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recht.de • Thema anzeigen - Wieso nimmt man ein Erbe "automatisch" an?
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BeitragVerfasst: 29.08.18, 22:11 
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Registriert: 27.08.13, 19:45
Beiträge: 27
Hallo ihr Lieben,

Da es gerade im Freundeskreis zur Sprache kam, habe ich folgende Frage:

Wieso nimmt man ein Erbe automatisch an, wenn man nach Kenntnis des Todesfalls nicht aktiv ablehnt?
Man könnte ja sagen, wenn sich jemand nicht meldet hat er kein Interesse am Erbe.

Ich nehme ab,dass es historische Gründe dafür gibt. Aber ich konnte leider nichts finden, bzw. habe wohl dann unter den falschen Stichworten gesucht.

Hat vielleicht jemand von euch da mehr Wissen?

LG


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BeitragVerfasst: 29.08.18, 22:30 
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Registriert: 05.11.12, 14:35
Beiträge: 12800
Zitat:
Ich nehme ab,dass es historische Gründe dafür gibt.
Der Brauch, nützliches und wertvolle Dinge nach dem Tod eines Menschen weiterzuverwenden, ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Dass die Elterngeneration meistens vor den Kindern stirbt und in erster Linie der zurückbleibende Ehepartner und die Kinder erben sollen, hat seinen Niederschlag ins Gesetz gefunden in dem Moment, als zum ersten Mal allgemeingültige Gesetze formuliert wurden.

Normalerweise gibt es auch keinen Grund, das Eigentum der Vorfahren nicht zu übernehmen. Das Ausschlagen einer Erbschaft wurde erst populär seit es Bankkredite gibt und Kauf per Ratenzahlung.

Deswegen ist es der Normalfall, dass ein Kind von Vater und Mutter erbt und der Ehepartner vom Ehepartner erbt und das erfolgt automatisch. Wer das nicht möchte, muss "sich melden".

Zitat:
Wieso nimmt man ein Erbe automatisch an, wenn man nach Kenntnis des Todesfalls nicht aktiv ablehnt?
Das haben Sie nicht ganz richtig wiedergegeben. Man erbt, oder man schlägt die Erbschaft aus. Zum Ausschlagen hat man eine Frist von 6 Wochen nach Kenntnis des Erbfalls. Bei Kindern, Eltern, Geschwistern und Ehegatten des Verstorbenen ist die Kenntnis des Todes mit der Kenntnis des Erbfalls gleichzusetzen. Bei nachrückenden Erben (wegen Ausschlagung der vorrangigen Erben) oder durch Testament eingesetzte Erben beginnt die Ausschlagungsfrist erst mit der Kenntnis, dass sie Erben geworden sind.

Und wieso das so ist? Weil es im Gesetz steht (§§ 1942 - 1944 BGB).

_________________
Grüße, Susanne


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BeitragVerfasst: 30.08.18, 08:18 
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Registriert: 24.06.12, 01:03
Beiträge: 1126
Wohnort: Im hohen Norden
Kasha87 hat geschrieben:

Wieso nimmt man ein Erbe automatisch an, wenn man nach Kenntnis des Todesfalls nicht aktiv ablehnt?
Man könnte ja sagen, wenn sich jemand nicht meldet hat er kein Interesse am Erbe.


Es kommt immer wieder vor, dass die Erben vom Eintritt des Erbfalles überhaupt nichts erfahren (z.B. weil sie ortsabwesend sind).
Somit würden sehr viele Nachlässe für die Erben verloren gehen, schlichtweg weil diese nicht fristgerecht erfahren hätten, dass sie sich zum Erbantritt melden sollten.

Bei der bestehenden Gesetzeslage tritt der Erbfall ein, der Erbe verliert nichts und hat nach der Kenntnisnahme Zeit, über eine Ausschlagung nachzudenken.

_________________
Gedenksignatur - Gewidmet dem unbekannten Anwalt
In dankbarer Erinnerung an all jene namenlosen, stets laut angekündigten Rechtsvertreter,
die jedoch heldenhaft nie in meinem Dienstzimmer erschienen sind oder tapfer nichts von sich hören ließen.


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