Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

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Jepense
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Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

Wie sollte reagiert werden, wenn eine Anzeige ins Haus trudelt, man habe ein anderes Auto touchiert (was definitiv nicht der Fall ist)?
Angenommen, folgende Situation habe sich ereignet: Man versucht sich, nachdem man von der Autobahn abgefahren ist, von der rechten auf die linke Linksabbiegerspur zu tasten. Das Auto steht schon schräg, der eingeleitete Spurwechsel ist also für jedermann eindeutig zu erkennen. Ein Auto nähert sich auf der linken Spur mit überhöhter Geschwindigkeit, muss aufgrund des Spurwechsels stark abbremsen, bleibt mitten auf der Spur stehen (!), der Fahrer gestikuliert wild, streichelt sein Auto am imaginären Berührungspunkt und macht Fotos vom wechselnden PKW.
Aussteigen scheint aus mehreren Gründen nicht ratsam: der wild gestikulierende Mann macht einen aggressiven Eindruck, die Verkehrssituation lässt es nicht zu - und nach eigenem Empfinden ist ja auch nichts passiert.
Nachdem Erhalt der Anzeige schleicht sich der Verdacht ein, hier wäre Absicht im Spiel gewesen - aber das sei nur so dahingestellt.
Ist das nun Aussage gegen Aussage? Kann man durch das eigene -unbeschädigte - Auto beweisen, es ist nichts passiert? Reicht eine Aussage der oben geschilderten Situation bei der Polizei oder sollte man sich einen Anwalt suchen?
ktown
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von ktown »

Moment ich justiere noch.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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hawethie
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von hawethie »

Hi,
was für eine Anzeige hast du erhalten?
Strafanzeige? Dann ist das Forum falsch und ich müsste verschieben.
Zivilklage? dann soll der Kläger den Schaden nachweisen - und das am Besten dem Anwalt gegenüber, den ich einschalten würde.
Was du nicht willst, das man dir will, das will auch nicht -
was willst denn du.
Jepense
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

Bis jetzt nur eine Zeugenanhörung… Ich hoffe nicht, dass es zu einer Strafanzeige kommt.
hambre
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von hambre »

Jepense hat geschrieben:Bis jetzt nur eine Zeugenanhörung… Ich hoffe nicht, dass es zu einer Strafanzeige kommt.
Wie sollte es zu einer Zeugenanhörung kommen, wenn es nicht schon eine Strafanzeige gibt?

Dass es sich um eine Zeugenanhörung handelt liegt wohl daran, dass unklar ist, ob der Halter denn auch der Fahrer war.
hawethie hat geschrieben:das am Besten dem Anwalt gegenüber, den ich einschalten würde.
Ohne Rechtsschutzversicherung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man die Kosten des Rechtsanwaltes wahrscheinlich auch dann tragen muss, wenn der Anwalt die Ansprüche erfolgreich abgewiesen hat.
Jepense hat geschrieben:Kann man durch das eigene -unbeschädigte - Auto beweisen, es ist nichts passiert?
Das wäre eine Möglichkeit.

Man könnte auch bestreiten, dass man der Fahrer war, denn dann würde jedenfalls der Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort ins Leere laufen. Allerdings kann man dann natürlich nicht gleichzeitig die eigene Sicht des Vorfalls darstellen und läuft damit Gefahr, dass die eigene Versicherung den Schaden am anderen Auto bezahlt.

Man sollte sich also gleich zu Anfang überlegen, welche Strategie man fährt.
Jepense
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

hambre hat geschrieben: 31.08.21, 09:13
Man könnte auch bestreiten, dass man der Fahrer war, denn dann würde jedenfalls der Vorwurf des unerlaubten Entfernens vom Unfallort ins Leere laufen.
Das ist ja das Problem: welcher Unfall? Es gab ja keinen…
Nur wie kann man das beweisen?
Tastenspitz
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Tastenspitz »

Wie wäre es damit, die Wahrheit zu sagen? Schockierende Option, ich weiß.
Letztlich muss die Schuld einem - egal ob Straf oder Zivilrecht - immer noch nachgewiesen werden.
Und die Schuld bei den Vorgang sehe ich hier beim Gegner, wenn er denn einen Schaden beweisen könnte.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.
ktown
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von ktown »

Braucht man nicht. Die Gegenseite muss den vermeintlichen Zusammenstoß beweisen.
Wenn am eigenen Fahrzeug kein Schaden vorhanden ist und man sich sicher ist, dass es keinen Zusammenstoß gab dann :liegestuhl:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

Tastenspitz hat geschrieben: 31.08.21, 09:28 Wie wäre es damit, die Wahrheit zu sagen? Schockierende Option, ich weiß.
Letztlich muss die Schuld einem - egal ob Straf oder Zivilrecht - immer noch nachgewiesen werden.
Und die Schuld bei den Vorgang sehe ich hier beim Gegner, wenn er denn einen Schaden beweisen könnte.
Das ist auch meine Option…
Jepense
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

ktown hat geschrieben: 31.08.21, 09:29 Braucht man nicht. Die Gegenseite muss den vermeintlichen Zusammenstoß beweisen.
Wenn am eigenen Fahrzeug kein Schaden vorhanden ist und man sich sicher ist, dass es keinen Zusammenstoß gab dann :liegestuhl:
Das ist doch schon beruhigend - 👍🏼
ktown
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von ktown »

Dies hier sind natürlich alles nur private Meinungen und basiert auf einer einseitigen Betrachtung des Sachverhaltes.
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Jepense »

ktown hat geschrieben: 31.08.21, 09:46 Dies hier sind natürlich alles nur private Meinungen und basiert auf einer einseitigen Betrachtung des Sachverhaltes.
Schon klar - aber trotzdem ist beruhigend zu hören, dass eine solche Anschuldigung zumindest erst einmal bewiesen werden muss und die Beweislast nicht bei dem Beschuldigten liegt.
Altbauer
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von Altbauer »

hambre hat geschrieben: 31.08.21, 09:13 Ohne Rechtsschutzversicherung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man die Kosten des Rechtsanwaltes wahrscheinlich auch dann tragen muss, wenn der Anwalt die Ansprüche erfolgreich abgewiesen hat.
Die eigene Haftpflichtversicherung hat i.d.R unberechtigte Ansprüche abzuweisen!
Dazu muss sie allerdings über den Vorgang informiert sein!

Man muss sich darüber im klaren sein, dass man hier gleich 2 mal die Sache betrachten muss:

1) Zivilrechtlich und Versicherungsrechtlich (s.o.)

und

2) Strafrechtlich (Vorwurf der Unfallflucht). Einen Tatvorwurf hätte dann nicht der "Unfallgegner" sondern der Staatsanwalt zu beweisen!
(Spuren am gegnerischen Auto, die zu Spuren am eigenen Auto passen müssen! Also sinnvollerweise am eigenen Auto nichts verändern!)
hambre
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von hambre »

Altbauer hat geschrieben:Die eigene Haftpflichtversicherung hat i.d.R unberechtigte Ansprüche abzuweisen!
Das ist zwar richtig, jedoch kümmert die sich nicht um die strafrechtliche Seite. Bei einer Zeugenanhörung geht es aber um die strafrechtliche Seite.

Die Versicherung wird vielmehr abwarten, wie die Staatsanwaltschaft entscheidet. Wenn die das Verfahren nach § 170 StPO einstellt, dann wird die Versicherung auch Schadenersatzansprüche zurückweisen.
Tastenpilz hat geschrieben:Wie wäre es damit, die Wahrheit zu sagen? Schockierende Option, ich weiß.
Wenn man sich für diese Variante entscheidet, dann würde ich mit dem Auto zur nächstgelegenen Polizeidienststelle fahren und dort zeigen, dass das eigene Auto unbeschädigt ist.
hawethie
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Re: Unberechtigter Vorwurf, ein Auto touchiert zu haben

Beitrag von hawethie »

Ohne Rechtsschutzversicherung sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man die Kosten des Rechtsanwaltes wahrscheinlich auch dann tragen muss, wenn der Anwalt die Ansprüche erfolgreich abgewiesen hat.
ist das so?
naja - dann könnte der TE der Versicherung melden (müsste er das nich sogar als Obliegenheitspflicht? geltend gemachte Ansprüche innerhalb einer gewissen Frist der Versicherung melden?), dass jemand Ansprüche wg. Unfall geltend macht, es aber keinen Unfall gegeben hat. Dann wehrt die Versicherung den Anspruch ab.
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