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Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 11:30
von Kannichtklagen
Hallo Zusammen,

folgende Situation:

- Nachbarsjunge (9 Jahre) stiftet weitere Kinder zum "Blödsinn machen" an. Er ist der Rädelsführer. Die Kinder spielen Klingelstreich bei uns.
- Als wir auf das Klingeln irgendwann nicht mehr reagieren, nimmt dieser einen schweren Ast und schlägt damit gegen unsere neue Haustüre (9 Monate alt).
- Tür weist Verbeulungen auf
- Austausch des Elements laut Angebot einer Fachfirma: 300,- EUR

Das Kind und seine Eltern zur Rede gestellt ergibt folgendes Bild:

- Kind streitet die Tat ab (Waren die anderen Jungs)
- Kind gibt später die Tat wieder zu
- Kurz einberufene Nachbarschaftsrunde (Der Junge, seine Mutter, die Eltern und Kinder die er beschuldigt hat es gewesen zu sein) ergibt am Ende: er war es doch.
- Junge holt sogar den Stock aus dem Gebüsch und zeigt ihn
- Abgebrochene Holzstücke gleichen Typs liegen vor unserer Fußmatte
- Kind kommt Abends mit Mutter und entschuldigt sich für seine Tat

Nachdem ich die Eltern am nächsten Tag jedoch mit dem entstandenen Schaden konfrontiert habe erhalte ich als Antwort:

- Der Junge zieht seine Schuldeingeständnis zurück
- Ich habe Druck aufgebaut um ein Geständnis zu erpressen
- Im Übrigen gibt es keine Zeugen
- Ansonsten wird auf das Vorhandensein einer Rechtsschutzversicherung hingewiesen
- Das Einschalten einer ggf. vorhandenen Haftpflichtversicherung wird verwehrt ("Wir sind ja nicht schuld")

Gefühlt ist die Stimmung gerade im Eimer. Mehrjährige Erfahrung mit den Nachbarn lehrte uns: er lügt wie gedruckt und seine Eltern sind zu blöd das zu erkennen und decken ihn auch noch. Bin aber gerade verunsichert. Daher die Frage: wie ist die Rechtslage?

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 13:03
von Etienne777
Verkürzt gesagt ist die Rechtslage in Schadensersatzfragen so, daß der Geschädigte dem mutmaßlichen Schadensverursacher im Bestreitensfall beweisen können muß, daß dieser den Schaden tatsächlich verursacht hat. Scheitert es bereits daran, ist alles Andere ohne Belang.

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 16:11
von Elektrikör
Hallo,
war da nicht noch was mit "strafmündig"?
MfG

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 16:17
von ktown
Da ich in der ganzen Thematik keinen Verbraucher finden kann, habe ich es mal ins Zivilprozeßrecht verschoben.

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 17:28
von Etienne777
Elektrikör hat geschrieben:Hallo,
war da nicht noch was mit "strafmündig"?
Das gehört zu dem was ohne Belang ist, wenn man bereits die Schadensverursachung nicht beweisfest zuordnen kann.

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 18:11
von lottchen
Wer sagt denn dass es nicht beweisbar ist, dass dieses spezielle Kind den Schaden verursacht hat? Oder gelten die anderen Kinder nicht als Zeugen weil es Kinder sind? Dann käme schon die Strafunmündigkeit ins Gespräch.

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 18:35
von Old Piper
Was hat Strafmündigkeit mit Schadensersatz zu tun? Ok, der Junge kommt dafür nicht in den Knast (eben u.a. wegen der fehlenden Strafmündigkeit), aber zivilrechtlich könnte dennoch ein Anspruch bestehen.

Re: Klassiker: Fragen zur Haftpflicht

Verfasst: 10.10.18, 19:38
von FM
lottchen hat geschrieben:Wer sagt denn dass es nicht beweisbar ist, dass dieses spezielle Kind den Schaden verursacht hat? Oder gelten die anderen Kinder nicht als Zeugen weil es Kinder sind? Dann käme schon die Strafunmündigkeit ins Gespräch.
Natürlich können auch Kinder Zeugen sein, mit Strafmündigkeit hat das wenig zu tun (die Kinder werden eben bei einer Falschaussage nicht bestraft, müssen aber trotzdem wahrheitsgemäß aussagen). Man wird sehen, was die dann aussagen, und wie das Gericht evtl. gegenteilige Aussagen würdigt.
http://www.rechtslexikon.net/d/kinder-a ... zeugen.htm

Sofern der Geschädigte, anders als der nach seiner Meinung nach Schadensverursacher, keine Rechtsschutzversicherung hat, sollte er sich vorher über das Kostenrisiko informieren.