Hat die Gegenseite meinen Anwalt zu bezahlen wenn es nicht zum Prozeß kommt?

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tobwen
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Hat die Gegenseite meinen Anwalt zu bezahlen wenn es nicht zum Prozeß kommt?

Beitrag von tobwen »

Angenommen ich werden von einem Anwalt der Gegenseite aufgefordert irgendetwas (z.B. eine Rechnung) zu bezahlen.

Daraufhin nehme ich mir selber einen Anwalt, der der Gegenseite eine Antwort schreibt (und die Forderung ablehnt)

Daraufhin passiert: Nichts.
Also keine Klageerhebung.

Wer zahlt das Honorar für meinen Anwalt?

Ab wann genau habe ich Anspruch auf Erstattung meiner Anwaltskosten?

Macht es einen Unterschied, ob die Forderung der Gegenseite von einem Anwalt oder von einer Privatperson/Firma kommt?

Tobias
ktown
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Re: Hat die Gegenseite meinen Anwalt zu bezahlen wenn es nicht zum Prozeß kommt?

Beitrag von ktown »

tobwen hat geschrieben: 12.02.21, 16:04Wer zahlt das Honorar für meinen Anwalt?
Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen.
tobwen hat geschrieben: 12.02.21, 16:04Ab wann genau habe ich Anspruch auf Erstattung meiner Anwaltskosten?
Ab dann, wenn man vor Gericht gewinnt. Andernfalls müsste man den entstandenen Schaden geltend machen.
tobwen hat geschrieben: 12.02.21, 16:04Macht es einen Unterschied, ob die Forderung der Gegenseite von einem Anwalt oder von einer Privatperson/Firma kommt?
Nein. Einen Anwalt zu nehmen ist primär Privatvergnügen.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe
cmd.dea
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Re: Hat die Gegenseite meinen Anwalt zu bezahlen wenn es nicht zum Prozeß kommt?

Beitrag von cmd.dea »

tobwen hat geschrieben: 12.02.21, 16:04Ab wann genau habe ich Anspruch auf Erstattung meiner Anwaltskosten?
Es ist völlig unklar, ob überhaupt ein solcher Anspruch besteht.

Der Grundsatz wurde gesagt: Es zahlt, wer bestellt.

Ein Anspruch gegen den Gegner hat man allenfalls als Schadensersatz. Das setzt als allererstes voraus, dass die Zahlungsaufforderung rechtswidrig war, der Anspruch also nicht bestand. Dazu gibt es keine Informationen (das nicht geklagt wurde, ist dafür nicht ausreichend).

Selbst wenn das so war, kommt eine Schadensersatzanspruch wegen rechtswidriger Zahlungsaufforderung meist nur in Betracht, wenn zwischen den Parteien ein Vertragsverhältnis besteht, weil es dann eine Nebenpflichtverletzung sein kann (§§ 280, 241 Abs. 2 BGB).

Ansonsten kommen nur Ansprüche aus Delikt in Betracht (§§ 823 ff. BGB). Hier liegt ein reiner Vermögeneschaden vor, der als solches nicht geschützt ist, sondern nur, wenn die Gegenseite einen vorsätzlich sittenwidrig schädigen, also die Anwaltskosten verursachen wollte (§ 826 BGB). Das ist praktisch nie der Fall. In jedem Fall dann nicht, wenn der Gegener meinte, er habe den Anspruch, oder es schlicht mal versuchen wollte.
FM
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Re: Hat die Gegenseite meinen Anwalt zu bezahlen wenn es nicht zum Prozeß kommt?

Beitrag von FM »

tobwen hat geschrieben: 12.02.21, 16:04 Daraufhin passiert: Nichts.
Also keine Klageerhebung.
Wie lange passiert nichts?

Oft hat der Gläubiger schon ein paar Jahre Zeit bis er klagt.
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