Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

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seefussballer
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Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von seefussballer » 22.12.17, 13:07

Eine Stadtverwaltung zahlt für die Jahre 2001 bis 2006 Anfang 2018 einen freiwilligen Ausgleich für geleistete Mehrarbeit. Der nachzuzahlende Betrag ist laut einem erstem Schreiben der Stadtverwaltung zu versteuerndes Einkommen. Der betreffende Beamte ist 2006 verstorben. Nun ist die Witwe aufgefordert worden, eine entsprechende Bescheinigung über Lohnsteuermerkmale vorzulegen. Die Witwe ist in Teilzeit Angestellte im öffentlichem Dienst, darüber hinaus bezieht sie Witwenversorgungsbezug seit dem Ableben ihres Mannes.

Wird dieser, im hohem vierstelligem Bereich liegende Ausgleich, im Monat der Auszahlung voll zu versteuern sein?

Wird dieser Ausgleich dazu führen, das die Witwe ihre Versorgung für diesen Monat in Gänze zurück zahlen muss, da sie für diesen Monat ggf. überversorgt ist?

Wie ist die Rechtslage?

mecki111
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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von mecki111 » 25.12.17, 00:21

Da es sich um eine Nachzahlung aus dem Recht des verstorbenen Beamten handelt, kann die Witwe das Geld nur erhalten, wenn sie auch Erbin ist. Ist dies der Fall, sollte es ausreichen, der Stadtverwaltung mitzuteilen, dass Sie in einem Beschäftigungsverhältnis steht. Somit muss die 'Anmeldung der Stadtverwaltung bei der Finanzbehörde nicht als Hauptarbeitgeber ausfallen. Das bedeutet, dass die Finanzverwaltung eine Meldung an die Stadtverwaltung abgibt, dass die Nachzahlung mit der Steuerklasse 6 zu erfolgen hat. Im Jahr nach der Auszahlung erfolgt ein Ausgleich der gezahlten Steuern im Wege der Einkommensteuerfestsetzung. Da es sich um eine Nachzahlung aus dem Recht des verstorbenen Beamten handelt, kann auch keine Anrechnung auf das Witwengeld erfolgen. Es ist nur anzurechnen, was die Witwe aus eigenem Recht an Einkünften erzielt.

seefussballer
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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von seefussballer » 09.01.18, 15:15

Das heißt, das die Erbin ein weiteres mal die Steuerklasse sechs nutzt? Ihre Versorgung wird ja bereits über Steuerklasse sechs abgerechnet. Werden denn neben den Steuern auch Sozialversicherungsbeiträge fällig werden? Und wird im Wege der Einkommenssteuerfestsezung die "Fünftelregelung" Anwendung finden?

Wie ist die Rechtslage?

locarno

Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von locarno » 09.01.18, 16:26

"[...]Die Steuerabzüge für Einmalzahlungen [...] Kalenderjahr sind nach einem besonderen Berechnungsverfahren für sonstige Bezüge zu ermitteln.
Hierbei ist der Jahressteuerbetrag aus den voraussichtlichen Jahresarbeitsbezügen ohne die Einmalzahlung dem Jahressteuerbetrag aus den voraussichtlichen Jahresarbeitsbezügen mit der Einmalzahlung gegenüberzustellen. Der Differenzbetrag ergibt die Lohnsteuer, die auf die Einmalzahlung entfällt. Aus diesem Lohnsteuerbetrag errechnet sich der Solidaritätszuschlag und ggf. der Kirchensteuerabzug.[...]"

"[...]Mit diesem Berechnungsverfahren werden also die Jahresarbeitsbezüge fiktiv hochgerechnet. Da der Steuersatz mit steigenden Bezügen gleichfalls ansteigt, sind z.B. die auf eine Einmalzahlung entfallenden Steuerabzüge immer höher als der Steuerabzug für die laufenden Bezüge.[...]"

Die Hinterbliebene erhält die Bezüge also anteilig, auf die anzurechenden Jahre zurückgerechnet abzüglich der Steuerkorrektur. Sie wird so gestellt, als hätte sie in den betreffenden Jahren
die Hinterbliebenenversorgung aus einem, nun höheren, Ruhegehalt erhalten. Deshalb muss Sie auch ihre Steuermerkmale mitteilen. Mit 1/5-Regelung hat das nicht zu tun.

Auskünfte erteilt übrigens-Wer wohl? Das Finanzamt! Schon mal daran gedacht? Anruf genügt. Das Finanzamt ist seit vielen Jahren auch in der Lage gegen Gebühr rechtverbindliche Auskünfte zu geben.

Hanomag
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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von Hanomag » 09.01.18, 19:26

locarno hat geschrieben: "[...]Die Steuerabzüge für Einmalzahlungen [...] Kalenderjahr sind nach einem besonderen Berechnungsverfahren für sonstige Bezüge zu ermitteln.
Hierbei ist der Jahressteuerbetrag aus den voraussichtlichen Jahresarbeitsbezügen ohne die Einmalzahlung dem Jahressteuerbetrag aus den voraussichtlichen Jahresarbeitsbezügen mit der Einmalzahlung gegenüberzustellen. Der Differenzbetrag ergibt die Lohnsteuer, die auf die Einmalzahlung entfällt. Aus diesem Lohnsteuerbetrag errechnet sich der Solidaritätszuschlag und ggf. der Kirchensteuerabzug.[...]"
Ist hier das Einkommen des Verstorbenen gemeint? Wo ist dieses besondere Verfahren geregelt?
locarno hat geschrieben:"[...]Mit diesem Berechnungsverfahren werden also die Jahresarbeitsbezüge fiktiv hochgerechnet. Da der Steuersatz mit steigenden Bezügen gleichfalls ansteigt, sind z.B. die auf eine Einmalzahlung entfallenden Steuerabzüge immer höher als der Steuerabzug für die laufenden Bezüge.[...]"
Ausgezahlte Mehrarbeit wird immer im Jahr der Auszahlung versteuert. Warum sollte das für einen Verstorbenen anders sein?
locarno hat geschrieben:Die Hinterbliebene erhält die Bezüge also anteilig, auf die anzurechenden Jahre zurückgerechnet abzüglich der Steuerkorrektur.
Das glaube ich nicht, da müsste schon eher die Fünftelregelung greifen.
locarno hat geschrieben:Sie wird so gestellt, als hätte sie in den betreffenden Jahren
die Hinterbliebenenversorgung aus einem, nun höheren, Ruhegehalt erhalten.
Zum einen hat der Verstorbene zu dem Zeitpunkt noch gelebt und zum anderen wird bei der Berechnung des Ruhegehalt eines Beamten keine ausgezahlten Mehrarbeitsentschädigungen berücksichtigt.
locarno hat geschrieben: Mit 1/5-Regelung hat das nicht zu tun.
Nach meiner Meinung schon eher als Deine abenteuerliche Rückrechnung.
locarno hat geschrieben:Auskünfte erteilt übrigens-Wer wohl? Das Finanzamt! Schon mal daran gedacht? Anruf genügt. Das Finanzamt ist seit vielen Jahren auch in der Lage gegen Gebühr rechtverbindliche Auskünfte zu geben.
Anruf genügt eben nicht, weil eine rechtsverbindliche Auskunft schriftlich eingeholt werden muss.

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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von bavarian tax collector » 16.01.18, 18:50

locarno hat geschrieben:Das Finanzamt ist seit vielen Jahren auch in der Lage gegen Gebühr rechtverbindliche Auskünfte zu geben.
Hanomag hat geschrieben:Anruf genügt eben nicht, weil eine rechtsverbindliche Auskunft schriftlich eingeholt werden muss.
Der Anruf erübrigt sich allein schon dadurch, dass der Sachverhalt bereits verwirklicht ist! Über verwirklichte Sachverhalte ergeht keine verbindliche Auskunft, sondern es wird ausscließlich im Rahmen des Besteuerungsverfahrens darüber entschieden! Eine verbindliche Auskunft dient ausschließlich zur Planung beabsichtigter Sachverhalte!

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Hanomag hat geschrieben:Wo ist dieses besondere Verfahren geregelt?
§38a Abs.2 Satz 2 EStG.

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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von hambre » 17.01.18, 00:25

Locarno hat geschrieben:Die Hinterbliebene erhält die Bezüge also anteilig, auf die anzurechenden Jahre zurückgerechnet abzüglich der Steuerkorrektur. Sie wird so gestellt, als hätte sie in den betreffenden Jahren die Hinterbliebenenversorgung aus einem, nun höheren, Ruhegehalt erhalten.
Das ist eine grobe Fehlinterpretation der gesetzlichen Regelung im § 38a Abs. 3 Satz 2 EStG.
Da wird nichts auf die vergangenen Jahre zurückgerechnet.

Da es sich um einen Bezug für mehrere Jahre handelt (§ 34 Abs. 2 Nr. 4 EStG), wird die 1/5-Regelung angewendet.
Das heißt, das die Erbin ein weiteres mal die Steuerklasse sechs nutzt?
Ja

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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von Hanomag » 17.01.18, 11:22

bavarian tax collector hat geschrieben:
Hanomag hat geschrieben:Wo ist dieses besondere Verfahren geregelt?
§38a Abs.2 Satz 2 EStG.

taxpert
Ich hätte das in § 38a Abs. 3 Satz 2 EStG beschriebene Verfahren nicht als ein Besonderes eingestuft, daher meine erstaunte Nachfrage.

seefussballer
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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von seefussballer » 27.04.18, 21:21

Aktuell ist eine Verdienstabrechnung für Mai 2018 gekommen, so als würde die Erbin vom 01.05.-31.05. dort beschäftigt sein. Der nachzuzahlende Betrag ist als Einmalzahlung ausgewiesen, darauf sind Lohnsteuer, Solidaritätssteuer und Kirchensteuer, jeweils "aus sonstigem Bezug", ausgewiesen. Eine testweise Eingabe dieser Daten in die Steuererklärung 2016 würde eine weitere Steuerzahlung in etwa gleicher Höhe wie auf dieser Verdienstabrechnung ergeben. Wie kann diese Nachzahlung in der im folgenden Frühjahr zu fertigenden Steuererklärung optimiert werden?

Wie ist die Rechtslage?

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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von margarete » 28.04.18, 10:13

gar nichts kann da optimiert werden: es wird 2018 versteuert und je nach Höhe der anderen Einkünfte kann es eine Erstattung oder eine Nachzahlung geben!
Das Geld wurde doch zusätzlich - unerwartet - ausgezahlt - freuen Sie sich darüber!

M.

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Re: Freiwilliger Ausgleich von Mehrarbeit, Zahlung an Erben

Beitrag von seefussballer » 09.08.19, 12:29

Es wurde die Steuererklärung für 2018 gefertigt, inklusive der genannten Zahlung, hierzu lag ein Ausdruck der elektronischen Lohnsteuerbescheinigung vor. Nun wurde der Bescheid zugestellt. Die erklärte Zahlung taucht darin gar nicht auf, obwohl erklärt. Hiedurch ist die Steuererstattung vierstellig höher als vom eigenem Programm berechnet. Was nun? Da anrufen und schlafende Hunde wecken? Wie lange kann das Finanzamt sich noch melden? Unserseits wurde kein Fehler gemacht.

Wie ist die Rechtslage?

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