Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

Moderator: FDR-Team

Antworten
1405
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 57
Registriert: 31.05.05, 18:00

Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von 1405 » 20.10.19, 21:03

Frau F habe 2013 einen zweiten Darlehensvertrag bei Bank B unterschrieben und ein Darlehen in Hoehe von 3000 Euro erhalten. Im Darlehensvertrag wurde das Lastschriftverfahren vereinbart, die Mindesttilgungsrate war nahe Null, im wesentlich waeren monatlich also Zinsen abgebucht worden - wenn die Bank es nicht vergessen haette. F haette jederzeit mehr oder alles tilgen koennen. Nun schreibe B, dass sie das Geld wohl vom falschen Kunden abbuchten und dass deshalb F sofort 4700 Euro zahlen muesse (diese haetten abgebucht werden sollen die letzten sechseinhalb Jahre, wurden aber nicht). Die Restschuld belaufe sich nach den Jahren zusaetzlich noch auf ca. 2000 Euro. Zusaetzlich schreibt B, dass F sich rechtlich gesehen dem Tatbestand der ungerechtfertigten Bereicherung schuldig gemacht haben soll.

F haette diese Umstaende natuerlich merken koennen, dass nur eine Abbuchung und nicht zwei stattfanden und dass die Gutschriften auf den Kontoauszuegen nicht als Lastschrift auf ihrem Girokonto auftauchten. Anfangs kam es ihr auch komisch vor und sie ging mit ihrem Ehemann in eine Filiale, dort wurde ihr aber gesagt dass alles stimmt. Ab dann kuemmerte sie sich nicht mehr um die Angelegenheit, bis die Bank nun die oben beschriebene Forderung erhob.

Die Bank hat also 78 falsche Kontoauszuege erstellt (dafuer soll F auch 78 mal einen Euro zahlen) und K war im Glauben, dass ihre Restdarlehensschuld zuletzt 2000 Euro betrug, letztlich moechte die Bank aber nun 4700 Euro + 2000 Euro = 6700 Euro.
Das urspruengliche Darlehen in Hoehe von 3000 Euro wurde also durch einen Fehler der Bank nie getilgt und F ist deshalb willens dies zurueckzuzahlen. F ist ueberzeugt, dass sie frueher getilgt haette, waeren die 78 Abbuchungen auf ihrem Girokonto erschienen.

Was waere F bzgl. der Forderung B's zu raten? Sollte sie anbieten 3000 Euro zurueckzuzahlen aber keine Zinsen? Sollte sie die Einrede der Verjaehrung fuer die verlangten Zinsen erheben?

Danke.

ExDevil67
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 4835
Registriert: 17.01.14, 09:25

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von ExDevil67 » 21.10.19, 06:05

Die Forderung der Bank der sollte sich doch nachprüfen lassen. Einfach das was an monatlicher Zahlung von Zinsen und Tilgung fällig gewesen wäre über 78 Monate hochrechnen. Und je nach Zinssatz und vereinbarter Tilgung bitte nicht wundern wenn sich rausstellt das man in den 6,5 Jahren tatsächlich ~3700 € nur für Zinsen gezahlt hätte.

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21762
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von ktown » 21.10.19, 06:25

1405 hat geschrieben:
20.10.19, 21:03
Was waere F bzgl. der Forderung B's zu raten?
Ab zum Anwalt. Ein Forum ist dafür der vollkommen falsche Ansprechpartner.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

1405
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 57
Registriert: 31.05.05, 18:00

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von 1405 » 21.10.19, 06:27

Ja bei 13% Zinssatz kaeme das einigermassen hin. Aber darf die Bank Lastschriften vergessen und nach vielen Jahren ueberhaupt und sofort faellig Zins und Zinseszins verlangen? Ist eine Einrede der Verjaehrung anzuraten? F sagt ja diese Zinsen waeren nicht angefallen, waere es ihr bewusst gewesen durch Abbuchungen. Dann haette sie viel frueher getilgt. Eine Tilgung waere jederzeit moeglich gewesen laut Vertrag ohne zukuenftige Forderung.
Danke.

Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2545
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von Evariste » 21.10.19, 07:13

1405 hat geschrieben:
21.10.19, 06:27
F sagt ja diese Zinsen waeren nicht angefallen, waere es ihr bewusst gewesen durch Abbuchungen. Dann haette sie viel frueher getilgt.
Das Argument dürfte nicht ziehen. Aus dem ersten Beitrag:
1405 hat geschrieben:
20.10.19, 21:03
dass die Gutschriften auf den Kontoauszuegen nicht als Lastschrift auf ihrem Girokonto auftauchten
Es gab also regelmäßige Kontoauszüge, auf denen ganz sicher die noch ausstehende Restschuld ausgewiesen war, diese war also bekannt. Frau F durfte sich freuen, dass sie auf diese Schuld zunächst keine Zinsen zahlen musste, und vielleicht hat sie sich deswegen weiter keine Gedanken mehr über die Restschuld gemacht. Sie musste aber jederzeit damit rechnen, dass die Bank den Fehler merkt, und sie dann die aufgelaufenen Zinsen nachzahlen muss.
1405 hat geschrieben:
20.10.19, 21:03
Zusaetzlich schreibt B, dass F sich rechtlich gesehen dem Tatbestand der ungerechtfertigten Bereicherung schuldig gemacht haben soll.
Naja, mit "schuldig" hat das nichts zu tun, es ist einfach so, wenn jemand Geld erhält (oder hier: behält), ohne dass dafür ein Rechtsgrund besteht, dann ist er verpflichtet, es zurückzugeben. § 812 Abs. 1 BGB:
Wer durch die Leistung eines anderen oder in sonstiger Weise auf dessen Kosten etwas ohne rechtlichen Grund erlangt, ist ihm zur Herausgabe verpflichtet. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn der rechtliche Grund später wegfällt oder der mit einer Leistung nach dem Inhalt des Rechtsgeschäfts bezweckte Erfolg nicht eintritt.
Die Frage der Verjährung ist definitiv etwas für einen Anwalt. Grundsätzlich beginnt die Verjährungsfrist erst mit Kenntnis des Gläubigers von den Anspruch begründenden Umständen. Allerdings könnte man der Bank hier u. U. grobe Fahrlässigkeit vorwerfen, dann könnte für einen Teil der Zinsen schon Verjährung eingetreten sein. Dabei kommt es aber auf die Details an, das kann ein Forum nicht leisten.

1405
Topicstarter
FDR-Mitglied
Beiträge: 57
Registriert: 31.05.05, 18:00

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von 1405 » 21.10.19, 20:55

Evariste hat geschrieben:
21.10.19, 07:13
Es gab also regelmäßige Kontoauszüge, auf denen ganz sicher die noch ausstehende Restschuld ausgewiesen war, diese war also bekannt.
Es gab monatliche Kontoauszuege, auf denen die Restschuld anfangs 3000 Euro betrug und dann stetig weniger, der letzte Kontoauszug kam im August und wies eine Restschuld von ca. 2000 Euro aus.
Der Brief vom Oktober sagte nun, dass F nun fuer die letzten sechseinhalb Jahre 4700 Euro zahlen muesse (wegen jetzt festgestellter Fehler), zusaetzlich bestuenden die 2000 Euro Restschuld weiter.
Hat jemand Ahnung bzgl. Einrede der Verjaehrung gemaess §§214, 194, 195 BGB? Wuerden damit dann alle Zinsen aelter als 3 Jahre verweigert werden, muesste die einbringbare Restschuld dann dem urspruenglichen Darlehensbetrag in Hoehe von 3000 Euro zzgl 13% Zins(eszins) fuer die letzten drei Jahre betragen? Waere diese Einrede sinnvoll oder was spraeche andernfalls dafuer nicht die gesamte Forderung zu zahlen? Der Bank waren alle Umstaende seit sechseinhalb Jahren bekannt. Die einzige Neuerkenntnis war im Oktober, dass sie die Lastschriften durch eigenen Fehler nicht bei F einzog.

Ich kann verstehen wenn das Forum dies nicht im Detail leisten kann. Bin dankbar fuer jeden Tipp, was man F in diesem fiktiven Fall empfehlen koennte (auch in die Richtung ob die Bank durch eigene Fahrlaessigkeit die Summe von 78 vergessenen Lastschriften sofort verlangen darf).

Nebenbei bemerkt machte die Bank gross Werbung mit einem Darlehenseffektivzins von 3%, zeitgleich schickte sie F ein zweites Darlehensangebot mit 13% Zinsen im Kleingedruckten und bereits angekreuztem Feld, dass das Zweitdarlehen auch gewuenscht wird, F waren die hohen Zinsen nicht bewusst bei Unterschrift, da sie das Kleingedruckte nicht vollstaendig las.

Danke!

Froggel
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 3040
Registriert: 19.05.05, 15:17
Wohnort: Niedersachsen

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von Froggel » 21.10.19, 21:30

Was verstehen Sie an dem Rat, einen Anwalt aufzusuchen, eigentlich nicht. Dieses Forum kann hier keine Tipps geben, wie Sie möglicherweise besser aus der Sache herauskommen. Das ist Sache eines Anwalts, der Ihre Interessen vertritt. Ich selbst denke nicht, dass Fehler, die die Bank gemacht hat, auf den Kunden abgewälzt werden dürfen, aber all unsere Ansichten und Meinungen werden Ihnen nicht helfen, weil es die Bank schlichtweg nicht interessieren wird, mit welchen Argumenten, die Sie hier im Forum oder sonstwo aufgeschnappt haben, Sie kommen. Erst mit Unterstützung eines Anwalts, der sich im Bankenwesen auskennt, oder sogar einer gerichtlichen Verhandlung, wird es Ihnen möglich sein, dass die Bank ein Einsehen hat. Da werden Sie kaum drumherum kommen, wenn Sie nicht bereit sind, die von der Bank geforderte Summe komplett zu bezahlen. Alles andere ist pillepalle und absolut nutzlos.
Ich bin kein Jurist.
- alle Angaben ohne Gewähr -

Evariste
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 2545
Registriert: 31.12.15, 17:20

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von Evariste » 21.10.19, 22:20

1405 hat geschrieben:
21.10.19, 20:55
Ich kann verstehen wenn das Forum dies nicht im Detail leisten kann.
Ganz einfach. Wir reden hier über fiktive Fälle. Um zur Verjährung eine konkrete Aussage zu machen, müsste man alle Fakten abfragen (was genau steht in dem Schreiben, wie hat die Bank die Zinsen berechnet, welche Schreiben der Bank gab es noch, was hat die Kundin seinerzeit unternommen, um die Bank auf Ihren Fehler aufmerksam zu machen, gibt es Zeugen dafür). Dann ist es aber kein fiktiver Fall mehr und wir sind im Bereich der Rechtsberatung.

Und die andere Frage ... sind Sie überhaupt bereit, sich helfen zu lassen? Oder warten Sie nur darauf, dass Ihnen jemand Ihre SIchtweise bestätigt? Der Eindruck könnte entstehen. 8)

Grundsätzlich ist die Bank im Recht, die bisher zu zahlenden Zinsen, die aber nie gezahlt wurden, sofort zu verlangen. Die Beträge waren zu dem Zeitpunkt fällig, als sie per Lastschrift eingezogen wurden, also sind sie jetzt erst recht fällig. Zusätzliche Zinsen dürfen m. E. nicht verlangt werden. Inwieweit hier ein Sonderfall vorliegt, so dass der Anspruch noch weiter eingeschränkt werden kann, können wir hier nicht klären.

Irgendwelche fiktiven Rechnungen ("Wenn ich den Betrag sofort zurückgezahlt hätte, wäre gar keine Zinsen aufgelaufen") bringen jedenfalls nichts.

ktown
FDR-Moderator
Beiträge: 21762
Registriert: 31.01.05, 08:14
Wohnort: Auf diesem Planeten

Re: Bank vergisst sechseinhalb Jahre Lastschriften einzuziehen

Beitrag von ktown » 22.10.19, 06:13

1405 hat geschrieben:
21.10.19, 20:55
Ich kann verstehen wenn das Forum dies nicht im Detail leisten kann.
Liebes FDR-Mitglied,

wie Sie sicher in unserer Juriquette (=Forenregeln) gelesen haben, darf hier keine individuelle Rechtsberatung in einem konkreten Fall erfolgen. Sie helfen dem Forum und erleichtern dem Moderatoren-Team die Arbeit, wenn Sie eine Fragestellung zur allgemeinen Rechtslage herausarbeiten, die für Sie von Relevanz ist.

Weitere Konkretisierungen zur unseren Forenregeln finden sich neben der Juriquette in der Moderationsleitline oder in dem Beitrag "Was ist erlaubt"?

Fragen dazu können Sie jederzeit im Forum für Mitgliederinformation u. Support stellen.

Wenn sie eine individuelle Beratung wünschen, dann hilft ihnen diese Seite.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Antworten