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Zwei Anspruchsgegner in selber Sache - Aufteilung Forderung?

Verfasst: 25.12.18, 13:12
von Leon6
Hallo Forum, wie verhält es sich bei einem Sachverhalt, bei dem ein Schadenersatzanspruch gegen mehr als einen Anspruchsgegner geltend gemacht werden soll?
Konkretes Beispiel an einer Arzthaftungssache: Es sind zwei Krankenhäuser und die jeweiligen aufnehmenden Ärzte der Notaufnahme, denen schwere Versäumnisse vorgeworfen werden, wodurch ein Schlaganfall erst nach zwei Tagen erkannt wird.

Fragen:
1) Ist es richtig, dass gegen jede der beiden Kliniken sowohl gegen die Klinik selbst (Anpruchsgegner zu 1) und deren aufnehmenden Arzt (Anspruchsgegner zu 2) geklagt werden muß ?

2) Wie macht man das mit der Aufteilung der Forderung auf die beiden Anspruchsgegner (Arzt / Klinik X und Arzt Klink Y) ? Die muß man ja beziffern (Schadenersatz und Schmerzensgeld).
Teile ich die Gesamtforderung auf, dann liefe ich Gefahr, zu wenig zu fordern, wenn in einem der beiden Verfahren gerichtlich festgestellt würde, dass gegen den Anspruchsgegner ein Anspruch nicht bestehe.

3)Muß ich also den Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld in vollem Umfang sowohl gegen Arzt und Klinik X als auch gegen Arzt und Klinik Y geltend machen ??

(Kleiner Hinweis: Wir nehmen an, dass die Klagen wegen drohender Verjährung im selben Zeitraum erhoben werden müssen. Es kann also nicht gewartet werden, bis das Gericht über eine Sache entschieden hat.)

Re: Zwei Anspruchsgegner in selber Sache - Aufteilung Forder

Verfasst: 26.12.18, 12:18
von SusanneBerlin
Hallo,

man muss genau auseinandertrennen, welche Klinik welche Fehler gemacht hat. Klinik X ist nicht verantwortlich für Fehler, die in Klinik Y passiert sind und umgekehrt genausowenig. Sie werden einen versierten Anwalt des Fachgebiets Medizinrecht brauchen, um die Klagen zu formulieren. Die Frage ist zu komplex für ein Forum.

Re: Zwei Anspruchsgegner in selber Sache - Aufteilung Forder

Verfasst: 27.12.18, 16:40
von Etienne777
Mir ist die zeitliche Abfolge noch nicht klar, außer, daß letztendlich erst nach zwei Tagen erkannt worden ist, daß ein Schlaganfall vorliegt. Was wurde in der ersten Klinik wegen welcher Beschwerden / Symptome unternommen? Wie lange hat das gedauert? Erfolgte die Überstellung in die zweite Klinik auf Initiative der erstbehandelnden Einrichtung? Zu welchem Zeitpunkt?

Zutreffend ist in jedem Fall das, was SusanneBerlin schon klargestellt hat, etwaige Ansprüche, so sie bewiesen werden können, muß man nach dem Anteil am Verschulden der jeweiligen Klinik zuordnen. Für mögliche Versäumnisse Dritter haftet auch eine Klinik nicht, man wird also genau aufdröseln müssen, Klinik Nr. 1 ist zu xy Prozent Schadensverursacherin, Klinik Nr. 2 zu xx Prozent.

Angenommen, Klinik Nr. 2 hätte den Patienten erst zu einem Zeitpunkt übernommen, als das enge therapeutische Zeitfenster zur wahrscheinlich erfolgreichen Behandlung - etwa in einer Stroke Unit - bereits geschlossen war, so stünde die Frage im Raume, ob etwaiges Versagen der Klinik Nr. 2 überhaupt noch schadenskausal ist. Was ich damit sagen will ist, es mag ja sein daß auch Klinik Nr. 2 Mist gebaut und den Schlaganfall später erkannt hat, als es ihn hätte erkennen können und erkennen müssen, dieses aber für die noch möglichen Behandlungen und die Prognose nicht mehr relevant war, da bereits bei Aufnahme der medizinischen Behandlung durch Klinik Nr. 2 ein irreversibler Schaden vorlag. Darum ist die zeitliche Abfolge auch so wichtig für die grundsätzliche Beurteilung.

Abgesehen davon könnten beim Patienten Vorerkrankungen bestanden haben, die ihrerseits ein gleiches Symptombild verursachen können und ohne Verstoß gegen die Regeln der ärztlichen Kunst den Schlaganfall nicht unmittelbar haben als solchen erkennen lassen. Das ist beispielsweise bei Migränepatienten ein häufiges Problem.

Beklagt werden können beide Kliniken mit der selben Klage, eben als Beklage zu 1) und Beklagte zu 2), wobei man einen Gesamtschaden vorläufig beziffern könnte. Im Verfahrensverlauf wird es sicherlich nicht ohne ein Sachverständigengutachten gehen, aus dem sich dann auch ergeben dürfte, welcher der Beklagten welcher Anteil am Gesamtverschulden zukommt.