Schatzregal - Eine wissenschaftsfeindliche Gesetzesregelung?

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Caesar
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Schatzregal - Eine wissenschaftsfeindliche Gesetzesregelung?

Beitrag von Caesar » 20.07.14, 21:25

Es ist schon erstaunlich was es für meiner Meinung nach weltfremde juristische Regelungen in Deutschland gibt.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann führt die Schatzregalregelung dazu,
dass ein Schatzsucher, der einen bedeutenden archäologischen Fund in Millionenhöhe macht,
keinerlei angemessenen finanziellen Ausgleich für den Fund erhält, wenn er diesen ordnungsgemäß den Behörden meldet,
denn der Finder geht leer aus und der Fund geht zu 100 % in das Eigentum des Staates über.

Das ist meiner Meinung nach schon eine sehr dreiste Regel, wenn der Finder in keinster Weise gebührend dafür belohnt wird, wenn er
den Fund meldet, er also weder Finderlohn noch irgendeinen anderen finanziellen Ausgleich für seine Ehrlichkeit erhält.
Es ist sogar noch schlimmer, diese Regel ist wissenschaftsfeindlich, denn jetzt stelle man sich mal vor,
dass der Finder mehrere kg Goldmünzen aus der Römerzeit findet. Meldet er nun den Schatz, dann geht er vollkommen leer aus,
schmelzt er die historisch wertvollen Münzen aber zu Goldbarren ein und verarbeitet sie eventuell noch zu modernem Schmuck, dann könnte es ihm gelingen
diesen zu veräußern und alles andere als leer auszugehen.
Also ich weiß nicht ob das jeder erkennt, aber so ein miserables Gesetz verleitet ja geradezu wissenschaftlich historisch archäologisch wertvolle Funde zu zerstören.
Meiner Meinung nach sollte man das zum Wohl der Wissenschaft schleunigst ändern, der Finder sollte also entsprechend finanziell belohnt werden, wenn er den Fund meldet und dabei sich der finanzielle Ausgleich an dem Wert des Fundes orientieren, alles andere ist höchst unsinnig.
Seht ihr das genauso?

Weitere Hintergrundinformationen zum Thema findet ihr hier:
http://www.sondengaenger-deutschland.de ... regal.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Schatzregal#Deutschland

nordlicht02
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Re: Schatzregal - Eine wissenschaftsfeindliche Gesetzesregel

Beitrag von nordlicht02 » 20.07.14, 23:01

Wenn man etwas findet, was einem nicht gehört, sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass man den Fund abgibt.
Ich finde es eher befremdlich, dass man den Leuten überhaupt über den Finderlohn einen Anreiz verschaffen muss, einen Fund abzugeben - egal um was es sich dabei handelt. :shock:
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Caesar
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Re: Schatzregal - Eine wissenschaftsfeindliche Gesetzesregel

Beitrag von Caesar » 20.07.14, 23:39

Es soll auch Leute geben, die beim Bezahlen mit EC Karte davon ausgehen, dass die anderen Personen in der Warteschlange beim Eingeben der Geheimnummer in das EC Karten Lesegerät wegschauen und daher ihre Eingabe mit der anderen Hand nicht verdecken.

EDIT:

Übrigens, im BGB steht:
§ 984
Schatzfund

Wird eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist (Schatz), entdeckt und infolge der Entdeckung in Besitz genommen, so wird das Eigentum zur Hälfte von dem Entdecker, zur Hälfte von dem Eigentümer der Sache erworben, in welcher der Schatz verborgen war.
Daraus folgt, Eigentum wird offensichtlich schnell mal anders definiert, wenn es scheinbar im Interesse des Staates liegt.

EDIT 2:

Noch eine Anmerkung zum Thema "befremdlich".
In England hat man die gesetzlichen Regelungen für Schatzsucher liberalisiert, d.h. die Finder erhalten seit der Gesetzesänderung eine finanzielle Entschädigung für das Melden des Fundes.
In der Praxis hat sich dies Vorteilhaft für beide Parteien erwiesen, sowohl für den Finder als auch für den Staat, denn die Anzahl der ordentlichen Fundmeldungen sind nach dieser Gesetzesänderung deutlich gestiegen, womit auch der Schwarzmarkthandel mit diesen Funden entsprechend eingedämmt wurde.
Auch die Archäologie gewann dadurch, weil eben mehr Funde gemeldet wurden und durch die Fundmeldung die Fundorte nun durch archäologische Ausgrabungsmethoden untersucht werden konnten und das in den Fundorten liegende Wissen somit nicht einfach verloren ging, wie es z.B. vorher bei Funden der Fall war, die über Jahre nicht gemeldet wurden, sondern irgendwann im Schwarzmarkt auftauchten, zu einem Zeitpunkt, als die Fundsache schon lange von den Findern ausgegraben war und der Fundort verpflügt und somit für die Wissenschaft wertlos geworden war.

Insofern ist die aktuelle Regelung in Deutschland diejenige, die weltfremd ist.
Man sollte nicht gegen die Finder arbeiten, sondern mit ihnen.
Und wenn Archäologen Angst haben, dass durch die Grabungsmethoden der Finder an den Fundorten Schäden entstehen, dann würde es dagegen auch eine ganz einfache Abhilfe geben, man müsste einfach gesetzlich eine Sachkundenachweis mit anschließender Prüfung zum Archäologischen Graben einführen, der zum Graben befugt, also etwa vergleichbar wie z.B. die Sachkundenachweisprüfungen die Hobbyfunker, Hobbyjäger oder Wiederlader in ihren jeweiligen Bereichen durchführen müssen.
Dann würden die Finder nämlich durch so einen Sachkundeprüfung lernen die Grabungsstelle in Parzellen einzuteilen und mit einer Bürste und kleinen Schaufel auszugraben und sobald etwas gefunden wurde, kann die Fundstelle gemeldet werden und die restliche Grabung von Profis übernommen werden.
Dem Finder sollte dabei aber weiterhin eine finanzielle Entschädigung für alle folgend gefundenen Sachen zustehen.
Und schon hätte man viele Probleme, wie den Schwarzmarkthandel mit Archäologischen Fundsachen oder gar ihrer Zerstörung deutlich eingedämmt.

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