Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

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Konrado
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Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von Konrado » 09.10.19, 09:54

Wir haben folgende Situation. Direkt an der Grundstücksgrenze hinter einem Sichtschutz steht ein Vogelhaus welches mein Nachbar unterhält. Da unser Grundstück eher schmal gehalten ist, beginnt unser Haus schon 3m hinter der Grundstücksgrenze, somit sind wir mit unserer Terrasse und dem Wohnzimmer ca. 3-4 Meter vom Vogelhaus entfernt.

Durch die regelmäßige Fütterung werden sehr viele Vögel angelockt. Es sind jedoch zu 95% Spatzen die in den umliegenden (auch weiter entfernten) Hecken leben. Mindestens 3-4 mal am Tag nehmen Sie Nahrung auf. Dann sind am Haus und drum herum 60-80 Spatzen, und das täglich für einen längeren Zeitraum. Besonders schlimm wird es, wenn zusätzlich Knödel angeboten werden. Dann drehen die Vögel durch.

Dadurch entstehen folgende Probleme:

1. Der Lärm ist extrem in dieser Zeit. Die künstlich herbeigeführte Bündelung der Vögel auf diese große Gruppe und kleine Fläche sorgt dafür, dass man auf der Terrasse z.B. nicht mehr telefonieren kann.

2. Sich mal im Wohnzimmer hinlegen geht auch nicht, da man durch das Gezwitscher gestört wird. Somit ist Ruhe im Wohnzimmer in diesen Zeiten ausgeschlossen.

3. Auch wird man im darüber liegenden Schlafzimmer im Sommer recht früh geweckt, mal bei angekippten Fenster schlafen - unmöglich trotz Rollläden

4. Die Einflugschneise zu dem Vogelhaus geht über unser Grundstück und teilweise über unsere Terrasse. Dies führt dazu, dass wir einen extremen Vogel-Tiefflug Verkehr haben. Zu Stoßzeiten überqueren bis zu 25 Vögel die Minute im An und Abflug unserer Terrasse und Garten. Resultierend daraus ist, dass wir mit den Vögeln teilweise Zusammenstoßen und es auch zur Kotverschmutzung der Terrasse kommt.

5. Durch die Vogelmassen und den exzessiven Flugverkehr fliegen die Vögel öffters gegen Fenster, teilweise mit tötlichem Ausgang.

5. Die Vögel verursachen Schäden. Sie versuchen im Frühjahr Nistplätze am Haus zu bauen. Unter anderem unter Dachpfannen oder in Gartenschlauchtrommeln.

Ich habe mit meinem Nachbar gesprochen. Er hat die Knödel um ca. 2 Meter versetzt - bringt nicht wirklich etwas. Das Vogelhaus will er jedoch nicht umsetzen, weil dann die Vögel seinen Garten verschmutzen und er sie dann auch nicht mehr aus seinem Fenster beobachten kann. (Und was ist mit meinem Garten?)

Ich habe Gegenmaßnahmen ergriffen, ich habe Flatterbänder bei mir angebracht, dies hilft jedoch nur bedingt. Auch habe ich 2 Futterstellen eingerichtet am anderen Ende des Grundstücks (Feldrand), um die Masse der Vögel an seinem Vogelhaus zu reduzieren in der Hoffnung, dass die Vögel sich dann verteilen. Alles nur mit mäßigem Erfolg.

Was kann ich machen? Gibt es eine rechtliche Grundlage? Mir würde ja schon reichen, wenn er die Futterstation 10 Meter verschieben würde. Sein Garten ist groß genug.

SusanneBerlin
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von SusanneBerlin » 09.10.19, 10:37

Hallo,

da Sie ohnehinschon im Zivilprozessrecht posten (ok. ein wirklich passende Kategorie wie "Nachbarrecht" z.B. hat das Forum recht.de nicht anzubieten): das Mittel der Wahl wäre die Unterlassungsklage.

Die Rechtsgrundlage ist in §§ 906, 907 BGB zu finden, anhand derer Paragrafen die duldbaren Einwirkungen und Emissionen vom Nachbargrundstück Beschränkungen unterliegen.

Da so eine Klage argumentativ gut aufgebaut sein muss um erfolreich zu sein und ein rechtlicher Laie damit überfordert ist allein schon die Formalien eines Klageantrags einzuhalten, würde es sich anbieten, sich an einen Anwalt zu wenden.

Zuvor könnte man dem Nachbarn eine selbstverfasste und nachweisbar zugegangene schriftliche Unterlassungs-Aufforderung mit Fristsetzung und mit der Schilderung der von seiner Vogelfütterung verursachten Beeinträchtigungen zukommen lassen, denn damit steigen die Chancen, dass dem Nachbarn später die Kosten der Rechtsverfolgung (Anwalt- und Gerichtsgebühren) ganz oder teilweise auferlegt werden.
Grüße, Susanne

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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von Zafilutsche » 09.10.19, 11:05

Konrado hat geschrieben:
09.10.19, 09:54
5. Durch die Vogelmassen und den exzessiven Flugverkehr fliegen die Vögel öffters gegen Fenster, teilweise mit tötlichem Ausgang.
So man gewillt ist, diesem Problem zu begegnen, sollten (von Aussen!!!) Aufkleber angebracht werden. Das könnte die Anflüge
und damit die Aufprallrate reduzieren.
Ansonsten: "Sperlinge" sind durch die Veränderungen in der Landwirtschaft eher seltener geworden. Klar wird es noch Gebiete geben,
wo es noch ganze Schwärme gibt, aber zumindest in meinem persönlichen Umfeld gibt es (leider) fast keine mehr oder sehr sehr wenige.
Wenn man weniger Vögel im persönlichen Umfeld haben möchte wird man "Falkner" oder "Katzenbesitzer".
Ansonsten würde ich persönlich auch einen Anwalt meines Vertrauens befragen, wie welche Erfolgsaussichten einzuschätzen sind.
Bei z.B. Tauben und Wildtieren gibt es m.E. ein Anfütterungsverbot

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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von Mogli » 09.10.19, 11:25

ein bis zwei fleißige Freigänger-Katzen, und das Problem ist so gut wie gelöst..... :engel:
Grüße, Mogli
********************
Diese Auskunft ist kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst.

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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von ktown » 09.10.19, 12:43

Natur ist schon echt nervig. :wink: :lachen:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Konrado
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von Konrado » 09.10.19, 14:32

Vielen Dank für die bisherigen Antworten.

Ich möchte hierzu noch etwas anmerken:
ktown hat geschrieben:
09.10.19, 12:43
Natur ist schon echt nervig. :wink: :lachen:
Ich habe Nichts gegen die Naturgegebenheiten und Natur selbst, auch Nichts gegen die Spatzen. Aber das was sich dort abspielt hat Nichts mit natürlicher Natur zu tun. Dies ist nur einfach eine durch den Menschen herbeigeführte Massentierfütterung die so in der Natur von alleine nicht gegeben ist. Hier greift der Mensch in die Natur ein. Also verursacht hier nicht die Natur die Störung, sonder der Mensch mit seinem Eingriff.

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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von ktown » 09.10.19, 15:27

Sie sind also der Meinung, dass jedweder Eingriff in die Vogelwelt zu unterlassen ist und man die Tiere sich selbst überlassen soll? Gerade im Hinblick, dass die Sterberate, Aufgrund der fehlenden Nahrung, exponential in die Höhe geht. Und nur, weil der Lärm einen stört.
Na dann gute Nacht.
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winterspaziergang
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von winterspaziergang » 09.10.19, 16:17

Konrado hat geschrieben:
09.10.19, 14:32
Dies ist nur einfach eine durch den Menschen herbeigeführte Massentierfütterung die so in der Natur von alleine nicht gegeben ist. Hier greift der Mensch in die Natur ein. Also verursacht hier nicht die Natur die Störung, sonder der Mensch mit seinem Eingriff.
richtig, in der Natur ernährt sich der Spatz von Insekten. Wo findet der die heute noch? ...Eben.
In der Natur standen an der Stelle des heutigen Besitzes des Häuslebauers Hecken und Bäume, in denen der Spatz und weitere Artgenossen nisten konnten.
Der Mensch greift also in die Natur ein und stört sich daran, dass sie blöderweise dennoch weiter vorhanden bleibt.

Im Übrigen ist die Schilderung, nach der die Spatzen einerseits gegen das Fenster fliegen und verenden, andererseits nach wie vor in solchen Maßen vorhanden sind, dass
wir mit den Vögeln teilweise Zusammenstoßen
als übertrieben oder unglaubwürdig einzustufen. Der fiktive gestörte Hausbesitzer ist nicht der einzige Mensch mit Vogelhaus im Garten. Wieso tritt das nur bei ihm so extrem auf?

Konrado
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von Konrado » 09.10.19, 17:17

ktown hat geschrieben:
09.10.19, 15:27
Sie sind also der Meinung, dass jedweder Eingriff in die Vogelwelt zu unterlassen ist und man die Tiere sich selbst überlassen soll? Gerade im Hinblick, dass die Sterberate, Aufgrund der fehlenden Nahrung, exponential in die Höhe geht. Und nur, weil der Lärm einen stört.
Na dann gute Nacht.
1. Ich wohne in einem Dorf in Feldrandlage. Hier gibt es ausreichend Knicks und Büsche sowie ausreichend natürliche Nahrung für die Vögel, die Ganzjahresfütterung ist an diesem Standort nicht notwendig. Anderswo kann das durch aus anders aussehen. Zumal zu 95% nur Spatzen gefüttert werden. Warum füttert er nicht andere Vögel mit?

2. Es gibt genügend Möglichkeiten eine Unterstützung zu leisten auch ohne die Nachbarn zu beinträchtigen. Dazu würde es schon reichen das Vogelhaus 10 Meter auf dem eigenen Grundstück zu versetzen. Aber dann hätte er ja den Dreck und Flugverkehr im eigenen Garten, dass möchte er aber auch nicht haben. - In meinem Garten soll es aber ok sein?

3. Ich habe ja ebenfalls am Grundstücksende ein Vogelhaus aufgestellt, kann bei Bedarf (Winter, Frost, Schnee) Unterstützung leisten ohne jemanden zu stören. Sein Grundstück hat bestimmt 1000qm. Da wird sich doch ein Platz für eine Vogelhaus finden, oder? Aber meinem Gefühl nach geht es nicht um die Vögel, sondern darum dass sein Garten sauber bleibt und er Sie aus dichtester Nähe aus seinem Fenster beobachten kann.

@winterspaziergang

Sie mögen es für übertreiben halten, das entspricht jedoch der Tatsache. Die große Menge der Vögel ist mit der Feldrandlage und den vielen Knicks entlang der Felder in der unmittelbaren Nähe zu begründen. Sie sind so rege, dass ich Fotos mal gemacht habe um Sie zählen zu können. Und genau aus diesen werden die Vögel massenweise angelockt. Nicht selten kommen Sie mit mehreren Schwärmen von 10 bis 20 Vögeln schlagartig und kurzzeitig hintereinander. Das ist auch das Hauptproblem.

Da das Vogelhaus unglücklich zwischen den Häusern steht und die Häuser nur 6 Meter auseinander sind (Vogelhaus steht also 3 Meter entfernt von jeder Hauswand) kommt es zu diesen Flugverwirrungen und Unfällen vor allem wenn die Vögel aufschrecken. Durch das anbringen von Flatterbändern in der Gefahrenzone konnte ich die Einflugschneise etwas modifizieren und die Unfälle an den Fenstern zumindest reduzieren.

Und nochmal: Ich habe nichts gegen Natur und Vögel. Ich galube nur, dass manche Kritiker meines Problems die Auswirkung des Lärmpegel nicht bewust sind. Das ist kein pipesen und singen von 5 oder 10 Vögel. Das ist ein agressiver Lärm von 60 Vögel die um das Futter zoffen. Das ist ein Unterschied. Wer mir nicht glaubt, kann sich in eine große Wellensittich Abteilung in einer Zoohandlung stellen und für sich beurteilen ob er diesen Lärm für mehrere Stunden täglich vor dem Wohnzimmer haben möchte. - Den Flugbetreib mal unberüchsichtigt.

WHKD2000
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von WHKD2000 » 10.10.19, 17:50

winterspaziergang hat geschrieben:
09.10.19, 16:17

richtig, in der Natur ernährt sich der Spatz von Insekten. Wo findet der die heute noch? ...Eben.
:shock: :shock: der Spatz ernährt sich von Samen / Gräsern .
Also quasi Veganer. :lachen:

Nur die Jungen bekommen gelegentlich Insekten.

WHKD2000
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Re: Beeinträchtigung durch künstlich herbeigeführte Vogelmassen

Beitrag von WHKD2000 » 10.10.19, 17:56

Konrado hat geschrieben:
09.10.19, 17:17
Zumal zu 95% nur Spatzen gefüttert werden. Warum füttert er nicht andere Vögel mit?
hieße also Ihr Nachbar füttert nur spatzenspezifisch?
Woran machen Sie das fest?

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