Wer trägt die Rücklastschriftgebühren?

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

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Jutta
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Wer trägt die Rücklastschriftgebühren?

Beitrag von Jutta »

Hallo,

ich weiß, ein beliebtes Thema, aber heute mal in meiner Variante:

Angenommen Herr A kauft ein Haus, die Finanzierung übernimmt Bank B. Es werden 3 Kreditverträge gemacht (verschiedene Laufzeit u.ä.).

Herr A hat ein extra Konto bei einer anderen Bank für das Haus eröffnet, hier gehen die Mieten ein und Bank B bucht die monatlichen Raten für die 3 Kredite hier ab.
Die Bonität von Herrn A ist exzellent und alle Raten können pünktlich abgebucht werden.

Nach 5 Jahren kommen ein Kredit Nr. 1 und Kredit Nr. 2 aus der Zinsbindung und ebenfalls mit Bank B wird ein neuer Kreditvertrag abgeschlossen, der Kredit 1 praktisch zu neuen Konditionen fortsetzt. Kredit 2, bei dem die Restschuld nur ca. 15.000 EUR beträgt, soll abgelöst werden. Der Berater von Bank B sagt zu, dass die Raten vom neuen Kredit und die Abbuchung für Ablösung Kredit 2 vom bekannten Konto abgebucht werden.

Leider versäumt Herr A die Kontoverbindung im neuen Kreditvertrag genau zu kontrollieren, und da es sich nicht um sein "Privatkonto" handelt, sondern um das Konto für dieses Haus, weiß er die Kontonummer auch nicht auswendig.

Tatsache: Obwohl Bank B seit 5 Jahren von diesem Konto abbucht, fehlt im neuen Kreditvertrag die letzte Stelle der Kontonummer. Da Herr A versäumt, die Kontonummer zu kontrollieren, schlägt logischerweise die Abbuchung durch Bank B fehl (1. Rate neuer Kredit und 15.000 EUR für Ablöse Kredit Nr. 2).

Fage: Wer muß nun für die Rücklastschriftgebühren gerade stehen? Bank B, da sie doch die richtige Kontoverbindung kannte oder Herr A, weil er es an Sorgfalt bei der Überprüfung fehlen ließ?
Gruß
Jutta

Karsten11
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Beitrag von Karsten11 »

Hallo,

hier haben beide einen Fehler gemacht: Die Bank, weil sie den Vertragsentwurf nicht wunschgemäß vorbereitet hat und der Kunde, weil er den falschen Vertrag ohne Prüfung unterzeichnet hat.

Wenn beide Parteien einen Fehler machen und damit zu einem Schaden beitragen gilt BGB § 254:

http://bundesrecht.juris.de/bgb/__254.html

Im Hinblick auf die geringe Höhe des Schadens scheint mir das aber eher ein Fall für eine Kulanzregelung zu sein, als für einen Rechtsstreit :)

nebelhoernchen
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Beitrag von nebelhoernchen »

Karsten11 hat geschrieben:hier haben beide einen Fehler gemacht: Die Bank, weil sie den Vertragsentwurf nicht wunschgemäß vorbereitet hat und der Kunde, weil er den falschen Vertrag ohne Prüfung unterzeichnet hat.
Sicher?
Die Bank hat schliesslich bereits 5 Jahre lang vom bekannten Konto des Vertragspartners abgebucht.

Nach einer Änderung der Konditionen (Anweisung des Kreditnehmers: Bitte weiterhin vom bekannten Konto abbuchen) platzt eine Lastschrift, weil der Praktikant bei der Bank beim Kopieren der Kontonummer mit der Maus die letzte Stelle der Kontonummer "vergessen" hat.

Überraschung! Musste der Kunde/Kreditnehmer denn mit so einem dämlichen Fehler rechnen?

Wenn die Bank sich in so einem Fall auf den Kredtivertragstext (mit falscher Kontonummer) zurückzieht, ist sie m. E. kein geeigneter Geschäftspartner (mit den entsprechenden Folgen für die Zukunft). Selbiges gilt, wenn die Bank einen "Schaden" von meinetwegen 5 oder 8 Euro wegen einer geplatzten Rücklastschrift geltend macht, wohlgemerkt bei einer jahrelang bestehenden positiven Geschäftsbeziehung und einem Geschäftsvolumen im sechsstelligen Bereich, obwohl sie den Fehler selbst verursacht hat.

Karsten11
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Beitrag von Karsten11 »

Hallo,
nebelhoernchen hat geschrieben:Überraschung! Musste der Kunde/Kreditnehmer denn mit so einem dämlichen Fehler rechnen?
mit inteligenten Fehlern muss der Kunde nicht rechnen, wohl aber mit dämlichen. Verträge im Detail zu prüfen ist immer gut.

Bei meinen privaten Baufinanzierungen (bei verschiedenen Banken) habe ich noch nie im ersten Wurf einen fehlerfreien Vertrag erhalten. Besonders übel war der letzte (von einen ehemaligen Staatsunternehmen, dass letztes Jahr von der größten deutschen Privatbank gekauft wurde). Die Jungs haben wirklich alles falsch übernommen: Grundbuchdaten, Grundschuldgläubiger, Adresse...

Methew
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Beitrag von Methew »

OT:
Karsten11 hat geschrieben:Besonders übel war der letzte (von einen ehemaligen Staatsunternehmen, dass letztes Jahr von der größten deutschen Privatbank gekauft wurde). Die Jungs haben wirklich alles falsch übernommen: Grundbuchdaten, Grundschuldgläubiger, Adresse...
Die Jungs und Mädels sollten sich auch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Briefe und Pakete innerhalb Deutschland von A nach B transportieren.
Alle meinen Beiträge sind nur meine Meinung, die ich nach bestem Wissen und Gewissen abgebe. Man beachte besonders, dass ich nur Geldvernichter (Banker) bin...

nebelhoernchen
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Beitrag von nebelhoernchen »

Karsten11 hat geschrieben:Wenn beide Parteien einen Fehler machen und damit zu einem Schaden beitragen gilt BGB § 254:

http://bundesrecht.juris.de/bgb/__254.html

Im Hinblick auf die geringe Höhe des Schadens scheint mir das aber eher ein Fall für eine Kulanzregelung zu sein, als für einen Rechtsstreit :)
Der angeführte Paragraph befasst sich aber auch mit der Frage, wer vorwiegend zu einem Schaden beigetragen hat. Ein Kreditvertrag wird üblicherweise nicht vom Kreditnehmer ausgefertigt, sondern von der Bank - die Bank ist somit üblicherweise der originäre Ersteller dieser Unterlagen.
Karsten11 hat geschrieben:Bei meinen privaten Baufinanzierungen (bei verschiedenen Banken) habe ich noch nie im ersten Wurf einen fehlerfreien Vertrag erhalten. Besonders übel war der letzte (von einen ehemaligen Staatsunternehmen, dass letztes Jahr von der größten deutschen Privatbank gekauft wurde). Die Jungs haben wirklich alles falsch übernommen: Grundbuchdaten, Grundschuldgläubiger, Adresse...
Wenn der Kunde gegenüber der Bank nachweislich (schriftlich) die korrekten Angaben gemacht hat und die Bank diese falsch in eigene Unterlagen/Vertragswerke übernimmt, ist der Kunde m. E. raus.
Ich habe auch schon fehlerhafte Unterlagen von Banken erhalten, dann aber jedesmal selbst darin herumgestrichen und korrigiert - das macht bestimmt einen guten Eindruck beim Chef des Sachbearbeiters, wenn der Mist dann zum Gegenzeichnen zurück kommt. Zitat aus dem Antwortschreiben einer Bank: "Unser Angebot auf Fortsetzung des Darlehensverhältnisses gemäß Schreiben vom ... haben Sie in einigen Punkten abgeändert. Ihr Gegenangebot nehmen wir hiermit an und bestätigen Ihnen das Zustandekommen des neuen Darlehensvertrages zu folgenden Konditionen." :lol:
Methew hat geschrieben:Die Jungs und Mädels sollten sich auch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren: Briefe und Pakete innerhalb Deutschland von A nach B transportieren.
Beim Zahlungsverkehr (auch international) sind die top, da kommen andere Banken weder beim Preis noch bei der Geschwindigkeit mit. Ausserdem haben die noch eigene Boten (Briefträger), die den Kunden Bargeld an die Haustür bringen. Welche Bank macht das noch?

Auch schon zu alten Behördenzeiten waren die gut. Mehr Filialen als alle anderen zusammen (jedes Postamt) und kostenlos über jeden Briefkasten erreichbar (portofreie Briefumschläge für die Aufträge). Ich mochte mein Postscheckamt!

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