Paket vor die Haustür gestellt

Rechtsgeschäfte des täglichen Lebens, Kaufrecht für Käufer und Verkäufer, Werkvertragsrecht

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Dirina
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Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von Dirina » 14.02.18, 14:23

Hallo Zusammen,

folgender, konstruierter Fall:

Person A hat über Internet Ware gekauft. Händer B hat diese über Dienstleister C liefern lassen. Dienstleister C hat das Paket mit der Ware in einem Mehrparteienhaus beim Nachbarn D abgegeben. Nachbar D hat das Paket dann vor die Wohnungstür von A gelegt.

Als A am selben Abend nach Hause kam, war weder eine Mitteilung im Briefkasten, noch ein Paket vor der Tür. Einzug die online-Sendungsverfolgung teilte mit, dass das Paket zugestellt (Ohne konkreten Empfänger) war.
Nach mehreren Telefonaten konnte A den Ablauf so rekonstruieren und geht nun davon aus, dass das Paket vor der Haustür gestohlen wurde.

Nun möchte A den Schaden ersetzt haben.
Händler B sagt, er habe vom Dienstleister C die Zustellungsbescheinigung und ist somit nicht mehr haftbar. Der Gefahrenübergang erfolge mit der Zustellung.
Dienstleister C sagt, er habe es entsprechend seinen AGBs an einen Nachbarn ersatzzugestellt, seinen Auftrag damit erfüllt und ist somit nicht mehr haftbar.
Nahcbar D sagt, er habe keinen Vertrag mit A geschlossen und das Paket nur aus Nettigkeit angenommen. Deshalb könne A ihn nicht belangen, allerhöchstens C, bei dem er die Annahme unterschrieben habe.

An wen müsste A sich nun wenden um die Ware ersetzt zu bekommen?

FelixSt
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von FelixSt » 14.02.18, 14:52

Tja, wer hat das Paket denn zunächst in Obhut genommen, dafür sogar unterschrieben, dann aber fahrlässigerweise so abgestellt, dass es geklaut werden konnte? Mal scharf nachdenken...

Dirina
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von Dirina » 14.02.18, 15:08

Aber kann A die betreffende Person überhaupt belangen? Immerhin exisitiert ja tatsächlich kein Vertragsverhältnis und soweit ich weiß ist eine Gefälligkeitsleistung nicht einklagbar, oder?

freemont
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von freemont » 14.02.18, 15:20

Dirina hat geschrieben:...

An wen müsste A sich nun wenden um die Ware ersetzt zu bekommen?

A hat ja keinen Vertrag mit dem Paketdienst. dessen AGB sind für ihn irrelevant. Ihm wurde die Ware nicht zugestellt. Der Verkäufer ist vermutlich ein Unternehmer, d.h. er trägt die Transportgefahr. Wenn die Ware nicht dem Käufer zugestellt wurde, kann er sie entweder noch mal (kostenlos) lieferm oder er muss den Kaufpreis zurückzahlen.

Er, der Verkäufer kann dann versuchen beim Nachbarn seinen Schaden ersetzt zu bekommen. Ein Gefälligkeitsschuldverhältnis heisst nicht Narrenfreiheit. Wenn das Päckchen offen ausgelegt wurde, ist das mindestens grob fahrlässig, wenn es dann verschwindet. Da besteht höchstwahrscheinlich eine Haftung, Gefälligkeit hin oder her. Aber formal hat der Verkäufer, nicht A den Schaden und damit auch den Schadesersatzanspruch gegen den Nachbarn.

lottchen
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von lottchen » 14.02.18, 15:29

D darf das Paket nicht annehmen wenn er es nicht sicher verwahren kann/will. Klar muss er dann dafür haften wenn er es irgendwohin schmeißt wo jeder Fremde ran kommt.
A muss sich aber erst mal an Händler B wenden. Der schuldet ihm die Ware, die er bestellt hat. B kann dann versuchen, sich an C oder D schadlos zu halten. Das ist aber nicht mehr das Problem von A.

Dirina
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von Dirina » 15.02.18, 10:03

Vielen Dank für die Antworten

webmaster76
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von webmaster76 » 16.02.18, 09:18

Der Transportdienstleister wird sich von D eine Unterschrift geholt haben.

C ist damit aus der Nummer raus. A kann belegen, dass ihm das Paket nicht zugegangen ist und von B entweder eine Ersatzlieferung oder die Rückerstattung des Kaufpreises verlangen. B muss sich dann mit D auseinandersetzen.

D könnte tatsächlich das Paket vor die Haustüre gestellt haben. Er könnte sich aber auch über das "Geschenk" gefreut und es behalten haben. So oder so, solange er die Übergabe des Pakets an A nicht belegen kann, hat er den schwarzen Peter, Gefälligkeit hin oder her.

Stellt sich die Frage, wie hoch der Schaden ist und ob es sich lohnt, deswegen einen Nachbarschaftsstreit vom Zaun zu brechen. In Zukunft könnte sich A seine Waren an eine Paketstation oder einen Paketshop schicken lassen, damit kann man solche Probleme umgehen.

freemont
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von freemont » 16.02.18, 09:33

webmaster76 hat geschrieben:...
C ist damit aus der Nummer raus. A kann belegen, dass ihm das Paket nicht zugegangen ist und von B entweder eine Ersatzlieferung oder die Rückerstattung des Kaufpreises verlangen.
...

Nein, das ist ein verbreiteter Irrtum. Vor allem, wenn ein Schnäppchen verloren gegangen ist, wird das relevant.

Wenn die Ware auf dem Transport verloren geht, muss der Verkäufer nicht erneut liefern. Auch der gewerbliche Verkäufer nicht. Nach der Konkretisierung auf die versandte Ware liegt eine Stückschuld vor. Wenn die Ware dann unterwegs verloren geht, zerstört oder beschädigt wird, ist dem Verkäufer die Erfüllung des Kaufvertrages unmöglich.

Er wird von seiner Leistungspflicht frei, muss allerdings den Kaufpreis zurückzahlen, bzw. verliert den Zahlungsanspruch. So regelt das 326 BGB:
(1) Braucht der Schuldner nach § 275 Abs. 1 bis 3 nicht zu leisten, entfällt der Anspruch auf die Gegenleistung; ...
(4) Soweit die nach dieser Vorschrift nicht geschuldete Gegenleistung bewirkt ist, kann das Geleistete nach den §§ 346 bis 348 zurückgefordert werden.
...

Dirina
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Re: Paket vor die Haustür gestellt

Beitrag von Dirina » 22.02.18, 12:46

Im konkreten Fall hat Händler B nun die Ware erneut geschickt.

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