Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Recht in der Ehe, eheliches Güterrecht, Adoptionsrecht, Kinderrechte, Sorgerecht, Unterhaltsrecht, Recht des Versorgungsausgleichs

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Olihase
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Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Olihase » 23.02.18, 18:55

Hallo,
folgender annehmender Fall liegt zugrunde:

Kindsvater und Kindsmutter seit 7 Jahren getrennt, Kind wird im März acht Jahre alt. Bisheriger Umgang - ohne Gericht vereinbart und geregelt - alle zwei Wochen (Fr. 14 Uhr bis So. 15 Uhr) sowie hälftig die Ferien. Einfache Entfernung 203km (2.19h). Alles bisher in gutem Einvernehmen.

Kindsvater, leitende Funktion im Bereich Schule, muss ab September Freitags bis 17 Uhr arbeiten und argumentiert, dass durch die Entfernung und zeitlichen Dauer die 14tägige Regelung nicht mehr möglich sei (Freitag 17 Uhr los, 19.15 Uhr ankommen, Übergabe, Rückfahrt 19.30, zuhause ankommen um 21.45 Uhr - schlafen - Samstag ganztags mit übernachten - Sonntag 13 Uhr zurückfahren). Es bleiben bei 406 km und insgesamt über 9 Stunden Fahrtzeit faktisch 1,5 Tage. Ferien können natürlich weiterhin so bleiben.

Kindsmutter argumentiert, sie hat alle 14 Tage Schichtdienst im Krankenhaus und kann Betreuung während dessen nicht übernehmen. Sie beansprucht daher, dass der Kindsvater die anfallenden Kosten für die Kosten einer entsprechenden Kinderbetreuung vollständig zusätzlich zum monatlichen Unterhalt übernimmt.

Ist eine derartige Forderung der Kindsmutter Dolch einer finanziellen Kostenübernahme rechtens?
Kann die Kindsmutter einfordern, dass der 14 tätige Umgang weiterhin so bestehen bleibt, auch wenn - die Rahmenbedingungen der Entfernung und Zeit so sind wie beschrieben?
Wie könnte dies vor einem Familiengericht entschieden werden?

Herzlichen Dank!

Hertha1892
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Hertha1892 » 24.02.18, 09:43

Mal ungeachtet der rechtlichen Frage. Gibt es keine Alternativen wie zB begleitetes Fahren mit der Bahn? Dann könnte die Tochter nach 17 Uhr an der Bahnhofsmission übernommen werden.

Oder der KV fährt in den Ort des Kindes und nimmt sich dort statt wieder zurück zu fahren ein Pensionszimmer wo er mit dem Kind den Umgang verbringt. Wenn er in einer Schule tätig ist, könnte der Plan in einem halben Jahr schon wieder anders aussehen.

Für die Betreuungskosten wegen der Arbeit ist der Betreuungselternteil zuständig.Es gibt auch kein Mindestmaß an Umgang, den der Umgangselternteil wahrnehmen muss, um nicht für die Kosten zuständig zu sein. KM könnte natürlich versuchen, den Umgang einzuklagen.

Wer ist eigentlich für die Entfernung verantwortlich?

Grüße Hertha1892

SusanneBerlin
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von SusanneBerlin » 24.02.18, 09:52

Oder mit dem Kind Bahnfahren, dabei kann man immerhin spielen oder sich unterhalten, eben die Aufmerksamkeit dem Kind zuwenden, was beim autofahren nicht möglich ist. Da haben beide mehr davon als die Zeit im Auto zu verbringen.
Grüße, Susanne

Chavah
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Chavah » 24.02.18, 10:22

Ich hab einen anderen Ansatzpunkt. Ist es wirklich sinnvoll, mit dem Kindeswohl zu vereinbaren, diese doch große Strapaze auf sich zu nehmen für ein paar Stunden der Gemeinsamkeit? Oder ist es für das Kind Stress pur? Auch dem Rat, sich irgendwo einzumieten kann ich nicht nachvollziehen. Das Kind soll soweit möglich am Alltag des Vaters teilnehmen und ihn nicht in einer Pension besuchen.

Ich würde mir überlegen, ob es nicht möglich ist, die Zeit des Zusammenseins (abgesehen von den Ferien) völlig anders zu gestalten. Also, seltener und dafür länger. Das sollte auch für einen Pauker möglich sein. Umgangsregelungen sind immer, wirklich immer nur Regelungen auf Zeit. Die Bedürfnisse der Kinder ändern sich, auch die der Eltern. Und vom Grundsatz her gilt doch immer noch, dass das Elternteil, bei dem das Kind lebt, letztlich auch die Betreuung sicherstellen muss. Schön, wenn das andere Elternteil darauf eingehen kann. Aber, ein Anspruch besteht insoweit nicht.

Chavah

Hertha1892
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Hertha1892 » 24.02.18, 11:40

Das Kind ist ja schulpflichtig. Blieben nur die Ferien, die nicht mal gleich sein müssen, wenn das zwei verschiedene Bundesländer sind.

Klar sollte das Kind am Leben des Vaters teilnehmen. Aber wenn das zeitlich nicht so funktioniert wäre es doch besser einen solchen Kontakt zu haben als gar keinen über lange Zeit.

Grüße Hertha1892

Chavah
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Chavah » 24.02.18, 13:01

Wieso lange Zeit? Bei 12 Wochen Ferien im Jahr, zusätzlich Brückentage u.s.w. sollte es doch möglich sein, eine vernünftige Lösung zu finden. Was soll der Vater mit dem Kind in irgendeiner Absteige unternehmen? Da fehlt mir die Fantasie, ehrlich. Mal sehen, das ist doch nix, kein Selbstzweck, dass die Betroffenen nicht vergessen, wie der andere aussieht. Entspricht weder Kindes- noch Elternwohl.

Chavah

Olihase
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Olihase » 24.02.18, 17:42

Hertha1892 hat geschrieben:Mal ungeachtet der rechtlichen Frage. Gibt es keine Alternativen wie zB begleitetes Fahren mit der Bahn? Dann könnte die Tochter nach 17 Uhr an der Bahnhofsmission übernommen werden.

Oder der KV fährt in den Ort des Kindes und nimmt sich dort statt wieder zurück zu fahren ein Pensionszimmer wo er mit dem Kind den Umgang verbringt. Wenn er in einer Schule tätig ist, könnte der Plan in einem halben Jahr schon wieder anders aussehen.

Für die Betreuungskosten wegen der Arbeit ist der Betreuungselternteil zuständig.Es gibt auch kein Mindestmaß an Umgang, den der Umgangselternteil wahrnehmen muss, um nicht für die Kosten zuständig zu sein. KM könnte natürlich versuchen, den Umgang einzuklagen.

Wer ist eigentlich für die Entfernung verantwortlich?

Grüße Hertha1892
Bahnfahren ist leider nicht realistisch. Keine Bahnverbindung, die nächste ca. 30km weiter vom Wohnort des Kindes. Kindsmutter möchte nicht "entgegenfahren".

Die Zeit ist festgelegt auf das komplette Schuljahr, da der Kindsvater der Schulleiter ist.

Die Kindsmutter zog vor 7 Jahren mit dem Kind eigenverantwortlich weg.
Hertha1892 hat geschrieben:Das Kind ist ja schulpflichtig. Blieben nur die Ferien, die nicht mal gleich sein müssen, wenn das zwei verschiedene Bundesländer sind.

Klar sollte das Kind am Leben des Vaters teilnehmen. Aber wenn das zeitlich nicht so funktioniert wäre es doch besser einen solchen Kontakt zu haben als gar keinen über lange Zeit.

Grüße Hertha1892
Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, da sind die Schulferien gleich.

Könnte man solch etwas tatsächlich einklagen, wo ist da das Kindes- und/oder Elternwohl, wenn man bei dieser Entfernung und Zeit Spätabends nach Hause kommt, einen Tag miteinander verbringt und dann mittags wieder zurückfährt? Eine Lösung einmal monatlich sowie in den Ferien halte ich für sinnvoll und durchführbar.
Ist eine derartige Forderung der Kindsmutter solch einer finanziellen Kostenübernahme durch jemand anderen, wenn der Vater die 14 Tage nicht durchführen kann, rechtens?

Hertha1892
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Re: Frage zur finanziellen Übernahme bei Besuchsrecht

Beitrag von Hertha1892 » 24.02.18, 20:34

Na wenn die KM will, dass das Kind weiterhin zum Umgang fährt, wird sie wohl die 30km fahren müssen. Ist doch ein prima Verhandlungsargument. Und die Umgangsklage, die sie auf Grund der geschaffenen Entfernung tragen müsste, kann sie wunderbar in die Betreuung investieren.

Grüße Hertha1892

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