Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

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tertius
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Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von tertius » 22.01.18, 21:49

Nehmen wir folgenden Fall an:
Jemand möchte seinem besten Freund im Testament etwas vermachen: "Mein Freund Max Mustermann darf sich von meinem Besitz heraussuchen was er möchte und darf dies behalten"

Der Testamentinhaber hat keine großen Werte und Besitztümer (Grundstücke, Immobilien, Geldanlagen usw). Hier geht es vor allem um Gegenstände aus dem Haushalt, also dem persönlichen Besitz.

Wie könnte man diesen Wunsch am besten formulieren? Und was geschieht mit dem Rest der Habseligkeiten (es gibt einen Bruder, der aber kein Interesse haben wird)? Wer bezahlt die Beerdigung usw? Wichtig ist nur das der Freund nicht damit belastet wird.

Ich sag schon mal, danke für eure Hilfe.

hambre
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von hambre » 22.01.18, 22:02

Wichtig ist nur das der Freund nicht damit belastet wird.
Es muss aber genug übrig bleiben, damit die Beerdigungskosten bezahlt werden können. Andernfalls muss so ein Vermächtnis nicht erfüllt werden.

Im Übrigen ist mir auch nicht klar, wie ein dermaßen unbestimmtes Vermächtnis zu werten wäre.

SusanneBerlin
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von SusanneBerlin » 22.01.18, 23:58

Wie könnte man diesen Wunsch am besten formulieren?
Hier passt § 2154 BGB: Wahlvermächnis. Es wäre evtl. besser, einige Gegenstände aufzuzählen, aus denen sich der Bedachte einen Gegenstand aussuchen darf.
BGB hat geschrieben:§ 2154 Wahlvermächtnis
(1) Der Erblasser kann ein Vermächtnis in der Art anordnen, dass der Bedachte von mehreren Gegenständen nur den einen oder den anderen erhalten soll. Ist in einem solchen Falle die Wahl einem Dritten übertragen, so erfolgt sie durch Erklärung gegenüber dem Beschwerten.
(2) Kann der Dritte die Wahl nicht treffen, so geht das Wahlrecht auf den Beschwerten über. Die Vorschrift des § 2151 Abs. 3 Satz 2 findet entsprechende Anwendung.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von matthias. » 23.01.18, 08:16

tertius hat geschrieben:
Wie könnte man diesen Wunsch am besten formulieren? Und was geschieht mit dem Rest der Habseligkeiten (es gibt einen Bruder, der aber kein Interesse haben wird)? Wer bezahlt die Beerdigung usw?

Es gibt als Verwandte nur noch den Bruder?
Keine Eltern mehr? Der Erblasser ist nicht verheiratet und hat keine Kinder?

SusanneBerlin
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von SusanneBerlin » 23.01.18, 08:42

Wenn ich mir den Eingangsbeitrag nochmal ansehe, liest sich das so als hätte der Erblasser in spe außer dem Hausrat nichts zu vererben, keine Ersparnisse und kein sonstiges Vermögen. Den Hausrat will er seinem besten Freund vermachen (der soll aber nicht alles ausräumen müssen, sondern sich nur nehmen dürfen was er möchte), der Bruder hätte kein Interesse daran.

Nun ist es so, dass der Bruder als nächster Verwandter trotzdem die Beerdigung ausrichten müsste und die entsprechenden Kosten zahlen müsste.

Der Freund, als der einzige Begünstigte im Testament wäre dann als Alleinerbe anzusehen. Der Bruder könnte dann einen Teil der Beerdigungskosten, in der Höhe wie der Nachlass werthaltig war, vom Erben verlangen.

Da der Erblasser zur Miete wohnt, müsste sich der Erbe auch noch um die Wohnungsauflösung kümmern, die Wohnung kündigen und 3 Monatsmieten bis zum Ende des Mietverhältnisses zahlen. Er bekommt zwar dann die Kaution wenn er die Wohnung mängelfrei an den Vermieter übergibt, hat dafür aber evtl. die Kosten der Schönheitsrenovierung zu tragen.

Alles in allem, dürfte das ein Minusgeschäft für den testamentarisch bedachten besten Freund sein und er ist besser dran, wenn er das Erbe ausschlägt.

Eine Möglichkeit könnte noch sein, den Bruder als Erben einzusetzen mit der Bestimmung, dem besten Freund bestimmte Gegenstände als Vermächtnis herauszugeben. Dann könnte der Bruder aber die Herausgabe des Vermächtnisses ablehnen, wenn der positive Nachlass nicht werthaltig genug ist um die Beerdigungskosten zu decken.
Zuletzt geändert von SusanneBerlin am 23.01.18, 09:01, insgesamt 1-mal geändert.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von matthias. » 23.01.18, 08:51

SusanneBerlin hat geschrieben:Wenn ich mir den Eingangsbeitrag nochmal ansehe, liest sich das so als hätte der Erblasser in spe außer dem Hausrat nichts zu vererben, keine Ersparnisse und kein sonstiges Vermögen. Den Hausrat will er seinem besten Freund vermachen, der Bruder hätte kein Interesse daran.
Ich verstehe es so, dass der Erblasser es so regeln will, dass er sich einen Gegendstand raussuchen darf.
Z.b. den Fernseher.

Wobei es dann halt schon losgeht, wie hambre sagt:
Er sucht sich im Grunde den wertvollsten Gegenstand raus, der überhaupt noch zu Geld zu machen wäre und dann reicht der Rest nicht für die Beerdigung. Dann dürfte er sich auch den Fernseher nicht nehmen.

Wenn er sich ein Foto oder ein Fotoalbum nimmt dürfte es dagegen unproblematisch sein oder der OP ist Hobbykoch und er nimmt sich den Römertopf als Erinnerung an viele schöne Abendessen gemeinsam :-)

tertius
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von tertius » 23.01.18, 22:09

Nein, der Freund kann sich so viel heraussuchen wie er möchte.

Ja der Erblasser wohnt zur Miete, ist nicht verheiratet, keine Kinder usw. Nur der Bruder. Eltern unbekannt.
Der Bruder lebt von Harz4 also kann auch keine Beerdigung bezahlen.

Das an den Freund ist ein Vermächtnis oder? somit hat er nicht die pflichten eines erbes oder?

SusanneBerlin
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von SusanneBerlin » 23.01.18, 22:17

Und wer soll das Vermächtnis herausgeben, wenn es keinen Erben gibt?
Der Vermächtnisnehmer hat kein Recht nach dem Tod des Erblassers in die Wohnung zu gehen und sich die Sachen selbst zu nehmen. Er muss sich an den Erben wenden.
Grüße, Susanne

matthias.
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von matthias. » 25.01.18, 15:37

tertius hat geschrieben:
Das an den Freund ist ein Vermächtnis oder? somit hat er nicht die pflichten eines erbes oder?

Richtig er hat nicht die Pflichten eines Erben, er bekommt aber trotzdem nichts, wenn die Verwertung der Hinterlassenschaft nicht min. die Beerdigungskosten erbringen.

Wie gesagt er kann sich nicht die Rosinen rauspicken und irgendwer (Staat,Bruder) bleibt auf den Beerdigungskosten sitzen.

tertius
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von tertius » 25.01.18, 18:47

SusanneBerlin hat geschrieben:Und wer soll das Vermächtnis herausgeben, wenn es keinen Erben gibt?
Der Vermächtnisnehmer hat kein Recht nach dem Tod des Erblassers in die Wohnung zu gehen und sich die Sachen selbst zu nehmen. Er muss sich an den Erben wenden.
Das ist eine interessante Info die in diesem Fall nicht beachtet wurde. Heißt also, der Bruder wird als Erbe eingesetzt (oder ist es automatisch) und der Freund bekommt dann über den Bruder das Vermächtnis? Also müsste der Freund das Vermächtnis beim Bruder abholen? Das wäre in diesem Fall sehr umständlich da der Freund im selben Ort wohnt und der Brudet mehrere hundert Kilometer weit weg.
Richtig er hat nicht die Pflichten eines Erben, er bekommt aber trotzdem nichts, wenn die Verwertung der Hinterlassenschaft nicht min. die Beerdigungskosten erbringen.
Achso. Heißt also zuerst werden die Beerdigungskosten gedeckt durch Vermögen oder notfalls durch den Verkauf von Habseligkeiten? Und wenn selbst im Haushalt nicht wirklich was wervolles ist?

SusanneBerlin
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Re: Im Testament Freund beeerben, auf was achten?

Beitrag von SusanneBerlin » 25.01.18, 21:48

Also müsste der Freund das Vermächtnis beim Bruder abholen? Das wäre in diesem Fall sehr umständlich da der Freund im selben Ort wohnt und der Brudet mehrere hundert Kilometer weit weg.
Der Vermächtnisnehmer muss sich wegen der Herausgabe des Vermächtnisses an den Erben wenden.
Dass er das unpraktisch empfindet, ändert nichts daran, dass die Rechtslage nun mal so ist.

Stimmt, der Bruder könnte auch (automatisch) durch die gesetzliche Erbfolge zum Erben werden, wenn im Testament nur ein Vermächtnis an den besten Freund steht, aber nicht im Testament steht, wer Erbe werden soll.
Grüße, Susanne

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