Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Moderator: FDR-Team

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Lucy Lustig
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Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von Lucy Lustig »

Hallo,

der Frau L ist ein anderes Kfz, welches bei der "XY" - Versicherung versichert ist, hinten aufgefahren.
Es entstand ein geringer Sachschaden, welchen die F selbständig regeln wollte.
Nachdem wochenlang nichts passiert ist, hat sie einen Mahnbescheid gegen die "XY" eingereicht.
Dies deshalb, weil die gegnerische Haftpflichtversicherung einen unklaren Briefkopf hat und die L nicht genau erkennen konnte,
dass es sich hierbei um unterschiedliche Firmen handelte..
Es wurde Widerspruch eingelegt und die spätere Klage wurde abgewiesen, weil die verklagte Versicherung nicht passiv legitimiert sei.

L ist nun ratlos: was muss sie tun? Berufung einlegen lassen und in dem Verfahren dann den Gegner austauschen? oder einfach nochmal neu klagen?
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lottchen
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von lottchen »

Mal prinzipiell: Warum verklagt sie eine Versicherung und nicht den Verursacher des Unfalls? Gegen den hat sie doch eine Forderung?

Wenn Frau L die falsche Firma verklagt hat wird sie eine neue Klage gegen die richtige einreichen müssen (wenn sie glaubt, dass das der richtige Gegener ist). Was sagt denn ihr Anwalt dazu?
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freemont
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von freemont »

Lucy Lustig hat geschrieben:Hallo,

der Frau L ist ein anderes Kfz, welches bei der "XY" - Versicherung versichert ist, hinten aufgefahren.
Es entstand ein geringer Sachschaden, welchen die F selbständig regeln wollte.
Nachdem wochenlang nichts passiert ist, hat sie einen Mahnbescheid gegen die "XY" eingereicht.
Dies deshalb, weil die gegnerische Haftpflichtversicherung einen unklaren Briefkopf hat und die L nicht genau erkennen konnte,
dass es sich hierbei um unterschiedliche Firmen handelte..
Es wurde Widerspruch eingelegt und die spätere Klage wurde abgewiesen, weil die verklagte Versicherung nicht passiv legitimiert sei.

L ist nun ratlos: was muss sie tun? Berufung einlegen lassen und in dem Verfahren dann den Gegner austauschen? oder einfach nochmal neu klagen?
Berufung wäre völlig verfehlt, wenn schlicht der Falsche verklagt wurde. Die Passivlegitimation lässt sich ja nicht herbeiklagen. Die Klage ist gar nicht zulässig.

Dann muss ggf. neu, der "Richtige" verklagt werden.

Aber ist das denn ueberhaupt klagereif? Wenn da ausserprozessual Absprachen getroffen wurden und die "richtige" Versicherung den Anspruch sofort anerkennt könnten auch alle weiteren Kosten am Kläger hängen bleiben.

Lucy Lustig
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von Lucy Lustig »

Hallo,

die L hat vor dem Mahnbescheid mit der "richtigen" versicherung geschrieben. Allerdings dann im Mahnbescheidantrag die falsche Firmenbezeichnung
abgepinselt. Ihr ist das nicht aufgefallen, erst als die "Erwiderung" vorlag...dann war es aber schon zu spät.
Die L hat keine Rechtsschutzversicherung und kann sich einen Rechtsbeistand leider nicht leisten.

ktown
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von ktown »

Es beantwortet aber immer noch nicht diese Frage:
lottchen hat geschrieben:Warum verklagt sie eine Versicherung und nicht den Verursacher des Unfalls? Gegen den hat sie doch eine Forderung?
weil
freemont hat geschrieben:Aber ist das denn überhaupt klagereif? Wenn da außerprozessual Absprachen getroffen wurden
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
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freemont
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von freemont »

Lucy Lustig hat geschrieben:Hallo,

die L hat vor dem Mahnbescheid mit der "richtigen" versicherung geschrieben. Allerdings dann im Mahnbescheidantrag die falsche Firmenbezeichnung
abgepinselt. Ihr ist das nicht aufgefallen, erst als die "Erwiderung" vorlag...dann war es aber schon zu spät.
Die L hat keine Rechtsschutzversicherung und kann sich einen Rechtsbeistand leider nicht leisten.
Na ja, es war doch jetzt schon teuer genug. Mit RA wäre das nicht passiert.

Lottchens Beitrag oben ist auch wichtig, der Halter wird normal auch verklagt, als Gesamtschuldner mit der Versicherung,

Wenn man Sorge hat, dass der RA nur unnötige Kosten verursacht, ist man ja nicht so sehr von der eigenen Sache ueberzeugt. Wenn man "gewinnt" muss ja der Gegner die Kosten übernehmen.

Man weiss nicht worum es geht, aber bei einem Heck-Auffahrunfall ist die Schuldfrage regelmäßig klar.

lottchen
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von lottchen »

Muss eigentlich der Fahrer oder der Halter (falls verschiedene Personen) vom Fahrzeug verklagt werden? Oder beide? Oder beide incl. Versicherung? Was wäre denn der normale Ablauf?
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von FM »

lottchen hat geschrieben:Mal prinzipiell: Warum verklagt sie eine Versicherung und nicht den Verursacher des Unfalls? Gegen den hat sie doch eine Forderung?
Wegen: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__115.html
Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, und die Versicherungsgesellschaft ist meist zahlungskräftiger.

ktown
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von ktown »

Dies ist aber doch ein "kann" Gesetz. Zwingend ist es nicht. oder?
Gerade unter dem Gesichtspunkt der außergerichtlichen Einigung.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von ExDevil67 »

ktown hat geschrieben:Dies ist aber doch ein "kann" Gesetz. Zwingend ist es nicht. oder?
Nein, zumal es aus Sicht des Geschädigten einfacher ist sich mit dem Schädiger vor Gericht zu treffen. Der wird nämlich im Regelfall keine Übung in Prozessen haben und kommt auch eher selten auf die Idee mit den abenteuerlichsten Begründungen berechtigte Ansprüche zu kürzen.

freemont
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Re: Falsche Versicherung verklagt - was tun?

Beitrag von freemont »

lottchen hat geschrieben:Muss eigentlich der Fahrer oder der Halter (falls verschiedene Personen) vom Fahrzeug verklagt werden? Oder beide? Oder beide incl. Versicherung? Was wäre denn der normale Ablauf?

Von "Müssen" kann keine Rede sein.

Der Geschädigte hat eigentlich nichts mit der Versicherung zu tun, gegen sie klagen kann er nur, weil ihm § 115 VVG einen gesetzlichen Direktanspruch gibt.

Halter und ggf. Fahrer haften nach § 7 und § 18 StVG. Ein Anwalt wird immer auch den Fahrer mit-verklagen. Das steigert nicht bloß die Gebühren, sondern hat auch den nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt, dass der Fahrer als Zeuge für den Halter bzw. die Versicherung ausfällt.

Als gesamtschuldnerisch verklagte Prozess-Partei fällt er als Zeuge aus. Beweisnot ist häufig das, was über den Ausgang eines Zivilprozess entscheidet.

Weshalb hier der Versicherer bei einem Auffahrunfall nicht zahlt ist allerdings merkwürdig. Da gilt doch normalerweise prima facie, dem ersten Anschein nach, dass Der Schuld hat, der auffährt.

Da sollte doch der Versicherer geräuschlos zahlen, wenn der Geschädigte sich keinen Anwalt nimmt und so die Kosten gering hält?

Wenn der Geschädigte "taktisch" nur den Schädiger verklagt wird ihm das nichts nutzen. Der wird seine KFZ-Haftpflichtversicherung einschalten und die wird ihre Pflicht erfüllen:
§ 100 VVG
Leistung des Versicherers

Bei der Haftpflichtversicherung ist der Versicherer verpflichtet, den Versicherungsnehmer von Ansprüchen freizustellen, die von einem Dritten auf Grund der Verantwortlichkeit des Versicherungsnehmers für eine während der Versicherungszeit eintretende Tatsache geltend gemacht werden, und unbegründete Ansprüche abzuwehren.

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