Zäune um Wiesen

Öffentliches und privates Baurecht, Bebauungsrecht, Nachbarrecht

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Biermuffel
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Zäune um Wiesen

Beitrag von Biermuffel » 07.05.09, 20:16

Liebe Forenmitglieder,

ich habe ein recht komplexes Problem, und hoffe hier den einen oder anderen Rat zu finden.

Zur Verwirklichung eines Lebenstraumes sind meine Frau und ich gerade auf der Suche nach einem alleinstehenden Gebäude mit viel Ruhe und großem Grundstück.
Es geht dabei um Tier- insbesondere um Hundehaltung und anderes Getier aus dem Tierschutz. Hintergund, ganz kurz,...wir sind selbstständig mit einem mobilen Pflegedienstund noch zwei weiteren Selbstständigkeiten, kinderlos....und möchten, sozusagen, nach unserem Ableben,...was hoffentlich noch eine Weile auf sich warten läßt :-)... etwas für die Allgemeinheit geschaffen haben, ...das ganze wird dann vermutlich in eine Stiftung münden. Dies aber nur zur Info nebenbei, damit ihr nicht denkt, ich sei irgendein fanatischer Tierspinner.

Wir haben nun die Feststellung gemacht, daß es derartige Objekte gibt, mitten in Wäldern gelegen. Zum Beispiel ein Objekt: Lage mitten im Wald, an einem langen Bachlauf (sehr idyllisch...schwärm...), Bundesland Baden Württemberg
mit ca. 1700 qm Hof- und Gebäudefläche
Ackerland ca. 2650 qm
Wiese 10 500 qm
Wald 1900 qm

Hört sich zwar alles prima an, wäre auch das absolute Paradies, aber nun kommt der Haken, an dem ich immer wieder hängen bleibe: Für unser Projekt müsste zumindest die Wiese eingezäumt werden, ich wollte diese rießen Wiese auch gerne etwas bepflanzen, mit Wegen versehen und ggf. mit Mauern zum Abfangen von Hangabschnitten.
Das größte Problem scheint aber die Umzäunung zu sein.

Frage: Gibt es eine Möglichkeit, dieses Projekt zu realisieren ohne mit Landschaftsschutz- oder Jagdschutzgesetzen in Konflikt zu geraten. Wir stehen nicht auf Tricksereien, sondern hätten das ganze gerne rechtlich in trockenen Tüchern. Bin mal gespannt ob mir jemand weiterhelfen kann. Habe schon den ganzen Nachmittag gegoogelt, aber nicht wirklich etwas aussagekräftiges gefunden. Vielen Dank im Voraus.
Gruß Uwe

lissy

Beitrag von lissy » 07.05.09, 22:21

Fraglich ist, ob sich das Projekt auch ohne die geplante Umzäunung verwirklichen lässt.
Beim Bauamt der betreffenden Gemeinde anfragen.

Biermuffel
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Beitrag von Biermuffel » 07.05.09, 22:31

Danke für die Antwort.
Mir ist schon klar, daß es da einige rechtliche Hürden zu nehmen gilt. Aber es gibt ja auch Hundezuchten z.B., welche es auch schon schafften Sondergenehmigungen zu bekommen. Evtl. müsste man ein solches Projekt auch als Nutzen für die Allgemeinheit schmackhaft machen, bzw. verschiedene Verpflichtungen eingehen um eine Genehmigung zu erhalten- aber zunächst mal wäre interresant, ob es Ausnahmegenehmigungen gibt, zur Einzäumung von Wiesen.
Gruß Uwe

ktown
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Beitrag von ktown » 08.05.09, 08:18

Also ich denke sie werden nicht darum rum kommen viele "wichtige" Hände schütteln zu müßen. Rein auf dem förmlichen Dienstweg werden sie häufig und vielleicht endgültig an irgendwelchen Verordnungen oder Richtlinien hängen bleiben.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

Biermuffel
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Beitrag von Biermuffel » 08.05.09, 11:56

jaja, so stelle ich mir das auch vor, viele überzeugende Gespräche und sich die wichtigen Figuren warmhalten... . Aber noch ist die ganze Sache nur eine Vision, ich stehe weder unter Druck, noch bin ich existentiell davon abhängig, und das ist auch gut so. Momentan sind wir einfach nur Privatpersonen, welche 5 angemeldete Hunde haben, also alles im grünen Bereich. Da wir aber auf lange Sicht jeglichem vorprogramierten Ärger aus dem Weg gehen möchten, suchen wir eben ein sehr, sehr abgelegenes Haus mit Grundstück. Und weil das Grundstück gerne etwas größer sein darf, und evtl. auch als Wiese ausgewiesen ist, steht eben die Einzäumung dergleichen im Widerspruch zu z.B. § 35 Abs. 2 BauGB (hab ich hier in einem anderen Thread gefunden- Dankeschön!).
Ggf. muß ich doch noch Bauer werden -lol, um meinen Zaun ziehen zu dürfen.

Biermuffel
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Beitrag von Biermuffel » 10.05.09, 09:43

So, nun bin ich schlauer, und werde die Frage hier mal selber beantworten. Habe nun mit verschiedenen Leuten geredet, welche ähnliche Projekte am Laufen haben und seit Jahren nur noch Ärger am Hals haben, obwohl sie alles sauber und ''richtig'' machen- wie ihnen selbst die Amtsschimmel bestätigten...aber da gibt es halt leider die lieben Gesetze...... .
Also, Zäune um Wiesen geht generell NICHT. Es sei denn, ich bin privilegierter Landwirt, dann, nach entsprechenden Anträgen und Genehmigungen kann ich relativ viel bebauen oder einzäumen. Privvilegierter Landwirt wird man in der Regel erst dann, wenn man nachweisen kann, daß das landwirtschaftliche Anwesen schon seit mehreren Generationen besteht und innerhalb der Familie weitergegeben wurde, und man muß nachweisen, daß der Hof auch künftig weitergegeben und bewirtschaftet wird. Bewirtschaften, im Sinne der Privillegierung bedeutet umfassende Landwirtschaft mit Nutztierhaltung, usw. . Also entfällt für eine Privatperson die Privillegierung fast gänzlich.
Das Projekt von mir könnte dennoch realisiert werden, über Sondergenehmigungen, und die bekomme ich nur, wenn ich eine besondere Allgemeinnützigkeit nachweisen kann. Aber hin wie her, das ganze ist ein juristischer Spießrutenlauf. Daher werden wir wohl kleinere Brötchen backen, schauen, daß unser Projekt auf ganz normalem Wohngrundstück errichtet wird, und soweit außerhalb, daß es garantiert niemanden stöhrt. Aber Zäune um Wiesen- never ever!
Gruß Uwe

pOtH
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Beitrag von pOtH » 10.05.09, 14:15

schon mal überlegt ein grundstück von einem privilegierten bauern zu kaufen od. pachten - dann ist es schon eingezäunt =)

ps.: vielleicht lässt der käufer (für einen obulus) das grundstück so einzäunen wie es der K will.

lissy

Beitrag von lissy » 10.05.09, 14:54

pOtH hat geschrieben:schon mal überlegt ein grundstück von einem privilegierten bauern zu kaufen od. pachten - dann ist es schon eingezäunt =)
Klingt so, als wären alle Grundstücke eines privilegierten Bauern eingezäunt. :roll:
Auch privilegierte Landwirte dürfen ihre Grundstücke im Aussenbereich nur einzäunen, wenn sie den Bedarf einer Einzäunung ausreichend begründen können.

Biermuffel
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Beitrag von Biermuffel » 18.05.09, 20:54

Zum Einen haben nach meinen Recherchen die privilegierten Landwirte zwar sehrwohl die Nachweispflicht über die Notwendigkeit der Einzäumung zu führen, haben aber aufgrund der Privilegierung kaum Behördenhindernisse zu befürchten.

Zum anderen würde ich kein eingezäumtes Grundstück mieten, welches irgendwer eventuell wieder abzäumen kann. Das ist mir zu unsicher.

Im wunderschönen Odenwald werden immer wieder nette Objekte mit 2000-5000 qm Grundstück zu durchaus erschwinglichen Preisen angeboten. Oder wir mieten erstmal ein entsprechendes Objekt, da schläft es sich auch ruhiger und wir sind wesentlich freier- finanziell und was die örtliche Gebundenheit anbelangt. :ostern:

nyctramp
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Aber eine Hintertür gibt´s doch....

Beitrag von nyctramp » 19.05.09, 14:26

Gemeinden stehen zur Zeit auf sogenannte Streuobstwiesen.

Junge Bäume und Sträucher brauchen aber einen entsprechenden Schutz vor Wildverbiss. Unter Umständen gibt es sogar Zuschüsse zur Bepflanzung.

Damit ist die Einzäunung, ähnlich einer
P f e r d e k o p p e l z.B. bei einem
G n a d e n h o f durchaus möglich.
Wo Unrecht und Willkür zu Recht werden, wird Widerstand zur Pflicht. (Berthold Brecht)

Wer nach seinen Rechten fragt sollte auch nach seinen Pflichten fragen.

Alle Kommentare geben nur meine persönliche Meinung wieder.

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