Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

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Gabriel00
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Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von Gabriel00 » 19.01.19, 21:37

Hallo,

ich habe einen Ordner mit Schreibmaschinen-Protokollen aus der Zeit des 3. Reiches. Diese sind als "Geheim!" eingestuft (gewesen). Nun würde ich diese gerne als Reprint herausbringen, da sie interessant sind.

Bei jeden Sitzungsprotokoll sind alle Teinehmer namentlich aufgelistet (Zivilisten aus der Wirtschaft und Militärs). Kann man das machen -"Dokumente der Zeitgeschichte" -, oder besteht hier ein berechtigtes Schutzbedürfnis der Teilnehmer? Durch die Einstufung als "Geheim!" ergibt sich ja irgendwie auch, dass die Teilnehmer nicht davon ausgegangen sind, dass das jemals veröffentlicht wird...

Gruß Gabriel

winterspaziergang
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von winterspaziergang » 20.01.19, 09:01

Gabriel00 hat geschrieben:Hallo,

ich habe einen Ordner mit Schreibmaschinen-Protokollen aus der Zeit des 3. Reiches.

jetzt gefunden? oder woher stammen die Dokumente, 74 Jahre nach Kriegsende? um was für "Schreibmaschinen-Protokollen" handelt es sich?
wo möchte man das publizieren?
Bei jeden Sitzungsprotokoll sind alle Teinehmer namentlich aufgelistet (Zivilisten aus der Wirtschaft und Militärs). Kann man das machen -"Dokumente der Zeitgeschichte" -, oder besteht hier ein berechtigtes Schutzbedürfnis der Teilnehmer?

Jeder Teilnehmer, der 1945 erwachsen (18) oder volljährig (21) war, ist/wäre heute mindestens über 90. Da es gerade in bedeutsamen Positionen eher Menschen um die 30 und älter geht, leben diese nicht mehr.
Die meisten damaligen Teilnehmer dürften eher über Erben vertreten sein und es wird sich die berechtigte Frage nach der Echtheit der Dokumente stellen. Da ist die Frage nach dem Datenschutz nicht vorrangig.
Durch die Einstufung als "Geheim!" ergibt sich ja irgendwie auch, dass die Teilnehmer nicht davon ausgegangen sind, dass das jemals veröffentlicht wird...
Die Teilnehmer sind damals sicher nicht davon ausgegangen, dass man heute einen etwas anderen Blick auf diese Zeit und ihre Gesetze wirft.

ktown
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von ktown » 20.01.19, 10:48

winterspaziergang hat geschrieben:Die meisten damaligen Teilnehmer dürften eher über Erben vertreten sein und es wird sich die berechtigte Frage nach der Echtheit der Dokumente stellen.
Wieso? Sie glauben gar nicht was so auf manchen Speichern oder Kellern liegt. Oftmals wandern solche Dinge ungesehen von den damals Lebenden an die nächste Generation.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Gabriel00
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von Gabriel00 » 20.01.19, 11:20

Vielleicht habe ich mich im Bemühen die geforderte "allgemeine Formulierung" zu bringen etwas missverständlich ausgedrückt...

Die Dokumente - Sitzungsprotokolle - sind von einem technischen Ausschuss. Es steht also nicht ein justiziabler oder ehrabschneidender Vorwurf gegen die Teilnehmer im Raum. (Es sei denn, einer der Ingenieure hätte sich grob verrechnet...)

Es geht um einen 1:1 Reprint, welcher eben auch die Namen der Teilnehmer enthalten würde. Die Sitzungsprotokolle sind halt so, wie man das heute auch noch macht:

"Teilnermer:
Herr xxx, Firma Y,
Herr zzz, Staatsministerium für Tralala
Herr vvv, Firma Q

..und am Schluß

Protokoll: Alfred XYZ

Gruß Gabriel

winterspaziergang
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von winterspaziergang » 20.01.19, 17:44

ktown hat geschrieben:
winterspaziergang hat geschrieben:Die meisten damaligen Teilnehmer dürften eher über Erben vertreten sein und es wird sich die berechtigte Frage nach der Echtheit der Dokumente stellen.
Wieso? Sie glauben gar nicht was so auf manchen Speichern oder Kellern liegt. Oftmals wandern solche Dinge ungesehen von den damals Lebenden an die nächste Generation.
was heißt "wieso"?
Ich hab nicht geschrieben, dass die Dokumente nicht echt sind oder dass man die nicht Jahrzehnte später auf dem Dachboden finden kann, sondern dass sich die Frage stellen wird.

Man wird kaum abstreiten, dass als "historische Dokumente" deklarierte Schriftstücke geprüft werden.
Natürlich kann die "Frage der Echtheit" danach auch bejaht werden.

Gabriel00
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von Gabriel00 » 20.01.19, 22:01

...über Erben vertreten sein und es wird sich die berechtigte Frage nach der Echtheit der Dokumente stellen. Da ist die Frage nach dem Datenschutz nicht vorrangig.
Doch gerade die Frage des Datenschutzes halte ich hier für vorrangig. Die Echtheit ist sekundär, da sie für das Ansehen der genannten in diesem Fall keine Rolle spielt.

hambre
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von hambre » 21.01.19, 10:37

Der Datenschutz soll das informationelle Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Personen schützen. Ein Verstorbener kann aber kein Selbstbestimmungsrecht mehr ausüben. Dennoch sollte man prüfen, ob schutzwürdige Belange des Verstorbenen oder von Angehörigen beeinträchtigt werden. Wenn es jedoch tatsächlich nur um technische Berechnungen und Entscheidungen ging und der Hinweis auf das 3. Reich in der Ausgangsfrage lediglich als Zeitangabe zu verstehen war, dann sehe ich keine datenschutzrechtlichen Probleme sofern alle Beteiligten bereits verstorben sind.

winterspaziergang
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von winterspaziergang » 21.01.19, 13:45

Wenn es jedoch tatsächlich nur um technische Berechnungen und Entscheidungen ging und der Hinweis auf das 3. Reich in der Ausgangsfrage lediglich als Zeitangabe zu verstehen war, dann sehe ich keine datenschutzrechtlichen Probleme sofern alle Beteiligten bereits verstorben sind.
Allerdings, vielleicht etwas OT:
Wenn es nur um technischen Berechnungen geht, stellt sich die Frage nach der Nennung der Personen- wozu sind die wichtig?
Wenn diese technischen Berechnungen anno 1940 (Bsp.) die gleichen sind, wie anno 2019, dürften diese Protokoll ungefähr so interessant sein, wie eine Einkaufsliste mit Milch, Margarine und Kartoffeln, die in der Zeit angefertigt wurde.
Wenn es natürlich um eine bestimmte Stelle z.B. der SA geht, in der
Zivilisten aus der Wirtschaft und Militärs
vertreten waren, die technischen Berechnungen demnach völlig uninteressant sind, wären u.U.
schutzwürdige Belange des Verstorbenen oder von Angehörigen
betroffen.

Gabriel00
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Re: Darf man Namen nennen? (Historisches Dokument)

Beitrag von Gabriel00 » 21.01.19, 15:16

Vielen Dank für die Antworten.

Die Nennung der Personen ist zwar eigentlich unwichtig - aber bei einem 1:1 Reprint (einscannen und dann drucken) eben unvermeidbar.

Und die Einkaufsliste mit Milch... Schon mal die Milch vergessen? Das gibt dann Ärger daheim! Nein, Spaß bei Seite, es gibt da schon eine kleine fachspezifisch interessierte Zielgruppe, eine Auflage wie Harry Potter wird ziemlich sicher nicht geben...

Gruß Gabriel

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