Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

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myLord
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Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von myLord »

Nehmen wir mal an, dass ein Kunde bei einer Tankstelle tankt.

1) Der Kunde zahlt mit Bargeld und es stellt sich später heraus, dass ein Schein falsch war, dann hat die Tankstelle ja das Recht das Geld von dem Kunden zu verlangen, was falsch war.

2) Der Kunde zahlt mit Karte und die Lastschrift platzt, dann hat die Tankstelle das Recht vom Kunden das Geld zu verlangen.

3) Nehmen wir mal an, dass die Tankstelle mit einem Zahlungsabwickler arbeitet. Wenn der Kunde per Karte zahlt, bucht der Zahlungsanbieter das Geld von der Karte des Kunden ab und überweist es dann später auf das Konto der Tankstelle. Jetzt nehmen wir mal an, dass zwischen der Zahlung des Kunden und der Zahlung an die Tankstelle der Zahlungsanbieter insolvent wird.

So rein vom Gefühl her müsste es ja dann ein Problem zwischen Tankstelle und Zahlungsanbieter sein. Aber kann die Tankstelle nicht trotzdem an den Kunden herantreten, nach dem Motto: Du hast die Waren nicht bezahlt, kläre du es mit dem Zahlungsanbieter, uns überweist du aber das Geld noch ein Mal.

Stefanie145
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von Stefanie145 »

Der Zahlungsabwickler müsste ja von der Tankstelle beauftragt worden sein (eine Beauftragung durch den Kunden wäre für mich nicht nachvollziehbar), so dass die Tankstelle den Zahlungsausfall mit ihrem Vertragspartner (Zahlungsabwickler) klären müsste.

Ich würde jedoch vermuten wollen, dass der Einzug von Kundengeldern über ein Treuhandkonto abgewickelt wird und daher die Tankstelle ihr Geld bekommen sollte.

ktown
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von ktown »

myLord hat geschrieben:
24.06.20, 16:37
Du hast die Waren nicht bezahlt, kläre du es mit dem Zahlungsanbieter, uns überweist du aber das Geld noch ein Mal.
Dann würde ich sagen: Guckst du Tankbeleg. Dieser zeigt, dass ich bezahlt habe. Alles weitere ist dein Problem.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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myLord
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von myLord »

ktown hat geschrieben:
28.06.20, 10:32
Dann würde ich sagen: Guckst du Tankbeleg. Dieser zeigt, dass ich bezahlt habe. Alles weitere ist dein Problem.
Zwei Sachen nebenbei: Wenn man mit einer Karte per Lastschriftverfahren zahlt steht auf dem Beleg auch, dass bezahlt wurde. Platzt die Lastschrift, ist man der Tankstelle immer noch das Geld schuldig.

Vor einiger Zeit habe ich in einem großen Supermarkt auch per Kreditkarte bezahlt. In der App stand der Betrag eine Zeit lang aus "Ausstehend" - passiert sehr oft, wenn man mit der Karte einen Betrag als Kaution hinterlegt und dann der richtige Betrag abgebucht wird. Und irgendwann wurde die Abbuchung widerrufen. IMHO automatisch, weil nicht rechtzeitig abgebucht wurde. Und etwa ein halbes Jahr später wurde der Betrag dann noch einmal belastet und abgebucht.

Die Karte war übrigens auch von einer Institution rausgegeben, die KabelPostit als Anbieter verwendet.

ktown
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von ktown »

myLord hat geschrieben:
28.06.20, 10:43
Wenn man mit einer Karte per Lastschriftverfahren zahlt steht auf dem Beleg auch, dass bezahlt wurde. Platzt die Lastschrift, ist man der Tankstelle immer noch das Geld schuldig.
Sie sollten mal den Text lesen, bevor sie unterschreiben. :wink:
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FM
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von FM »

Stefanie145 hat geschrieben:
28.06.20, 08:40
Der Zahlungsabwickler müsste ja von der Tankstelle beauftragt worden sein (eine Beauftragung durch den Kunden wäre für mich nicht nachvollziehbar)
Die Auslegung "Kunde XY beauftragt Zahlungsabwickler Z den Betrag an die Tankstelle zu überweisen und Tankstelle leistet in diesem Fall auf Kredit" erscheint mir nicht abwegig.

Die ganz praktische Frage ist, wann zahlt der Kunde? Wenn erst nach der Zahlung von Z an Tankstelle, passt es ja, dann findet diese Zahlung auch nicht mehr statt und der Kunde hat das Geld noch, um es der Tankstelle selbst zu geben.

myLord
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von myLord »

ktown hat geschrieben:
28.06.20, 10:47
myLord hat geschrieben:
28.06.20, 10:43
Wenn man mit einer Karte per Lastschriftverfahren zahlt steht auf dem Beleg auch, dass bezahlt wurde. Platzt die Lastschrift, ist man der Tankstelle immer noch das Geld schuldig.
Sie sollten mal den Text lesen, bevor sie unterschreiben. :wink:
Ich habe es mal versucht, da wurde ich von der Kassiererin nur ganz komisch angeschaut. Die interessante Frage wäre, was passiert, wenn man dann den Beleg nicht unterschreibt. Ich wette, dass die Kasse keine Möglichkeit hat, die Kartenzahlung per Lastschrift rückgängig zu machen.
FM hat geschrieben:
28.06.20, 11:20
Die ganz praktische Frage ist, wann zahlt der Kunde? Wenn erst nach der Zahlung von Z an Tankstelle, passt es ja, dann findet diese Zahlung auch nicht mehr statt und der Kunde hat das Geld noch, um es der Tankstelle selbst zu geben.
Was bedeutet denn "wann zahlt der Kunde"? Das ist nämlich nicht ganz einfach zu beantworten. Nehmen wir mal ein FinTech Unternehmen, bei dem man ganz gut nachvollziehen kann, was passiert.

Ich habe dort ein Konto und eine Debit-Kreditkarte. Debit-Kreditkarte bedeutet, dass die Beträge direkt vom Konto abgebucht werden. Ist nicht genug Geld auf dem Konto, wird die Transaktion direkt abgelehnt.

Ich habe hier mal einen Auszug hochgeladen:
https://www.forenregelnbeachten.de

Ich habe dre Mal Geld an einem Geldautomaten abgehoben. Zwei Transaktionen wurden rückgängig gemacht. Wieso? Keine Ahnung. Ich habe absolut nichts gemacht. Die 100€ standen mir dann auf dem Kartenkonto wieder zur Verfügung bis dann 1,5 Monte später das Geld als "Verzögerte Transaktion" wieder abgebucht wurde. 51€ übrigens, weil die Bank eine Gebühr berechnet hat, weil im Oktober bereits mehr abgehoben wurde, als vereinbart. Nachdem die beiden Beträge abgebucht wurden, war das Kartenkonto selbst im Minus.


Was ich damit sagen will ist, dass nur weil heute etwas nicht komplett abgebucht wurde, bedeutet es noch lange nicht, dass dieses "Recht" dann verwirkt ist. Der Zahlungsanbieter kann sich auch lange Zeit später noch auf der Recht auf diese Zahlung berufen.
Zuletzt geändert von ktown am 28.06.20, 13:37, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Link entfernt

FM
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von FM »

Bei meiner Kreditkarte erfolgt die Abbuchung vom Girokonto einige Wochen nach dem Vorgang. Ich vermute mal, Voraussetzung für die Abbuchung ist, dass der Kreditkartenbetreiber die Forderung des Dritten bereits erfüllt hat - aber da müsste man die jeweiligen AGB genauer durchsuchen.

Tastenspitz
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Re: Zahlungsanbieter pleite - direkte Haftung?

Beitrag von Tastenspitz »

Ich will es ja nicht noch komplizierter machen, aber die meisten Tankstellen verkaufen den Kraftstoff im Namen und für Rechnung der jeweiligen Gesellschaft. Bedeutet - die Tankstelle selber hat bis auf Provision nix mit dem Umsatz zu tun. :D
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
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