Zugriff auf Nachlasskonto

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

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Rolf22
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Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Rolf22 » 25.01.14, 09:12

Folgende Konstellation: A verstirbt, E ist Alleinerbe. Betreuer B besitzt eine über den Tod hinausgehende Kontovollmacht über A´s Konto.

Was geschieht, wenn die Bank über den Todesfall aufgeklärt wird?

1. Das Konto wird als Nachlasskonto "dicht" gemacht. Zugriff erst nach Vorlage des Erbscheins oder Testaments (falls keine Immobilie vererbt wurde) oder

2. Kann B solange weiter abbuchen, bis sich E als Alleinerbe durch Testament oder Erbschein ausgewiesen hat?

Elyss
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Elyss » 25.01.14, 09:16

Hier muss man jetzt mal unterscheiden: Handelt es sich bei B um einen Betreuer oder hat dieser eine Vollmacht über den Tod hinaus? Denn die Betreuung endet mit dem Tod des Betreuten, eine Vollmacht über den Tod gilt weiter.

Lebzeitige Weisungen des Erblassers sind in jedem Fall weiter auszuführen. Dazu gehören u.A. Daueraufträge

Ansonsten wird das von Banken durchaus unterschiedlich gehandhabt.
Grüßle

Elyss

Rolf22
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Rolf22 » 25.01.14, 09:36

Ansonsten wird das von Banken durchaus unterschiedlich gehandhabt.
Interessant, bislang kannte ich aus eigener Erfahrung nur die Situation, dass im Todesfall Konten als Nachlasskonten geführt werden, auf die man erst bei Vorlage eines Testaments oder Erbscheins zugreifen kann. Dass Daueraufträge zunächst weitergeführt werden, macht natürlich Sinn.

Wie ist aber die Situation, wenn ein Alleinerbe die Bank von dem Todesfall in Kenntnis setzt, diese aber bis zur Vorlage eines Erbscheins den nicht im Testament erwähnten Vollmachtinhaber weiterhin Zugriff auf das Konto gewährt. Kann der Erbe die Bank für unberechtigte Abbuchungen ggf. in Regress nehmen?

Fred_Unger
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Fred_Unger » 25.01.14, 09:43

B ist kein Betreuer sondern hat eine "normale" Vollmacht über den Tod hinaus.
B weiss auch, dass E der Erbe des Kontos sein wird.
Kann E von B Beträge, die B nach dem Tode verfügt hat im Falle der Erbschaft zurückfordern?

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Elyss » 25.01.14, 09:52

Wenn B die Beträge für sich verwendet hat, ohne dass er dazu berechtigt war, dann kann der Erbe diese zurückfordern
Grüßle

Elyss

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Fred_Unger » 25.01.14, 10:08

Wie verhält es sich mit erteilten Einzugsermächtigungen, bzw. Daueraufträgen.
In der Regel enden Verträge ja mit dem Tode eines Vertragspartners.
A und B bewohnten die gleiche Wohnung die ihnen auch zusammen gehörte.
Januar werden ja idR. sehr viele Prämien fällig die dann evtl. auch abgebucht werden, da E aber nichts davon weiss und die Bank ihm auch keine Auskunft gibt, kann dieser Versicherungen etc. über das erfolgte Ableben nicht informieren.

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Elyss » 25.01.14, 10:13

Fred_Unger hat geschrieben: In der Regel enden Verträge ja mit dem Tode eines Vertragspartners.
Das ist falsch. Die Erben treten in alle vertraglichen Verpflichtungen des Erblassers ein. Die Verträge laufen also weiter. Man muss im Einzelfall prüfen, bei welchen Verträgen auf Grund des Todes des Erblassers ein Sonderkündigungsrecht besteht

Daueraufträge und Einzugsermächtigungen sind lebzeitige Verfügungen des Erblassers. Diese gelten nach dessen Tod weiter.
Grüßle

Elyss

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.14, 10:32

Rolf22 hat geschrieben:Folgende Konstellation: A verstirbt, E ist Alleinerbe. Betreuer B besitzt eine über den Tod hinausgehende Kontovollmacht über A´s Konto.

Was geschieht, wenn die Bank über den Todesfall aufgeklärt wird?

1. Das Konto wird als Nachlasskonto "dicht" gemacht. Zugriff erst nach Vorlage des Erbscheins oder Testaments (falls keine Immobilie vererbt wurde) oder

2. Kann B solange weiter abbuchen, bis sich E als Alleinerbe durch Testament oder Erbschein ausgewiesen hat?
B kann aufgrund seiner Vollmacht weiter über das Konto verfügen. Er darf dabei natürlich kein Geld für dich selbst abzweigen, sondern ausschließlich verfügungen veranlassen im Sinne des Verstorbenen, z.B. vertragliche Verpflichtungen, die nach dem Tod weiterlaufen, erfüllen.

E wird Erbe im Moment des Todes von A. Als Erbe kann er die Vollmacht gegenüber B widerrufen.
B muss natürlich Gelder zurückgeben, die er an sich selbst überwiesen oder für seine eignen Verbindlichkeiten verwendet hat.

Grüße, Susanne
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SusanneBerlin
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.14, 10:54

Elyss hat geschrieben:
Fred_Unger hat geschrieben: In der Regel enden Verträge ja mit dem Tode eines Vertragspartners.
Das ist falsch. Die Erben treten in alle vertraglichen Verpflichtungen des Erblassers ein. Die Verträge laufen also weiter. Man muss im Einzelfall prüfen, bei welchen Verträgen auf Grund des Todes des Erblassers ein Sonderkündigungsrecht besteht

Daueraufträge und Einzugsermächtigungen sind lebzeitige Verfügungen des Erblassers. Diese gelten nach dessen Tod weiter.
Ergänzung hierzu:
Es gibt nur sehr wenige Verträge, die mit dem Tod beendet sind.
Dazu gehören z.B. die Krankenversicherung oder die Privathaftpflicht, weil diese nur an den Versicherungsnehmer leisten. Alles andere, wie z.B. Mietvertrag, Telefon + Internet, Kreditverträge, Leasing, Zeitungsabos läuft auf die Erben weiter.

Grüße, Susanne
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Elyss » 25.01.14, 10:57

SusanneBerlin hat geschrieben: die Privathaftpflicht
Und die auch nur, wenn hier tatsächlich nur der Versicherungsnehmer als Einzelperson versichert war.
Grüßle

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Fred_Unger » 25.01.14, 20:08

Nun gut, ich habe hier einfach zu wenig bis garkein Wissen.
Die Rechtsprechung hier bei uns in der Schweiz ist anders als in Deutschland.
Die Bank beruft sich hier auf das Bankgeheimnis, fragt soch nur was dies dem Erblasser noch nutzen sollte?
Informationen zurückzuhalten, die es mir ermöglichen würden laufende Verträge zu kündigen, halte ich für eine Frechheit.

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Kohlrabe » 06.02.14, 21:42

Auch von mir ein Moin,
Die Bank beruft sich hier auf das Bankgeheimnis, fragt soch nur was dies dem Erblasser noch nutzen sollte?
Informationen zurückzuhalten, die es mir ermöglichen würden laufende Verträge zu kündigen, halte ich für eine Frechheit.
Nun, da die Banken aber nun mal dem Bankgeheimnis unterliegen, muss man sich als Erbe die Informationen anderweitig beschaffen.
In einem ordentlich geführten Haushalt findet man zumeist einen Ordner, in dem alle Verträge abgelegt sind. Dort kann man dann auch sehen, welche Abbuchungen erfolgen müssten.
Alternativ kann man auch mit dem Bevollmächtigten reden, ob dieser einem Kontoauszüge zur Verfügung stellt. :)
Meine Beiträge sind auf Recherchen basierend, da ich weder Jura studiert habe, noch Anwalt bin.

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Kohlrabe » 06.02.14, 21:54

Edit:
SusanneBerlin hat geschrieben: B kann aufgrund seiner Vollmacht weiter über das Konto verfügen. Er darf dabei natürlich kein Geld für dich selbst abzweigen, sondern ausschließlich verfügungen veranlassen im Sinne des Verstorbenen, z.B. vertragliche Verpflichtungen, die nach dem Tod weiterlaufen, erfüllen.
Darf B dann nicht mehr über das Konto einkaufen? Wenn es das einzige Konto bei dem (in meinem Beispiel) Ehepaar war, wie soll denn nach deinem Zitat ein Lebensstandard für Bevollmächtigten B gesichert werden?

Mir kommt das gerade ein wenig komisch vor, weil ich der Meinung bin, es anders gelesen/gehört zu haben (Nach meinen Erinnerungen: Vollmacht über den Tod hinaus=Verfügungen im Rahmen des Guthabens jederzeit möglich. Auch zu eigenem Gunsten. Unabhängig vom Leben des Kontoinhabers.)
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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von SusanneBerlin » 06.02.14, 22:03

Kohlrabe hat geschrieben:Edit:
SusanneBerlin hat geschrieben: B kann aufgrund seiner Vollmacht weiter über das Konto verfügen. Er darf dabei natürlich kein Geld für dich selbst abzweigen, sondern ausschließlich verfügungen veranlassen im Sinne des Verstorbenen, z.B. vertragliche Verpflichtungen, die nach dem Tod weiterlaufen, erfüllen.
Darf B dann nicht mehr über das Konto einkaufen? Wenn es das einzige Konto bei dem (in meinem Beispiel) Ehepaar war, wie soll denn nach deinem Zitat ein Lebensstandard für Bevollmächtigten B gesichert werden?
Wenn es sich ein gemeinsames (Oder-)Konto von A und B handelt, dann braucht B doch gar keine Konto-Vollmacht.
Meine Antwort galt für den Fall, dass sich auf dem Konto ausschließlich Geld befindet, das dem Verstorbenen A gehörte.
Grüße, Susanne

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Re: Zugriff auf Nachlasskonto

Beitrag von Kohlrabe » 06.02.14, 22:18

In meinem Beispiel war auch kein Oder-Konto gemeint ;)

Ich habe nur bis jetzt nichts gefunden, was darauf hindeutet, dass eine Vollmacht über den Tod hinaus die Verfügungsmöglichkeiten nach dem Tod vom Kontoinhaber einschränkt. :shock:

Um mal ein Zitat aus einem Lehrbuch zu bringen:
"Der Bevollmächtigte kann [...] ohne erbrechtliche Legitimation über Nachlasskonten und -depots verfügen und diese bei entsprechender Vereinbarung auflösen.
[...]
Die Erteilung von Vollmachten erleichtert Verfügungen über Nachlasskonten, weil die Erbberechtigung gegenüber dem Kreditinstitut nicht nachgewiesen werden muss."
(Wirtschaftslehre des Kreditwesens; Grill, Percynski; Bildungsverlag EINS; 45. Auflage; Seite 94)

Es hört sich für mich so an, als ob regulär verfügt werden kann (wie vorher auch). Oder missverstehe ich da etwas?

Viele Grüße
Kohlrabe
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