Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

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Tolki
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Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Tolki » 05.06.19, 07:34

Hallo,

wenn der medizinische Sachverständige beim Begutachtungstermin eine Begleitperson (die mit der zu begutachtenden Person erschienen ist und sich nur in Hörweite befunden hätte und sonst nicht beteiligt gewesen wäre) ohne genauen Grund nicht zulässt, kann man dies danach (solange das Gutachten noch nicht vorliegt) noch beanstanden?

ExDevil67
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von ExDevil67 » 05.06.19, 07:40

Was verspricht man sich davon? An den Befunden dürfte das doch nichts ändern.

SusanneBerlin
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wurde?

Beitrag von SusanneBerlin » 05.06.19, 07:42

Was hätte denn die Begleitperson in Hörweite an dem Ergebnis des Gutachtens geändert?
tolki hat geschrieben:kann man dies danach (....) noch beanstanden?
Mit welcher Begründung hält die zu begutachtende Person die Anwesenheit einer Begleitperson für unerlässlich?
Grüße, Susanne

Old Piper
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Old Piper » 05.06.19, 07:50

Es ist die Entscheidung des Gutachters, ob er eine Begleitperson mit ins Untersuchungs- oder Besprechungszimmer lässt oder nicht. Ein Anspruch auf sowas ist mir nicht bekannt - Ausnahmen dürften bei Minderjährigen oder aus sonstigen Gründen nicht voll Geschäftsfähigen existieren.
MfG
Old Piper
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Tolki
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Tolki » 05.06.19, 08:01

Die Anwesenheit hält die zu begutachtende Person für notwendig, um sicherzugehen, dass das und nur das gesagte ins Gutachten miteinfließt, also nichts weggelassen oder hinzugefügt wird.

SusanneBerlin
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von SusanneBerlin » 05.06.19, 08:10

Ein medizinisches Gutachten ist kein Gesprächsprotokoll. Im Gutachten werden die Untersuchungsergebnisse stehen, und nicht was der Gutachter während der Begutachtung mit der zu begutachtenden Person redet.

Wenn man die Ergebnisse der Begutachtung für falsch hält, dann muss man die Ergebnisse bemängeln. Dafür muss man nicht gehört haben, was Begutachter und Patient während der Begutachtung verbal geäußert haben.
Grüße, Susanne

FelixSt
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von FelixSt » 05.06.19, 08:20

Tolki hat geschrieben:
05.06.19, 07:34
kann man dies danach (solange das Gutachten noch nicht vorliegt) noch beanstanden?
Was konkret sollte einen daran hindern, es zu beanstanden?
Ich empfehle jedem, selbst zu denken und es sich nicht von unseren Forengutmenschen wie z.B. lottchen abnehmen zu lassen.

ExDevil67
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von ExDevil67 » 05.06.19, 08:37

SusanneBerlin hat geschrieben:
05.06.19, 08:10
Ein medizinisches Gutachten ist kein Gesprächsprotokoll. Im Gutachten werden die Untersuchungsergebnisse stehen, und nicht was der Gutachter während der Begutachtung mit der zu begutachtenden Person redet.
Ich würde sagen jein. Das dürfte vom Auftrag abhängen. Nicht alle Fragestellungen lassen sich zählen, messen, wiegen.

alana4
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von alana4 » 05.06.19, 08:51

Ich weiß aus eigener Erfahrung als "Begleitperson", dass eine solche Sinn macht.

Ohne Gutachtern zu nahe treten zu wollen- aber oft sind sie nicht so unabhängig, wie man gerne glauben will. In meinem Fall war es der von einer privaten Unfallversicherung bezahlte Gutachter...........und es ging um viel Geld. Eine freie Wahl des Gutachters für den Geschädigten gibt es nämlich nicht bzw. ist privat zu zahlen. Das läuft bei Auto besser. Der Satz "...wes Brot ich ess, dess Lied ich sing...." hat schon seine Berechtigung.


Es wird gemeinhin empfohlen, eine Begleitperson dabei zu haben.

Und welchen vernünftigen Grund sollte ein Gutachter geben können, eine Begleitperson rauszuwerfen? Der Patient/Begutachtete hat ja wohl zu diesem Menschen Vertrauen, sonst würde er ihn ja nicht dabei haben wollen.

ein Arzt-Patient-Vertrauensverhältnis könnte gestört werden, ist oft das Argument der Gutachter gegen eine Begleitperson. Welches "Vertrauensverhältnis"? Dieser Arzt hatte vorher nie und nachher nie mit diesem Patienten zu tun. Und eine Begutachtung erfordert kein besonderes Vertrauensverhältnis.

HIER mal was zum Lesen, derer Beispiele gibt es viele, egal, ob es um sozialrechtliche Fälle oder Gutachten für private Versicherungen geht.

In meinem Fall konnte nicht zuletzt Dank der Begleitperson dem Gutachten widersprochen werden.

Tolki
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Tolki » 05.06.19, 09:18

FelixSt hat geschrieben:
05.06.19, 08:20
Tolki hat geschrieben:
05.06.19, 07:34
kann man dies danach (solange das Gutachten noch nicht vorliegt) noch beanstanden?
Was konkret sollte einen daran hindern, es zu beanstanden?
Es war eigentlich nach Möglichkeiten gefragt, z.B. nach ZPO oder anderen Gesetzen, die Ablehnung einer Begleitperson durch den Gutachter nachträglich wirksam zu beanstanden (auch wenn dann ggf. die Begutachtung nochmal gemacht wird).

Tolki
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Tolki » 06.06.19, 13:03

Vielen Dank erstmal für die Antworten. Die eigentliche Frage ob und falls ja welche Möglichkeiten zur Verfügung stehen, ist aber noch offen.
Gründe dafür gibt es viele genug, wie hier in einem Beitrag schon einmal angegeben wurde.

Falls z.B. eine Behörde oder ein Gericht das Gutachten in Auftrag gegeben hat, kann man so eine Beschwerde einfach direkt an diese richten?

SusanneBerlin
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von SusanneBerlin » 06.06.19, 13:35

Mit einer Beschwerde ist es in beiden Fällen nicht getan. Der Betreffende sollte erwägen, sich von einem Sozialverband (wenn es um Leistungen der Sozialversicherung / Grad der Behinderung geht) bzw. von einem Rechtsanwalt (wenn er sich in einem Gerichtsverfahren gegen z.B. eine privatrechtliche Unfallversicherung befindet) unterstützen zu lassen.
Grüße, Susanne

Old Piper
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Re: Nachträgliche Beschwerde wenn Begleitperson bei Gutachten abgelehnt wird?

Beitrag von Old Piper » 07.06.19, 08:04

Besonders bei Gutachten, die nicht alleine organische Gegebenheiten beleuchten sollen, kann die bloße Anwesenheit einer Begleitperson die Ergebnisse z.B. einer Verhaltensbeobachtung oder Reaktionsanalyse verfälschen. Deshalb schicken insbesondere Psychologen und Psychiater Begleitpersonen häufig raus.
Eine Beschwerde darüber hinterher bringt nicht viel, außer dass der Gutachter ggf. aufgefordert wird, seine Maßnahme zu begründen (was ihm i.d.R. nicht schwerfallen wird). Der von alana4 verlinkte Artikel zeigt insbesondere im letzten Absatz, dass hierdurch besten- oder schlimmstenfalls der Beweiswert des Gutachtens gemindert wird, was jedoch nicht die Regel ist. Zu einem erneuten Gutachten wird es dadurch regelmäßig nicht kommen.
MfG
Old Piper
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