Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Moderator: FDR-Team

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Tunix
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Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von Tunix »

Hallo,

mich würde mal interessieren wie andere es sehen.

Angenommen ein Paketdienstleister verbummelt ein Paket, welches der Empfänger über elektronische Benachrichtigung vom Dienstleister angekündigt bekommen hat. Nur die Auslieferung fand nie statt.

Der Empfänger bestellt aber privat viele Dinge in den verschiedensten Shops und hat nicht konkret den Überblick über fehlende Lieferungen, was auch mit extrem unterschiedlichen Lieferzeiten zusammen hängt.

Im besagten Fallbeispiel hat der Absender die Lieferung elektronisch beim Dienstleister angekündigt. Der Absender ist also dem Dienstleister bekannt.

Um dem Absender zu Informieren und auch um eine mögliche Schadenhöhe zu ermitteln möchte der potentielle Empfänger nun vom Dienstleister erfahren wird der Absender der Ware ist. Was der Dienstleister aber mit unterschiedlichen Begründungen, unter anderem Datenschutz, ablehnt.

Gibt es plausible Gründe warum der rechtmäßige Empfänger den bekannten Absender nicht erfahren darf? Hat er doch so unter Umständen extreme Probleme einen konkreten Schaden geltend zu machen.
Ist der Dienstleister bei Zwischenfällen, die in seiner Verantwortung liegen, gefordert alles zu tun um den Schaden so gering wie möglich zu halten?

Ich bin echt neugierig. Danke schon mal im voraus.
Grüße

Tunix
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Celestro
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von Celestro »

Schmeißt der Empfänger die Lieferscheine etc. immer gleich weg, oder wieso kann er das nicht nachvollziehen? Datenschutz halte ich hier für vorgeschoben, da ja der korrekte Empfänger die Information haben möchte. Einzig könnte man hier argumentieren, dass das Argument Datenschutz in Frage kommt, wenn der Empfänger etwas per E-Mail / Telefon erfragt. Hier könnte der Dienstleister ja nicht nachprüfen, wer da die Anfrage stellt.

ExDevil67
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von ExDevil67 »

Ähm. Wenn ich als Empfänger keinen Überblick habe was ich wann wo bestellt habe und damit welche Pakete ich erwarte. Woher weiß ich dann das ein Paket fehlt UND unter welcher Sendungsnummer es beim Dienstleister läuft?
Denn die Paketnummer wäre doch die Angabe mit der ich beim Dienstleister nachfrage, alles andere dürfte auch für den sonst nur schwer zu ermitteln sein.

BäckerHD
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von BäckerHD »

Es ist nicht durchsetzbar, die Folgen eigener Nachlässigkeit unter dem Deckmäntelchen herbeifabulierter Ankunftsansprüche vom Paketdienstleister beheben zu lassen.

Tunix
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von Tunix »

Hallo,

Danke für die Einschätzung. Aber es liegt nicht immer an der mangelnden Sorgfalt durch den Empfänger . So kann eine Sendung an eine Packstation natürlich auch eine nicht aktuell beauftragte Sendung sein. Initiiert durch den Absender (Geschenk, Gewinn, Nachlieferung nach vielen Monaten, Warensendung) dann habe ich nicht zwingend Bestellungen, welche ich dagegen prüfen kann.
Und es gibt auch Bestellungen aus dem Ausland. Z.B. aus dem asiatischen Raum. Dann werden diese unter der Auftragsnummer X im Ausland behandelt und bekommen beim deutschen Paketdienstleister eine andere Nummer. Kann auch nicht über Bestelldetails geprüft werden.

Die Information bekommt der Empfänger automatisch über den Dienstleister, da die Packstationsadresse mit Kontaktdaten versehen ist und der Dienstleister diese Information ja sogar bewirbt. So lautet eine Nachricht z.B. "Daten wurden vom Absender elektronisch übermittelt". Diese Informationen (jede Statusänderung) kommt per Push an den Empfänger in einer App. Und dieser sieht dann z.B. dass die Sendung in das Fahrzeug geladen wurde zur Packstation, aber nie ausgeladen wurde.

Nur neben langen Suchzeiten wird auch die Information über den Absender verweigert. Aus Datenschutzgründen. Ohne diesen ist aber die Bezifferung eines Schadens fast unmöglich z.B. wenn mehrere Sendungen aus dem Ausland kommen sollen und mehrere nicht ankommen (leider keine Seltenheit). Dadurch das diese Auskunft verweigert wird und der Absender selber diese Information nicht immer prüft, vermeidet der Dienstleister aber Schadensersatzansprüche, was als man als Hauptgrund unterstellen könnte.

Ich hoffe das hat etwas Licht in die Situation gebracht. Und auch wenn es nur ein Fallbeispiel ist erlebe ich ähnliches durchaus auch selber.

Danke
Grüße

Tunix
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Celestro
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von Celestro »

Tunix hat geschrieben:
07.11.19, 12:48
Dadurch das diese Auskunft verweigert wird und der Absender selber diese Information nicht immer prüft, vermeidet der Dienstleister aber Schadensersatzansprüche, was als man als Hauptgrund unterstellen könnte.
Man könnte aber auch einfach davon ausgehen, dass hier einfach ein Mitarbeiter falsch geschult wurde oder etwas falsch verstanden hat. Denn wie gesagt sehe ich grundsätzlich kein Datenschutzproblem, wenn ein korrekter Empfänger wissen will, woher ein Paket an ihn kommt.

FM
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von FM »

Auch wenn man zu dem Ergebnis kommt, der Paketdienst DARF es mitteilen: das bedeutet aber noch nicht, dass er es MUSS. Er hat mit dem Empfänger kein Vertragsverhältnis.

Es ginge aber vielleicht per Auskunftsanspruch nach dem BDSG. Offenbar sind persönliche Daten des Empfängers beim Paketdienst gespeichert - sein Name, seine Anschrift, vermutlich seine Mail-Adresse, und der Umstand dass er ein Paket von Absender XY erhalten sollte. Diese gespeicherten Daten kann man abfragen und erfährt dann eben auch wer XY ist, sofern es dafür kein Geheimhaltungsbedürfnis gibt (was bestenfalls bei einem anonymen Absender zutreffen würde, dann erfährt man auch nur: wurde am ... um Uhr in der Filiale ABC aufgegeben - dann werden oft gar keine Absenderdaten gespeichert, auch wenn sie auf dem Paketaufkleber stehen).

Tunix
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von Tunix »

Vielen Dank für die Analyse.

Besonders interessant ist natürlich der Weg über das BDSG 8)

Tunix
Grüße

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ExDevil67
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von ExDevil67 »

FM hat geschrieben:
07.11.19, 16:19
Es ginge aber vielleicht per Auskunftsanspruch nach dem BDSG. Offenbar sind persönliche Daten des Empfängers beim Paketdienst gespeichert - sein Name, seine Anschrift, vermutlich seine Mail-Adresse, und der Umstand dass er ein Paket von Absender XY erhalten sollte.
Wobei ich mal als fraglich markiere das bei einer Abfrage nach BDSG man auch die Daten der Absender bekommt. Die Zuordnung dürfte wenn eher nur indirekt über die Sendungsnummer erfolgen und wo will man dann ansetzen welche Daten man über den Absender rausgibt? Intern beim Paketdienstleister dürfte da ja auch mehr als nur der Name des Absender hinterlegt sein. Da dürften schnell auch z.B. abrechnungsrelevante Daten auftauchen. Zumal für die Daten des Absender ja auch der Datenschutz gilt.

dingenskirchens
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von dingenskirchens »

Der Empfänger steht in keinem Vertragsverhältnis mit dem Empfänger. Er muss sich demnach mit dem Empfänger nicht einmal unterhalten.

Da der Empfänger hier ja scheinbar aus allen möglichen Ecken der Welt Waren bestellt. (ich erkläre mir das durch die angegebenen teilweise sehr langen Lieferzeiten) ist oft nicht einmal bekannt wer denn nun tatsächlich der Händler war mit dem man einen Vertrag schloss. Dort wird teils durch Logistikzentren versendet oder aber auch Aufträge nur weiter vermittelt. Am Ende bringt dann die Absenderanschrift wieder nicht weiter.

Einen Auskunftsanspruch für den Empfänger sehe ich hier aber nicht.

FM
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Re: Auskunftsanspruch gegen Paketdienstleister

Beitrag von FM »

dingenskirchens hat geschrieben:
12.11.19, 09:57
Der Empfänger steht in keinem Vertragsverhältnis mit dem Empfänger. Er muss sich demnach mit dem Empfänger nicht einmal unterhalten.
Wäre auch wenig erfolgversprechend.

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