Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Moderator: FDR-Team

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Heimatlos
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Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Heimatlos »

Liebe Leute,
eine lange Geschichte, danke schonmal fürs lesen:
ich habe im Mai ein "leerstehendes, sofort bezugsfreies" Haus besichtigt. Die Möbel, die noch drin waren, gehörten laut Maklerin den verstorbenen Eltern des Verkäufers und würden bei Verkauf geräumt werden. Wir wurden uns über den Preis einig, Kaufzusage, der Verkäufer meinte er bräuchte noch 2 bis 3 Wochen bis er alles ausgeräumt hat.
Passte perfekt, bis zum Notartermin wäre dann alles leer.
Beim Notartermin saßen dann ich, Maklerin und Notar allein da. Der Verkäufer war erst am nächsten Tag von der Maklerin erreichbar, irgendwas mit seinem Sohn sei passiert und er hat den Termin deshalb vergessen.
Dann hatte er ein paar Wochen keine Zeit für einen neuen Termin.
Ich habe nachgefragt ob er wirklich verkaufen will, und er hat jedesmal ja natürlich, er braucht ja das Geld und so geantwortet.
Vorm nächsten Notartermin dann die Überraschung, er habe sich gerade eben von seiner Lebensgefärtin getrennt und sei für ein oder zwei Wochen selbst in das Haus eingezogen, weil Sie ihn vor die Tür gesetzt habe und er so schnell keine Bleibe gefunden hat.
Ich hab dann nochmal gefragt ob er das Haus dann überhaupt verkaufen will, seine Antwort: natürlich weil er unbedingt in die Nähe von seinem Sohn ziehen will und das Haus ja viel zu groß für ihn allein wäre.
Also hat der Notar schnell nochmal den Entwurf geändert, hat recht großzügig zum 15.08 Besitzübergabe reingeschrieben, und wir haben ausgemacht dass der Verkäufer das Haus nicht mal komplett räumen muss, weil er so gejammert hat wieviel Stress er jetzt hätte...
Es wurde Kaufpreis nach Besitzübergabe vereinbart, ansonsten unterwirft sich jeder der sofortigen Zwangsvollstreckung.
Dann hat der Verkäufer bis 14.8. gesagt alles klar, er zieht gerade aus. Am 14. dann der Anruf, dass er doch noch gar keine Wohnung hat und ich kann ihn nicht auf die Strasse setzen.
Ich bin dann am 16. gleich zum Anwalt gegangen, der hat gemeint ich soll schonmal die vollstreckbare Ausfertigung von meinem Titel anfordern, das kann dann trotzdem sofortige Zwangsvollstreckung im Vertrag steht schon nochmal bis zu 2 Monaten dauern.
Vom Verkäufer habe ich nur noch am 20.8 nochmal gehört dass er eine Wohnung besichtigt hat und mir dann sagt bis wann er auszieht, seitdem ist er unerreichbar für mich.
Jetzt musste ich einiges hin und her schicken (der Anwalt hats mir immer so zugeschickt dass ich nur unterschreiben und weiterleiten musste), und am 19.9. habe ich jetzt was zum Gerichtsvollzieher geschickt auf dem stand er möge mir bitte den Kostenvorschuss mitteilen und einen Vollstreckungstermin.
Nachdem ich ungeduldig wurde habe ich gestern nachgerufen und erfahren dass der Gerichtsvollzieher 2 Wochen in Urlaub ist, darauf habe ich meinen Anwalt angerufen. Dabei ist rausgekommen dass ich wohl irgendwas falsch verstanden habe, die 2 Monate wären bis zur Terminbestimmung und danach kann sich die Räumung selbst nochmal 3 bis 4 Monate hinziehen, und der Verkäufer könne Einspruch einlegen dann dauerts noch länger.
Kann mir irgendwer sagen wie lang das tatsächlich noch dauern kann?
Ich wohne momentan, weil wir ja die Wohnung schon gekündigt haben und das Geld auf der Bank eingefroren ist aber der Kredit schon läuft, in für mich auf Dauer unzumutbaren Verhältnissen, und habe schon psychische und physische Probleme, und zurücktreten kann ich auch nicht mehr.
Ich wäre sehr dankbar wenn jemand ähnliche Erfahrungen kennt und mir darüber Bescheid gibt.
Und seht bitte über Rechtschreib-/oder Grammatikfehler weg ;)

Heimatlos
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Heimatlos »

Oh nein das war das falsche Forum wie kann ich die Frage denn jetzt verschieben? :oops:

Tastenspitz
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Tastenspitz »

Das macht ein Moderator.
Wer für generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen ist, hebe bitte den rechten Fuß.
Für individuelle Rechtsberatung bitte "ALT" und "F4" auf der Tastatur gleichzeitig drücken.

pOtH
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von pOtH »

Was sagt denn der Anwalt zum Thema Schadensersatz? Vielleicht kann man dem Verkäufer damit druck machen...

Lucky
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Lucky »

Der Verkäufer ist dem Käufer schadenersatzpflichtig, d.h. Der Käufer kann bis zur Räumung in ein Hotel ziehen und seine Möbel bei einer Spedition einlagern. Die Kosten kann er bei der Kaufpreiszahlung abziehen. Der Käufer braucht nicht auf Räumung Klagen, denn durch die Zwangsvollstreckungsunterwerfung bekommt er sofort vom Notar den vollstreckbaren Titel mit dem er einen Gerichtsvollzieher mit der Zwangsräumung beauftragen kann. Wenn der Anwalt des Käufers dies dem Verkäufer klar und deutlich mit ungefährer Kostenschätzung vor Augen führt, wird der Verkäufer erkennen, dass es für ihn das billigste ist, sofort zu Räumen und selbst in ein Hotel zu ziehen.
MfG
Lucky
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Heimatlos
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Heimatlos »

Ich KÖNNTE in ein Hotel ziehen. Das müßte ich erstmal aus eigener Tasche zahlen und dann zurückfordern.
Der Kaufpreis ist aber leider eingefroren, und weil der Kredit ja schon läuft und so schon genug Kosten da sind bleibt gar nicht genug über für irgendwas Ordentliches.
Den Räumungstitel habe ich wirklich schon, da musste ich am 16.08 "nur noch" die vollstreckbare Ausfertigung anfordern. Dann hat der Gerichtsvollzieher dem Verkäufer nochmal eine Frist von drei Wochen geben müssen, und erst nachdem diese abgelaufen ist habe ich die vollstreckbare Ausfertigung vom Titel wiederbekommen und sollte sie zum Amtsgericht schicken eben damit die mir den Kostenvoranschlag und Termin schicken. Und darauf warte ich jetzt seit eineinhalb Wochen.
Der Verkäufer hat auf die Schreiben gar nicht reagiert, und ans Telefon geht er auch nicht. Wenn man vorbeifährt gehen die Jalousien runter. Er müßte aber Bescheid wissen welche Kosten auf ihn zukommen, nur wie gesagt reagiert er überhaupt nicht.
Der Anwalt hat gesagt wenn ich vom Kaufpreis was einbehalte würde ich mich der sofortigen Vollstreckung unterwerfen, aber wenn es soweit ist von wegen Schadenersatzansprüche, dann steht wenn ich was einbehalte Forderung gegen Forderung (nennt man glaube ich anders, aber ich als Laie...), da kann man aber erst schauen wenn es soweit ist. Kann ja auch sein dass er so viele Schulden hat dass da noch andere Gläubiger ihre Hand draufhalten.
Nur würde es mich halt brennend interessieren wie lang sich das jetzt noch zieht, weil ich den Stellvertreter vom Gerichtsvollzieher heute schon wieder nicht erwischt habe :(

juggernaut
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von juggernaut »

Heimatlos hat geschrieben:Den Räumungstitel habe ich wirklich schon, da musste ich am 16.08 "nur noch" die vollstreckbare Ausfertigung anfordern.
das ist aber klug vom notar, dass er eine unterwerfung unter die sofortige zwangsvollstreckung zu ihren gunsten aufgenommen hat.
sonst hätten sie ja auch noch auf räumung klagen müssen (dauer: zwischen 6 monate und 1 jahr).

Heimatlos hat geschrieben:Dann hat der Gerichtsvollzieher dem Verkäufer nochmal eine Frist von drei Wochen geben müssen,
ja. von jetzt an können sie wirklich mitreden, wenn mal wieder irgendwo vom "rechtsstaat" die rede ist.

Heimatlos hat geschrieben:Der Anwalt hat gesagt wenn ich vom Kaufpreis was einbehalte würde ich mich der sofortigen Vollstreckung unterwerfen, aber wenn es soweit ist von wegen Schadenersatzansprüche,
was ist denn mit dem kaufpreis - ist er bezahlt oder nicht?

Lucky hat geschrieben:Der Verkäufer ist dem Käufer schadenersatzpflichtig, d.h. Der Käufer kann bis zur Räumung in ein Hotel ziehen und seine Möbel bei einer Spedition einlagern. Die Kosten kann er bei der Kaufpreiszahlung abziehen.
das hilft nur, wenn der kaufpreis noch nicht bezahlt ist.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

Heimatlos
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von Heimatlos »

Der Kaufpreis ist bei Besitzübergabe fällig. Gottseidank!
Der Notar war wirklich gut, er musste den Kaufvertrag ja recht schnell noch ändern, da hat er das dann eben mit reingeschrieben. Das einzige was man noch besser machen können hätte wäre eine Vertragsbruchstrafe zu vereinbaren. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger.
So könnte ich jetzt rein rechtlich gesehen nichts vom Kaufpreis einbehalten, da ich mich ja meinerseits auch der sofortigen Zwangsvollstreckung bezüglich der Kaufpreiszahlung unterwerfe.
Aber wie gesagt das werde ich wahrscheinlich trotzdem tun und es auf eine Forderung / Klage drauf ankommen lassen, dann steht Forderung gegen Forderung.

Bezüglich Rechtsstaat Deutschland: Mein Anwalt hat auch gesagt, in Deutschland Recht haben und Recht bekommen sind 2 paar verschiedene Schuhe :(
Und irgendwie sind "kleine" Immobilienbesitzer immer auf der benachteiligten Seite.

Ja, und jetzt bin ich gespannt wieviele Fristen und Sonstiges ich noch abwarten muss.

juggernaut
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Re: Wie lange noch? (Zwangsräumung)

Beitrag von juggernaut »

Heimatlos hat geschrieben:So könnte ich jetzt rein rechtlich gesehen nichts vom Kaufpreis einbehalten, da ich mich ja meinerseits auch der sofortigen Zwangsvollstreckung bezüglich der Kaufpreiszahlung unterwerfe.
ja, und? dann muss man eben eine vollstreckungsgegenklage erheben, ihr anwalt sollte wissen, wie das geht. trotzdem würde ich die gelegenheit auf gar keinen fall verpassen, den entstandenen schaden auch gleich liquidieren zu können, die ist nämlich selten so günstig wie bei ihnen.

schadensminderungspflicht beachten, belege aufheben, rechnung aufmachen und vom KP abziehen, aufrechnungserklärung nicht vergessen, und abwarten & tee trinken, ob er tatsächlich vollstreckt. vorsichtshalber noch der bank bescheid sagen, dass sowas kommen könnte, banken drehen immer leicht hohl, wenn bei kunden zwangsvollstreckungsmassnahmen durchgeführt werden, also dort lieber mit offenen karten spielen.
juggernaut
Redfox hat geschrieben:Das ist ein Irrtum. Beamte arbeiten nicht. Sondern ... machen sonstwas. Aber arbeiten tun sie nicht.

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