Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

Moderator: FDR-Team

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Wheeler-Dealer
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Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Folgende Fragestellung:

Für eine nicht mehr geschäftsfähige Person (Alzheimer) muss deren gesetzlicher Vormund (Ehegatte) eine sogenannte "mündelsichere Anlage" einrichten und hat sich diesbezüglich für ein Tagesgeldkonto entschieden. Auf Nachfrage wird jedoch mitgeteilt, dass man (O-Ton!) "nichts mit nicht geschäftsfähigen Personen am Hut" habe, und dies nach(!) elektronischer Einrichtung und Einleitung des Postidentverfahrens (weil vorherige telefonische Ansage eines anderen Bankmitarbeiters, dass dies sehr wohl gehe).

Frage deshalb: Ist dieses Bankenverhalten rechtsgültig bzw. gegebene Praxis? Wenn ja/nein, was kann der Vormund tun, um das Geld dennoch gewinnbringend und mündelsicher (d.h. nicht spekulativ) anzulegen?

Danke im Voraus!

Gruß, w-d
Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Elyss »

Eine volljährige Person hat nie einen Vormund sondern nur einen Betreuer.

Dieser Betreuer hat dann einen Betreuerausweis und kann - wenn hier der Aufgabenkreis "Vermögenssorge" mit aufgeführt ist - für den Betreuten handeln. Auch die Einrichtung von Tagesgeldkonten sollte damit kein Problem sein. Allerdings wird es wohl bei der eigenen kontoführenden Bank problemloser möglich sein als bei einem fremden Institut oder gar einer reinen Internetbank
Grüßle

Elyss
hws
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von hws »

Es gibt keine Kontrahierungspflicht für ein Tagesgeldkonto. (umgangssprachlich: eine Bank muss nicht für jeden ein Tagesgeldkonto eröffnen, wenn sie nicht möchte)

Andere Bank suchen und vorher abklären.

hws
Wheeler-Dealer
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Verstehe. Somit hat eine behinderte Person kein Recht, ihr Vermögen zu mehren wie eine nicht-behinderte. Reizend.

Ein Grund mehr, die Banken zu lieben. ;)
hws
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von hws »

Wheeler-Dealer hat geschrieben:Verstehe. Somit hat eine behinderte Person kein Recht, ihr Vermögen zu mehren wie eine nicht-behinderte.
Nein, sie verstehen nicht. Auch ein nicht-Behinderter hat kein Recht auf ein Tagesgeldkonto, wenn die Bank nicht will.
Zusätzliches Problem: wer nicht geschäftsfähig ist und daher nicht selbst entscheiden kann, braucht jemand, der das für ihn tut. Und damit dieser nicht das Geld "versenkt" oder gar eigene Vorteile zu Ungunsten seines "Mündels" rausschlägt, müssen Anlagen entweder in mündelsicheren Papieren angelegt werden oder das Gericht muss zustimmen.

Für jemand anderen Geld anzulegen, wofür man verantwortlich ist, ist halt oft ne heisse Sache. Oder möchten sie für das Verlustrisiko haften, wenn's weniger Zinsen auf das Tagesgeld gibt, als anfangs vereinbart. Nein, von dem Behinderten können sie keine "Freistellung" bekommen, der ist ja nicht geschäftsfähig. :twisted:

hws
Roni
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Roni »

müssen Anlagen entweder in mündelsicheren Papieren angelegt werden oder das Gericht muss zustimmen.
Beim Anlegen größerer Beträge muss generell die Zustimmung des Gerichts eingeholt werden, egal ob mündelsicher oder nicht.
Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Elyss »

Wobei diese bei einem Tagesgeldkonto problemlos erteilt werden wird, da es sich hier um eine mündelsichere Anlage handelt. Hier hat weder der Betreuer noch die Bank irgendein Risiko.

Das Problem der Bank liegt hier eher darin, dass sie mit einem "Betreuten-Konto" mehr (Verwaltung-)Arbeit hat. Deshalb riet ich ja zur aktuellen HAusbank. Bei der wird ja wahrscheinlich schon das Girokonto für den Betreuten geführt, so dass der Aufwand sich in Grenzen hält.
Grüßle

Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Eben! Das Gericht erkennt das Tagesgeldkonto als mündelsichere Anlage an, die Weigerung liegt allein bei der Bank.

Und die Tatsache, dass auch ein nicht-Behinderter kein "Recht" auf ein Tagesgeldkonto hat ist eine schwache Verteidigung und ändert nichts an der Tatsache, dass ganz offensichtlich die Banken bewusst Behinderte diskriminieren.
Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Elyss »

Das hat nichts mit Diskriminierung von Behinderten zu tun. Ein Behinderter, der nicht unter Betreuung steht, wird problemlos ein Konto eröffnen können.

Was spricht dagegen, das Konto bei der Hausbank zu führen? Ist auch für den Betreuer wesentlich einfacher in der Abwicklung
Grüßle

Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Wheeler-Dealer »

Der Betreuer ist, wie auch übrigens das Gericht, natürlich an einem möglichst hohen Zinssatz interessiert, den die Hausbank aber nicht anbieten kann.

Die Praxis, nicht geschäftsfähige Personen, die über einen gerichtlich anerkannten Betreuer verfügen, grundsätzlich nicht aufzunehmen ist sehr wohl diskriminierend ("mit nicht Geschäftsfähigen nichts am Hut" - wie schon gesagt, Originalton Bank!).
Elyss
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Elyss »

Dem Gericht ist der Zinssatz relativ egal, so lange dieser marktüblich ist. Bei der Anlage von Geldern von Betreuten kommt es nicht darauf an, möglichst hohe Zinsen zu erzielen.

Aber wenn man keine gangbare Lösung haben will, wird das Geld wohl auf dem Girokonto bleiben...
Grüßle

Elyss
Mygeeto
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Re: Kein Tagesgeldkonto für nicht-Geschäftsfähige?

Beitrag von Mygeeto »

Hallo,

grundsätzlich besteht natürlich die Möglichkeit, ein Tagesgeldkonto zu eröffnen, selbst wenn eine Person nicht geschäftsfähig ist. Hier finden sich beispielsweise auch Schüler und Studenten als Zielgruppe für das Tagesgeldkonto. Und Schüler sind in der Regel nicht volljährig, also genauso nicht voll geschäftsfähig. Wenn die erste Bank nicht will, dann einfach weiter suchen.

Herzliche Grüße
Mygeeto
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