vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Moderator: FDR-Team

neutrino
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vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von neutrino »

Hallo zusammen,

Person A geht morgens zum Supermarkt, um sich Brötchen zu holen. Beim Verlassen des Supermarktes rutscht A auf einem größeren Plastikpanel (Teil von einem Passantenstopper, das wohl runtergefallen war und nun vor dem Eingang lag) aus. A fällt nicht hin, sondern kann sich ausbalancieren und fangen, da A aber 4 Wochen vorher an der Schulter operiert wurde, war das Ausbalacieren mit den Armen schmerzhaft. Der Schmerz hat sich vorerst relativ schnell gelegt, weshalb A den Vorfall nicht direkt im Markt gemeldet hat. Im Laufe des Vormittags merkt A allerdings, dass der Schmerz wieder kommt und geht zum Arzt, welcher einen neuen Erguss im Gelenk feststellt. A hat seit dem Unfall wieder Schmerzen in der Schulter obwohl er vor dem Unfall trotz OP schon schmerzfrei war.

A ist am Unfalltag nach der Arbeit im Supermarkt gewesen und hat seinen Unfall einer Angestellten "gemeldet". Diese hatte sich den Vorfall notiert mit Tag, Zeitpunkt, Name und Telefonnummer von A. Man würde sich bei A melden. A hatte übrigens auch das Plastikpanel vor dem Supermarkteingang fotografiert.
Bis eine Woche nach dem Unfall hat sich allerdings niemand bei A gemeldet.

Was müsste A tun, um seine Ansprüche sicherzustellen?
Es geht vor allem darum, die Schuldfrage zu klären, für den Fall, dass A sich nochmal operieren lassen müsste, falls durch den Unfall doch ein größerer Schaden entstanden wäre.

VG neutrino

ktown
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von ktown »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 11:55
Was müsste A tun, um seine Ansprüche sicherzustellen?
Feststellen an wen er seine Ansprüche stellen kann.
1. Von wem wurde das Plastikteil dort hingeschmissen bzw. liegen gelassen.
2. Ist der Markt in der Haftung um jede Minute zu konrollieren, wenn einer seiner Kunden dort was unbedarft hinschmeißt?
3. Handelt es sich überhaupt noch um das Privatgelände des Marktes oder ist es schon wieder öffentlicher Verkehrsraum für den die Gemeinde zuständig ist.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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neutrino
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von neutrino »

Es handelte sich vermutlich um ein Panel eines Passantenstoppers, der neben dem Supermarkteingang steht. Das Plastikpanel hat in diesem Fall mit größter Wahrscheinlichkeit kein Kunde dort hingelegt. Wie es da hin gekommen ist weiß A natürlich nicht. Vielleicht hat Wind das Plastikpanel vom Passantenstopper gelöst.

Der Unfall passierte ca. 15-20 Minuten nach Eröffnung des Marktes. Sollte es nicht zur Sorgfaltspflicht gehören, bei Öffnung der Tür die Verkehrswege zu kontrollieren?

Der Unfall ereignete sich direkt, also ca. 2-3 Meter vor dem Eingang zum Markt.

ktown
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von ktown »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 12:44
Der Unfall passierte ca. 15-20 Minuten nach Eröffnung des Marktes. Sollte es nicht zur Sorgfaltspflicht gehören, bei Öffnung der Tür die Verkehrswege zu kontrollieren?

Die Abdeckung lag nun schon 20 min dort?
Wie war das Wetter?
Gab es Grund zur Annahme, dass die Abdeckung schon länger da lag, oder das sie kurzfristig dort hinflog?
In welchem techn. Zustand war der dort aufgestellte Passantenstopper?

Alles Fragen, die die Versicherung des Marktes stellen wird um zu prüfen, ob der Versicherungsnehmer verantwortlich sein könnte.
Die Schuldfrage sollte man dann klären, wenn es Ansprüche gibt. Es ist ja nicht nur mit der OP getan. Der pot. AG wird sicherlich auch einen Ausfall des AN geltend machen wollen. :wink:
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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neutrino
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von neutrino »

ktown hat geschrieben:
25.12.19, 14:33

Die Schuldfrage sollte man dann klären, wenn es Ansprüche gibt. Es ist ja nicht nur mit der OP getan. Der pot. AG wird sicherlich auch einen Ausfall des AN geltend machen wollen. :wink:
Das ist sehr wahrscheinlich.
Person A hat natürlich bedingt durch den Unfall Schmerzen, die evtl. auch ein Schmerzensgeld rechtfertigen würden. Schließlich war er vor dem Unfall schon komplett schmerzfrei und fast wieder genesen.

Elektrikör
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von Elektrikör »

Hallo,

besagtes Teil war nun aufgrund welchen Umstandes nicht zu erkennen?


MfG
Alles hier von mir geschriebene stellt meine persönlichGanzFürMichAlleineMeinung dar
Falls in einer Antwort Fragen stehen, ist es ungemein hilfreich, wenn der Fragesteller diese auch beantwortet

ktown
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von ktown »

Elektrikör hat geschrieben:
25.12.19, 17:38
Hallo,

besagtes Teil war nun aufgrund welchen Umstandes nicht zu erkennen?


MfG
Aufgrund dem Blick ins Smartphone :wink:
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karli
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von karli »

Ich suche im geschilderten Sachverhalt noch nach Fahrlässigkeit oder Vorsatz die eine Schadensersatzpflicht des Supermarktbetreibers auslösen könnten.
§ 823 BGB hat geschrieben:Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens verpflichtet.
Wenn du kritisiert wirst, dann mußt du irgend etwas richtig machen, denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat. (Bruce Lee)
Achtung: Meine Beiträge können Meinungsäusserungen, Denkanstösse, sowie Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten.

Celestro
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von Celestro »

klingt nach einem sehr großen Teil, welches der Kunde hätte bemerken können (ja sogar müssen). Und ob der Kunde hier überhaupt einen "Unfall" wird geltend machen können? Ob sich der Erguss zweifelsfrei auf dieses "herumrudern" zurückführen lassen wird?

FM
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von FM »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 11:55
A ist am Unfalltag nach der Arbeit im Supermarkt gewesen und hat seinen Unfall einer Angestellten "gemeldet". Diese hatte sich den Vorfall notiert mit Tag, Zeitpunkt, Name und Telefonnummer von A. Man würde sich bei A melden. A hatte übrigens auch das Plastikpanel vor dem Supermarkteingang fotografiert.
Bis eine Woche nach dem Unfall hat sich allerdings niemand bei A gemeldet.
Was auch immer ein Passantenstopper und ein Plastikpanel davon sein mögen: der Ladenbetreiber hat vermutlich den Vorfall seiner Betriebshaftpflichtversicherung gemeldet. Diese hat vermutlich mitgeteilt, wenn Ansprüche geltend gemacht werden, möge man sich dazu keinesfalls äußern sondern es an die Versicherung weiterleiten. Da aber noch gar keine Ansprüche geltend gemacht wurden, gibt es weder für den Ladenbetreiber noch für die Versicherung einen Grund, irgendetwas zu tun - außer vielleicht Beweise zu sichern, also z.B. auch Fotos machen, die Angestellten als Zeugen fragen usw. Aber man wird kaum von sich aus dem Geschädigten irgendetwas anbieten, solange der nichts verlangt. Die Ansprüche auf Kostenübernahme der medzinischen Behandlung gehen weitgehend (abgesehen von Eigenbeteiligungen) auf die Krankenversicherung des Verletzten über, die auf Einkommensausfall bei Arbeitsunfähigkeit auf den Arbeitgeber (falls ein Arbeitnehmer betroffen war).

Schmerzensgeld kann man selbst geltend machen, aber auch da wird die Versicherung abwarten was man denn verlangt um dann mitzuteilen, dass das zu viel ist (sofern sie nicht schon aus anderen Gründen ein Verschulden oder die Ursächlichkeit bestreitet).

Eine Klage auf Feststellung der Haftung dem Grunde nach ist denkbar, die Frage wäre ob dafür ein Rechtsschutzbedürfnis besteht. Das sollte man von seinem Anwalt erst mal prüfen lassen, denn im Falle der Abweisung müsste man das Verfahren selbst bezahlen.

Die Beweislage ist natürlich schlecht, wenn man erst mal gar nichts gemacht hat außer ein Foto (das aber kaum den Sturz zeigen wird). Hat man wenigstens die Personalien der Zeugen notiert? Kann jemand bestätigen, dass kein anderes Ereignis zu der Folgediagnose geführt hat?

neutrino
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von neutrino »

Das Plastikpanel war durchsichtig, von der Größe her ca. DIN A2, der Unfall ist um ca. 7:20 Uhr passiert. Es war also noch dunkel. Das Panel war schlecht zu sehen. Der Eingangsbereich ist schlecht beleuchtet.
Das Smartphone lag übrigens im Auto in der Tasche ;-)

Man nehme mal an, A hätte eine Rechtsschutzversicherung. Namen von Zeugen wurden keine notiert, da A im ersten Schreckmoment noch keine großen Beschwerden bemerkt hat. Schmerzen stellten sich erst in den Folgestunden ein. Tatsächlich befand sich eine jugendliche Person im Auto nahe der Unfallstelle. Da es sich um einen Supermarkt in einem kleinen Ort mit Stammkundschaft handelt, dürfte es kein großes Problem sein, die Zeugin zu finden.
Evtl. gibt es dort auch eine Kameraüberwachung. Das müsste A in Erfahrung bringen.

A war zur Zeit des Unfalls in enger postoperativer ärztlicher Überwachung. Der Erguss war beim Ultraschall vor dem Unfall noch nicht sonografisch nachweisbar, danach schon.

Eine rutschige Stelle auf dem Verkehrsweg beruht sicher nicht auf Vorsatz aber fahrlässig wäre es schon, wenn die Supermarktmitarbeiter um 7 Uhr die Ladentür öffnen und das Plastikpanel sehen und nicht wegräumen, weil man, wie jeden Morgen, zu schwach besetzt ist und deshalb unter sehr großem Zeitdruck steht (springen zwischen Brötchenbackautomat und Kasse).

karli
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von karli »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 11:55
(Teil von einem Passantenstopper, das wohl runtergefallen war und nun vor dem Eingang lag)
Und sie meinen, daß das schon dort lag, als der Mitarbeiter das Ladengeschäft öffnete?
neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 22:17
Eine rutschige Stelle auf dem Verkehrsweg beruht sicher nicht auf Vorsatz aber fahrlässig wäre es schon, wenn die Supermarktmitarbeiter um 7 Uhr die Ladentür öffnen und das Plastikpanel sehen und nicht wegräumen
Sie meinen also, daß der Mitarbeiter des Supermarktes das Paneel hätte sehen müssen, obwohl sie selbst es nicht gesehen haben, denn
neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 22:17
Das Plastikpanel war durchsichtig, von der Größe her ca. DIN A2, der Unfall ist um ca. 7:20 Uhr passiert. Es war also noch dunkel. Das Panel war schlecht zu sehen.
:?
neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 11:55
A fällt nicht hin, sondern kann sich ausbalancieren und fangen, da A aber 4 Wochen vorher an der Schulter operiert wurde, war das Ausbalacieren mit den Armen schmerzhaft.
Die Frage wäre natürlich auch, ob der Schaden auch ohne die geschilderte Vorerkrankung entstanden wäre. https://www.rechtslupe.de/zivilrecht/un ... ung-328854
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winterspaziergang
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von winterspaziergang »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 11:55
Hallo zusammen,

Was müsste A tun, um seine Ansprüche sicherzustellen?
Es geht vor allem darum, die Schuldfrage zu klären, für den Fall, dass A sich nochmal operieren lassen müsste, falls durch den Unfall doch ein größerer Schaden entstanden wäre.

VG neutrino
Nebst Schuldfrage, stellt sich zunächst die Frage, ob es ein Unfall ist, wenn man ins Rutschen kommt, sich wieder fängt und nur, weil die Schulter ohnehin verletzt war, Folgen spürt.
Hätte man diese Folgen ohne Vorverletzung?
Haftet der Betreiber unter diesen Umständen?
Zu welchem Anteil?
Usw.

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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von FM »

neutrino hat geschrieben:
25.12.19, 22:17
Tatsächlich befand sich eine jugendliche Person im Auto nahe der Unfallstelle. Da es sich um einen Supermarkt in einem kleinen Ort mit Stammkundschaft handelt, dürfte es kein großes Problem sein, die Zeugin zu finden.
Evtl. gibt es dort auch eine Kameraüberwachung. Das müsste A in Erfahrung bringen.
Die Beweismittel muss der Kläger vorlegen, der Beklagte muss sie ihm nicht selbst liefern.

ktown
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Re: vor dem Eingang zum Supermarkt ausgerutscht - wer kommt für den Schaden auf?

Beitrag von ktown »

Aber selbst wenn es Zeugen gibt die das Plastikteil auf dem Boden sahen, so kann weder eine Kameraaufnahme noch ein Zeuge belegen, ob das Personal diese hätte sehen müssen und das diese so unglücklich lag, dass ein Kunde sie übersehen konnte.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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