Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

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Sati84
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Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Sati84 » 10.06.18, 20:31

Hallo,

Ich bin hier neu und hätte gerne die Rechtslage geklärt.

Wir haben beim Tischler eine Holztür anfertigen lassen. Dazu haben wir mit ihm persönlich sowie über das Internet Beispielbilder zugesendet und besprochen. Daraufhin haben wir mehrere Computerzeichnungen (Skizzen) erhalten und abgesegnet. Eine (Vertrags) Unterschrift wurde nie geleistet.

Nach Fertigstellung der Lackierung wurden uns diese Bilder zugesendet. Dort war die Tür noch nicht fertig montiert. Es sah für uns so aus als würden noch diverse Zierleisten fehlen.

Nach ca. 2 Wochen haben wir die fertig gestellte Tür besichtigt welche uns nun gar nicht gefällt da diese einen vollkommen anderen Stil hat als die von uns gelieferten Beispieltüren.

Allein aus der Computerskizze war es für uns nicht möglich zu erkennen dass die Tür nicht dem besprochenen Stil entspricht. Der Tischler kann/will die Tür nicht unserer Vorstellung nach verändern.

Soweit ich es beurteilen kann, muss man dem Tischler eine Ausbesserungsmöglichkeit zugestehen welcher er jedoch nicht nachkommen kann/will.

Da wir zudem keinen Vertrag unterschrieben haben jedoch mit ihm in Schriftverkehr (amerikanischer Messenger) standen, ist für mich die Rechtslage unklar.

Können Sie mir hier die Rechtslage erörtern?

Vielen Dank im Voraus,

Sati84

SusanneBerlin
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von SusanneBerlin » 10.06.18, 20:49

Hallo,

ein schriftlicher Vertrag ist entbehrlich, wenn aus der Internet- und Messenger-Kommunikation hervorgeht, dass der Tischler beauftragt war eine Tür anzufertigen.

Die strittige Frage ist "nur", was genau beauftragt wurde und ob die Tür dem entspricht was bestellt wurde.
Grüße, Susanne

Sati84
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Sati84 » 10.06.18, 21:07

Danke Susanne für die sehr schnelle Antwort :)

Es wurde eine Tür in Landhausstil bestellt mit filigranen Sprossen. Geliefert wurde eine Tür mit breiten glatten Sprossen, sehr modern wirkend.

Das ist so aber nicht schriftlich festgehalten. Als Beispiel hat der Tischler zwei Bilder erhalten nach denen er sich richten sollte. Die Tür entspricht beiden Türen nicht.

ktown
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von ktown » 10.06.18, 21:22

Wenn
Sati84 hat geschrieben:Allein aus der Computerskizze war es für uns nicht möglich zu erkennen dass die Tür nicht dem besprochenen Stil entspricht.
wieso hat man dann diese Ausführungsart dann freigegeben?
Sati84 hat geschrieben:Daraufhin haben wir mehrere Computerzeichnungen (Skizzen) erhalten und abgesegnet.

Nach dem bisher beschriebenen, hat der Schreiner genau das gebaut, was er wohl als Werkstattzeichnung dem Auftraggeber vorgelegt hat.
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FM
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von FM » 10.06.18, 21:52

Wenn es nur um einige fehlende Zierleisten geht, wird sich das wohl leicht lösen lassen. Geht es bei dem Streit vielleicht eher darum, was das kostet?

Etienne777
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Etienne777 » 11.06.18, 11:34

Eine "Beispieltür" dürfte als grobe Vorstellung dessen zu betrachten sein, was dem Kunden ungefähr vorschwebt. Der Tischler hat dem Kunden dann Computerskizzen als seinen Entwurf oder sogar Gegenentwurf (zur Beispieltür) überlassen und damit eine bestimmte Ausführung angeboten. Diese Ausführung hat der Kunde durch Erteilung des Auftrags offensichtlich genehmigt.

Der spätere Einwand, daß der Kunde aus der Computerskizze nicht in der Lage gewesen sei zu erkennen, daß die vom Tischler angebotene Tür nicht seinen Vorstellungen entspricht, greift meiner Meinung nach nicht durch. Wenn ein Kunde mit solch einer Computerskizze nichts anzufangen weiß, dann erteilt man eben keinen Auftrag oder man läßt sich von dem Tischler entsprechende Mustertüren in Natur zeigen.

Jedenfalls genügt es wenn die gefertigte Tür dem entspricht, was die vom Kunden genehmigte Computerskizze angeboten hat. Ggf. müßte ein Sachverständiger prüfen, ob die gefertigte Tür der Skizze des Tischlers entspricht, ist das der Fall, hat der Kunde nur Anspruch auf genau diese Ausführung.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

Froggel
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Froggel » 11.06.18, 13:35

Sati84 hat geschrieben:Es wurde eine Tür in Landhausstil bestellt mit filigranen Sprossen. Geliefert wurde eine Tür mit breiten glatten Sprossen, sehr modern wirkend.
Ich nehme mal an, dass auf der Computerskizze nur Sprossen an sich zu erkennen waren, nicht jedoch die Breite bzw. Machart. Dann konnte der Kunde natürlich nicht erkennen, wie die Sprossen nach Fertigstellung aussehen. Wenn filigrane Sprossen gefordert wurden und das auch so kommuniziert wurde, muss der Tischler nacharbeiten. Wenn es nicht so besprochen wurde, dann hat der Kunde Pech gehabt.
Ich bin kein Jurist.
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Etienne777
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Etienne777 » 11.06.18, 13:52

Die Sprossenbreite läßt sich sehr wohl aus einer Skizze erkennen, schließlich besteht die Sprosse dort nicht lediglich aus einem einzelnen Strich.
Aus technischen Gründen befindet sich die Signatur
auf der Rückseite dieses Beitrags.

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von lottchen » 11.06.18, 14:16

Die Computerzeichnungen (Skizzen) waren nicht maßstabsgerecht? Nicht bemaßt? Das sollte mich wundern, wäre total unüblich, dann hätte ja auch eine Handskizze gereicht. Wenn ich das Ganze schon im Computer zeichne lege ich doch einen Maßstab fest. Und dann ist die Breite der Sprossen sehr wohl erkennbar und meßbar (wenn die Zeichnung selber nicht bemaßt sein sollte).
Ich empfehle, Beiträge unserer Forentrolle BäckerHD, FelixSt und Dieter_Meisenkaiser konsequent zu ignorieren!

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von ktown » 11.06.18, 16:23

Selbst wenn keine Maße drin waren. Ich kann nicht sagen
Sati84 hat geschrieben:Allein aus der Computerskizze war es für uns nicht möglich zu erkennen dass die Tür nicht dem besprochenen Stil entspricht.
und dann doch den Auftrag auf Basis dieser Zeichungen frei zu geben.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Evariste » 11.06.18, 18:07

ktown hat geschrieben:Selbst wenn keine Maße drin waren. Ich kann nicht sagen
Sati84 hat geschrieben:Allein aus der Computerskizze war es für uns nicht möglich zu erkennen dass die Tür nicht dem besprochenen Stil entspricht.
und dann doch den Auftrag auf Basis dieser Zeichungen frei zu geben.
Schwierig. Der TE als Normalverbraucher weiß nicht, was in so einer Skizze alles enthalten sein muss bzw. wie sie zu lesen ist. Er muss sich auf den Handwerker verlassen, dass dieser korrekt arbeitet, dazu gehört auch eine korrekte Beratung und das Erfassen der Kündenwünsche.

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von ktown » 11.06.18, 19:53

Evariste hat geschrieben:Der TE als Normalverbraucher weiß nicht, was in so einer Skizze alles enthalten sein muss bzw. wie sie zu lesen ist.
Dann gibt man nichts frei, was man nicht versteht.
Evariste hat geschrieben:Er muss sich auf den Handwerker verlassen, dass dieser korrekt arbeitet
Also ich sehe derzeit keine unkorrekte Arbeit.
Evariste hat geschrieben:dazu gehört auch eine korrekte Beratung und das Erfassen der Kündenwünsche
diesem wurde er gerecht, indem eine Werkstattzeichnung erstellt und nicht gleich drauflosgearbeitet wurde.
Das hier ein Missverständnis vorlag ist unverkennbar, nur wenn der Kunde nicht den Mund aufmacht bei vollkommenem Unverständnis der Zeichnungen, dann kann das dem Handwerker schwer angelastet werden.
Oder soll der Handwerker auch noch hellseherische Fähigkeiten haben und wissen, was in dessen Birne vor sich geht?
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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Evariste » 11.06.18, 21:20

ktown hat geschrieben:
Evariste hat geschrieben:Der TE als Normalverbraucher weiß nicht, was in so einer Skizze alles enthalten sein muss bzw. wie sie zu lesen ist.
Dann gibt man nichts frei, was man nicht versteht.
Dann hätte der Handwerker ein größeres Problem, denn die Aussage "... weiß nicht, was in so einer Skizze alles enthalten sein muss bzw. wie sie zu lesen ist." gilt sicher für die große Mehrheit der Kunden. Nach Ihrer Vorstellung dürften also alle diese Kunden keine Freigabe erteilen, der Handwerker könnte mit diesen Kunden kein Geschäft machen. Oder wie meinen Sie das?
diesem wurde er gerecht, indem eine Werkstattzeichnung erstellt und nicht gleich drauflosgearbeitet wurde.
Offensichtlich wurde die Werkstattzeichnung aber nicht ausreichend erläutert...

Rein rechtlich, es wurden vom Kunden Beispielbilder geliefert und auch mit dem Tischler besprochen. Dann kann der Kunde davon ausgehen, dass das, was besprochen wurde, eine zugesicherte Eigenschaft der Tür ist. Die Skizze mag man als abweichendes Angebot interpretieren, das der Kunde angenommen hat. Dann muss sich der Kunde aber auch dessen bewusst sein, dass hier eine Abweichung vorliegt - das war er ganz offensichtlich nicht. M. E. hat hier der Unternehmer eine Aufklärungspflicht, wenn sein Kunde ein Endverbraucher ist.

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von ktown » 11.06.18, 22:07

Evariste hat geschrieben:Dann hätte der Handwerker ein größeres Problem, denn die Aussage "... weiß nicht, was in so einer Skizze alles enthalten sein muss bzw. wie sie zu lesen ist." gilt sicher für die große Mehrheit der Kunden. Nach Ihrer Vorstellung dürften also alle diese Kunden keine Freigabe erteilen, der Handwerker könnte mit diesen Kunden kein Geschäft machen. Oder wie meinen Sie das?
Wenn die Kundschaft letztlich nur aus solchen bestehen würde, denen die Fähigkeit fehlt bildliche Zeichnungen zu interpretieren und sich eine Meinung dazu zu bilden und dies auch kund tun.....ja dann hat der Handwerker ein Probleme und würde vermutlich jämmerlich zugrunde gehen. Glücklicherweise ist diese Gruppe recht klein, da sie durch den Personenkreis ausdünnt wird, die mutig nach vorne treten und sagen: "das sieht aber nicht so aus wie ich das will.....oder.... wie muss ich mir das mit der Sprossenbreit vorstellen?
Evariste hat geschrieben:Offensichtlich wurde die Werkstattzeichnung aber nicht ausreichend erläutert
Also muss er doch hellseherische Fähigkeiten haben. Oder woher sollte er wissen, dass der Kunde sie nicht versteht?
Evariste hat geschrieben:M. E. hat hier der Unternehmer eine Aufklärungspflicht, wenn sein Kunde ein Endverbraucher ist.
Auf welcher Grundlage?

Sie glauben gar nicht, wieviele Bauherrn bei mir ins Büro gekommen sind mit Beispielbildern einer 300m² Villa einer Fertighausfirma und sagten: Ich will das aber mit nur 110m². Da werden Skizzen und Entwurfszeichnungen gemacht, wie man sich das vorstellt zum Umsetzen. Wenn da der Bauherr nicht den Mund aufmacht und sagt, was ihm an den Entwurfszeichnungen nicht gefällt, dann bekäme er den als erstes erstellten Entwurf als Haus hingestellt.

Meines Erachtens ist und bleibt die Werkstattzeichnung letztendlich der beauftragte Rahmen für die Tür.
Alles, was ich schreibe, ist meine private Meinung.

Gesetze sind eine misslungene Kreuzung aus dem Alphabet und einem Labyrinth.
"Durch Heftigkeit ersetzt der Irrende, was ihm an Wahrheit und an Kräften fehlt" Zitat Goethe

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Re: Angefertigte Holztür nicht wie besprochen

Beitrag von Etienne777 » 11.06.18, 23:14

Offenbar kann man hier kein Bild hochladen, sonst hätte ich mal die Computerskizze einer Haustür hier gezeigt. Für einen verständigen Durchschnittsverbraucher dürfte es ohne Probleme ersichtlich sein, wie die Tür aufgeteilt ist und ob sie über breite oder schmale Sprossen verfügt. Schließlich ist man im Leben angefangen von Montageanleitungen für Geräte oder Möbel bis hin zu Bedienungsanleitungen eine skizzenhafte Darstellung gewöhnt.

Sollte im Einzelfall das allgemein vorauszusetzende Verständnis fehlen, ja dann muß der Kunde eben den Tischler darauf hinweisen, daß er sich das so nicht vorzustellen vermag und eine Mustertür in dieser oder ähnlicher Gestaltung ansehen möchte. Aber sich nach gefertigtem Werk hinzustellen und mit dem selbst freigegebenen Auftrag zu hadern, das geht nicht in Ordnung. Schließlich hat der Tischler da wochenlange Arbeit und Material reingesteckt und in der Regel werden solche Bauelemente auf Maß gefertigt.

Allein schon der Anlauf, den Werkvertrag in Frage zu stellen weil man nichts unterschrieben habe, zeigt doch, daß der Kunde mit allen Mitteln versucht die Tür nicht annehmen zu müssen. Neben der fehlenden Unterschrift sind die angeblich anderen Sprossen nur einer aus einer Reihe vermeintlicher Gründe, die alle das selbe Ziel verfolgen.
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