Pauschalreise: Andere Airline als gebucht - was nun?

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Nicky007
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Pauschalreise: Andere Airline als gebucht - was nun?

Beitrag von Nicky007 » 11.06.14, 09:33

Hallo,

mein Freund und ich haben eine Pauschalreise nach Fuerteventura gebucht (4 Stunden Flugzeit).

Bei der Buchung haben wir sehr darauf geachtet mit welcher Airline wir fliegen werden. Dass der Reiseveranstalter sich davon freispricht, dass die Flugzeiten nicht eingehalten werden bzw. sich verändern können, daran haben wir uns ja gewöhnt.

Jetzt aber haben wir das Problem, dass sich die Airline geändert hat.

Mir persönlich ist das noch egal, weil es im Grunde beides sehr renommierte Fluggesellschaften sind, aber mein Freund hat genau mit dieser Airline vor knapp 2 Jahren einen absoluten Horrorflug erlebt. nachvollziehbar ist, dass er in diesen Flieger bzw. mit dieser Airline nicht mehr fliegen möchte (als Ergänzung muss ich hinzufügen, dass es damals nicht am Flugzeugtyp lag sondern schlichtweg an der absoluten Unfähigkeit des Piloten).

Die Frage die sich uns nun stellt: Darf ein Reiseveranstalter einfach so mir nichts dir nichts den Flug auf eine andere Airline umbuchen? Wie gesagt, ich als absoluter Laie würde sagen die Fluggesellschaften sind gleichwertig, aber wenn man sich doch gerade im Vorfeld extra diese Fluggesellschaft ausgesucht hat...... Zumal wir auch erst jetzt davon erfahren haben, als wir unsere Reisedokumente erhalten haben.

Bereits am Dienstag geht der Flug - können wir da noch irgendwas reissen?

Was ist mit Flugzeiten? Können die tatsächlich geändert werden? Wir sollten zunächst ganz früh (06:35 Uhr) losfliegen - nun fliegen wir aber erst nach 14 Uhr Uhr los.
Zurück ähnlich: Da sollten wir erst um 22 Uhr fliegen - jetzt fliegen wir aber schon morgens gegen 8 Uhr.

Ich frage mich, was wir da im Vorfeld gebucht haben - wenns doch eh nie so passt und nachher alles anders kommt.

lottchen
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Re: Pauschalreise: Andere Airline als gebucht - was nun?

Beitrag von lottchen » 11.06.14, 11:02

Reiseveranstalter behalten es sich eigentlich immer ausdrücklich vor, Flugzeiten zu ändern und andere Fluggesellschaften einzusetzen. Bei der Buchung akzeptiert man die AGB´s.
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

klausschlesinger
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Re: Pauschalreise: Andere Airline als gebucht - was nun?

Beitrag von klausschlesinger » 12.06.14, 01:25

1.
Zunächst ist zu prüfen, ob dem Kunden Ausgleichszahlungen gem. der VO (EG) 261/2004 (der sogen. 'Fluggastrechteverordnung') zustehen. Dies ist nur dann der Fall, wenn die Flugzeitenänderung innerhalb von 14 Tagen vor Abflug erfolgt (vgl. § 5 Abs. 1 Buchs. c) Punkt i der VO (EG) 261/2004). Nur dann hat der Kunde Anspruch auf eine entfernungsabhängige Ausgleichsleistung über EUR 250,-, 400,- oder 600,- nach der Europ. Fluggastrecheverordnung.#

2.
Ein Wechsel des Fluggerätes oder Beauftragung einer anderen Fluggesellschaft ist bedeutungslos und führt zu keine Ansprüchen des Reisenden, wenn damit keine Verspätung einhergeht.

3.
'...Fluggesellschaften dürfen die in der Buchung angegebenen Flugzeiten nicht ohne triftigen Grund ändern.
Im vorliegenden Sachverhalt wurde von der Fluggesellschaft kein trifftiger Grund genannt, der sie zu einer Flugverlegung berechtigen würde.
Klauseln im Kleingedruckten, nach denen die Flugzeiten unverbindlich sind, benachteiligen den Kunden unangemessen und sind unwirksam.
Das haben die Oberlandesgerichte Celle und Frankfurt am Main nach Klagen des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen TUI Deutschland und British Airways entschieden – und damit bahnbrechende Urteile für Flugreisende gesprochen.

Die Urteile betreffen ein verbreitetes Ärgernis. Der Kunde bucht eine Flugreise, doch kurz vor Reisebeginn wird sein Flug verschoben. Statt wie gebucht am Nachmittag hebt die Maschine schon um sechs Uhr früh oder erst in den späten Abendstunden ab. Die Folgen: Der Kunde muss umplanen und schon gebuchte Anschlussflüge stornieren. Oft entstehen zusätzliche Taxi- oder Hotelkosten. Mitunter geht ein voller Urlaubstag drauf.

Wenn der Fluggast daraufhin reklamiert, verweisen einige ... Fluggesellschaften auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Danach sind die bei der Buchung angegebenen Flugzeiten völlig unverbindlich. ... In den Bedingungen von British Airways stand, es könne „erforderlich“ sein, die planmäßige Abflugzeit nach Aushändigung des Flugscheins zu ändern.

Die Richter stellten klar: Flugzeiten sind fester Vertragsbestandteil und keineswegs unverbindlich.
Ein Unternehmen darf sich lediglich Änderungen aus triftigem Grund vorbehalten, die für den Kunden zumutbar sind.
Ob die Flugverlegung für den Kunden zumutbar ist oder nicht, entscheidet sich im Einzelfall. Nomalerweise ist eine 30minütige Flugverlegung zumutbar. Wenn allerdings gebuchte Anschlußflüge oder gebuchte Anschluß-Zugverbibndungen nicht mehr erreichbar sind oder nur mit finanziellem Mehraufwand umbbuchbar sind, dann ist dieses für den Passagier auch schon bei einer halbstündigen Flugverlegung nicht mehr zumutbar.
Deshalb sind Klauseln unwirksam, die eine Flugverlegung ermöglichen, nur weil es für den Veranstalter oder die Fluggesellschaft kostengünstiger ist. Das Oberlandesgericht Celle sieht in seinem TUI-Urteil eine „bahnbrechende Entscheidung“, die künftig die Reiseplanung von Fluggästen wesentlich erleichtern wird. Zuvor hatte bereits das Kammergericht Berlin eine ähnliche Klausel des Billigfliegers easyJet verboten.

Bisher ist nur das Urteil gegen easyJet rechtskräftig. TUI hat zwischenzeitlich Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt. „Sollte auch dieses Urteil in letzter Instanz Bestand haben und das Urteil des OLG Frankfurt rechtskräftig werden, werden es Reisende in Zukunft leichter haben“, so Kerstin Hoppe, Rechtsexpertin im vzbv. Im Falle einer Änderung der Flugzeiten können Verbraucher ihre Rechte besser durchsetzen. Vor allem aber dürfte die Zahl der verschobenen Flüge deutlich abnehmen.

OLG Celle vom 7. 02.2013, Az. 11 U 82/12 (TUI)
OLG Frankfurt/Main vom 28.02.2013, Az. 16 U 86/12 (British Airways)
KG Berlin vom 18.01.2012, Az. 36 U 166/11 (easyJet)' Quelle: http://www.vzbv.de/11275.htm

In diesen Fällen muß der Kunde jedoch seinen konkreten Schaden, welcher ihn durch die Flugverlegung entsteht, konkret belegen können (z. B. Kosten für bereits gebuchte nicht stornierbare Anschlußflüge, Kosten für nicht gneutzt Hotels, Arbeits- u. Verdienstausfall). Hat der Kunde einen solchen konkreten Schaden nicht, kann er natürlich auch keinen Schadenersatz geltend machen.
Ich mache zwei Kampfsportarten: Ju-Jutsu und Jura. - Jura ist die schwierigere!
'Es sei nicht immer zu verlangen, „dass der Inhalt gesetzlicher Vorschriften dem Bürger grundsätzlich ohne Zuhilfenahme juristischer Fachkunde erkennbar sein muss“.' (BVerfG)

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