Insolvenzvermeidung, Auflösung GmbH,Sicherung Gesellschafter

Recht der Unternehmen und Einzelfirmen, Handelsvertreterrecht, Provisionsrecht, Franchiserecht

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volvoheini
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Insolvenzvermeidung, Auflösung GmbH,Sicherung Gesellschafter

Beitrag von volvoheini » 03.10.16, 12:25

Fallbeschreibung:
Gesellschafter A und Gesellschafter B gründen eine GmbH zu je 50% Geschäftsanteilen.
Das Stammkapital beträgt 25.000,00 Euro.

Es werden 77.500,00 Euro pro Gesellschafter für das Stammkapital und den Kauf eines Betriebsgrundstück auf das Firmenkonto eingezahlt.
Gesellschafter A verfügt über kein Eigenkapital. Gesellschafter B gewährt ein privates und zinsloses Darlehen in Höhe von 77.500,00 Euro an Gesellschafter A.

Um das geplante Vorhaben umzusetzen werden zwei Darlehen bei der Bank über 430.000,00 Euro (100.000,00 Euro + 330.000,00 Euro) aufgenommen.
Die weiteren benötigten Mittel stellt Gesellschafter B als Gesellschafterdarlehen mit 3 % p.a. Verzinsung, jährlicher Tilgung und Sondertilgungsmöglichkeit zur Verfügung.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten und langen Bauverzögerungen durch Ämter und Baufirmen ist zunächst ein positiver Entwicklungstrend zu erkennen.
Die vereinbarten Zinsen können zu keinem Zeitpunkt an Gesellschafter B ausgezahlt werden, da vorrangig Löhne und die Bank bedient wurden. Die angefallenen Zinsen wurden gestundet und als Darlehen weiter verzinst.
Unerwartet brechen die Umsätze einem Jahr nach Betriebseröffnung ein und Gesellschafter B weist sofort auf die kritische Situation hin, indem er mangels Geschäftsentwicklung keine weitere Darlehen mehr zur Verfügung stellt.
Die monatlichen Lasten können somit getragen werden und es droht eine Zahlungsunfähigkeit. Beide Gesellschafter sind sich darüber einig, dass die Zahlungsunfähigkeit nicht eintreten darf und erwägen einen Verkauf bzw. eine Geschäftsaufgabe.
Aufgrund des Umfeldes, Lage und weiterer Einflußfaktoren ist ein Verkauf leider nicht realistisch.

Gesellschafter B sieht aufgrund der Nichterfüllung seiner Darlehensverträge (Fremdvergleich) große Schwierigkeiten, die er durch eine ordnungsgemäße Auflösung und Sicherheitsübereignung des Betriebsvermögen vermeiden will.

Die vereinfachten Zahlen stellen sich wie folgt dar:

Betriebsvermögen insgesamt: 1.000.000,00 Euro
Darlehen Bank I: 100.000,00 Euro
Darlehen Bank II: 330.000,00 Euro

Darlehen Gesellschafter B: 600.000,00 Euro
Gestundete Zinsen: 30.000,00 Euro

Die zukünftigen Kosten für Grundsteuern, Jahresabschlüsse, Notare, Nebenkosten Betrieb, Versicherungen etc müssen zusätzlich durch die Gesellschaft getragen werden.

Geplanter Lösungsweg:
Gesellschafter B übernimmt das gesamte Betriebsvermögen und deren Lasten in sein Privateigentum.

Vorgehensweise:
Gesellschafter B übernimmt die beiden Kredite der Bank (Einwilligung der Bank vorausgesetzt) und gleichzeitig das Betriebsvermögen als Sicherheit seiner gewährten Darlehen und Gesellschafter A tritt seine Anteile vollständig an B ab.
Eine Auszahlung der Bank inklusive hoher Vorfälligkeitsgebühren ist alternativ nicht möglich.
Die Gesellschaft wird ordentlich aufgelöst und Gesellschafter B hält den ehemaligen Betrieb inkl. aller Vermögenswerte in seinem Privateigentum.
Neben den Risiken der Weiterverwertung trägt Gesellschafter B einen hohen Verlust durch Auflösung.

Fragen:
Wie wird der Lösungsweg tatsächlich durchgeführt?
Kann das Betriebsvermögen als Sicherheit zu den Buchwerten (1 Jahr Geschäftsbetrieb) übereignet werden? Wie bewertet das Finanzamt diesen Vorgang und die „Entnahme“?
Wie werden die Verluste aus Kapitalminderung (Differenz restliches Betriebsvermögen / Gesellschafterdarlehen), Zinsverlust und aufgelaufenen Verluste der Geschäftsaktivität berücksichtigt?

Vielen Dank für Hilfestellungen!

ExDevil67
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Re: Insolvenzvermeidung, Auflösung GmbH,Sicherung Gesellscha

Beitrag von ExDevil67 » 03.10.16, 12:51

Ganz ehrlich, ab zum Steuerberater. Der haftet wenigstens für seine Auskünfte und bei den Summen die da bewegt werden dürfte einen das Honorar auch nicht in die Privatinsolvenz treiben.

derblacky
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Re: Insolvenzvermeidung, Auflösung GmbH,Sicherung Gesellscha

Beitrag von derblacky » 07.10.16, 10:39

Ein paar Sachen in der Schilderung kann ich nicht ganz nachvollziehen, unabhängig davon aber:
Warum übernimmt B nicht die Anteile von A und läßt die GmbH als alleiniger Gesellschafter weiterlaufen?

Tschau
Majo

mwjm
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Re: Insolvenzvermeidung, Auflösung GmbH,Sicherung Gesellscha

Beitrag von mwjm » 08.10.16, 05:42

derblacky hat geschrieben:Warum übernimmt B nicht die Anteile von A und läßt die GmbH als alleiniger Gesellschafter weiterlaufen?
exdevil hat schon Recht, dazu muss der Steuerberater beigezogen werden, denn es liegt nahe, dass A ein hohes negatives Kapitalkonto hat. Allerdings empfehle ich auch einen Gesellschaftsrechtler einzubeziehen. Vermutlich dürfte die Lösung schon in einer Liquidation zu suchen sein, bei der alles dem B übertragen wird.
@volvoheini: eine Übertragung von Wirtschaftsgütern zur Sicherheit zum Buchwert geht nicht. Entweder werden sie verpfändet, dann bleibt das Eigentum bei der GmbH und der Buchwert auch. Werden sie an wen auch immer übereignet, erfolgt das zum steuerlichen Teilwert, stille Reserven sind also aufzudecken. Das kann zu allem Ärger auch noch erhebliche Steuerlasten nach sich ziehen, falls nicht ausreichende Verlustvorträge vorhanden sind.

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