Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Recht der Residenten, Doppelbesteuerungsabkommen, ausländisches Immobilien- und Steuerrecht

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Genau genommen
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Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von Genau genommen » 14.04.18, 18:38

Angenommen ein deutscher Staatsbürger, der in der Schweiz lebt und arbeitet, würde ein Haus in Deutschland erwerben, in dem aber zunächst nur seine Lebensgefährtin wohnen und er selbst erst nach Eintritt des Rentenalters in einigen Jahren einziehen würde. Müsste für das Haus in Deutschland eine Zweitwohnsteuer gezahlt werden? Gelten für alle Bundesländer einheitliche Regeln? Wie ist die Rechtslage?

Vielen Dank im Voraus für die Beantwortung.

hambre
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von hambre » 14.04.18, 19:46

Müsste für das Haus in Deutschland eine Zweitwohnsteuer gezahlt werden?
Nein, das scheitert schon daran, dass es sich um einen Erstwohnsitz handelt, wenn es der einzige Wohnsitz in Deutschland ist. Ein Zweitwohnsitz setzt voraus, dass es noch einen weiteren Wohnsitz in Deutschland gibt.
Gelten für alle Bundesländer einheitliche Regeln?
Die Zweitwohnungssteuer ist im übrigen eine kommunale Regelung, d.h. eine Gemeindesteuer die von der überwiegenden Zahl der Gemeinden nicht erhoben wird.

FM
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von FM » 14.04.18, 20:07

Wenn er gar nicht darin wohnt, ist es weder Erst- noch Zweitwohnung.

Aber andere Steuern können schon anfallen.

Genau genommen
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von Genau genommen » 14.04.18, 22:00

Ich habe in der Regelung zur Zweitwohnsteuer für Baden-Württemberg Folgendes gefunden:

„Hat eine Person eine Wohnung inne, mit der sie melderechtlich nicht erfasst ist (im Beispielfall die Wohnung in der Schweiz),
dient die Wohnung als Zweitwohnung im Sinne dieser Satzung, wenn die Person eine andere Wohnung als Hauptwohnung im
Sinne des Meldegesetzes innehat“, also das Haus in Deutschland.

Damit würde die Erstwohnung in der Schweiz wie eine deutsche Erstwohnung behandelt mit der Folge, dass für das Haus in
Deutschland eine Zweitwohnungssteuer zu zahlen ist, vorausgesetzt er meldet sich an.

Verstehe ich das richtig? Und weiß jemand, ob diese Regelung für alle Bundesländer gilt?

hambre
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von hambre » 14.04.18, 23:04

„Hat eine Person eine Wohnung inne, mit der sie melderechtlich nicht erfasst ist (im Beispielfall die Wohnung in der Schweiz),
dient die Wohnung als Zweitwohnung im Sinne dieser Satzung, wenn die Person eine andere Wohnung als Hauptwohnung im
Sinne des Meldegesetzes innehat“, also das Haus in Deutschland.
Richtig ist:
Hat eine Person eine Wohnung inne, mit der sie melderechtlich nicht erfasst ist, dient die Wohnung als Zweitwohnung im Sinne dieser Satzung, wenn die Person eine andere Wohnung als Hauptwohnung im Sinne des Meldegesetzes innehat

Das wäre ein Zitat aus der Zweitwohnungssteuersatzung der Stadt Freiburg (nicht des Bundeslandes Baden-Württemberg!!!). Nur steht da das genaue Gegenteil dessen, was der Anwalt aus dessen Antwort dieses Zitat stammt, behauptet. Wenn man sich in Deutschland anmeldet, dann kann es sich nur um eine Hauptwohnung im Sinne des Meldegesetzes handeln, was wiederum dazu führt, dass keine Zweitwohnungssteuer anfällt.
Verstehe ich das richtig?
Der Anwalt hat das völlig falsch verstanden und den § 2 Abs. 3 der Zweitwohnungssteuersatzung grob missinterpretiert.
Und weiß jemand, ob diese Regelung für alle Bundesländer gilt?
Nochmal: Die Zweitwohnungssteuer wird von der jeweiligen Stadt oder Gemeinde festgelegt, nicht vom Bundesland.

SusanneBerlin
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von SusanneBerlin » 14.04.18, 23:09

Verstehe ich das richtig?
Sie verstehen es falsch. Voraussetzung für die Erhebung einer Zweitwohnungssteuer in Deutschland ist, dass man zwei Wohnungen in Deutschland hat. Die Wohnung in der Schwriz ist nicht gemeint mit "Wohnung in der man melderechtlich nicht erfasst ist", es bezieht sich nur auf Wohnungen in Deutschland.
Grüße, Susanne

Genau genommen
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von Genau genommen » 15.04.18, 08:27

Das kann ich alles nachvollziehen. Besten Dank für die Antworten.

Zur Problematik der Steuerpflicht nach Wohnsitznahme in Deutschland ergeben sich jedoch noch Fragen:

Angenommen das Haus würde in Grenznähe zur Schweiz erworben. Würde der deutsche Staatsangehörige mit Arbeit in der Schweiz damit automatisch zum Grenzgänger, der nach Abzug der Schweizer Quellsteuer deutsche Einkommenssteuer zu bezahlen hätte?

Wie sähe der Fall aus, wenn das Haus in Norddeutschland erworben würde, ein Grenzgängertum damit ausgeschlossen wäre und das Haus überwiegend von der Lebensgefährtin genutzt würde?

Nochmals vielen Dank im Voraus für die Beantwortung der Fragen.

SusanneBerlin
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von SusanneBerlin » 15.04.18, 09:15

Für einkommenssteuerrechtliche Fragen ist es egal, ob man die Wohnung/das Haus im Inland (Deutschland) mietet oder gekauft hat oder ob man weder Mieter noch Eigentümer ist (das Haus könnte auch Eigentum der Lebensgefährtin sein oder sie die Mieterin). Das spielt für die Frage, ob man Einkomnenssteuer zahlen muss alles überhaupt keine Rolle.

Für die Einkommenssteuer zählt der "gewöhnliche Aufenthalt". Wer Eigentümer der Wohnung ist, das ist unwichtig.

Wer in D einen Wohnsitz hat, auch wenn er im Ausland arbeitet, ist in D einkommenssteuerpflichtig.

Ob die Wohnung/das Haus einen Wohnsitz darstellt, oder ob derjenige sich immer nur besuchsweise dort aufhält, wird daran gemessen: wieviele Tage im Jahr hält er sich in D auf.

Auch bei der Grenzgängerregelung kommt es darauf an, wieviele Tage ist er im grenznahen Deutschland und wieviele Tage im Jahr im Ausland wo er arbeitet.
Grüße, Susanne

CDS
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Re: Zweitwohnsteuer: Schweiz - Deutschland

Beitrag von CDS » 22.06.18, 10:28

Hallo!

Irgendwie fehlt mir in der Betrachtung da noch ein wesendlicher Aspekt:

Man darf völlig legal Immobilien besitzen ohne in diesen Wohnen zu müssen.
Ich sehe keinerlei Notwendigkeit das sich besagter Herr in diesem Fall in D überhaupt eine Wohnsitz hat.
Er ist Eigentümer des Hauses, in der seine LG wohnt.
Er ist dort gelegentlich zu Besuch.

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