Datenmissbrauch durch private Person

Moderator: FDR-Team

Jessilein
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 28.01.10, 11:35

Datenmissbrauch durch private Person

Beitrag von Jessilein » 26.02.10, 14:55

Hallo Leute,

angenommen eine Person T gibt regelmässig persönliche Daten an verschiedene Werbefirmen weiter, diese Werbefirmen belästigen natürlich ständig Person O. Person O hat jetzt erfahren, dass Person T eine bestimmte Emailadresse verwendet.

Kann Person O über die Emailadresse (vermutlich mit falschen Namen angemeldet) die IP-Adresse rausfinden, wer hinter Person T steckt? Also von wem die ständigen Belästigungen verursacht werden?

Muss ein Emailanbieter die IP-Adressen speichern? Also ist dies überhaupt rückzuverfolgen?

Wie ist die Rechtslage?

Über eine Antwort würde ich mich freuen

Viele Grüße

Gammaflyer
FDR-Moderator
Beiträge: 14173
Registriert: 06.10.04, 15:43

Re: Datenmissbrauch durch private Person

Beitrag von Gammaflyer » 26.02.10, 15:14

Jessilein hat geschrieben:Kann Person O über die Emailadresse (vermutlich mit falschen Namen angemeldet) die IP-Adresse rausfinden, wer hinter Person T steckt? Also von wem die ständigen Belästigungen verursacht werden?
Wohl nicht als Privatperson. Die Provider würden diese Daten nicht herausgeben.
Jessilein hat geschrieben:Muss ein Emailanbieter die IP-Adressen speichern? Also ist dies überhaupt rückzuverfolgen?
Soweit ich weiß, ja.
Zuletzt geändert von Gammaflyer am 26.02.10, 17:03, insgesamt 1-mal geändert.

Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 18784
Registriert: 25.09.04, 23:37
Wohnort: Usedom, Köln

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 26.02.10, 16:55

Warum muß ein Email-Anbieter IP-Adressen speichern?
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Gammaflyer
FDR-Moderator
Beiträge: 14173
Registriert: 06.10.04, 15:43

Beitrag von Gammaflyer » 26.02.10, 17:04

Dann eben nicht, ich dachte, es wäre so.
Bin was Vorratsdatenspeicherung angeht nicht auf dem aktuellen Stand.

Richard Gecko
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 10721
Registriert: 13.11.06, 20:51

Beitrag von Richard Gecko » 26.02.10, 18:19

Es ist schon richtig, dass diese Daten fuer die VDS gespeichert werden, aber die duerfen nur bei ganz bestimmten schweren Verbrechen herausgegeben werden.
Freie DNS-Server:
87.118.100.175 (Germany Privacy Foundation)
85.214.73.63 (FoeBuD e.V.)
213.73.91.35 (CCC)
Anleitung zum Umstellen:
http://www.ccc.de/censorship/dns-howto/

Jessilein
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 28.01.10, 11:35

Beitrag von Jessilein » 27.02.10, 13:03

was ist wenn nachgewiesen werden kann, das Person T mit dem Namen von Person O Emails verschickt und auch Anfragen macht? Also sich als die Person O ausgibt?

Wie kann gegen Person T vorgegangen werden?

Welche Straftaten/Ordnungswidrigkeiten werden hier begangen?

Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 18784
Registriert: 25.09.04, 23:37
Wohnort: Usedom, Köln

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 27.02.10, 13:20

Richard Gecko hat geschrieben:Es ist schon richtig, dass diese Daten fuer die VDS gespeichert werden, aber die duerfen nur bei ganz bestimmten schweren Verbrechen herausgegeben werden.
VDS muß der Zugangsprovider machen. Der Betreiber eines Email-Servers muß AFAIK nicht speichern, wer wann welche Emails verschickt.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Gammaflyer
FDR-Moderator
Beiträge: 14173
Registriert: 06.10.04, 15:43

Beitrag von Gammaflyer » 27.02.10, 13:32

In §113a TKG Absatz 3 tauchen auch die Anbieter "elektronischer Post" auf.

Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 18784
Registriert: 25.09.04, 23:37
Wohnort: Usedom, Köln

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 28.02.10, 13:36

OK, überzeugt. 8)
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Gammaflyer
FDR-Moderator
Beiträge: 14173
Registriert: 06.10.04, 15:43

Beitrag von Gammaflyer » 28.02.10, 13:38

Dass ich das noch erleben darf...

Jessilein
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 28.01.10, 11:35

Beitrag von Jessilein » 28.02.10, 14:18

Jessilein hat geschrieben:was ist wenn nachgewiesen werden kann, das Person T mit dem Namen von Person O Emails verschickt und auch Anfragen macht? Also sich als die Person O ausgibt?

Wie kann gegen Person T vorgegangen werden?

Welche Straftaten/Ordnungswidrigkeiten werden hier begangen?
schön das ihr euch einig geworden seit, danke auch für die Informationen die ich bis jetzt erhalten habe, aber wie sieht es in dem fiktiven Fall jetzt aus, falls nachgewiesen werden kann, dass Person T Emails/Anfragen/Anmeldungen im Namen von Person O verschickt.

Urkundenfälschung, Verstoß gegen das Briefgeheimnis? weil Antworten, die für Person O gedacht sind, erhält ja dann Person T.

Wie ist die Rechtslage?

Gammaflyer
FDR-Moderator
Beiträge: 14173
Registriert: 06.10.04, 15:43

Beitrag von Gammaflyer » 28.02.10, 16:17

Jessilein hat geschrieben:Urkundenfälschung
Sehe ich da nicht.
Jessilein hat geschrieben:Verstoß gegen das Briefgeheimnis?
E-Mails unterliegen nicht dem Briefgeheimnis.

Jessilein
Topicstarter
Interessierter
Beiträge: 7
Registriert: 28.01.10, 11:35

Beitrag von Jessilein » 28.02.10, 17:11

Auszug aus AGB eines Emailanbieters:
Vertragsangebot, Vertragsschluss

Der Kunde sichert zu, dass die von ihm im Rahmen des Vertragsangebots oder des Vertragsschlusses gemachten Angaben über seine Person und sonstige vertragsrelevante Umstände vollständig und richtig sind. Der Kunde verpflichtet sich, (Wortsperre: Firma) jeweils unverzüglich über Änderungen der Daten zu unterrichten; auf entsprechende Anfrage von (Wortsperre: Firma) hat der Kunde die Daten zu bestätigen. Bei Verstoß ist (Wortsperre: Firma) berechtigt, die vertraglichen Leistungen sofort zu sperren.
Also da es sich um einen Vertrag handelt, verstehe ich nicht warum hier keine Urkundenfälschung begangen worden ist? Die Identitätstäuschung wurde nicht vorgenommen um anonym zu bleiben (also keine Namenstäuschung), sondern um einen Schaden herbeizuführen, ohne belangt werden zu können. (habe dies hierzu gelesen: BGHSt 33, 160)

Ich denke eine Internet-Anmeldung ist vergleichbar mit einer richtigen Anmeldung über ein Formular, nur das man eben dieses Dokument nicht unterschreibt, sondern virtuell bestätigt. Vielleicht gilt deshalb § 269.

Wäre über eure Einschätzungen dankbar.

Wenn eine Person im Namen einer anderen Person vorsätzlich Unternehmen täuscht, muss das doch gegen irgendein Gesetz verstoßen?

Michael A. Schaffrath
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 18784
Registriert: 25.09.04, 23:37
Wohnort: Usedom, Köln

Beitrag von Michael A. Schaffrath » 01.03.10, 13:56

Jessilein hat geschrieben:Also da es sich um einen Vertrag handelt, verstehe ich nicht warum hier keine Urkundenfälschung begangen worden ist?
Weil keine Urkunde vorliegt. Ggfs. könnte man an mittelbare Falschbeurkundung oder ggfs. Betrug als einschlägig denken; Urkundenfälschung kann bei einer nicht digital signierten rein elektronischen Abwicklung hingegen schon begrifflich nicht vorliegen.
DefPimp: Mein Gott
Biber: Nö, war nur M.A.S. Aber hier im Forum ist das schon ziemlich dicht dran.

Chabos wissen, wer der M.A.S. ist.

Oktavia
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 6629
Registriert: 15.02.08, 02:19

Beitrag von Oktavia » 02.03.10, 22:06

Urkundenfälschung ist das auf keinen Fall aber vielleicht Betrug?
Man könnte auch je nach konstellation Stalking vermuten § 238 StGB
Mir fehlen aber noch Detaills um genaueres zu spekulieren :lol:

Antworten