Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

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Jillo
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Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von Jillo » 04.01.11, 04:43

Hallo,

es geht um folgendes:
Ich bin Zeichner und nutze ab und zu auch Fotos (von Menschen, Gebäude, Landschaften,...) als Grundlage für eine (detailgetreue) Zeichnung (mit Blei- & Graphitstifte) des Fotos.
Diese Zeichnung ähneln natürlich größtenteils dem Originalfoto (welche ich jedoch nicht selber mache), nur das sie eben nicht in Farbe ist.

Nun stelle ich mir die Frage bzgl. der Veröffentlichung/Verbreitung/Verkauf dieser Zeichnungen, dürfte ich dies ohne Probleme machen?
Urheber von diesen Zeichnungen wäre ich ja.
Zwar habe ich ein Foto als Grundlage für die Zeichnung genutzt, aber von dieser nun nicht abgepauscht, sondern eben halt detailgetreu gezeichnet.

Freue mich auf Antworten.

Gruß

Gerd aus Berlin
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Re: Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von Gerd aus Berlin » 04.01.11, 23:15

Hier gibt es am Ende zwei Urheber. Davon soll der erste nicht unberücksichtigt bleiben, falls nicht der zweite § hier zutrifft:

§ 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen
§ 24 Freie Benutzung

Wie kann man ahnen, bevor am Ende ein Gericht entscheidet, welcher § nun im Einzelfall zutrifft? Mehr dazu da:
http://www.schmunzelkunst.de/saq.htm#freinutz

Gruß aus Berlin, Gerd
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Guisgard
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Re: Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von Guisgard » 06.12.12, 22:01

Habe gerade über tausend Querverweise dieses Forum und diese spezielle Frage gefunden. Mir persönlich ist die Antwort noch etwas unpräzise, also krame ich das noch mal vor, ja? :wink:
(1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
Verstehe ich das Deutsch richtig, wenn ich diese Beispiele dafür erfinde:

A) ER zeichnet von einem Foto als Vorlage ein Gebäude ab. Das darf ER veröffentlichen und (kommerziell) verwerten. Der Fotograf kann nichts dagegen tun, selbst wenn es ihm nicht paßt, und dem Haus ist es ohnehin egal.

B) ER zeichnet von einem Foto als Vorlage ein Portrait. Das Bild darf ER in jedem Fall erschaffen (Kunstfreiheit, und der Fotograf kann wieder nichts dagegen tun), aber verwerten darf ER es nicht. Selbst das Auststellen des Bildes wäre schon heikel. Das kollidiert dann mit den Interessen des Dargestellten, solange der sein Einverständnis nicht gegeben hat. (Recht am eigenen Bild)

Stimmt das so?

nordlicht02
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Re: Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von nordlicht02 » 07.12.12, 00:29

Guisgard hat geschrieben: Stimmt das so?
Nö.
Bei der freien Benutzung darf das geschützte ältere Werk nur als Anregung für das Zweitwerk dienen. Die Züge des Erstwerks müssen gegenüber denen des Zweitwerks verblassen.
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ (Hanns Joachim Friedrichs)

Gerd aus Berlin
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Re: Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von Gerd aus Berlin » 07.12.12, 00:49

Guisgard hat geschrieben:A) ER zeichnet von einem Foto als Vorlage ein Gebäude ab.
Siehe dazu UrhG § 59 Werke an öffentlichen Plätzen
  • (1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.
    (2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.
Aber auch "Warum benutzt Christo kein Geschenkpapier?"
Guisgard hat geschrieben:B) ER zeichnet von einem Foto als Vorlage ein Portrait.
Eine Zeichnung eines Fotos ist selten eine Freie Benutzung. Vom nötigen Abstand zum Original (s. nordlicht02 hier sowie "Was ist eine freie Benutzung?") mal abgesehen gilt in etwa:
  • Wird ein Werk in eine andere, wesensfremde Werkkategorie transformiert, so ist in der Regel von einer freien Benutzung auszugehen. Beispielsweise wenn ein Gedicht in ein Gemälde oder eine Fabel in eine Melodie umgewandelt wird. Bei Übertragungen in wesensgleiche oder verwandte Werkkategorien liegt dagegen eher eine Bearbeitung vor. Zum Beispiel bei dem Nachmalen eines Fotos oder dem Verfilmen eines Romans. (Quelle; Herv. Gerd.)


Und hinzu käme noch das Persönlichkeitsrecht des Portraitierten, s. KUrhG §§ 22 und 23.

Gruß aus Berlin, Gerd
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Re: Frage zu Urheberrecht von Zeichnungen

Beitrag von Oktavia » 07.12.12, 04:47

Guisgard hat geschrieben:A) ER zeichnet von einem Foto als Vorlage ein Gebäude ab. Das darf ER veröffentlichen und (kommerziell) verwerten. Der Fotograf kann nichts dagegen tun, selbst wenn es ihm nicht paßt, und dem Haus ist es ohnehin egal.
Wobei es hier sogar 3 UrheberInnen geben kann :wink: Der Fotograf hat ja das WErk eines Architekten abgelichtet :mrgreen:
Hier greift dann aber im Normalfall die Panoramafreiheit. Evt. darf man das Gebäude aber nicht von einem anderen Gebäude aus fotografieren ohne UrheberInnenrechte zu verletzen...
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