eine Forderung aus dem Jahr 2006 die damals mit 1000€ tituliert wurde.
Jetzt 15 Jahre später fordert das Inkassounternehmen neben der titulierten Forderung, Zinsen, Bearbeitungssgebühren, Mahnkosten usw. usw. in höhe von 1500€ . (also pro Jahr 100 €), gesamt 2500€

Verstehe ich das mit der Verjähung richtig wenn ich behaupte das alle Kosten, die zwischen 2007-2018= 1100 € verjährt sind, und nur noch die Kosten der letzten 3 Jahre + Hauptforderung von 1000€ gefordert werden können?
Gibt es Forderungen die zwar nicht tituliert sind aber trotzdem nicht verjähren?

Hoffe das ist Verständlich erklärt.
Danke Antworten
Mann sollte sich die Ruhe und Gelassenheit eines Stuhles anlegen. Der muss auch mit jedem Ars... klar kommen.
Altbauer
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von Altbauer »

Hilfreich könnten noch folgende Angaben sein:

- Gab es mal einen Mahnbescheid oder gar einen Vollstreckungsbescheid?
- Aus was für einer Art von Geschäft entstand die Forderung?
(privates Handelsgeschäft / Bank-Kreditgeschäft / Dienstleistung / Gewährleistung oder Garantie.... )
Froggel
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von Froggel »

Abgesehen davon, ob man schauen muss, ob die Kosten überhaupt verjährt sind (nach einem gerichtlichen, unwidersprochenen Mahnbescheid oder einem Gerichtsurteil kann der Gläubiger das Geld noch 30 Jahre einfordern), muss man sich als Schuldner auf die Einrede der Verjährung berufen. Eine Verjährung passiert nicht automatisch.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
berkay26
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von berkay26 »

Froggel hat geschrieben: 27.02.21, 15:27 Abgesehen davon, ob man schauen muss, ob die Kosten überhaupt verjährt sind (nach einem gerichtlichen, unwidersprochenen Mahnbescheid oder einem Gerichtsurteil kann der Gläubiger das Geld noch 30 Jahre einfordern), muss man sich als Schuldner auf die Einrede der Verjährung berufen. Eine Verjährung passiert nicht automatisch.
Das der Schuldner sich selbst darum kümmern muss ist mir klar und darum geht es bei meiner Frage nicht.
Trotzdem Danke
Altbauer hat geschrieben: 27.02.21, 13:38 Hilfreich könnten noch folgende Angaben sein:

- Gab es mal einen Mahnbescheid oder gar einen Vollstreckungsbescheid?
- Aus was für einer Art von Geschäft entstand die Forderung?
(privates Handelsgeschäft / Bank-Kreditgeschäft / Dienstleistung / Gewährleistung oder Garantie.... )
Es gibt ein Vollstreckungsbescheid. Geschäft sagen wir mal, Dienstleistung.
Mann sollte sich die Ruhe und Gelassenheit eines Stuhles anlegen. Der muss auch mit jedem Ars... klar kommen.
Froggel
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von Froggel »

Da Zinsen aus titulierten Forderungen der Verjährungsfrist von drei Jahren unterliegen, darf wohl davon ausgegangen werden, dass regelmäßig wiederkehrende Folgekosten, die nicht tituliert wurden, ebenfalls drei Jahre nach dem Fälligwerden des Anspruchs verjähren.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 197 Dreißigjährige Verjährungsfrist

(1) In 30 Jahren verjähren, soweit nicht ein anderes bestimmt ist,
...
3. rechtskräftig festgestellte Ansprüche,
4. Ansprüche aus vollstreckbaren Vergleichen oder vollstreckbaren Urkunden,
5. Ansprüche, die durch die im Insolvenzverfahren erfolgte Feststellung vollstreckbar geworden sind,
und
6. Ansprüche auf Erstattung der Kosten der Zwangsvollstreckung.

(2) Soweit Ansprüche nach Absatz 1 Nr. 3 bis 5 künftig fällig werdende regelmäßig wiederkehrende Leistungen zum Inhalt haben, tritt an die Stelle der Verjährungsfrist von 30 Jahren die regelmäßige Verjährungsfrist.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -
berkay26
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von berkay26 »

Froggel hat geschrieben: 28.02.21, 02:09 Da Zinsen aus titulierten Forderungen der Verjährungsfrist von drei Jahren unterliegen, darf wohl davon ausgegangen werden, dass regelmäßig wiederkehrende Folgekosten, die nicht tituliert wurden, ebenfalls drei Jahre nach dem Fälligwerden des Anspruchs verjähren.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
§ 197 Dreißigjährige Verjährungsfrist

(1) In 30 Jahren verjähren, soweit nicht ein anderes bestimmt ist,
...
3. rechtskräftig festgestellte Ansprüche,
4. Ansprüche aus vollstreckbaren Vergleichen oder vollstreckbaren Urkunden,
5. Ansprüche, die durch die im Insolvenzverfahren erfolgte Feststellung vollstreckbar geworden sind,
und
6. Ansprüche auf Erstattung der Kosten der Zwangsvollstreckung.

(2) Soweit Ansprüche nach Absatz 1 Nr. 3 bis 5 künftig fällig werdende regelmäßig wiederkehrende Leistungen zum Inhalt haben, tritt an die Stelle der Verjährungsfrist von 30 Jahren die regelmäßige Verjährungsfrist.
Also habe ich das richtig verstanden. ?
Der Schuldner sollte in dem Fall die Einrede der Verjährung geltend machen und die Bereinigung der Kosten verlangen.
Dann müsste laut meinem Beispiel die Forderung um 1100€ geringer ausfallen, oder?
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lottchen
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von lottchen »

Der Vollstreckungsbescheid ist 30 Jahre gültig. Wenn man nach 15 Jahren vollstrecken lässt kann man auch von 15 Jahren die Zinsen verlangen. Die, die im Vollstreckungsbescheid drinnen stehen. Einfach mal in den Vollstreckungsbescheid reinschauen, was genau da tituliert ist. Das schuldet der Schuldner dem Gläubiger. Wenn die Zinsen nicht tituliert sind verjähren sie. Wenn sie tituliert sind verjähren sie nicht. Und wenn ein Gerichtsvollzieher das einfordert dann zahlt man zusätzlich dessen Kosten. Wenn sich der Gläubiger stattdessen eines Inkassobüros / RA bedient zahlt man eben dessen Kosten. Das kommt eben dazu. Der Schuldner hätte ja auch freiwillig zahlen können.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!
hambre
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von hambre »

berkay26 hat geschrieben:Also habe ich das richtig verstanden. ?
Fast, denn Kosten aus 2018 sind noch nicht verjährt.
lottchen hat geschrieben:Wenn man nach 15 Jahren vollstrecken lässt kann man auch von 15 Jahren die Zinsen verlangen.
Die Zinsen unterliegen der regelmäßigen Verjährungsfrist. Aktuell sind daher die Zinsen bis einschließlich 2017 verjährt.
lottchen hat geschrieben:Die, die im Vollstreckungsbescheid drinnen stehen.
In einem Vollstreckungsbescheid von 2006 können aber nur Zinsen stehen, die bis 2006 angefallen sind. Zukünftige Zinsen können nicht tituliert werden. Der Gläubiger müsste für diese Zinsen einen neuen Vollstreckungsbescheid beantragen.

Allerdings darf der Gläubiger auch verjährte Zinsen fordern. Der Schuldner muss diese Forderung durch die Einrede der Verjährung zurückweisen.
Jdepp
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Re: Welche Kosten Verjähren ?

Beitrag von Jdepp »

hambre hat geschrieben: 28.02.21, 20:29
Fast, denn Kosten aus 2018 sind noch nicht verjährt.
Auch frühere Zwangsvollstreckungskosten sind noch nicht verjährt.



§ 197 Dreißigjährige Verjährungsfrist
(1) In 30 Jahren verjähren, soweit nicht ein anderes bestimmt ist,
...
6. Ansprüche auf Erstattung der Kosten der Zwangsvollstreckung.
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