Erzeugung von Gesetzestexten

politische Aspekte von Rechtsprechung und Gesetzesvorhaben; rechtliche Aspekte von politischem Agieren

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I-user
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Erzeugung von Gesetzestexten

Beitrag von I-user » 05.03.10, 22:58

Hallo zusammen,
wer formuliert die Gesetzestexte in Deutschland? Liest jemand korrektur, damit die Texte sprachlich und juristisch korrekt formuliert sind?
Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich in den Gesetzen kaum sprachliche Fehler finde, obwohl ich öfter reinschaue (bin aber kein professioneller Korrekturleser ;-)). Bin auf eine fragliche Stelle (Abs. 2 Nr. 2) gestoßen und stelle deshalb die Frage.
Wenn dieser Thread in einem anderen Unterforum besser platziert wäre, bitte verschieben.
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Dipl.-Sozialarbeiter
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Re: Erzeugung von Gesetzestexten

Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 06.03.10, 01:36

I-user hat geschrieben:...
Wenn dieser Thread in einem anderen Unterforum besser platziert wäre, bitte verschieben.
Na, dieser Thread gehört m.E. ins Forum "Recht und Politik", daher verschiebe ich den Thread mal. ;-)

Gerd aus Berlin
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Beitrag von Gerd aus Berlin » 06.03.10, 02:00

Es gibt solche Korrektoren, las ich. Mutmaßlich in den Ministerien. Einmal war ich Kandidat für eine solche Stelle. Habe aber ihren Namen vergessen.

Grund genug, nicht genommen worden zu sein, wiewohl sonst grammatisch 100 % errorfree :D .

Gruß aus Berlin, Gerd

PS. Dein Fundstück sollte aber auf einen Sockel gehoben werden. Wie wäre es der mit den Stilblüten? Wo war der nochmal hier?
Recht beratungsresistant
ist und bleibt der Querulant.

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0Klaus
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Beitrag von 0Klaus » 06.03.10, 17:33

Kann dort mal Arbeitsamt gestanden haben und beim Ändern ist die Stelle vergessen worden?
mfg
Klaus

Oktavia
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Beitrag von Oktavia » 06.03.10, 19:58

Grammatik und Rechtschreibung werden noch gelesen, KorrektorInnenlohn 120%vom Ecklohn der DruckerInnen :lol:

Die Juristen und Juristinnen spart man auf Grund der hohen Kosten in den letzten Jahren immer mehr ein, deshalb werden ja die Korrekturen vom Verfassungsgericht übernommen :christmas

Dipl.-Sozialarbeiter
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Beitrag von Dipl.-Sozialarbeiter » 06.03.10, 22:09

0Klaus hat geschrieben:Kann dort mal Arbeitsamt gestanden haben ... ?

Ja so ist es. Diese Änderung erfolgte mit "Hartz III".
BT-Drs. 15/1515 vom 05. 09. 2003 hat geschrieben:In § 43 Abs. 1, 2 und 3 Satz 1 werden jeweils die Wörter „Das Arbeitsamt“ durch die Wörter „Die Agentur für Arbeit“ und in Abs. 3 Satz 1 das Wort „Bundesanstalt“ durch das Wort „Bundesagentur“ ersetzt.

Chavah
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Beitrag von Chavah » 07.03.10, 08:43

Leider werden auch viele Gesetze nicht mehr von Juristen verfasst, häufig von Germanisten. Was man m.E. auch merkt.

Vor vielen Jahren gab es im Berliner Senat einen Amtsrat. Der war über Jahrzehnte verantwortlich für die Vorbereitung von Gesetzesvorlagen. Also die Verfassung von Gesetzen auf dieser Ebene. Hatte nur Volksschule, dann kam der Krieg, dann eine Lehre beim Bezirksamt. Seine Gesetze waren klar. Nicht schön formuliert, aber anwendbar.

Als er in Pension ging, setzte man einen Germanisten auf seine Stelle. Das klappte nicht so richtig. Der Alte wurde noch bis er 70 (!) war, regelmässig zurück geholt.
Noch heute erkenne ich am Stil der Verordnungen, welche aus der Feder dieses Beamten stammen. Etwas holprig, sehr klar, zu verstehen, einfach an zu wenden.

Schade, dass es sowas nicht mehr gibt.

Chavah

roger2102
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Re: Erzeugung von Gesetzestexten

Beitrag von roger2102 » 26.05.10, 19:55

I-user hat geschrieben:Hallo zusammen, wer formuliert die Gesetzestexte in Deutschland?
In der Regel ist dies der Gesetzgeber. :wink:
I-user hat geschrieben:Liest jemand korrektur, damit die Texte sprachlich und juristisch korrekt formuliert sind?
Ja, zumeist auch mehrfach, bevor der Gesetzentwurf überhaupt das jeweilige Ressort/Ministerium verlässt. In dieser Phase spricht man ja bekanntlich noch von einem Referentenentwurf, der dann auch noch vor oder nach Besprechung im jeweiligen Kabinett von anderen Ressorts/Ministerien mitzuzeichnen ist. Der "Tag der Wahrheit" erfolgt zum ersten Mal bei der sog. Rechtsförmlichkeitsprüfung vor Einbringung eines Gesetzes in den Land-/Bundestag, mal ein Beispiel, nach Einbringung des Gesetzes durch des jeweiligen Gesetz- und Beratungsdienst des Land-/Bundestages (dort wissenschaftlicher Dienst) und nach Beschluss über das Gesetz über den sog. Fahnenabzug.
chavah hat geschrieben:Leider werden auch viele Gesetze nicht mehr von Juristen verfasst, häufig von Germanisten.
Wenn damit die Damen und Herren Abgeordneten gemeint sein sollten, könnte dem durchaus gefolgt werden, allerdings müsste dann bspw. das Bundestagsradar einer Zeitschrift mit dem Namen eines Gegenstandes/Objekts, in den man täglich mindestens ein oder zweimal reinschaut, ohne selbst Leser dieser Zeitschrift zu sein, die Berufsgruppenzugehörigkeit der Betreffenden noch etwas weiter aufdröseln, ansonsten ist diese Feststellung eine Einzelmeinung :wink:

Gruß roger2102
"Pistole: eines der wichtigsten Navigationsmittel der modernen Luftfahrt."
(Jerry Lewis, am. Komiker u. Regisseur, 1926-)

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