Betrug durch Kontaktschwindel

Kundenrechte und –pflichten, Bankrechte und –pflichten, Verbraucherkreditrecht, Kreditabwicklung

Moderator: FDR-Team

Antworten
Boschendal
Topicstarter
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 134
Registriert: 13.09.12, 16:54

Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von Boschendal »

Hallo,

Herr A ist 70 und einsam, er lebt allein. In 12/2013 erhält er eine Email von einer Swetlana (S) die ihn kennenlernen möchte. Er ist interessiert, man mailt, telefoniert und es entwickelt sich eine Fernbeziehung. Anfang 03/2014 will sie nach D fliegen; A solle ihr dafür Geld schicken; dieser lehnt ab, wird aber nicht skeptisch, da S sofort vorschlägt, dass eine Cousine von ihr aus Stuttgart dem A einen Betrag iHv 5000€ auf sein Girokonto überweist und er dies - nach Abzug von 1000€ - an S per moneygram oder eine andere Sofort-Barüberweisung versenden soll.

Gesagt getan: am 10.03.2014 hat A 5000€ von einem ihm unbekannten Mann auf dem Konto; er hebt brav 4000€ und versendet diese via moneygram nach Russland.

5 Tage später macht ihm seine Bank das Konto zu, die Bank des an ihn "Überweisenden" meldet sich und macht Schadenersatz geltend, da die Überweisung gefälscht gewesen sei und der A hat ein Strafverfahren an der Backe.

Fragen: kann die andere Bank Schadenersatz von A verlangen? er hat doch nur das getan, was seine Freundin von ihm verlangt hat; Verdacht, dass es eine Masche sei, hatte er nie !! (davon mal bitte strikt ausgehen)

Wird er angeklagt werden?

Er hat noch alle Emails von S und sich selbst...dies sollte ihn ja wohl bzgl. der Anbahnung einer Liebesbeziheung etc entlasten...

hws
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 8225
Registriert: 07.07.07, 13:39
Wohnort: Unna

Re: Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von hws »

Boschendal hat geschrieben:...5 Tage später macht ihm seine Bank das Konto zu, die Bank des an ihn "Überweisenden" meldet sich und macht Schadenersatz geltend, da die Überweisung gefälscht gewesen sei und der A hat ein Strafverfahren an der Backe.
Die übliche "Finanzagent gesucht" Masche - nur eben auf persönlicher Ebene. (mit Autokauf geht das ebenso)
Boschendal hat geschrieben:Fragen: kann die andere Bank Schadenersatz von A verlangen? er hat doch nur das getan, was seine Freundin von ihm verlangt hat;
Er hat das Geld empfangen. Er hat das Geld aus/weitergegeben.
Der Kontoinhaber will das Geld logischerweise wiederhaben. (oder würden sie das an dessen stelle nicht? :shock: )
Wenn ihnen jemand sagt "Spring die Klippe runter" dann tun sie das auch?
Herr A muß das Geld zurückzahlen. Wenn er das nicht kann, hat er Pech gehabt. Von "Swetlana" wird er es vermutlich nicht wiederkriegen.
Boschendal hat geschrieben:Wird er angeklagt werden?
Kommt drauf an, ob man ihm die Gutgläubigkeit abnimmt. Aber auch dann muß er die 5000€ zurückzahlen.
Boschendal hat geschrieben:Er hat noch alle Emails von S und sich selbst...dies sollte ihn ja wohl bzgl. der Anbahnung einer Liebesbeziheung etc entlasten...
Die Liebesbeziehung ist nicht strafbar, aber die "geklauten" 5000€ (Zivilrecht) sowie Geldwäsche (Strafrecht) Man darf nicht für fremde Leute nicht-eigenes Geld in der Gegend rumschicken. Insbesondere nicht über anonyme Überweisungswege (Barübergabe, moneygram, Western Union oder diverse "Geldgutscheine")

hws

Pirate
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 794
Registriert: 08.12.04, 20:03

Re: Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von Pirate »

Neu bei der Masche ist wohl die 3 oder 4monatige Anbahnungszeit. Sonst geht das bei den "Finanzagenten" deutlich schneller.

Friday
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 251
Registriert: 26.09.13, 22:30

Re: Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von Friday »

Für die Rückforderung bedarf es einer Rechtsgrundlage. Gestohlen hat A natürlich nichts (zumal man Geld nicht per Überweisung stehlen kann), ebenso ist Geldwäsche nur bei vorsätzlichem Handeln strafbar.

Der Gesamtbetrag über 5000 Euro kann von A dann zurückgefordert werden, wenn ihm klar sein musste dass es sich um eine ungerechtfertigte Bereicherung handelte. Vgl. http://medien-internet-und-recht.de/vol ... ok_id=1536

Vaughn
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 509
Registriert: 12.03.14, 20:17

Re: Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von Vaughn »

Friday hat geschrieben:Der Gesamtbetrag über 5000 Euro kann von A dann zurückgefordert werden, wenn ihm klar sein musste dass es sich um eine ungerechtfertigte Bereicherung handelte. Vgl. http://medien-internet-und-recht.de/vol ... ok_id=1536
Genau in diesem Urteil lese ich aber auch:
5. Eine Kenntnis vom Mangel des rechtlichen Grundes für die Veranlassung einer Gutschrift der Bank des Phishing-Opfers auf dem Konto des Finanzagenten kann sich bereits dann ergeben, wenn die zu Grunde liegenden Umstände zumindest ungewöhnlich sind und Anlass zu Misstrauen geben müssen bzw. der gesamte Vorgang so suspekt erscheint, dass sich ein redlich Denkender der Überzeugung der Rechtsgrundlosigkeit eingehender Zahlungen nicht verschlossen hätte.
Die Eingangs-Schilderung gibt folgendes her:
1. Eine Cousine der S aus Stuttgart soll Geld an A überweisen. Dieser darf freundlicherweise 20 % der Summe abziehen und den Rest auf einem anonymen Zahlungsweg nach Russland schicken.
2. Ein Mann überweist Geld auf das Konto des A.

Zu 1. Ich stolpere sofort über die Frage, warum jemand EINTAUSEND Euro dafür bezahlen will, dass ein anderer für ihn einen (anonymen!) Geldtransfer tätigt.
Außerdem: warum macht das die Cousine aus Stuttgart nicht selber und spart sich die 1000 Euro?
Bereits hier "stinkt" die Sache gewaltig.
zu 2. Wenn ich Geld von einer Frau erwarte und es kommt Geld von einem Mann, würde ich möglicherweise auch misstrauisch werden. Zumindest hätte ich vorher von S den Namen der Cousine geben lassen, so dass ein Abgleich möglich gewesen wäre.

Letztlich wird es wohl auf die freie Würdigung des Gerichtes ankommen, ob es diese Fakten so wertet, dass dem A eine Kenntnis von der Rechtsgrundlosigkeit zuzurechnen ist.

Friday
FDR-Mitglied
FDR-Mitglied
Beiträge: 251
Registriert: 26.09.13, 22:30

Re: Betrug durch Kontaktschwindel

Beitrag von Friday »

Volle Zustimmung. So eine Geschichte stinkt doch von Anfang an. Aber es gibt diese Fälle nunmal.

Ich frage mich ob es dem Durchschnittsbürger auffallen müsste, oder auch jemanden der doch den Großteils seines Lebens in einer andes geprägten Welt verbracht hat. Werden hier individuelle Maßstäbe angelegt?

Antworten